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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-03-27 · Heft 13 (27.3.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 13 (27.3.1896)
Date
1896-03-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Behandlung und Arznei anstatt 8 jetzt wöchentlich 10 Mark erhalten, sobald sie nur einen von einem Arzt der Gesellschaft ausgestellten Krankheitsschein beibringen. — Ein Antrag des Herrn Geheimrath Marcuse, den Vorstand zu ermächtigen, alle Verhandlungen mit der Polizei über die Angelegenheiten der Gesellschaft selbständig, ohne vorher eine Versammlung einzuberufen, führen zu dürfen, fand einstimmige Annahme. Hierauf wurde die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes verkündet. Derselbe besteht aus den Herren: H. Landsberger^ M. Manheimer, A. Levin, I. Bodenstein, I. Frankel, M. D. Feilchenfeld, M. Jacob, B. Mirauer. Da die Gesellschaft in diesem Jahre auf eine Existenz von SO Jahren zurückblickt, benutzte der Vorstand die Gelegenheit, um für die Mitglieder und Freunde ein Festessen zu veranstalten, an welchem auch viele Ehrengäste, auf vorher erfolgte Einladung, theilnahmen. Unter Letzteren bemerkten wir den größten Theil der Repräsentanten und die Herren Julius Jacoby und I. E. Jsaae als Abgeordnete des Vorstandes unserer Gemeinde. Das Rabbinat war durch Herrn Dr. Weisse vertreten. Herr Landsberger begrüßte die Gäste, verwies auf die segensreiche Wirksamkeit der Gesellschaft, die unter der glorreichen Regierung Kaiser Wilhelm I. eine solch' gedeihliche Entwickelung genommen hat, gedachte wehmüthig des Kaisers Friedrich und schloß mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm II., in das die Versammlung begeistert einstimmte. Nach einigen musikalischen Vorträgen ergriff Herr Stadtrath Weigert das Wort, um die Entstehungsgeschichte der Gesellschaft zu skizziren, und forderte die Versammlung auf, ihre Gläser auf das fernere Gedeihen des Vereins zu leeren. Von den folgenden Reden und Toasten, die abwechselnd nach Gesangsvorträgen des Hofopernsängers Stammer und humoristischen Piecen des urkomischen Bendix erfolgten, verdienen besondere Erwähnung die Rede des Herrn Julius Jacoby, der, an das Wort Jochayan ben Sakkais anknüpfend, die Festtheilnehmer ermahnte, auch ferner dem Zuge ihres guten Herzens zu folgen und unbekümmert um die Parteiwirren innerhalb der Gemeinde gemeinsam für das Wohl der leidenden Glaubensgenossen zu wirken, ferner das mit großem Beifall aufgenommene Hoch des Gesellschaftsarztes Geheimrath Marcuse auf die Gesundheit der Mitglieder, sowie die Worte des Herrn I. E. Jsaac, die in einen Appell an das jüdische Herz ausklangen, die Gelegenheit des Festes zu benutzen und für die Zwecke der Gesellschaft Beiträge zu spenden. Als gewissenhafte Berichterstatter wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß Herr Maurermeister Frankel des Begründers der Gesellschaft, Herrn M. Halle, und der zwei ersten Mitglieder derselben, des Malers Jacob und des Uhrmachers Weil, die in voller Rüstigkeit dem Festakte beiwohnten, mit herzlichen Worten gedachte und die Gesellschaft aufforderte, ihre Gläser auf das Wohl dieser wackeren Männer zu leeren. Ergreifend war die Erwiederung des greisen Herrn Weil, der auf den Vorstand toastete und den Wunsch aussprach, daß die Gesellschaft unter dieser bewährten Leitung das 100 jährige Jubiläum feiern möge. Wir schließen uns diesem Wunsche an. nn. Berlin, 20. März. Der Lissaer Hilfsverein zu Berlin beging am 16. März d. I. seine 28. Generalversammlung. Als Gast erschien auch der Amtsgerichtsrath Herr Kohlisch, Landtagsabgeordneter der Kreise Lissa rc., welcher den Verhandlungen bis zum Schluß beiwohnte und an dem darauf folgenden Festmahl Theil nahm. Der Verein, welcher im Jahre 1868 begründet wurde und die landesherrliche Genehmigung am 24. Juli 1894 empfing, gewährt seine Unterstützung zur Abwendung materieller Roth an solche würdige und unterstützungsbedürftige Personen, welche entweder selbst oder deren Eltern oder Großeltern der Stadtgemeinde Lissa in Posen angehören oder angehört haben und in Berlin sich dauernd aufhalten. Für diesen Zweck gab der Verein im verflossenen Jahre 4251,30 Mark aus, außerdem wurden die Zinsen der Stiftungen gemäß deren Bestimmungen vertheilt. Die statutenmäßige Wahl ergab die Wiederwahl der bisher fungirendeu Herren Max Kann zum Schriftführer, Herrn Rechtsanwalt Louis Cohn zum Schriftführer- Stellvertreter, Herrn Dr. Otto Mankiewicz zum Beisitzer und der Herren Theodor Bernhardt, Rechtsanwalt I. Bischofswerder, Staatsanwaltschafts- Sekretär Ferdinand Nürnberg zu Mitgliedern der Prüfungs-Kommission. Der Verein zählt vier Ehrenmitglieder, 45 immerwährende Mitglieder und 178 jährlichen Beitrag leistende Mitglieder in Berlin, sowie 101 ebensolcher auswärts wohnend, im Ganzen 328 Mitglieder. Der Mitgliederbeitrag ist mindestens zehn Mark jährlich, als ordentliches Mitglied kann jede unbescholtene Person beitreten, das Aufnahmegesuch ist an den Borsttzenden, Herrn Hermann A. Seegall, Altonaerstraße 17, Berlin, zu richten, wohin sich auch Unterstützungssuchende schriftlich zu wenden haben. ££2 Berlin, 24. März. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt ihre Monatssitzung am 14. d. Mts. in ihrem Vereinslokal unter zahlreicher Betheiligung ihrer Mitglieder ab. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten nimmt der Vorsitzende Herr Dr. Adler das Wort, um das Ergebniß der begonnenen Debatte über seinen wissenschaftlichen Bortrag „Die Lesebuchfrage in jüdischen Schulen" darzulegen und so die Unterlage für die Fortsetzung der Debatte zu schaffen. Da wir den Vortrag selbst in nächster Nummer bringen, können wir uns ein Referat über die Ausführungen Adlers ersparen. Die nun folgende Debatte beschäftigt sich mit der Frage, ob konfessionelle oder interkonfessionelle Lesebücher erwünscht seien und führte zu dem Ergebniß, daß im allgemeinen die Ansichten des Redners als richtig anzuerkennen seien. — Die Versammlung stattete dem Herrn Vorsitzenden ihren Dank für seine geistvollen Darlegungen durch Erheben von den Plätzen ab. Nach Schluß der Debatte wurde eine Kommission, bestehend aus dem Vorstand und den Mitgliedern der Vereinigung, welche an städtischen Gemeindeschulen thätig sind, eingesetzt, um darüber zu berathen, welche Maßnahmen die wissenschaftliche Vereinigung gegenüber den Verfügungen der Behörden zu treffen habe. In vorgerückter Stunde trat man in die Diskussion über die Frage der Gründung eines brandenburgischen Provinzialvereins jüdischer Lehrer ein; es wurde beschlossen, die Debatte aus eine außerordentliche Generalversammlung zu vertagen und den Vorstand aufzufordern, bestimmt formulirte Vorschläge über die Frage zu machen. L2 Berlin, 24. März. Die Vereinigung Monbijou feierte am 21. d. M. unter zahlreicher Betheiligung ihr zweites Stiftungsfest in sehr würdiger Weise. Leider fehlt es uns in dieser Woche an Raum, um darüber ausführlich berichten zu können. Wir müssen uns deshalb begnügen darauf kurz hinzuweifen, daß die Feier mit einein stimmungsvollen Prolog und einer Ansprache des Vorsitzenden, Herrn Bernhard Wolff, eröffnet wurde, die Zeugniß ablegte von der Wärme religiösen Gefühls und von der Begeisterung, die in diesem Jugendverein für unsere alten Ideale herrscht. Die Festrede hielt Herr Dr. Gustav Karpeles. Den Abschluß des offiziellen Programms bildeten die herzlichen Glückwünsche der Delegirten befreundeter Vereine. Die Vereinigung Monbijou zählt bereits 110 Mitglieder; möge sie auch ferner wachsen und die Ideale pflegen, die sie auf ihre Fahne geschrieben. X Bromberg im März. Der hiesige Israelitische Frauenverein hielt im Sauerschen Lokale seine Sitzung ab. Nachdem die Vorsitzende, Frau Kaufmann Nussak, die zahlreichen Anwesenden begrüßt hatte, gedachte sie zweier verstorbener Vereinsmitglieder, der Damen Jakubowski und Blumenthal, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Hierauf erstattete der Rendant Herr Barnas den Jahresbericht. Daraus ist zu entnehmen, daß die Zahl der Mitglieder 135 beträgt. Der Kasfenbestcmd betrug am 21. März 1895 331,93 M., das Guthaben auf der städtischen Sparkasse 3132,50 M. Hierzu traten an Einnahmen 568,50 M., an laufenden Beiträgen 202,50 M., an Spenden 237 M. Der. Ertrag der Soiree am 22. Februar d. I. betrug 1119,25 M. und Sparkassenzinsen 80 M. Die Summe der Einnahmen beträgt hiermit 5678,57 M. Die Ausgabe 2048.10 M., und zwar sind gezahlt an Unterstützung 548 Mark, an außerordentlichen Unterstützungen 933,90 M., an Ausstattung für Bräute sind verausgabt 125 M. und 10 Mark für Verbandzeug, so daß ein Bestand von 3630,47 Dt. verbleibt. Nach erstattetem Berichte und Erlheilung der Entlastung erfolgte die Wiederwahl der Vorstandsdamen Hedwig Russak, Knapf, Begach und Renate Russak. Als Rendant wurde Herr Barnas, als Schriftführer Herr Weisbein gewühlt. — Herr Isaak Förder in Wongrowitz ist wieder in den Vorstand des dortigen Kriegervereins gewählt worden. r. Aus Schlesien, im März. Der jüngst verstorbene Sanitätsrath Dr. Samuel Meyer in Breslau, der fast seit einem halben Jahrhundert alle wichtigen Vorgänge in der Hauptstadt Schlesiens mit seinem poetischen Gruße begleitet hat und den Rabbiner Dr. Rosenthal in einer gedankenreichen Rede am Grabe würdig geschildert hat, hat auch in seinem Testamente die Breslauer Vereine vielfach bedacht, als Universalerben aber seines beträchtlichen Vermögens die jüdische Gemeinde

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