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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-04-17 · Heft 16 (17.4.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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lösung entgegenzugehen; der Chorgesang ist wegen Mangel an Betheiligung eingestellt worden. — Die beiden ausscheidenden Mitglieder der städtischen Kollegien, HerrRud. Herz (Magistrat) und Herr N. Reifen - berg, Vorsteher der Kultusgemeinde (Stadtverordnetenversammlung), sind mit großer Majorität wiedergewählt worden. An den höheren Schulen wird bis jetzt kein höherer Religionsunterricht ertheilt, an Gymnasium und höherer Töchterschule, weil die Schülerzahl zu gering, an der landwirthschastlichen (Real-)Schule, weil dort der Religionsunterricht überhaupt fakultativ ist. Indessen sind Unterhandlungen über die Einführung des Religionsunterrichtes an Töchter- und Realschule im Gange. Oesterreich -Ungarn. O Sötcii, im April. Die Bürgermeisterwahl wurde für Samstag, den 18. April, festgesetzt. Die liberalen Gemeinderäthe haben beschlossen, ihre Stimmen dem ehemaligen Bürgermeister Dr. Raimund Grübl zu g^ben., — Der Herausgeber des antisemitischen „Deutschen Volksblattes". Ernst Vergani, hat gegen dreizehn Personen Ehrenbeleidigungs-Klagen beim Wiener Landesgerichte als Schwurgericht erhoben, und zwar gegen Georg Schönerer- und Karl Jro („Unverfälschte deutsche Worte"), Alexander Scharf und Eduard Mayer (Wiener Sonn- und Montags-Zeitung), Franz Arnoscht und Karl H. Wolf („Ostdeutsche Rundschau"), Adolf Swoboda („Mit vereinter Kraft"), Karl Hron („Reformer"), Dr. I. Bloch („Oesterreichische Wochenschrift"), Dr. Julius S.ternberg (Wiener Allgemeine Zeitung). August Radimsky (Arbeiter- Zeitung), Franz Stein („Der Hammer", deutsch-nationales Arbeiterblatt) und A. Ohme (Verfasser eines satirisch gehaltenen „Vergani-Liedes"). — Der 9. April 1896 ist ein bedeutsamer Jubiläumstag in der Geschichte unserer Kultusgemeinde. Vor genau 70 Jahren, am 9. April 1826, wurde nämlich, anläßlich der Wiedergenesung und der ersten Ausfahrt des Kaiser Franz I. nach langandauernder Krankheit, der Tempel in der Seitenstettengasse feierlich eingeweiht. Hoffentlich läßt die Kultusgemeinde diesen Tag nicht sang- und klanglos vorübergehen, denn bei dem allgemein herrschenden Indifferentismus sollte jedes Moment zur Hebung und Förderung des Gemeinsinnes mit Freuden ergriffen werden und die Feier so wichtiger Gedenktage ist in erster Linie hierzu geeignet. — Die wackere Haltung der hiesigen jüdischen Studenten und der jüdisch-akademischen Verbindungen gegen die Angriffe der antisemitischen Kouleurstudenten auf ihre akademische Ehre hat allgemein in jüdischen Kreisen lebhafte Sympathie gefunden, und vielfach wurde die Frage aufgeworfen, wie die Bestrebungen der jüdischen Studenten von ihren Glaubensgenossen gefördert werden könnten. Nach dieser Richtung verdient ein Aufruf besondere Beachtung, den der „Politische Volksverein" auf Anregung des Präsidenten Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Fialla erlassen hat. Es soll eine stabile Organisation geschaffen werden, welche es ermöglicht, die jüdische Studentenschaft nach jeder Richtung ethisch und materiell wirksam zu unterstützen. Spenden zu diesem Zwecke werden vom Präsidium des genannten Vereines (I., Schottenring 23) entgegengenommen und öffentlich ausgewiesen. Je nach dem Ergebnisse der eingeleiteten Sammlung wird dann ein definitiver Beschluß über die konkrete Verwendung der vorhandenen Mittel gefaßt werden. — In Pest gelangte in der am Ostermontag abgehaltenen Jahressitzung der israelitischen Kultusgemeinde ein Schreiben des Eigenthümers und Herausgebers des „Neuen Pester Journals", Herrn Sigmund Brody, zur Verlesung, in welchem derselbe mittheilt, daß er dem Fonds des zum Andenken an seine verstorbene Gemahlin gestifteten Kinderspitales in der Höhe von 250 000 fl. einen weiteren Beitrag von 70000 fl.-, daher zusammen 320 000 fl. zu widmen sich entschlossen habe, damit dieses humane Institut in jeder Beziehung den Anforderungen der modernen Wissenschaft und der Hygiene entspreche. Die Mittheilung wurde von der Versammlung mit lebhaften Eljen-Rufen ans den menschenfreundlichen Stifter ausgenommen. — - Der Kaiser hat dem Hofrathe, Universitäts- Professor, Mitglieds der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, Dr. phil. Theodor Gomperz das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft verliehen. 8. Budapest, 3. April. Ueber das llrtheil des Gerichtshofs gegen den Kaplan Johayn Fusz wegen Verbreitung der Ritualmordfabel haben Sie schon berichtet. Er wurde unter Zulassung besonderer Milderungsgründe zu 14 Tagen Gefängniß, 50 fl. Geldstrafe, zur Bezahlung der Gerichtskosten und zur Publizirung des Urtheils im „Magyar Allam" verurtheilt. In der Motivirung des Urtheils heißt es, daß die Strafe des Angeklagten wegen seiner Jugend mild bemessen wurde, und daß auch der Umstand als mildernd angenommen wurde, daß der Angeklagte eine einseitige Erziehung genossen habe und keine genug ausgereifte Lebenserfahrung besitzt. Der Gerichtshof hat es überdies in Betracht gezogen, daß der Angeklagte eher aus Unbesonnenheit gehandelt habe, als mit der überlegten Absicht, zu verleumden. — Auf Einladung der „autonomen orthodoxen Durchführungskommission" fand eine Rabbinerkonferenz statt, an der 15 orthodoxe Rabbiner theilnahmen. Das Resultat der Bsrathungen war ein Rundschreiben an sämmtliche Gemeinden, in dem die einheitliche Organisation perhorreszirt, die dem Fortschritt huldigenden Neologen als unjüdische Sekte stigmatisirt und sämmtliche Funktionäre und Institutionen derselben in Acht und Bann erklärt wurden. Nach einer Meldung des „Egyenlöseg" wollten einige übereifrige neologe Rabbiner gegen die orthodoxen Rabbiner einen Preßprozeß anstrengen. Die Nyitraer Kultusgemeinde, der erwähntes Rundschreiben eingeschickt wurde, sprach in ihrer jüngsten Sitzung dem Rabbiner Moses Katz, der die Kurrende mit unterschrieb, ihre Mißbilligung aus und forderte ihn auf, sich ähnlicher Handlungen im Interesse des Gemeindefriedens zu enthalten. — In Nyiregyhaza wurde eine Bewegung erngeleitet, welche dahin abzielt, für den Bau eines Krankenhauses, welches den Rainen des jüugst verstorbenen Advokaten Dr. Heumann tragen soll, eine Sammlung im ganzen Lande einzuleiten. — Der Sekretär des Handelsmuseums Armand Sasvari wurde durch Verleihung der Offiziersmsignien zum Osmanie-Orden, der Kaufmann Ignaz Herczeg in Szekes - Tehervar durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens, Dr. Armin Breuer in Temesvar durch Ernennung zum Sanitätsrath ausgezeichnet. Nn mariien. ) Rustschuk, im April. Der „Oesterreichen Wochenschrift" entnehmen wir: In Philipp opel (Bulgarien) ist vor 20 Tagen ein katholisches Kind im Alter von fünf Jahren vom Hause der Eltern verschwunden. Die Polizei hat sich sehr bemüht, das Kind ausfindig zu machen, jedoch Alles vergebens. Einige leichtgläubige Fanatiker verbreiteten das Gerücht, die Israeliten hätten das Kind gestohlen, um sein Blut für die Mazzes der herannahenden Osterfeiertage zu verwenden. Die Polizei ging der Sache energisch nach, um Ruhestörungen hintanzuhalten, doch das fanatische Volk schürte mehr und mehr die Aufregung. Montag den 11/23. März d. I. trug eine katholische Frau, eine Nachbarin der Mutter des verschwundenen Kindes, einen Sack auf ihren Schultern und ging in der Richtung des Waldes, der auf dem Wege nach Stanimaka liegt. — Auf dem Weg, der nach dem Orte Stanimaka führt, ankommend, leerte sie den Inhalt des Sackes und ging wieder nach Philippopel zurück. In diesem Momente befanden sich in der Nähe Erdarbeiter, die gesehen haben, daß die Frau ihren Sack dort entleert hat, was ihnen ausgefallen ist, und sie waren neugierig, zu sehen, was es wohl sei; sie begaben sich an die Stelle, wo die Frau den Inhalt ihres Sackes entleerte, und zu ihrem Staunen fanden sie den Leichnam eines Kindes zwischen zwei Bäumen liegend. Ohne viel Zeit zu verlieren, sind die Arbeiter in die Stadt gelaufen, um diesen Fund der Polizei anzuzeigen, welche gleich nach Untersuchung der Sache konstatirte, daß die Frau, welche den Leichnam dort ablagerte, eine Katholikin sei, welche auch gleich arretirt wurde. Die Leiche des Kindes, dessen Körper viele Löcher hatte, wurde^ins Spital gebracht. Die Aerzte konstatirten, daß das Kind erdrosselt wurde. Bei der Untersuchung gestand die katholische Frau, daß sie selbst das Kind getödtet habe. Man vermuthet jedoch, daß ihr Mann, sowie noch zwei andere Katholiken am Morde betheiligt sind, die denn auch arretirt wurden. — Aus der Untersuchung hat man ersehen, daß ohne Zweifel dieser Mord begangen wurde, um die Inden zu verdächtigen. Die Polizei hat auch demgemäß die strengsten Maßnahmen getroffen und hat um zwölf Uhr Mittags folgende Ordre pubtizirt: „Jede Person, ohne Unterschied der Religion und Nationalität, welche sich erlauben sollte, die Israeliten zu beleidigen, wird strenge bestraft werden, denn das Kind, welches verloren war und todt aufgefunden wurde, ist von einer Katholikin, der Nachbarin der Mutter des Kindes, ermordet worden. — Die Polizei hat ihre Maßnahmen getroffen." Die in Bulgarien erscheinende spaniolische Zeitschrift „El Tiempo" berichtet über den Vorfall in gleichem Wortlaut. Die anti-

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