Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1896)
- Date
- 1896-04-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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I h •;ü!# ip; ’l*;!$>. S1 i führer, Max Ehrenwerth zum Kassirer, Abraham Schreiber zum Kontroleur; zu Pflegern für das Lehrlingswesen wurden die Herren Manasse Werner und I. L. Jacobsohn bestimmt. — Der zum Rabbiner an der Orgelsynagoge in Krotoschin gewählte Dr. Berger aus Tyrol ist, nachdem seine Naturalisation bewirkt worden ist, Ende März feierlichst in sein Amt eingeführt worden. — Vor längerer Zeit erließ das russische Polizeiamt in Nieszawa eine Bekanntmachung, daß es jüdischen Ausländern nicht mehr gestattet werde, mit Grenllegitimationskarten Rußland zu betreten. Diese Verfügung ist bisher noch nicht zur Ausführung gekommen. Neuerdings hat man aber begonnen, Juden, die im Besitze von Legitimationskarten waren, den Eintritt nach Rußland nicht zu gestatten. Sollte die Verfügung des Polizeiamts in Nieszawa ganz zur Geltung kommen, dann würde der Grenzverkehr schwer leiden, zumal jüdischen Ausländern das Paßvisum nur ertheilt wird, wenn sie Nachweisen, daß sie Inhaber einer eingetragenen Firma sind und lebhaften Verkehr mit Rußland unterhalten. Lp. Aus der Provinz Posen, im März. In Posen starb vor Kurzem im Alter von 85 Jahren der Rentier Abraham Malachowski. Der Verstorbene zeichnete sich durch seinen Wohlthätigkeitssinn aus. Er war 23 Jahre Mitglied der Direktion des israelitischen Waisen-Knabenhauses. Seit dem 1. April 1895 war er Ehrenmitglied der Anstalt. — Der jüdische Lehrer Jaroczynski in Kurnik gab zum 1. April d. I. sein Lehramt auf, um eine Generalagentur in Bromberg zu übernehmen. — Die Stadtvertretungen der Ortschaften Ostrowo, Koschmin und Pleschen haben beschlossen, die auf das Passahfest fallenden Wochenmärkte in die Mittelfeiertage zu verlegen; der Bezirksausschuß hat die Genehmigung hierzu ertheilt. — Zum Nachfolger des vor einigen Monaten verstorbenen Klausrabbiners Broh aus Jnowrazlaw ist Dr. Luden aus Znin berufen worden; derselbe hat seine Vorbildung in Frankfurt a. M. erhalten. — Der seit einem Jahre in Dirschau fungirende Kantor Nakler ist zum zweiten Kantor in Stettin gewählt worden. — In Samter hielt am 17. d. M. Rabbiner Dr. Wreschner in dem dort neugegründeten Litteraturverein einen beifällig aufgenommenen Vortrag über: „Eindrücke und Einwirkungen der jüdischen Geschichtsbilder." — Der israelitische Frauenverein in Bromberg zählt jetzt 135 Mitglieder. Die Gesammteinnahme des Vereins betrug im abgelaufenen Jahre 6678,57 Mark; an Unterstützungen zahlte der Verein circa 1500 Mark. Die Vereinskasse verfügt über einen Bestand von 3630,47 Mark. — Bei dem jüngst in Ostrowo stattgehabten Abiturentenexamen am kgl. Gymnasium sind von sieben israelitischen Oberprimanern fünf wegen guter schriftlicher Arbeiten vom mündlichen Examen dispensirt worden. — Nach der durch den Bürgermeister Weise in Rogasen erfolgten Einführung der jüngst gewählten Repräsentanten der dortigen jüdischen Gemeinde wählten diese Herrn Hammerschmidt zu ihrem Vorsitzenden und Herrn L. Feibusch zu dessen Stellvertreter. Zum Vorsitzenden des Vorstandes wurde Kaufmann L. Ehrlich wieder - und zu seinem Vertreter Herr Jsaac Jastrow neugewählt. Breslau, 5. April. Der 53. Jahresbericht der Gemeinde- Religions-Unterrichts-Anstalt, erstattet von Rabbiner Dr. I. Guttmanu, ist soeben erschienen. Voran geht eine Einleitung über die Pflege des Idealismus in der Religionsschule, geistreich und gediegen, wie alles aus der Feder des Herrn Dr. G. Die Anzahl der Zöglinge betrug in diesem Jahre 452, und zwar 262 Knaben und 190 Mädchen. Der Lehrplan weist fünf Mädchenklassen, fünf Knabenklassen und einen kombinirten zweijährigen Lehrkursns aus. Die Namen der außer dem Direktor unterrichtenden Lehrer fehlen seltsamerweise. Seesen, 7. April. Der eben ausgegebene Bericht über die Jacobson-Schule, erstattet von Direktor Dr. Philippson, zeigt das alte Institut in erfreulichem Aufschwung. Voran geht die Mittheilung über die Lehrverfassung, den Lehrstoff, die Lehrbücher, ferner Verfügungen der Behörden. Aus der Chronik der Schule entnehmen wir, daß an Stelle des Herrn Amtsgerichtsraths Dr. Rubo, der fast 20 Jahre dem Kuratorium angehörte, Herr Bankier August Jacob son aus Hamburg eingetreten und am 7. Mai eingeführt worden ist. Das Kuratorium besteht außerdem noch aus Herrn Dr. I. Jacobson und Herrn Rudolf Jacobson in Berlin. Der Bestand des Lehrerkollegiums hat durch den Tod des Lehrers Samuel Gerson einen schweren Verlust erlitten. Ferner ist Dr. Mohrmann ausgetreten und an dessen Stelle Dr. C. Schlesinger, bisher Privatdozent in Basel, getreten. Die Anstalt wird jetzt von 270 Zöglingen besucht, darunter 129 Juden, ferner 155 Alumnen und 115 Schüler aus der Stadt Seesen. Das Stiftungsvermögen der Anstalt beläuft sich jetzt auf M. 320 000, der Reservefond auf M. 11 554,60, der Pensionsfonds auf M. 93363, der Jubelfonds auf M. 8361,69, die Arnheim-Stiftung auf M. 4399,81. Das neue Schuljahr beginnt am 14. April. L. Frankfurt a. M., 3. April. Der Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen „Achawa" versendet soeben seinen 31. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1895. Auch in dem verflossenen Jahre hat die „Achawa" eine segensreiche Thätigkeit entfaltet. Besonders zu erwähnen ist die Spende von 4000 Mark seitens der Hinterbliebenen der Freifrau Carl von Rothschild. In der Zusammensetzung des Vorstandes ist keine Aenderung eingetreten; auf dringenden Wunsch der übrigen Vorstandsmitglieder hat sich Herr Konsul A. Baer-Goldschmidt bereit erklärt, auch weiterhin das Amt des ersten Vorsitzenden zu bekleiden. Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug Ende 1894 353. Auf Grund des § 13 b der Statuten sind drei Mitglieder ausgetreten. Neu ausgenommen wurden 11 Herren, so daß die Zahl der aktiven Mitglieder sich am 31. Dezember 1895 auf 356 beläuft. — Die Zahl der Ehrenmitglieder hat leider auch in diesem Jahre einen Zuwachs nicht zu verzeichnen, sie beträgt jetzt 920. Zur Bestreitung außerordentlicher Unterstützungen wurde aus dem Reservefonds der Betrag von 2420 Mark verausgabt. Diese Unterstützungen vertheilen sich folgendermaßen: Reg.-Bez. Wiesbaden 2, Reg.-Bez. Kassel 8, Prov. Hannover 6, Prov. Posen 3, Prov. Brandenburg 2, Prov. Pommern 1, Prov. Westfalen 1, Prov. Rheinland 2, Prov. Sachsen 1, Prov. Schlesien 1, Prov Berlin 1, Sachsen-Weimar 2, Anhalt 1, Braunschweig 1, Baiern 3, Hessen 6, Baden 2 Unterstützungen, insgesammt mir 43 Unterstützungen im Betrage von 2420 Mark. An Jahresunterstützungen wurden 14 630 Mark in 104y2 Theilen zu je 140 Mark, an 82 Unterstützte — gegen 14315 Mark, in 102*/* Theilen an 79 Unterstützte im vorigen Jahre — vertheilt und zwar: Reg.-Bez. Wiesbaden 8, Reg.-Bez. Kassel 9, Prov. Hannover 4, Prov. Westfalen 4, Prov. Rheinland 6, Prov. Sachsen 6, Prov. Brandenburg 1, Prov. Posen 2, Prov. Schleswig-Holstein 1, Prov. Berlin 2 Pensionen. Preußen zusammen 39 Pensionen. Sachsen-Meiningen 1, Sachsen-Weimar 1, Hamburg 2, Baden 9, Württemberg 1, Baiern 15, Hessen 10, Elsaß 2, Amerika 2 Pensionen. Jngesammt 82 Pensionen mit 104'/2 Theilen im Betrage von 14 630 Mark. Das Bereinsvermögen beträgt jetzt nach Abzug der zur Vertheilung kommenden Summe 212 059,65 Mark gegen 204835 Mark im vorigen Jahre. Der Vorstand besteht aus den Herren: Konsul Adolph Baer-Goldschmidt, Vorsitzender, Philipp Schiff, stellvertretender Vorsitzender, Dr. Alfred Löhren, Schriftführer, Dr. Alfred Rosenthal, Kassirer, Julius Goldschmidt, Gegenschreiber, alle in Frankfurt a. M., Karl Marx, Lehrer in Alsheim, E. Gutkind, Lehrer in Kassel, Heinrich Frei, Lehrer in München. Möge es dem Verein ferner beschieden sein, segensreich zu wirken. /C® Frankfurt a. M., 6. April. Die Tages-Zeitungen melden von „Eine peinliche Szene hat sich kürzlich bei der Beerdigung des Lehrers Plaut von der orthodoxen israelitischen Realschule abgespielt. Die Leidtragenden — darunter auch viele christliche Kollegen des Verstorbenen — waren in der Halle des israelitischen Friedhofes versammelt, als der Direktor Dr. Hirsch sich anschickte, eine Rede zu halten. Nun muß bemerkt werden, daß nach den Vorschriften der Orthodoxie bei Begräbnissen, die in diesem Monat stattfinden, am Grabe nichts gesprochen werden soll. Ein Rabbinatskandidat suchte den Direktor handgreiflich von seiner Rede abzuhalten, und ein orthodoxer Rabbiner protestirte ebenfalls in heftiger Weise gegen das Reden. Trotzdem beendigte der Direktor seine kurze Rede, und die Einsenkung des Sarges konnte dann vor sich gehen. Einstimmig ist der Ausdruck des Aerg§rs über eine derartige unwürdige Störung der Beerdigung." N. München, 2. April. Folgender edle Zug eines katholischen Geistlichen wird wohl allgemeines Interesse erregen. In den sechziger Jahren lebte in Buchau a. F. (Württemberg) ein Stadtpfarrer Dr. Schleweck. Es war ein äußerst wissenschaftlich gebildeter und toleranter Herr, später wurde derselbe nach einem andern Orte Württembergs versetzt, wo er ca. 25-30 Jahre thätig war. Vor einigen Monaten starb Dr. Schleweck und hinterließ u. A. testamentarisch der katholischen Gemeinde in Buchau 1000 Mark und ebenso der israelitischen Gemeinde 1000 Mark. Es ist dies wohl noch nicht oft vorgekommen.