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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-03-13 · Heft 11 (13.3.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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s WWWWMWWWWWW 4 1 1 4 10 000 Mark zur Gründung einer: „Bernhard Fränkel-schen Talmud-Thora- StifLüng. Die aus dem Kapitale entfallenden Zinsen sollen alljährlich zu folgenden Zwecken verwendet werden: a) zur Unterstützung jüdischer würdiger und bedürftiger Gelehrten, welche dem Studium der jüdischen Wissen- .schaft obliegen; b) zur Unterstützung von Kandidaten, die sich dem Rabbiner¬ oder Gelehrtenberufe widmen oder sich auf diese Berufsarten vorbereiten; c) zur Unterstützung bestehender oder neu zu gründender jüdischer Anstalten , welche dem Thorastudium gewidmet sind; ä) zur Förderung jüdisch-wissenschaftlicher Bestrebungen bezw. jüdisch-litterarischer Werke jeder Art. 3. Die Perles-Stiftung, zum Andenken des am 4. März 1894 verstorbenen Rabbiners Dr. Joseph Perles dahier, mit einem Kapital von 14 500 Mark. Von dem Erträgnisse der Stiftung soll ein Zehntel alljährlich dem Kapitale zugefügt werden, während von dem Reste, nach Abzug der Verwaltungskosten, die eine Hälfte zur Unterstützung würdiger Gemeindemitglieder, ferner zur Unterstützung und Schaffung von Wohlthätigkeitsanstalten, insbesondere auch behufs Gewinnung berufsmäßiger israelitischer Krankenpflegerinnen, die andere Hälfte zur Unterstützung junger israelitischer Gelehrter verwendetwerden soll. Außerdem wurde im Laufe des Jahres 1895 noch eine weitere Stiftung mit einem Kapital von 20 000 Mark zu Gunsten unverschuldet in mißliche Vermögensverhältniffe gerathener Glaubensgenossen in Verwaltung genommen, deren Begründer jedoch die Veröffentlichung seines Namens nicht wünscht. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 9. März. Ueber den für die liberale Partei so ungünstigen Ausfall der Gemeinderathswahlen sind Sie bereits durch den Telegraphen unterrichtet. Die Antisemiten ziehen jetzt 92 Mann stark in das Rathhaus — für wie lange, werden die Ereignisse lehren. — Eine jener Predigten, die Pfarrer Deckert in der Weinhauser Kirche gehalten und wegen deren er sich vor den Geschworenen zu verantworten hatte, erschien später als gedruckte Broschüre und wurde konfiszirt. Gegen die Konfiskation erhob der Pfarrer Einspruch, worüber beim Landesgerichte vor einem Senate unter dem' Vorsitze des Hofrathes v. Holzinger verhandelt wurde. Staatsanwalt Dr. Hawlath begründete die Konfiskation. Es ist klar, daß die Beschuldigung des Blutrituals wider die Juden, wie sie in der Broschüre enthalten sei, ebenso kraß als unwahr und stets aufreizend sei. Allerdings ist Pfarrer Deckert von den Geschworenen freigesprochen worden, aber nur wegen seiner Predigten. Hier handle es sich aber um eine Druckschrift. Eine Predigt, die sich vor einem beschränkten Kreis von Zuhöhrern abspiele, sei doch etwas ganz Anderes als eine Druckschrift, die einer der Zahl nach unbegrenzten Menge zugänglich ist. Als Vertreter des Einspruchswerbers fungirte Dr. Löw. Der Gerichtshof, dem Anträge des Staatsanwaltes Folge leistend, wies den Einspruch zurück. — Bemerkenswerth ist die Aeußerung des Justizministers, Grafen Gleispach, gelegentlich eines vor einiger Zeit erfolgten Empfanges der von der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde an ihn entsendeten Deputation. Die Deputation lenkte die Aufmerksamkeit des Justizministers auf die häufigen Beschimpfungen der jüdischen Religionsgenoffenschast und auf die Präterirung der richterlichen Beamten mosaischer Konfession. Der Justizminister äußerte sich hierauf folgendermaßen: „Ich habe in meiner amtlichen Gestion niemals einen Unterschied zwischen Taufschein und Geburtsschein gemacht. Ich kenne die Verhältnisse bei den Gerichten, auf die Sie anspielen. In vierundzwanzig Stunden läßt sich das nicht ändern, aber Sie werden sehen, daß ich hier ebenso, wie in meinem früheren Wirkungskreise in Graz vorgehen werde, wo ich ebenfalls keine konfessionellen Unterschiede gemacht habe." — Vor einigen Tagen spielte sich in Wiener- Neustadt im Verhandlungsfaale des Kreisgerichtes eine aufregende Szene ab. Der wegen falscher Zeugenaussage angeklagte christlich-soziale Agitator Joseph Kalbacher wurde schuldig gesprochen und stürzte unmittelbar nach Verkündigung des Urtheils unter Beschimpfungen mit erhobener Faust auf den^ Staatsanwalts-Substituten Dr. Kaiser los. Nur der Umstand, daß der Angreifer auf dem Fußboden ausglitt, bewahrte den bedrohten Funktionär vor thätlicher Mißhandlung. Kalbacher erhielt hierfür zu seiner Strafe zwei Tage Dunkelarrest zugelegt. — Aus Budapest kommt die betrübende Nachricht vom Ableben eines der begabtesten und geachtetsten Mitglieder der österreichisch-ungarischen Journalistik. , Mit Samuel Rothfeld, der seit mehr als vier Dezennien, zuerst in Wien und dann in der Hauptstadt Ungarns, in hervorragender Weise publizistisch wirkte, wird ein wahrhaft edler, charaktervoller Mensch und Schriftsteller zu Grabe getragen. Als Jüngling kämpfte Samuel Rothfeld für das Freiheitsideal; er trug zuerst den Rock der Wiener akademischen Legion und dann den der Honved. In den fünfziger Jahren wandte er sich in Wien der Journalistik zu und gehörte mehrere Jahre als politischer Mitarbeiter dev „Morgenpost" an. Schon damals trat er für das verfassungsmäßige Recht seines Vaterlandes Ungarn ein, und kein Geringerer als Franz Deak war es, der Rothfeld's Feder benützte, um in deutscher Sprache für Ungarn einzutreten. Samuel Rothfeld wurde später Chefredakteur des „Pester Lloyd", aus welcher Stellung er zu Ende der sechziger Jahre schied, um den „Ungarischen Lloyd" zu begründen, den er zu einem wahrhaft vornehmen Organ der Deak-Partei gestaltete. Nach einigen Jahren zog er sich ins Privatleben zurück, war dann noch zwei Jahre lang, von 1874 bis 1876, Korrespondent der „Neuen Freien Presse", um dann definitiv aus dem aktiven Dienste der Journalistik zu scheiden. Vor zwei Jahren wurde Rothfeld von einem Herzleiden befallen, das sich im vorigen Herbst komplizirte und dem er Montag Nachts um ein Uhr erlegen ist. Samuel Rothfeld erfreute sich in allen Kreisen der ungarischen Gesellschaft einer Werthschätzung, wie kaum ein zweiter Publizist, und die hervorragendsten Staatsmänner des modernen Ungarn standen zu dem Verblichenen in intimsten Freundschaftsbeziehungen. — In Lemberg ist der Direktor der Hypothekenbank, Dr. Edwin Herschmann, von einer Banksitzung nach Hause zurückgekehrt, plötzlich einem Herzschlag erlegen. Dr Herschmann, der ein Alter von kaum 48 Jahren erreichte, war Gemeinderath der Stadt Lemberg und genoß in den weitesten Kreisen Sympathie. — Unter großer Theilnahme der Vororte Sievering. Neustift, Salmannsdorf, Grinzing wurde der städtische Arzt Dr. M. Brecher in Sievering bestattet. Die freiwilligen Feuerwehren dieser Vororte, die Sicherheitswache, die Schule in Sievering folgten in corpore. Viele Abordnungen und außerordentlich zahlreiche Kränze, sowie ein sehr großes Gefolge von Armen und Reichen bekundeten die allgemeine Trauer um den beliebten, aufopferungsvollen und volksthümlichen Arzt. B. Budapest, 6. März. Professor Dr. Ignaz Goldzieher, der mit 20 Mittelschulprofessoren eine Studienreise in Aegypten machte, hatte, wie „Egyenlöseg" meldet, in der ägyptischen Ortschaft Girgei ein amüsantes Erlebniß. Der ausgezeichnete Orientalist begab sich nämlich in Begleitung einiger Landsleute in die dortige Neäress (Schule), wo eben eine Stelle des Korans erläutert wurde. Eine Zeit lang hörte er ruhig zu, dann aber begann er die betreffende Stelle im schönsten Arabisch zu erklären. Der alte Lehrer war ganz starr vor Erstaunen und ließ sofort die Gemeinde - Aeltesten herbeirufen, auf deren Bitte er einen Vortrag über den Koran hielt. Dieser entzückte die Zuhörer derart, daß sie ihn baten, die Stelle eines Lehrers in ihrer Gemeinde zu übernehmen. Goldzieher bemerkte, daß er Jude sei. Die Aeltesten ließen sich aber nicht abschrecken und boten ihm trotz seines abweichenden Glaubensbekenntnisses die Stelle nochmals an, da sie ihn, den Allah so sehr begnadet, allein für würdig hielten, ihre Kinder zu unterrichten. Zu ihrem großen Leidwesen lehnte er entschieden und endgiltig ab. — Dr. Gabriel Baliut, ein Mitglied der Expedition Zichy's, hat zweifellos festgestellt, daß die Sprache der Kabarden eine Schwestersprache der ungarischen sei. Baliut hält es an der Hand seiner vergleichenden Studien für erwiesen, daß die Kabarden Nachkommen jener Kabarden jüdischen Glaubens sind, welche als bei der Landnahme mitwirkend erwähnt werden. — Der Ausschuß des israelitischen Knabenwaisenhauses hat aus Anlaß der Milleniumsfeier vier Stiftungen von je 10 000 Kronen gegründet, welche für Waisen von Honvedofsizieren und Lehrern bestimmt sind. — In Szabadka wurde Dr. Josef Klein - Marczali zum Rabbiner gewählt. — Die Petöfi-Gesellschaft wählte Dr. iAdolf Ko Hut in Berlin zum auswärtigen Mitglied. — Der städtische Magistrat in Nyiregyhaza, wo sich der Tisza Eszlärer Prozeß abspielte, bewilligte der jüdischen Gemeinde eine Subvention von 8000 Kronen. Großbritannien. B. London, 7. März. Die Anglo - Jewish Association hielt ain 1. März ihre Monatsversammlung ab, in der Herr Mocatta mittheilte, daß Baron Hirsch die 3600 Aktien seiner Argentinischen Kolonisationsgesellschaft, im Betrage von 9 Millionen Franks, die zur

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