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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-03-20 · Heft 12 (20.3.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 12 (20.3.1896)
Date
1896-03-20
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang. Nr. 12. fietlüt, 20. Ääl'f 1896. Wertccge zur „Allgemeinen Zeitung des IuöenLHuws". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsch! an-. L2 Berlin, 17. März. Die Generalversammlung des „Hilfs- Vereins für jüdische Studirende" fand am 14. d. M. im Saale des Brüdervereins unter Vorsitz des Herrn Geheimrath Dr. Abraham und in Anwesenheit von etwa 60 Mitgliedern statt. Aus dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verein seit fast 55 Jahren besteht, 782 Mitglieder incl. der immerwährenden zählt. Der Zweigverein für Gewerbe, Bau- und Kunstakademiker ist jüngeren Datums und zählt 162 Mitglieder. Vom Hilfsverein wurden 25 010 Mk. an 86 Mediziner, 4 Zahnärzte, 5 Thierärzte, 12 Juristen, 16 Philologen, 1 Theologen, 1 Mathematiker, 1 Chemiker — vom Zweigverein wurden 6745 Mk. an 1 Kunstgewerbeschüler, 3 Chemiker, 3 Ingenieure, 3 Musiker, 1 Elektrotechniker, 11 Techniker, 5 Architekten, 1 Maler, 1 Malerin Unterstützungen gewährt. Für 2 Preisschriften sind Mk. 270 ausgegeben. Das Gejammtvermögen incl. der Stiftungen beträgt Mk 321861,61. An Rückzahlungen von den Stipendiaten gingen 9219 Mk. ein. Für die ausgeschriebenen Preisaufgaben ist den Stipendiaten Israel der erste und Götze der zweite Preis zuerkannt worden; beide behandeln medizinische Themata. Für die juristische Aufgabe ist keine Arbeit eingegangen. Für das laufende Jahr sind abermals 2 Preisaufgaben gestellt, und zwar über dje Theorie des Drehstroms und über die Lehre von sogenannten Harngiften. In Anerkennung für die großen Verdienste um die Zwecke des Hilfsvereins sind die Herren Geh. Justizrath Professor Dr. L. Goldschmidt und Adolf Ginsberg zu immerwährenden Ehrenmitgliedern einstimmig ernannt worden. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete der Antrag auf Aenderung des § 1 der Statuten, worüber wir bereits in Nummer 11 berichtet haben. Nachdem von der Generalversanimlung die Dringlichkeit des Antrags beschlossen worden, begründeten die Antragsteller denselben. Es wurde hervorgehoben, daß bei den veränderten Verhältnissen in den Lehrstätten, den Fortschritten in den technologischen Wissenschaften, den Gelegenheiten zur Ergreifung neuer Berufsarten der Wirkungskreis des Hilfsvereins sich auch erweitern müsse. Es sei jetzt eine hochwisfenschaftliche Ausbildung auch dann ' möglich und für viele Zwecke zu empfehlen, ohne das Zeugniß der Reife besitzen zu müssen. Statt der übergroßen Zahl der Mediziner könnten mehr die Techniker unterstützt werden; das würde vorbildlich wirken und eine ganze Reihe von Schäden beseitigen, die sich heute bemerkbar machen. Die aus der Versammlung ausgesprochenen Meinungen waren zum Theil dem Antrag sympathisch, aber schließlich klang es doch heraus, daß dazu die Bereinskasse nicht hinreichende Mittel besitze. Die Abstimmung nach längerer Debatte ergab leider die Ablehnung des Antrages, was wir lebhaft bedauern. ££> Berlin, 15. März. Der Vorschuß-Verein für hilfsbedürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde hier, welcher im Jahre 1846 von einer Anzahl hochherziger Männer begründet worden ist, hält am 26. März Abends 71/, Uhr im Saale des Brüdervereins Unter den Linden 4 a seine 50. General-Versammlung ab. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gestellt, unbemittelten gewerbtreibenden jüdischen Mitbürgern durch Gewährung zinsfreier Darlehen Aushilfe zu bringen, und hat stets im Sinne der Begründer gewirkt, die von der richtigen Voraussetzung ausgingen, daß Almosen wohl die augenblickliche Noth lindern, indessen eine nachhaltige Besserung in der Lage des Bedürftigen in der Regel nicht ermöglichen. Jedoch, wo es daraus ankommt, die wirthschaftliche Existenz einer Familie aufrecht zu erhalten oder gar einen vollständigen Verfall zu verhindern, kann wirksam nur eingetreten werden, wenn dem Hilfsbedürftigen vorschußweise ein Darlehen gewährt und die Rückzahlung durch Gestattung von Ratenzahlungen erleichtert wird. In diesem Sinne wirkt eben dieser Verein seit seinem Bestehen und hat Tausenden von kleinen Gewerbtreibenden und Handwerkern geholfen und sie vor vollständiger Verarmung beschützt. Die Ansprüche an den Verein werden durch die Ausdehnung unserer Gemeinde immer größere, und würde noch mehr Gutes gethan werden können, wenn die Zahl der Beitrag zahlenden Mitglieder sich vergrößerte, denn wenn je ein gutes Werk der Unterstützung werth war, so darf dieselbe sicher für diesen Verein in Anspruch genommen werden können. Wir lenken deshalb nochmals die Aufmerksamkeit unserer Leser auf diesen Verein mit der dringenden Bitte, sich als Mitglieder desselben bei dem Vorsitzenden Herrn Oscar Rat Henau, Bendlerstraße 26, zu melden. Es giebt wenig wohlthätige Vereine, welche ein solches Arbeitsfeld haben, und keinen, der mehr der Sympathie und werkthätigen Theilnahme aller Menschenfreunde würdiger wäre als dieser. Und darum hoffen wir zuversichtlich, daß unser Appell nicht ungehört verhallen wird. Berlin, 15. März. Der hiesige Verein für jüdische Krankenpflegerinnen versendet seinen zweiten Jahresbericht. Während derselbe im vorigen Jahre drei Schwestern und elf Schiilerinnen aufwies, hat er heute bereits elf ausgebildete Schwestern, welche sich der Privatpflege widmen, und zehn Schülerinnen, welche in den Stationen des jüdischen Krankenhauses und alsdann in der königlichen Charite ihre Ausbildung erhalten. Natürlich waren die Gesuche um unentgeltliche Krankenpflege besonders zahlreich. In 109 Fällen hat man sich an den Verein gewandt; davon wurden 57 voll bezahlt, 21 waren ermäßigt und 31 unentgeltlich. Seitens des Vorstandes sind vielfache Gesuche aus anderen großen Städten um Ueberlassung von Schwestern behufs ständiger Ausübung der Krankenpflege aus inneren Gründen abgelehnt worden, dagegen hofft derselbe mit dem Krankenhause der jüdischen Gemeinde und ebenso mit dem neuen Siechenhause auf eine Vereinbarung, die eine dauernde Verwendung der Schwestern herbeiführt. Das Schwesternheim ist am 1. April 1895 eröffnet worden. Der Bericht enthält eine ausführliche Schilderung desselben. Am selben Tage hat die Oberin, Fräulein Rose Blau, ihre Wirksamkeit begonnen, die von allen Seiten als eine wahrhaft gedeihliche gerühmt wird. Die Mitgliederzahl des Vereins hat die stattliche Zahl von 1156 erreicht mit 11616,50 Mark Jahresbeiträgen. Jahreseinnahmen und Ausgaben deckten sich mit 25100 Mark. Dagegen hat der eiserne Fonds (Schwesternfonds) sich von 4432 Mark auf 17 435,10 Mark durch reiche Zuwendungen in diesem Jahre erhöht. Die Generalversammlung des Vereins findet am 22. März statt. Es scheiden fünf Vorstandsmitglieder aus, die wieder wählbar sind und hoffentlich auch wieder gewählt werden, denn der Vorstand hat in kurzer Zeit Großes geleistet, und der Bericht über diese Leistungen macht einen so wohlthuenden und erfreulichen Eindruck, daß derselbe unzweifelhaft dem Verein viele neue Gönner zuführen wird. L2 Berlin, 16. März. Die feierliche Einweihung des israelitischen Kindergartens fand gestern Nachmittags 2y2 Uhr in der Synagoge des israelitischen Heimathhauses, Gormannstraße 3 statt. Zn diesem Zwecke wurde ein Jugendgottesdienst veranstaltet, der auf die zahlreich versammelten Hörer einen, tiefen Eindruck hervorbrachte. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Weisse, die Leitung des Gottesdienstes hatte Kantor Marksohn übernommen, die Gesänge wurden von dem Knaben- und Mädchenchor deI israelitischen Kindergartens unter Leitung des Kapellmeisters Kellermann sehr hübsch und exakt ausgeführt. Der Eindruck des ganzen Weihefestes war, wie gesagt, ein durchaus stimmungsvoller. Hoffentlich werden sich auch die Erwartungen, die man in dieses Institut setzt, erfüllen. B. T. Berlin, 15. März. Das Stiftungsfest der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin fand am 8. d. M. statt. Eine aus hundert Theilnehmern bestehende Festgesellschaft gab sich im Münchener Hotel ein Stelldichein. Dr. Adler, der allverehrte Präsident, eröffnete der Toaste bunte Reihe,

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