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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-04-10 · Heft 15 (10.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 15 (10.4.1896)
Date
1896-04-10
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Lahrgang. Nr. 15. mtmtinbtboU. ßtmx' io-ai,ru!896- Weitage zur „ Jlffgemeinen Zeitung des IuöenIHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsch! anL. 22 Berlin, 6. April. Das königliche Provinzial-Schul- Kollegium hat auf Grund der Petition des Vorstandes der jüdischen Gemeinde an den Kultusminister, den Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten betreffend, verfügt, daß vom 1. April 1896 ab für die jüdischen Schüler der hiesigen höheren königlichen Lehranstalten jüdischer Religionsunterricht eingerichtet wird, und zwar für die jüdischen Schüler des Französischen und des Luisen-Gymnastums in der erstgenannten Anstalt, für die des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums und des Königlichen Realgymnasiums in dem Friedrich - Wilhelms- Gymnasium, für die des Wilhelms-Gymnasiums in dieser Anstalt. In jeder dieser drei für den in Rede stehenden Unterricht zu bildenden Gruppen von Schülern sind je 3 Abtheilungen —, eine obere (für Prima und Obersekunda), eine mittlere (für Untersekunda und Tertia), eine untere (Quarta bis Sexta), — mit je 2 Wochenstunden eingerichtet worden. Für den Unterricht am Wilhelms-Gymnasium wurden Rabbiner Dr. Dienstfertig und Lehrer Weinbaum, für den am Französischen Gymnasium Jnstitutsvorsteher Dr. Götz und Lehrer Borchardt, für den am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium Rabbiner Dr. Baneth und Lehrer Brinn bestimmt. 22 Berlin, 6. April. Am 5. d. M. fand im Gotteshause der jüdischen Reform-Gemeinde die Konfirmationsfeier statt, bei welcher 40 Jünglinge und Jungfrauen eingesegnet wurden Nach vorangegangenem Gottesdienste begann die eigentliche Feier, die zwei Gebete eröffneten, gesprochen von Margarethe Behr und Jeanette Simon. Hierauf folgte die Ansprache des Predigers Herrn Dr. Levin, welcher das Wort des Propheten Hosea behandelte: „Ich verbinde mich dir auf ewig; ich verbinde mich dir durch Gerechtigkeit und Recht, durch Liebe und Wohlthat; ich verbinde mich dir durch den Glauben der Erkenntniß." Diese Rede, die auf die ganze Gemeinde einen tiefen Eindruck hervorbrachte, verdiente wohl im Interesse der Sache eine baldige Veröffentlichung. Von besonderer Wirkung war der Theil der Rede, in dem der Prediger gegen den Abfall vom Glauben in eindringlicher Weise sprach und die Konfirmanden zur Treue und zum Festhalten am jüdischen Bekenntniß in flammenden Worten ermahnte. Hierauf trugen die Konfirmanden ihre Wahlsprüche vor, und nach diesem sprach Otto Strauß mit wahrer Begeisterung und tiefer Ergriffenheit im Namen seiner Genossen das Glaubensbekenntniß. Segenspende und Schlußgesang beendete die schöne Feier, die auf Jung und Alt sichtlich einen großen Eindruck machte. Solche religiöse Feste legen ein sicheres Zeugniß von dem religiösen Leben innerhalb einer Gemeinde ab und geben uns zugleich die beste Gewähr für die Zukunft der Jugend, die in den hier verkündeten Grundsätzen großgeworden. 0. Berlin, 3. April. Die Religionsschule der Adaß-Jisroel Gemeinde hat das Schuljahr am 25. März beschlossen, nachdem am 21. und 22. März in der Aula der städtischen Schule (Gipsstraße 23a) die öffentliche Prüfung stattgefunden hatte. Die Schule wurde im abgelaufenen Schuljahre von 463 Kindern (292 Knaben und 141 Mädchen) besucht, welche in 15 Klassen (9 für Knaben und 6 für Mädchen) Unterricht erhielten. Von ihnen besuchen 150 Gymnasien bez. Realgymnasien, 122 Höhere Knaben-bezw. Mädchenschulen und 161 Gemeindeschulen. Der fakultative Mi schna-Unterricht, der für die vorgeschrittenen Schüler VI bis II in zwei Abtheilungen ertheilt wird, war für den Sommer Herrn M. Hoffmann, für den Winter Herrn Dr. Biberfeld übertragen worden. Der Jugendgottesdienst wurde am Rosch-Haschanah und Jom kippurim in den besonders zu diesem Zwecke eingerichteten und gütigst zur Verfügung gestellten Lokalitäten der Herren Joelsohn und Brünn und Herren Rosenthal u. Tobias abgehalten und von circa 600 Schülern und Schülerinnen besucht. Das Statut der Schule, welches noch aus der Zeit herrührte. da die Gemeinde Adaß Jisroel die Rechte einer Synagogengemeinde noch nicht besaß, ist einer den Umständen entsprechenden Umarbeitung unterzogen worden. §2 Berlin, 1. April. Der letzte Diskussionsabend des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur brachte zunächst einen interessanten Vortrag von Herrn Albert Katz über Lord Byron und seine hebräischen Melodien. Der Vortragende hatte sein Thema aber noch erweitert und in eingehender, geistvoller Weise über Weltschmerz und Pessimismus, über Byrons Dichtungen überhaupt und ihren Zusammenhang mit Bibel und Judenthum gesprochen. Der Vortrag fand großen Beifall. Zum ersten Male hatte auch an diesem Abend eine Dame ihre Begabung in den Dienst der Sache gestellt. Die als Dichterin vorteilhaft bekannte Frau Martha Hellmuth las ihr Gedicht „Dina" vor. Eine helle Begeisterung für das Judenthum, ein warmes religiöses Empfinden, große dichterische Kraft und hoher Schwung der Phantasie vereinigen sich in dieser Dichtung. Durch den lebhaften Beifall ermuthigt, las Frau Hellmuth noch mehrere kleine biblische Gedichte vor. Der Verlauf des Abends war ein sehr animirter, und der Vorsitzende sprach gewiß aus dem Herzen aller Anwesenden, wenn er zum Schluß dem Wunsche Ausdruck gab, daß dieses Beispiel bei unseren Frauen eifrig Nachahmung finden möge. 22 Berlin, 8. April. Am 6. d. Mts. starb hier im 78. Lebensjahre der Komponist und Gesanglehrer Ferdinand Gumbert. Der Verstorbene war am 22. April 1818 hier geboren, genoß auf dem Gymnasium zum grauen Kloster seinen Unterricht und ging 1839 zur Bühne. Er versuchte sich zuerst als Liebhaber in Sondershausen, hierauf in Köln als Baritonist. Auf Anrathen Konradin Kreutzers widmete er sich dann außschließlich der Komposition und dem Gesangunterricht Gumbert ist durch mehr als 400 volksmäßige Lieder bekannt geworden, die der Richtung Abts und Kückens angehören. Einige davon sind sehr verbreitet. Von den Liederspielen, die er verfaßt hat, seien hier „Die schöne Schusterin," „Die Kunst geliebt zu werden," „Der kleine Ziegenhirt". und „Bis der Rechte kommt" genannt. Der Verstorbene war Mitarbeiter von verschiedenen Musikzeitschristen und hat mehrere französische Opern mit Geschick ins Deutsche übertragen. Seit 1861 war G. Musikkritiker der „Täglichen Rundschau" und hat dort als Jude selbst die Periode Friedrich Lange überdauert. Die Beerdigung findet am 9. d. Mts. auf den alten Friedhof in der Schönhauser Allee statt. mf. Königsberg u Pr., 2. April. Der dritte Jahresbericht der Religionsschule der Gemeinde Adaß Jisroel, welche von Herrn Rabbiner Dr. E. Munk geleitet wird, bringt eine Abhandlung mit Thesen für den Religionsunterricht für jüdische Mädchen. Der Schule gehörten während des abgelaufenen Schuljahres 69 Schüler und 38 Schülerinnen an. Das Lehrerpersonal bestand aus den Herren Dr. E. Munk, A. Berlinger und I. Kahn. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird noch eine neue Lehrkraft in die Schule eintreten. Am Sonntag den 22. März fand in der städtischen höheren Töchterschule eine öffentliche Prüfung statt. Das Schuljahr wurde am 26. März geschlossen. Die Klassenordnung konnte im abgelaufenen Schuljahre einen kräftigen Schritt auf dem Wege zum endgiltigen Abschlüsse thun. Die Klasse I der Knabenschule und die Klasse I der Mädchenschule wurden in eine Selekta umgewandelt, neu gebildet wurden in der Knabenschule Klasse V und VI, in der Mädchenschule Klasse IV. Lp. Aus der Provinz Posen, im April. Der Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden und der israelitische Vorschußverein in Posen hatte im abgelaufenen Geschäftsjahre eine Einnahme von 14 933,37 Mark und eine Ausgabe von 14 829,99 Mark. Die Mitgliederzahl ist um 36 auf 518 gestiegen. In den Vorstand des Vereins sind gewählt worden: Kaufmann S. Korniker zum Vorsitzenden, Neumark zu dessen Stellvertreter, S. I. Cohn zum Schrift-

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