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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-04-17 · Heft 16 (17.4.1896) · p. Seite 187

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 16 (17.4.1896)
Date
1896-04-17
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
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187 Friedrich Hebbel und die Juden. Bon Dr. Adolf Biach, Rabbiner in Brüx. IV. och viel früher als mit Kuh war Hebbel mit dem jüdischen Schriftsteller Sigmund Engländer bekamst unb befreundet worden. Dieser hatte nämlich im Jahre 1845, als Hebbel nach Löten kam, durch mehrere Aufsätze in Joh. Nep. Vogls „Morgenblatt" die Aufmerksamkeit der Wiener Schriftsteller- und Schauspielerkreise auf Hebbel gelenkt. „Die Jsolirung Hebbels in Wien, so schreibt Kuh in der bereits erwähnten Biographie, würde ihm schmerzliche Entbehruugm auferlegt haben, weil ihn: Sprechen, Gedankenaustausch seit jeher Bedürfnis; war, wenn er nicht bald nach seiner Ankunft in einem jungen Schriftsteller den anregendsten und treuesten Freund gesunde!; hätte, in S. Engländer. Die Artikel in Nep. Vogls „Morgenblatt" hatten Hebbels Aufmerksamkeit erregt. Engländer hatte ihn aber noch vorher ausgesucht aus Liebe zu ihm." Wie aus den uns vorliegenden Tagebüchern Hebbels hervorgeht, war derselbe mit Engländer in den Jahren 1846 und 1847 fast täglich beisammen. Sie trafen sich gewöhnlich im Leseverein und machten dann Spaziergänge mit einander. In einem Briefe vom 27. Mai 1847 schreibt Hebbel an Bamberg: „Ich bin eng mit ihm (Engländer) befreundet; er ist der einzige Mensch in Wien, mit dein ich Umgang habe, und noch sehrjung, so das; noch Vieles aus ihm werden kann." Hebbel nahm sehrgroßes Interesse an der litterarischen Zeitschrift „Salon", die Engländer begründet hatte, und übergab ihm auch mehrere poetische Beiträge für dieselbe, darunter das bereits erwähnte wundervolle Gedicht: „Der Jude an den Christen". Im Jahre 1848 lockerte sich das Freundschaftsbündniß, da sich Engländer trotz der Abinahnung Hebbels zu sehr in die revolutionäre Bewegung stürzte. Gleichwohl aber blieben sie einander im Herzen treue Freunde. Dies beweist ein Brief Hebbels vorn Jahre 1851 an Varnhagen v. Ense. - Dieser verlangte nämlich von dem Dichter einige Autogramme. Hebbel schickt ihm ein Blatt von Sigunmd Engländer und bemerkt in seinem Briefe, daß er nie die Theilnahme für Engländer verlieren werde. Wäre der Weltsturm nicht gekommen, so schreibt Hebbel, so hätten wir in Engländer bei seinem außerordentlichen Blicke für das spezisisch Poetische und bei seinem bis zur Genialität anschaulichen Stil einen Kritiker erhalten, wie wir ihn gerade brauchen würden. „Ich konnte," so fährt Hebbel weiter fort, „als ich die beifolgenden Blätter für Sie heraussuchte, nicht widerstehen, mir den merkwürdig bedeutenden Menschen, über den ein geistiger Liunäus ohne Zweifel günstiger urtheilen wird als der Polizeiminister der französischen Republik, wieder gegenständlich zu machen. Möchte es mir gelungen sein, ihm auch Ihre tiefere Theilnahme zu gewinnen." Im Jahre 1854 wurde ihr Freundschaftsbund wieder erneuert. Hebbel schreibt am 20. März dieses Jahres an Engländer: „Es hat mich gestern sehr gefreut, Ihren alten Vater wieder einmal bei mir zu sehen; er ist weiß geworden. — Lassen Sie uns den Faden einfach so wieder aufnehmen, wie wir ihn vor dem großen politischeu Sturme gemeinschaftlich zu spinnen pflegten; es ist leicht, denn er wurde ja nicht abgeschnitten, er riß nur, weil sich fremde und den verschiedenen Altersstufen nach entgegengesetzte Gewalten an die Individuen hängten. Ich habe das Interesse für Sie nie verloren und bin eines Gleichen von Ihnen überzeugt. Auch inögen Sie glauben, daß ich Sie psychologisch immer begriff, wenn ich gleich nicht mit Ihnen gehen konnte, weil ich den „stumpfen Widerstand der Welt" bester zu würdigen wußte, wie Sie." J,u Jahre 1862, ein Jahr vor seinem Tode, kam Hebbel mit Engländer in London zusammen. Er berichtet darüber in einem Briefe aus obigein Jahre: „Engländer begleitet mich den ganzen Tag und opfert sich förmlich für mich auf, ganz wie in alter Zeit. Da er England kennt, so sehe ich au seiner Seite vieles, was mir sonst entgangen wäre." Hebbel zeigte sich dankbar, indem er Engländer drängte, seine „Geschichte der Arbeiter-Astociationen" zu beendigen und ihm Julius Campe zum Verleger verschaffte. So blieb das Verhältniß Hebbels zu Engländer, der seinem Glauben treu geblieben war, ein herzliches bis zu des Dichters Lebensende. Fast zu gleicher Zeit wie mit Engländer war Hebbel mit Ludwig August Frankl bekannt geworden. Doch brauche ich nicht näher auf dieses Freundschaftsbündniß einzugeheu, da es L. A. Frankl selbst in seiner Schrift „Zur Biographie Friedrich Hebbels" 1884 gethau hat. Nur ein Moment uiöchte ich näher hervorheben. L. A. Frankl hatte Hebbel seinen „Primator" eingeschickt. In seinem Antwortschreiben gratulirt Hebbel seinem Freunde zu der Objektivität, die er im „Primator" bewahrt, und bemerkt, daß der von ihm behandelte Stoff ihn schon vor Jahren ergriffen, als Frankl ihiu davon erzählt habe. Dieses Urtheil Hebbels ist deswegen von so hohem Werthe, weil es uns davon Zeugniß giebt, wie Hebbel tief mitfühlte, tvenn L. A. Frankl in diesem Gedichte sagt: „Lägen die Scheit all' beisammen. Aus die man hinwarf sie zum Tod, Der Himmel ginge auf in Flammen, Und alle Meere glühten roth. Sie lassen ihren Hund nicht trinken Vom Quell, aus dem ein Jude trank; Faßt ihn beim Bad der Strom, versinken Ihn lassen sie um Gottes Dank. Sie lieben es, die nur von Liebe sprechen. Des Einen That am ganzen Stamm zu rächen." Als Hebbel am 13. Dezernber 1863 starb, hatte sich L. A. Frankl selbst zum Pfarrer der protestantischen Gemeinde begeben, um ihn einzuladen, die Einsegnung vorzunehmen und „an; Sarge das übliche Gebet, und nur dieses zu sprechen," da Hebbel testamentarisch untersagt hatte, ihm eine Leichenrede zu halten. Ueber das Verhältniß Hebbels zu Eduard Knlke hat dieser selbst in seinen „Erinnerungen an Friedrich Hebbel", Wien 1878, berichtet, und gebührt Kulte besonderer Dank, daß er uns so viel edle Züge aus dem Leben Hebbels mittheilte. Besonders rührend ist, was Kulte am Schluffe seiner Schrift von Hebbel erzählt. „Als Hebbel," so berichtet Külke, „eines Tages einem Bettler eine Gabe reichen wollte und kein kleines Geld bei sich hatte, ging er in ein Gewölbe, kaufte daselbst etwas. um einen Gulden wechseln zu lassen. Dann eilte er dein Armen nach und reichte ihm die Gabe. „Es ist eine wahre Sünde, ohne Kleingeld ans dem Hanse zu gehen!" sagte er dann zu mir." Abraham Geigers Briefe an I. Aerendonrg. (1833—42) Herausgegeben von Prof. Dr. Ludwig Geiger. XIV. Wiesbaden, 10. April 1837. Mein lieber, guter Dernburg! Ob ich gleich jetzt nur einige Augenblicke bei Dir verweilen kann, da ich gleich zum Unterricht muß, so will ich es doch nicht unterlasse!!, noch heute Vormittag den Brief zu beginnen, der daun bald fortgesetzt und beendigt werden soll. Du glaubst vielleicht, es sei dies ein ziemlich später Anfang nach so

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