Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1896)
- Date
- 1896-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228148-3228165--52743-3258382- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
60. Lchrg-mg. Mt. 16. ^tX ^tVXttXtht^XfXt Eerlm. 17. April ISS 6. Werkage zur „Akkgemeinen Zeitung öes JuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 2££> Berlin, 13. April. Ueber die Zahl der jüdischen Schüler an den hiesigen höheren Lehranstalten haben wir nach den Schulprogrammen folgende Daten zusammengestellt: Das Leibniz- Gymnasium war am 1. Februar d. I. besucht von 506 Schülern, darunter 93 Mische. Das Königstädtische Gymnasium zählte am 1. Februar''d' I. 566 Schüler, davon 202 jüdische. Das Lessing- Gymnastum war von 575 Schülern besucht, darunter 32 jüdische. Das Luisenstädtische Gymnasium war. von 674 Schülern besucht, darunter 135 jüdische. Das Sophien-Gymnasium zählte 648 Schüler, wovon 274 jüdische. Das Königstädtische Realgymnasium wurde von 748 Schülern besucht, wovon 200 jüdische. Die Schülerzahl des Luisenstädtischen Realgymnasiums war 614, davon 145 jüdische. Das königliche Wilhelm-Gymnasium hatte 863 Schüler, davon 368 jüdische. Das königliche Friedrich Wilhelms-Gynasium und die königliche Vorschule wurden von 702 und 634 Schülern besucht, davon 67 jüdische. Das königliche Realgymnasium zählte 512 Schüler, wovon 42 jüdische. Das königliche Prinz Heinrich-Gymnasium zählte 653 Schüler, darunter 42 jüdische. Die Luisenstädtische Oberrealschule besuchten 690 Schüler, davon waren 47 Juden. Die königliche Elisabethschule wurde von 633 Schülerinnen besucht, wovon 115 jüdische; die Viktoriaschule von 783 Schülerinnen, darunter 236 jüdische; die Margarethenschule von 716 Schülerinnen, wovon 332 jüdische. 22 Berlin, 12. April. Die „Wissenschaftliche Bereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 7. d. Mts. eine außerordentliche Sitzung im Vereinslokal ab. Nach Verlesung des Protokolls der vorhergehenden Sitzung berichtet der Vorsitzende, Herr Dr. Adler, daß die Kommission, welche über die Maßnahmen gegen den Erlaß des königlichen Provinzial - Schulkollegiums verhandelt habe, zu dem Beschluß gekommen sei, ihn mit dem Entwurf einer Petition an den Herrn Kultusminister zu betrauen. An die Verlesung des Entwurfs knüpfte sich eine längere Debatte, ob überhaupt eine Petition abgesandt und eventuell an welche Stelle dieselbe gerichtet werden solle. Das Resultat war: daß eine Petition an den Herrn Kultusminister und eine Abschrift derselben an die städtische Schuldeputation zur Kenntnißnahme zu senden sei. Der Vorschlag des Herrn Dr. Blaschke, die endgiltige Festsetzung des Wortlautes der Petition einer Kommission von fünf Mitgliedern zu überlassen, wurde einstimmig angenommen. — Weiterhin wurde bezüglich der Frage des Vereinslokals beschlossen, zunächst keine Aenderung eintreten zu lassen. — Eine Anregung aus der Mitte der Versammlung, neben der ernsten Arbeit auch das gemüthliche Zusammensein der Vereinigung etwas stärker zu pflegen, wurde beifällig ausgenommen. — Zum Schluß wies der Herr Vorsitzende auf die am 18. d. Mts. stattfindende außerordentliche Generalversammlung hin und bat dringend, an derselben möglichst vollzählig theilzunehmen. §2 Berlin, 12. April. Wir erhalten die folgende Mittheilung „Es ist vielseitig das Bedürfniß anerkannt worden, für angehende Kantoren, welche in Berlin ihre musikalische Ausbildung anstreben, auch eine Lehrstätte für die liturgische Befähigung, welche ihr künftiger Beruf fordern muß, herzustellen. Ich habe mich entschlossen, diesem Bedürfnisse nach Maßgabe meiner eigenen Kraft abzuhelfen, indem ich für die Eleven des Kantorats einen speziellen Bildungskursus eröffne. In demselben werde ich die Gebete und die zu denselben gehörigen Ritualvorschriften erläutern, ferner die Geschichte der Liturgie und der Riten näher behandeln. Für die Ausnahme (gratis) geneigter Hörer werde ich am 20, April er., 3—5 Uhr Nachmittags, Krausnickstraße 211. bereit sein. Dr.-^A. Berliner." Diese Einrichtung entspricht in der That einem wahrhaft tiefgefühlten Bedürfniß, und sie konnte auch wohl nicht unter glücklicheren Auspicien ins Leben .treten, als unter der Leitung eines so eminent sachkundigen Gelehrten wie Herr Dr. Berliner. Wir wünschen dem Unternehmen besten Erfolg. £££ Berlin, 12. April. Unter dem Vorsitz des Herrn Julius Jsaac fand am 7. April die Berathung über die Verwendung der in den Kinder- Sparkästchen des „Kinder-Spar-Bereins" gesammelten Gelder statt. Es wurde beschlossen, einen Ausschuß bestehend aus sieben Personen, und zwar vier Herren und drei Damen des Gesammt-Komitees, zu wählen. Der Vorsitzende dieses Ausschusses tritt mit dem Vorsitzenden der Waisen-Kommission der hiesigen jüdischen Gemeinde in Verbindung mit dem Ersuchen, alle Anträge von Bittstellern, welche die Waisen-Kommission selbst aus prinzipiellen oder anderen Gründen ablehnen muß, die indessen sonst für berückstchtigungswerth erachtet wurden, zu überweisen und die Gutachten der Rechercheure beizufügen. Aber auch sonst hat der Ausschuß bedürftige Kinder nach festgestellter Würdigkeit und nach Anhörung der mit Recherchen beauftragten Personen, welche immer dem Gescnnmt-Komitee angehören müssen, zu unterstützen. Ebenso sollen die dazu geeigneten Kinder der Wohlthat der Ferienkolonien, der Blinden- und Taubstummen-Anstalten theilhaftig werden. Bei allen Unterstützungen ist eine Dauer von sechs Monaten nicht zu überschreiten, jedoch darf jede Unterstützung in besonderen Fällen nach Ablauf von sechs Monaten von Neuem in Antrag gebracht und bewilligt werden. Der Ausschuß wird stets auf ein Kalenderjahr gewählt, und ist die Wiederwahl statthaft. Die übrigen Bestimmungen betreffen hauptsächlich die Geschäftsordnung des Ausschusses. Die Satzungen, bestehend aus 17 Paragraphen, die der Vorsitzende zur Berathung stellte, wurden einstimmig angenommen. Es wurde ferner mitgetheilt, daß bis jetzt 1400 Sparkästchen ausgegeben sind und daß schriftliche Anträge auf Zusendung von Sparkästchen an Frau Cäcilie Friedländer, Bellevuestraße 9. zu richten sind. Die erste Entleerung der Sparkästchen, welche vor dem 1. April ausgegeben sind, findet im Juni statt, die zweite im Dezember. Ueber den Modus der Entleerung der Sparkästchen wird den betreffenden Familien s. Z. direkte Nachricht zugehen. * s. Berlin, 13. April. Am 9. d. fand die diesjährige General- Versammlung des Esra-Vereins ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien unter lebhafter Betheiligung sowohl des Berliner als des auswärtigen Zweigvereins statt. 42 Delegirte waren erschienen und nahmen mit lebhaftem Beifall den Bericht des Vorsitzenden Herrn Moritz Dorn entgegen, aus welchem Bericht das sichere Wachsen des Vereins hervorging. Die Einnahmen des Vereins betrugen 7791,33 Mk. gegen 6791,33 Mk. im vergangenen Jahre, während die Mitgliederzahl auf 2166 stieg. Aus den Mitteln des Vereins sind in diesem Jahr die folgenden Beträge bewilligt worden: 560 Mk. für die Kolonie Munza für Jerusalem, 10 000 Fr. für die neu gegründete Ansiedelung Esra bei Rechowoth, 7500 Frcs. für die demnächst ins Leben tretende neue Kolonie Kastinieh. Außerdem theilte der Vorsitzende mit, daß auch in diesem Jahr bereits mehrere hundert neue Mitglieder dem Verein sich angeschloffen haben und daß der Esra 6.00 Fres. für Mischmar-Harjarten bewilligt habe, während eine weitere, größere Bewilligung für dieselbe Kolonie in Aussicht genommen. Bei der Neuwahl der Hälfte der Central- Komitee-Mitglieder wurden gewählt Herr Moritz Dorn als Vorsitzender, die Herren Dr. Hirsch Hildesheimer, Professor Landau, Professor Baginsky und Schriftsteller N. I. Anders. Die General-Versammlung nahm alsdann noch den Bericht der Agitations-Kommission mit Beifall entgegen. Or. Schildberg, 7. April. Am 6. d. hielt der deutsche Reichsverband israelitisch er Lehrer seinen 5. Bezirkstag für die Provinz Posen im Türk'schen Hotel dahier ab.. Die Versammlung war recht gut besucht. Um 3 Uhr begann die Sitzung, welche sich — abgerechnet einer einstündigen Abendbrodpause — bis Nachts t/z12 Uhr ausdehnte. Herr Rabbiner Dr. Bamberger von hier eröffnete die Sitzung, indem er^die Versammlung im Namen der jüdischen Gemeinde, im Namen des Hauptverbandes und in seinem eignen Namen willkommen hieß. Das Büreau