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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-04-24 · Heft 17 (24.4.1896) · p. Seite 199

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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„Sie können-leicht denken," schreibt er, „daß mir die Sache nicht der'Erwähnung werth wäre, wenn es sich -um um die Nennung des Namens meines Bruders und des meinen handelte. Hat ein Dichter die-Rohheit, zu glauben, er mache zwei Künstler dadurch lächerlich, daß er sie als das bezeichnet, wozu sie sich frei und offen bekennen, nämlich als Juden, so mag das immerhin geschehen. -Das aber würden Sie mir nicht Zutrauen, daß ich duldete, daß der ehrwürdige -Name meines Vaters ein Signal zum Ausbruch des Jubels den Lachern-im deutschen Parterre .werde." Wohl hofft Beer, daß der Freund ihn und seine Familie durch -jene Plumpheit nicht verletzen wollte, allein ein Stachel blieb immerhin zurück und verwundete tief das Herz-des warmfühlenden Juden. Zum Glück für Beide konnte Jmmermann dem Freunde seine Unschuld an der Sache klar thun. Er sandte ihm nämlich das Brouillon -seines Manuskriptes nur von wenigen Zeilen begleitet, die aber genug waren, um Beer zu dem frohen Ausbruch zu - veranlassen: ,>daß er ein verloren gewähntes Juwel im alten Glanze wiederfinde." Wie sehr beglückt sich Beer durch den wieder hergestellten Glanz des Juwels fühlt, geht aus den Zeilen hervor, in denen er den wiedergewonnenen Freund -beschwört, zu glauben, „daß in seinem Herzen keine Falte zurückgeblieben sei." Nun hatte sich auch düs gelockerte Freundschaftsband wieder gefestigt, und Beer begleitet mit regstem Antheil bas Schaffen Jmmermanns, der jetzt an seinem „Friedrich" arbeitete. In diese Zeit-fällt der giftgeschwängerte Angriff Platens auf den Dichter, der bei-den Freunden Jmmermann's, insbesondere aber bei dem treuen Beer, die größte Erbitterilng hervorrief. Jmmermann selbst wollte anfangs-von der-ganzen Sache nichts wissen, gab aber endlich dem Drängen der -Freunde nach und verfaßte in dem „Im Irrgarten der Metrik umhertaumelnden Kavalier" eine scharfe Entgegnung auf die hämischen Angriffe Platens. Bald jedöch hatte.Jmmermann diese peinlichen Dinge vergessen, und voll - heileren Sinnes geht er an die Arbeit seines „Tulifäntchens", das er gleichsam als Besiegelung der neuen Freundschaft Beer -widmet, der die Arbeit nnt wachsender Theilnahme verfolgte und bei dem ihm von Jmmermann zugesandten Manuskripte nicht mit Aenderungen und Feilen kargte; ein Gleiches that auch Heine, -der - das Manuskript -den Händen des Druckers entzog und es verbessert an Jmmermann zurücksandte. Beer war nach Paris gegangen, wo sein Bruder Giacomo Mcyerbeer die größten Triumphe-feierte, und von da -gelangten die eingehendsten und interessantesten Berichte über die politischen Verhältnisse an den Freund im deutschen Vaterlande. 'Kaum waren die Schrecken der Julirevolution vorüber, so erhob sich in Deutschland das Gespenst der Cholera. Auch in Düsseldorf rüstete man an ihrer Abwehr, und diese ganze trübe Atmosphäre -wirkte nachhaltig auf die ohnedies schwankende Gesundheit'und düstere Schwermuth Jmmermann's. Da kam es plötzlich wie Heller Sonnenschein in die trübe Finsterniß. In den letzten Tagen des Novembers führte ihm ein'Freund Felix Mendelssohn zu, und die liebenswürdige Erscheinung des jungen Künstlers verbannte allen Trübsinn, der den Dichter 'seit seiner Rückkehr nach Düsseldorf umfangen hielt. Sie sähen sich nun täglich, und der junge Mendelssohn berauschte sich an dem vollendeten Wohlklang Jmmermann'scher Verse, während der Dichter stundenlang begeistert dem wunderbaren Spiele Mendelssohn's lauschte. So ergänzten sich Beide durch ihre Kunst, und Jmmermann fühlte sich durch das reiche Talent und die liebenswürdigen Umgangsformen 'sehr von dem - genialen Jüngling ungezogen. ' So entstand auch der Plan, Mendelssohn möge eine von Jmmermann verfaßte Oper komponiren. Daß dieser Plan nicht zur Ausführung gelangte, hat den Dichter arg verstimmt. Später als'Mendelssohn, nachdem er einige Zeit^hindnrch die Leitung der Oper am Düsseldorfer Theater geführt hatte, wegen Mißhelligkeiten mannigfacher Art diese Stelle niederlegte, schieden Beide verletzt von einander. Jmmermann jedoch vermochte an einen gänzlichen Bruch der ehemaligen Freundschaft nicht zu glauben, und mach drei Monaten erzwungener Kälte richtete er warme, versöhnende Worte an den Freund. „Die Absicht dieser Zeilen ist eine ganz einfache, nämlich zu-erfahren, ob Du noch etwas mit mir zu thun haben willst, oder nicht? Auf etwas Konventionelles, auf einen Schein kommt es mir bei Dir nicht an. Hast Du Dich während dieser drittehalb Monate wohl ohne mich befunden, kein Verlangen nach mir gehabt, so wäre es ein Jrrthum und eine uns Beiden verderbliche Thorheit, mit mir wieder anzuknüpfen. Du wirst dann ferner ohne mich fertig werden können. Ist es aber anders bei Dir, ist Dir wie mir zu-Muthe gewesen, so komme vertrauensvoll wie sonst zu mir. Ich glaube zwar nicht, daß es noch einer solchen Versicherung bedürfe. Wie viel mir an Dir liegt, ersiehst Du aus diesem Briefe. Auf der anderen Seite weißt Du auch, daß ich um Niemandes Liebe bettle und meine Neigung zu gut halte, um Jemanden nachgeworfen zu werden, der ihrer nicht achtet. Ein höheres Gefühl und eine zarte Pflicht haben mich getrieben, an Dich' zu schreiben." Ein Besuch Mendelssohn's war die Folge dieses Herzlichen Schreibens, versöhnt reichten sich die Freunde die Hand, allein die Versöhnung war nur ein Schein, und abermalige Differenzen bei der Theaterleitung brachten die Freunde für immer auseinander. Nach dem frühen Tode Mendelssohn's ergriff ein tiefer Schmerz das Herz des Dichters darüber, daß sie das Leben einander entfremdet und der Tod nun eine Versöhnung unmöglich gemacht hatte. Einen regen Antheil nimmt Jmmermann stets an dein geistigen Schaffen Beer's, und mit Eifer geht er an die Rezension von Beer's Dichtungen, die er mit dem vollen Antheil der Freundschaft würdigte. Allein die schwankende Gesundheit und die öfter wiederkehrenden Schwächeanwandlungen ließen das Gemüth des Dichters zu keiner rechten Fröhlichkeit mehr gedeihen. Da brachte an einem Aprilmorgen ein Zeitungsblatt die Trauernachricht von dem Tode Beer's, der in'München in Folge dieser Kränkungen, die er als Jude erlitten und die er sich zu Herzen genommen hatte, im besten Mannesalter verschieden war. Tiefe Trauer ergriff das Herz des Dichters bei dieser Trauerbotschaft; er hatte den Freund warm und innig geliebt und chatte noch viel anregende und schöne Stunden von einem Zusammenleben mit diesem erhofft, und nun war er dahingegangen in der Blüthe seiner Jugend, in der Vollkraft des Könnens. Voll inniger Wehmuth hat Jmmermann dann am Grabe des Theuern geweilt, in dem — er wußte es ja — ein Theil seines eigenen Jchs dahingeschwunden. Wohl stand er selbst im Zenith seines Ruhmes, allem, er fühlte es, seines Bleibens war nicht Mehr lange auf dieser Erde, Todesahnungen umdüsterten seine Seele, und wirklich, einige Jahre später am 25. August des Jahres '1840 schied auch Jmmermann aus dem Leben. An seinem'Grabe sang Ferdinand Freiligrath in ergreifenden Tönen: w Ein edler Fels im 'Walde deutscher Dichtung, Drin wird er wagen — jetzt und immerdar! Für Viele noch ein schroffes Räthsel 'zwar. Doch stets des Volkes Edelsten und Größten Ein ernster -Freund, -zu wecken und zu trösten! Als solcher wird er dastehn alle Zeit!

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