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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-04-24 · Heft 17 (24.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Lahrgang. Nr. 17. «erlin, 24. AM >896. Weilage zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 20. April. Die gestrige Sitzung der R ep r ä se n t a n te n - Versammlung war, obwohl das Programm bis auf einen Punkt wenig Interessantes bot, doch gut besucht. Der erste Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, eröffnet die Sitzung um HV4 Uhr und giebt der Versammlung Kenntniß von einer Stiftung von 7500 Mark des Herrn Moritz Neufeld für das jüdische Krankenhaus. Alsdann erstattet Herr Leonhard Sachs Namens des Etats-Ausschusses Bericht über die an verschiedene Religionsvereine zu leistenden Subventionen. Es werden bewilligt für den Religionsverein Westen 2000 Mark, für den Louisenstädtischen Brüderverein Ahawas Reim 1500 Mark, für die Lippmann Tauß-Synagoge 900 Mark, für die Vereine Beth Zion und Ahawas Scholaum je 600 Mark, und für die David Hertzogsche Freitisch- Stiftung 500 Mark. — Ueber die beantragte Subvention für den Religionsverein Charlottenburg in Höhe von 7000 Mark entspinnt sich eine längere Diskussion. Von Seiten des Referenten wie verschiedenen anderen Herren wird zur Sprache gebracht, daß die kultuellen Leistungen der Gemeinde Charlottenburg nicht tiu Verhältniß ständen zu den anfgewendeten Mitteln. Ein Antrag des Professors Lewin will die 7000 Mark nur bewilligen mit der Maßgabe, daß in Zukunft der Nachweis der Leistungen und des praktischen Bedürfnisses besser geführt werde; ein Antrag Tiktin will die Angelegenheit bis nach eingeholter Information vertagen. Die Versammlung entscheidet sich mit 10 gegen 7 Stimmen für die glatte Bewilligung. Herr Justizrath Tiktin referirte sodann über die Verwendung einer Summe von 190,50 Mark, welche ein verstorbener Zögling des Erziehungsh auses in Pankow als Sparbetrag aus seinen Arbeiten hinterlassen hat. Eine Petition der Mutter des Verstorbenen, die Auszahlung des Geldes an sie zu bewirken, ist vom Kuratorium der Anstalt seinerzeit abgelehnt worden. Der Vorstand beantragt, die Summe zu Gunsten der Zöglingskasse der Anstalt zu verwenden. Der Referent beantragt dagegen Namens des Ausschusses, zunächst vom Kuratorium die Gründe zu erfahren, aus welchen damals die Auszahlung an die Mutter versagt wurde und dann eventuell das Geld ganz oder theilweise derselben zukommen zu lassen. Die Versammlung tritt diesem Anträge nach Befürwortung durch Herrn Louis Sachs bei. Alsdann gelangt als der wichtigste Punkt der Tagesordnung ein Antrag des Herrn Professors Lewin zur Berathung, in gemischter Kommission den Thätigkeitsumfang der Prediger und Kantoren neu zu regeln. Nachdem ein Antrag Bodenstein ans Berathung in geheimer Sitzung nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wieder zurückgezogen, begründet der Antragsteller den Antrag von dem Grundgedanken ausgehend, daß die erzieherische Thätigkeit durch die Predigt von den hiesigen Rabbinern zu wenig ausgeübt werde. Auch geschehe für die eigentliche Seelsorge so gut wie gar nichts. Desgleichen bemängelt Redner die Leistungen der Kantoren, insbesondere, daß dieselben zu viel detonirten und sich nicht genügend an den Chorproben betheiligten. — Herr J.-R. Tiktin meint, daß man den Antrag nicht ablehnen dürfe, ohne sich jedoch der Motivirung desselben durch den Antragsteller anzuschließen. Herr Simon ist gegen den Antrag, da die vom Antragsteller ausgesprochenen Wünsche nicht durch eine nüchterne Berathung ihre Erfüllung finden könnten, andererseits die Leistungen der betreffenden Beamten vertragsmäßig festgestellt seien. Die Versammlung entscheidet sich dafür, den Antrag der bestehenden Rabbinerwahl - Kommission zu übergeben. Ein Antrag auf Bewilligung von 300 Mark für Errichtung einer besonderenZuhörer-Tribüne für die Repräsentanten-Stellvertreter wird abgelehnt. Bewilligt werden sodann 2130 Mark für zurückgekaufte Synagogen stände, 5000 Mark für den Erweiterungsbau des Treibhauses zu Weißensee, 500 Mark für das Reichenheim sch e Waisenhaus behufs Entsendung von Zöglingen in Ferienkolonien. Herr Louis Sachs bemängelt, daß die der Waisen-Kommission unterstehenden Kinder nicht ebenfalls berücksichtigt werden, s Herr Leichtentritt stellt für alle vorkommenden Fälle ein entgegenkommendes Verhalten des jüdischen Ferien-Kolonie-Komitees in Aussicht. Schließlich wird eine Resolution angenommen, in welcher der Wunsch ausgesprochen wird, daß auch der Waisen-Kommission eine entsprechende Summe zur Verfügung gestellt werde. Weiter werden bewilligt 472,50 Mark für Reparatur der Heizungsanlage in der alten Synagoge, 1566 Mark für Pflasterungen in Weißensee, 21 422 Mark für Reparaturen an Gemeindegrundstücken, 50 Mark zum Neudruck der Liturgie der Prediger, sowie 125 Mark Nachbewilligung für die zweite Religionsschule. Desgleichen erklärt sich die Versammlung einverstanden mit der einstweiligen zinsbaren Belegung der vorhandenen Ueberschüsse. Der Antrag der Centralstelle für die Armenpflege, künftig den Namen „Centralstelle für die Wohlthätigkeitsanstalten" zu führen, wird genehmigt. Es folgt eine geheime Sitzung, in welcher, wie wir vernehmen, u. A. Herr Dr. Max Lew in als Assistenzarzt am Krankenhause bestätigt und Herr Max Neufeld zum diesseitigen Inspektor auf dem städtischen Viehhofe gewählt wurde. — Soweit der Bericht über die Sitzung. Sei es uns noch gestattet, den Eindruck wiederzugeben, den die Berathung des Antrags Lewin auf uns gemacht hat. In der Sache selbst mag ja Manches richtig sein, was bei diesem Anlasse vorgebracht wurde — auch wir wünschen, daß öfter in unseren Synagogen gepredigt werde und daß nnsere Rabbiner mehr sich an dem Vereins- und Gemeindeleben betheiligen möchten — aber eine freundliche Gesinnung gegen unser Rabbinat sprach weder aus dem Anträge selbst, noch aus der Stellung, welche die Rechte der Versammlung demselben gegenüber einnahm. Wären wir boshaft, so könnten wir angesichts des hier und da Mode gewordenen Kokettirens mit der Orthodoxie eine gewisse Schadenfreude darüber empfinden; aber wir sind eben nicht schadenfroh, sondern bedauern es so lebhaft wie möglich, daß man noch immer mehr Versuche machen will, die Stellung der Rabbiner hier herabzudrücken, indem man sie durch „Festlegung ihrer Verbindlichkeiten" auf die Stufe der bezahlten Beamten zu stellen versucht, bei denen Lohn und Leistung durch Kontrakt genau geregelt werden müssen. Hoffentlich werden aber diese Versuche keinen Erfolg haben. ££•> Berlin, 21. April. Die Delegirtenversammlung des „ Deutsch- Israelitischen Lehrerbundes" hatte, wie aus dem Protokolle der Sitzungen bekannt, den Berbandsvorstand beauftragt, die Satzungen des Verbandes der jüdischen Lehreroereine im deutschen Reiche auf Grund der durch die Delegirten festgestellten Leitsätze zu sormuliren. Der Verbandsvorstand hat sich dieser Aufgabe mit möglichster Sorgfalt unterzogen und uns nun ein Exemplar der Satzungen zugeschickt. Wir werden von dem Inhalt derselben, so weit er nicht schon durch die vorhergegangenen Mittheilungen hinlänglich bekannt ist, unseren Lesern noch ausführliche Kenntniß geben. Sa2> Berlin, 17. April. Der letzte Diskussionsabend des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratnr brachte einen interessanten Vortrag des Herrn Prediger Dr. M. Stern über Mosaismus und Unsterblichkeitslehre. Der Vortragende entwickelte in großen Zügen ein Bild von dem Wesen und Inhalt des Mosaismus, um aus dieser Grundlage die innere Nothwendigkeit von der Erkenntniß der Unsterblichkeit zu begründen. Der Vortrag fand reichen Beifall. Zum Schluß forderte der Vorsitzende des Vereins die Versammlung auf, sich die „Jüdische Lesehalle", welche in demselben Hause sehr schöne Räume inne habe, bei dieser Gelegenheit anzusehen und diesem vortrefflich wirkenden Institut als Mitglieder beizutreten. — In München, Essen, Brakel und Braunfchweig sprach Herr Geheimrath Professor Lazarus, in München Herr Karl Emil Franzos, in Glogau Herr Dr. Mendelsohn über „Jüdische Aerzte im Alterchum und Mittelalter." Der Vorstand des Breslauer Vereins hat ein

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