Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1896)
- Date
- 1896-04-03
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Einkommens zu den Synagogen beitragen herangezogen werden; daß er außerhalb von Breslau auch noch eine Wohnung habe, berechtige ihn nicht, eine Ermäßigung zu beanspruchen; nur solche Mitglieder der Synagogengemeinde, die ausschließlich im Landkreise wohnen, hätten aus die Ermäßigung Anspruch. Magdeburg, 31. März. Ein zusammenfassender Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit unseres Israelitischen Frauen-Vereins ist soeben für die Jahre 1893—98 von dem Vorsitzenden desselben, Herrn Nabb. Dr. M. Ra hm er, erschienen. Der Verein kann in diesem Jahre aus eine sechzigjährige ersprießliche Thätigkeit zurückblicken. Er hat seit 1883 27 344 Mk. Unterstützungen an Bedürftige und Kranke gegeben und in derselben Zeit 39 078 Mk. ausgegeben, so daß sein Vermögen gegenwärtig aus 11 734 Mk. besteht. Der Verein zählt jetzt 256 Mitglieder unserer Gemeinde. Seine Wirksamkeit umfaßt folgende drei Gebiete: Unterstützung hilfsbedürftiger Frauen, Unterstützung kranker Frauen, Erweisung von Liebesdiensten gegen verstorbene Frauen. Möge diesem ältesten Wohlthätigkeitsverein in unserer Gemeinde noch eine lange Lebensdauer und eine erfolgreiche Wirksamkeit beschieden sein. X. Hannover, im März. Der diesjährige Jahresbericht über die Religionsschule weift in der Schülerzahl — 102 Knaben und 110 Mädchen - sowie in der Uebersicht der im Schuljahre durchgenommenen Pensen keine wesentliche Aenderung auf. Erfreulich ist, daß infolge der im vorigen Jahre von Herrn Direktor Dr. Knoller gegebenen Anregung, den Religionsunterricht über das vierzehnte Jahr hinaus weiter zu führen, nicht ohne Erfolg geblieben und der Anfang mit diesem freiwilligen Fortbildungsunterricht gemacht ist. In dem „Mahnwort an die Eltern", das dem Jahresbericht vorgedruckt ist, erörtert Herr Dr. Knoller die Nothwendigkeit eines solchen Unterrichts in eingehender Weise nach allen Seiten, und wir hoffen, daß die Eltern die ernste Mahnung beherzigen und die Gelegenheit, welche den Kindern geboten wird, sich tiefere Kenntniß des Jndenthums und seiner Geschichte anzueiguen, freudig ergreifen werden. — Eine Entscheidung des Bezirksausschusses, nach welcher die Berufungsklage des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann gegen den Magistrat wegen Heranziehung zu den städtischen Abgaben für 1895/96 abgewiesen wurde, hat als Prinzipienfrage volle Beachtung und weitere Verfolgung. Der Landrabbiner und einzelne andere Angestellte waren bis jetzt der christlichen Geistlichkeit betreffs der Besteuerung gleichgestellt. Der Beschluß stutzt sich auf die königliche Verordnung vom 23. September 1877 wegen Heranziehung der Staatsbeamten zu den Kommunalabgaben, welche die Gleichstellung der Beamten in den neuen Provinzen mit denen der alten bezweckt. In letzteren aber sind nach der Verordnung vom 11. Juli 1822 nur die Geistlichen der christlichen Konfessionen, nicht aber die Rabbiner von Zahlung der städtischen Abgaben befreit. — Die Volkszählung vom 1. Dezember 1895 hat ergeben, daß die Zahl der Israeliten sich auf 4075 beläuft, was 1,94 Prozent der Gesammtbevölkerung beträgt. Gegenüber der Zählung von 1890 ist eine schwache Abnahme des Prozentsatzes der Israeliten und eine fühlbare des Prozentsatzes der Protestanten, dagegen eine Zunahme der Katholiken zu konstatiren. $ Göttingen, 27. März. Herr Rabb. Dr. B. Jacob hat soeben den fünften Jahresbericht über den Religionsunterricht unserer Synagogengemeinde herausgegeben. Diese Jahresberichte sind von besonderem Interesse durch die pädagogischen Beigaben, in welchen über Lehrziele, Stoffvertheilung und Behandlung der einzelnen Unterrichtsgegenstände sehr klar und sachlich gesprochen wird. Diesmal behandelt Dr. Jacob den Unterricht in der biblischen Geschichte in einer gründlichen Untersuchung. An dem Religionsunterricht nahmen 108 Kinder Theil, 57 Knaben, 51 Mädchen. Die öffentlichen Schulen besuchten 102 Kinder in 43 Klassen, aus denen 7 Klaffenkurse und ein Sammelkursus gebildet werden, abgesehen von den 5 Klassen der Religionsschule. Der Jahresbericht enthält auch das Pensum des Religionsunterrichtes in ausführlicher Darlegung. © Frankfurt a. M. 27. März. Der Bericht des Vereins: „Kind ergarten für Israeliten" für die Jahre 1893- 95 zeigt wieder einen erfreulichen Aufschwung dieses Instituts. Die Anzahl der Zöglinge betrug im letzten Jahre die Höchstzahl 65, eine Zahl, die fürs Erste nicht überschritten werden soll. Die Einnahmen des letzten Jahres betrugen Mk. 8667,50, die Ausgaben Mk. 8245,38. An größeren Geschenken hat der Verein zu verzeichnen: Mk. 1000 von den Hinterbliebenen des sel. Leopold Goldschmidt, ein Legat von Mk. 5000 von der sel. Frau Treutchen Höchberg, 1000 Mk. von den Hinterbliebenen der Freifrau Karl von Rothschild. Für das erfolgreiche Wirken des Instituts spricht namentlich die Zufriedenheit und Anerkennung, welche dessen Zöglinge in den Schulen sich erwerben. Aus dem Vorstände ist Herr Rechtsanwalt Plotke wegen Ueberhäufung an Berufsgeschäften ausgetreten. An dessen Stelle wurde Herr Rechtsanwalt Adolf Fuld gewählt. Großbritannien. * London, 26. März. Am letzten Sonntag wurde in der Synagoge von Great Portlandstreet durch den Oberrabbiner Dr. Adler die Trauung des Herrn George James Graham Lewis, Sohn des berühmten Advokaten und Plaidoyeurs Sir George Lewis, mit Fräulein Marie Hirsch aus Mannheim vollzogen. Sir George Lewis, der vor einigen Jahren von der Königin in den Adelsstand erhoben wurde, ist trotz hoher Würden und Reichthums seinem Glauben treu geblieben. Dies hinderte jedoch nicht, daß sich bei dem Empfang, welchen die Mutter des Gatten, Lady Lewis, nach der Trauungs-Ceremonie veranstaltete, eine so illustre Gesellschaft zusammenfand, wie man sie sonst nur bei einem Drawing-Room im St. James-Palast zu finden gewohnt ist. Unter den Gästen befanden sich der Lord-Oberrichter von England nebst Gemahlin, der Lordkanzler im früheren Ministerium Sir William und Lady Harcourt, der Sprecher des Unterhauses, Lord und Lady Rothschild, der frühere Minister des Innern, Right Honourable H. H. Asquith, Baron und Baronin de Worms, Alma-Tadema, der berühmte Maler, nebst Gattin, Professor Ray Lankester, Edmund Iates, der bekannte Novellist, und viele andere Träger glänzender Namen. Oesterreich-Llugarn. D. L.y Wien, 22. März. So ist denn nach langem Hangen und Bangen endlich der Mendelssohn-Verein zur Welt gekommen und hat gestern nach Ablauf des Sabbath sein erstes Lebenszeichen von sich gegeben. Ein volles Jahr lang lag er im unausgesetzten Starrkrampf; er besaß nicht die Kraft zu leben; aber auch sterben wollte er nicht. Endlich, endlich mit dem wiedererwachten Lenze stieg der genannte Verein plötzlich, einer Minerva gleich, mit Schirm nüd Schild aus dem Haupte Jupiters zu Aller Ueberraschung. Das so lange anhaltende Wanken und Schwanken, Beben und Schweben hatte darin seinen Grund, weil der Verein keinen paffenden Vorsitzenden finden konnte. Heute aber nach langen Irrfahrten können wir fröhlich rufen: Habeinus papam! — Wilhelm Stiaßn y ist ein vielgenannter, klangvoller Name in unserer Residenz. Sein Träger, der k. k. Baurath, Gemeinderath und Kultusvorsteher ist, hat sich trotz seiner Würden bereit erklärt, dem Literaturvereine Mendelssohn präsidiren zu wollen. Nun ist der Verein lebensfähig geworden und konnte sich schon gestern in vollster Manneskraft zeigen. Im Restaurant Robitschek in der Ringstraße hielt er vor vollem Hause seinen ersten Vortragsabend. Herr Dr. Beruh. Münz, ein Schwiegersohn des vor Kurzem in Berlin verstorbenen Dozenten der Hochschule, Dr. Joel Müller, eröffnete das Institut mit einem gediegenen Vortrage über Moses Mendelssohn, den Pfadfinder der modernen Richtung des jüdischen Stamnies, und fand den wohlverdienten Beifall der zahlreichen männlichen und weiblichen Anwesenden. Sodann las der als Dichter und Zeichner jüdischer Ghettobilder rühmlich bekannte Herr Eduard Kulte eine seiner heiteren Schnurren „Alt Eisig", die viel belacht und beifällig ausgenommen wurde. So hat der Verein seine ersten Blüthen entfaltet. Hoffen wir, daß er fortan wachse und gedeihe und geistveredelnde Früchte zur Reife bringe. £1 Wien, 1. April. Der Angriff der antisemitischen deutschnationalen Studenten gegen die Ehre ihrer jüdischen Kollegen hat für die studentischen Führer dieser, die Ehre und den Frieden der Universität schädigenden Bewegung bedauerliche Folgen herbeigeführt. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses gab der Unterrichtsminister die bisher gefaßten Beschlüsse des akademischen Senats bekannt, und aus den Erklärungen des Ministers geht die entschiedene Absicht der Regierung hervor, die entwürdigende Jnszenirung konfessioneller und nationaler Hetzen an der Universität absolut nicht zu dulden. Der Minister beantwortete die Interpellation der Abgeordneten Dr. Roth und Genossen betreffend die Beschlüsse der Delegirtenversammlung wehrhafter studentischer Verbindungen gegen die Satisfaktionsfähigkeit von Studirenden jüdischer Konfession folgendermaßen: „Rektor und Senat der Wiener Universität haben in Ausübung ihrer Amtspflicht selbstverständlich