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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-04-03 · Heft 14 (3.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 14 (3.4.1896)
Date
1896-04-03
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang. Nr. 14. iBcrlrn, 3. Äpril 1896. Weilage zur „Atkgerneinen Zeitung öes IuöentHurns". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. <V2 Berlin, 31. März. In der Sitzung des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes vom 26. d. M. legte Herr Geheimrath Kristeiler zum schmerzlichen Bedauern Aller sein Amt als Vorsitzender definitiv nieder. Herr Prof. Philippson gab im Namen des Ausschusses den Gefühlen des Bedauerns wie des Dankes für den greisen Vorsitzenden warmen Ausdruck; wir behalten uns vor, die Verdienste, die sich Herr Geh. Rath Kristeller um den D. I G. B. während seiner langen Amtswirksamkeit erworben, historisch zu würdigen. Der Ausschuß hat deshalb den Beschluß gefaßt, behufs Neuwahl eines Vorsitzenden schon Ende Juni.d I. einen Gemeindetag einzuberufen und mit der Leitung der Geschäfte des Bundes bis dahin die Herren Prof. Dr. Philippson und Theodor Lustig betraut. cxa Berlin, 27. März. Die Stellung der jüdischen Lehrkräfte an den Berliner Volksschulen bildete die Tagesordnung einer Versammlung, welche am 26. d. M. der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" nach den Dräsel'schen Festsälen berufen hatte. Der Vorsitzende des Vereins, Rechtsanwalt Dr. Horwitz, gab zunächst ein ausführliches Refume über die Lage und Entwickelung der ganzen Angelegenheit. Nach einem Worte des Dankes und der Anerkennung für die Vertreter der Stadt und den Magistrat schloß er mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß, so böse es auch in der Theorie aussehe, in der Praxis die Dinge für die jüdischen Lehrkräfte sich lichtvoller gestalten werden. In der Diskussion suchte der Rektor Dr. Adler durch einen chronologischen Rückblick auf die einschlägigen Erlasse nachzuweisen, daß die letzten Reskripte nichts Ueberraschendes gebracht haben. Von den achtzehn jüdischen Hospitantinnen, die es noch vor Kurzem gegeben, sei heute die letzte aus dem Dienste der Stadt getreten. Zu später Stunde erst wird die Versammlung geschlossen, nachdem sie eine Resolution folgenden Inhalts angenommen hat: „Die heute vom Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufene Versammlung bedauert die in jüngster Zeit getroffenen Anordnungen der staatlichen Schulaufsichtsbehörden, insbesondere diejenigen des Provinzial-Schulkollegiums, bezüglich der Beschäftigung jüdischer Lehrkräfte. Die Versammlung erklärt: 1. daß diese Anordnungen mit der in Landesgesetz und Reichsoerfassung verbürgten Gleichberechtigung aller Bekenntnisse nicht vereinbar und auch durch die Rücksicht auf die konfessionellen Interessen nicht geboten sind; 2. daß sie eine Unbilligkeit gegen die bereits angestellten jüdischen Lehrkräfte enthalten, deren Amtsführung nach den Zeugnissen ihrer Vorgesetzten zu dem von der Schulverwaltung bezeugten Mißtrauen keinerlei Anlaß geboten hat. Die Versammlung beauftragt den Bereinsvorstand, im Sinne dieser Erklärungen eine Vorstellung an den Herrn Kultusminister zu richten." §/•) Berlin, 27. März. In der am 25. d. M. stattgehabten Generalversammlung der seit dem Jahre 1720 bestehenden Gesellschaft Hachuassath Kallah zur Ausstattung bedürftiger Bräute berichtete der Vorsitzende, Herr Martin Simon, über die Wirksamkeit der Gesellschaft in den Jahren 1893, 1894, 1895. Es wurden insgesammt 203 Bräute mit Beträgen von 700 bis 80 Mark unterstützt und hierfür rot. 28 OOO Mark verausgabt. Das Vermögen der Hauptkasse beträgt 83 95O Mark; außerdem sind sieben Spezialstiftungen mit einem Gesammtvermögen von rot. 110 000 Mark vorhanden, aus denen größtentheils Verwandte der Stifter vorzugsweise Berücksichtigung finden. Bei den darauf folgenden Wahlen wurden die Herren Martin Simon, Julius Baswitz, Oskar Berlin, M. Fiegel, Maurermeister Fränkel zu Vorstehern, die Herren Emil Pincus, I. Oppenheim, Wolff Lewin, Salomon Borchardt, Heinrich Buchholz zu Stellvertretern, die Herren I. W. Fernbach, Rechtsanwalt Lipmann-Wulf, Emil Ury zu Revisoren gewählt. Der Verein zählt gegenwärtig 219 Mitglieder, darunter 15 immerwährende. Bei der gedeihlichen Wirksamkeit, die derselbe nun schon mehr als anderthalb Jahrhunderte hindurch entfaltet, darf man wohl hoffen, daß ihm die Sympathien der Gemeinde auch fernerhin erhalten bleiben werden. £££ Berlin, 25. März. Der Vorstand der jüdischen Lesehalle und Bibliothek (Spandauerstraße 11—13) versendet einen Aufruf, in dem gesagt wird, daß dieselbe die Erwartungen, welche an ihre Begründung geknüpft wurden, vollauf erfüllt. Die Lesehalle ist für weite Kreise unserer hiesigen Glaubensgenossen, vornehmlich für Studirende und junge Kaufleute diejenige Stätte geworden, in der sie sich über das Ergehen von Juden und Judenthum in allen Landen und über alle litterarischen Erscheinungen auf jüdischem Gebiete unterrichen können. Es liegen dort alle namhaften jüdischen Zeitungen und Zeitschriften aus und ist der Zutritt wie die Benutzung der Bibliothek vollständig unentgeltlich. Als besonders segensreich hat sich die Bibliothek bewährt, welche dem Bedürfnisse nach wissenschaftlicher Belehrung und anregender Unterhaltung Rechnung zu tragen bestimmt ist und, wie die Erfahrung gezeigt hat, sowohl von Einzelnen wie von Familien eifrig benutzt wird. Neben dieser seiner eigentlichen Bestimmung hat das Institut auch noch die nicht zu unterschätzende soziale Aufgabe, jungen Leuten, welche sonst in dem Getriebe der Großstadt so mannigfachen Verführungen ausgesetzt sind, die Hand zu bieten, ihre freie Zeit im Kreise von Altersgenossen, und Gleichstrebenden ihrer Weiterbildung zu widmen. Es heißt dann in dem Aufruf weiter: „Leider reichen unsere Mittel nicht annähernd hin, um allen diesen bedeutsamen Ausgaben zu genügen. In Anbetracht des Interesses, welches jeder Mitbürger jüdischen Glaubens diesen Zeilen widmen muß, wenden wir uns deshalb an den hochherzigen Sinn unserer Glaubensgenossen mit der Bitte, uns zu unterstützen in der Aufgabe, das Institut zu erhalten und zu erweitern. Sie fördern ein wahrhaft unterstützungswerthes Werk, wenn Sie die Güte haben, dem Verein „Jüdische Lesehalle" als Mitglied beizutreten oder wenigstens einen Beitrag demselben beizusteuern. Gleich dankbar werden wir Ihnen sein, wenn Sie unserer Bibliothek etwaige in Ihrem Besitz befindliche Bücher über Juden und Judenthum zuweisen würden. Aus freundliche Benachrichtigung erfolgt die Abholung kostenlos." Indem wir noch bemerken, daß Zuschriften und Beitrittserklärungen an Herrn BenasLevy (NW. Klopstockstraße 78) zu richten sind, empfehlen wir diesen Ausruf allgemeiner Theilnahme und Förderung. Berlin, 26. März. Das Komitee der Ferien-Kolonien für jüdische Kinder sendet uns seinen elften Bericht, und zwar für das Jahr 1895. Dasselbe ist bestrebt, den Segen der Ferien-Kolonien besonders den Familien der verschämten Armen zuzuführen. Seine Aufgabe ist groß und schwierig; gleichwohl konnte es auch in diesem Jahre 300 Kinder in Gottes freie Natur hinaussenden. Die jährlichen Beiträge haben gegen das Jahr 1894 eine Erhöhung von über 300 Mark erfahren. Das Komitee für Ferien-Kolonien des Berliner Vereins für häusliche Gesundheitspflege hat die fehlenden 829,15 Mark als Zuschuß gewähren müssen. Wir bitten daher herzlich, das Komitee durch gütige Zuwendungen in die Lage zu bringen, dieser Beihilfe entbehren zu können. Die Voll-Kolonien sind an den bewährten Plätzen in Fürstenwalde und Greifenhagen geblieben; die Soolbad-Kolonie in Bad Elmen, welche das Komitee gemeinsam mit der Mendelssohn-Loge in Magdeburg geschaffen hat, nahm 32 Kinder, gegen 24 im Vorjahre, auf; die Heilerfolge waren vorzügliche und auch nachhaltig. Wesentlich gefördert wurden die Aufgaben des Komitees durch die Hochherzigkeit einer großen Anzahl Familien in den Provinzen, welche ohne Entgeld 155 Kindern Aufnahme in Freistellen in 25 Städten gewährten. Die vorzügliche Verpflegung und liebevolle Behandlung wirken nicht nur auf die Kräftigung des Körpers, sondern üben dauernden Einfluß auf das Gemüth und den Geist der Kinder. Wie stets bisher, so hat dem Komitee auch im verflossenen Jahr Herr I. Sarrasohn in Stettin treu zur Seite gestanden, und seiner Arbeit verdankt man es in erster

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