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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-03-13 · Heft 11 (13.3.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Zeit im Besitz der Alliance israelite universelle sich befinden, der Anglo Jewish Association hat übergeben wollen, da die Alliance nach französischem Gesetz dieselbe nicht zu Recht besitzen könne. Die Association nahm dieses Anerbieten an und wählte zum Schatzmeister Mr. Claude Montefiore, Elias A. Franklin und Leopold Schloß. An Bewilligungen für die laufende Thätigkeit wurden ausgesprochen: 640 Mark für die von 48 Mädchen besuchte Schule in Bagdad, 640 Mark für den Handwerksunterricht in der Knabenschule in Bagdad, 800 Mark für die Knabenschule in Brussa, 7OO Mark für die Knabenschule und 400 Mark für die Mädchenschule in Haifa, 2000 Mark für die Erwerbung von Grundstücken für die Allianceschule in Monatir. — Eine Zuschrift aus Belize in Britisch Honduras empfiehlt dieses Land als eingeeignetes Feld für die jüdische Einw and erung. Es ist dje einzige englische Kolonie, in der keine Juden wohnen, trotzdem das Klima gesund sein soll Es sind Vorkehrungen getroffen, um den Landerwerb zu erleichtern, auch fänden Aerzte und Handwerker sichere und lohnende Thätigkeit, besonders geschickte Mechaniker finden immer gut bezahlte Stellungen. — Nach dem Jahresbericht der spanisch-portugiesischen Gemeinde betrugen im letzten Jahr die Einnahmen circa 99 00O Mark, die Ausgaben circa 104 000 Mark, während das Vermögen sich auf rund 350 OOO Mark belief. Diese Zahlen beziehen sich nur auf eine einzige der zahlreichen Londoner jüdischen Gemeinden. — Nach dem Jahresbericht der Altersversorgungs-Anstalt beliefen sich die Einnahmen auf circa 15 000 Mark aus Beiträgen und den gleichen Betrag an einmaligen Geschenken. Mit diesen Einnahmen und den Einkünften aus den Fonds der Altersversorgungs-Anstalt wurden 107 Insassen erhalten. Im Jahre 1895 starben 17 im Durchschnitts - Aller von 80 Jahren, während 2114 Männer und 7 Frauen neu ausgenommen wurden. — Der Verein für Religionsunterricht hielt am 4. März eine größere Versammlung ab, bei der der Schatzmeister mittheilte, daß die Gelder, die die Verwaltung für nothwendig erachte, um die Ziele des Vereins genügend erfüllen zu können, 40 000 Mark betrügen, dazu sei noch ein altes Defizit von 4000 Mark zu decken. Leider sei trotz aller Anstrengung davon noch immer ein Defizit von circa 6000 Mark vorhanden, und dieses Defizit werde sich noch verdoppeln, wenn man die allseitig gewünschte Einrichtung von Klassen für den Religionsunterricht in der Delir-Street-Schule in die Hand nehme. Amerika. 6. 8. New-York, im Februar Am 12. Januar fand die Jahresversammlung der jüdischen Gewerbeschule Hebrew Technical Institute in New-Aork statt. Das Einkommen des letzten Jahres im Betrage von 26 696 Dollars blieb hinter dem Bedarfs (28173) zurück, obwohl die Zahl der Mitglieder von 660 auf 850 und die der Patrone von 218 auf 241 stieg. Der Bericht weist ferner auf die Schuldenlast hin, welche 38 000 Dollars beträgt. Tie Schülerzahl (200) ist die größte, welche im Institut Unterkunft finden kann, und viele Bewerber um Aufnahme mußten zurückgewiesen werden. Von den 34 absolvirten Schülern des' letzten Jahres haben 32 sofort Stellung gefunden. Ueber den Ertrag des im Dezember abgehaltenen Bazars, von dem die Hälfte dem Institut zugute kommen soll, ist noch keine Verfügung getroffen worden. — Hie Einwanderung nimmt wieder zu. In New-Iork landeten während des Monats Dezember 1900, in Philadelphia 256 Einwanderer; die weitaus größte Mehrzahl derselben kommt aus Rußland. — Die Gemeinde Kneffeth Israel in Philadelphia hat, offenbar um ihr Vertrauen zu ihrem Rabbiner Dr. Krauskopf zu manifestiren, denselben zwei Jahre vor Ablauf seiner vertragsmäßigen Amtsperiode auf weitere fünf Jahre gewählt. Krauskopf hat für die Zwecke der von ihm geplanten jüdischen Ackerbauschule eine Farm in Doylestorvn im Ausmaße von 118 Acres für 10 000 Dollars gekauft. Die zum Beginne nöthige Summe hofft Dr. Krauskopf durch eine Vorlesungstour aufzutreiben. Won Nah und Fern. -- Der „Deutsche Verband Kaufmännischer Vereine" hat ein Anfnahmegesuch des „Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes" (Sitz Hamburg) zurückgewiesen, weil derselbe bekanntlich antisemitische Tendenzen verfolge. — Abgeordneter Dr. Böckel hat sich vom GeschäMantisemitismus, bei dem heutzutage nichts mehr zu holen ist, abgewändt und ist nach der „Post" als Statistiker bei einer Aktiengesellschaft eingetreten. Sie transit! — Kommerzienrath Emil Jacob hat vom König von Württemberg den Olga-Orden erhalten. — Bei dem Feste des israelitischen Frauenvereins in Ostrowo fand eine vom Kantor Dawidsohn herrührende und von ihm selbst sehr wirkungsvoll vorgetragene Komposition ganz besonderen Beifall. — Der Anfang Januar verstorbene Kaufmann Heinrich Neu mann in Breslau hat außer mehreren kleinen Legaten letzwillig 12 000 Mark der israelitischen Waisenanstalt gestiftet und 200 000 Mark zur Errichtung einer Stiftung bestimmt, welche bedürftigen und würdigen Mitgliedern der Synagogengemeinde billige Wohnungen gewähren soll. — Bei der Ergänzungswahl eines Reichstagsabgeordneten für die Handels-Kammer in Czer nowitz wurde an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Heinrich Popper der deutschliberale Kandidat David Tittinger, der Vizepräsident der Handels-Kammer ist, einstimmig gewählt. — Die zweite Strafkammer des Landgerichts Dresden verhandelte in der Privatklagesache des Referendars Johannes Lehmann gfgen den Redakteur der „Deutschen Wacht", Huhle, beide in Dresden, Wegen Beleidigung. Es handelt sich um einen in genanntem Blatte erschienenen, gegen dem Privatkläger gerichteten Artikel, welcher die Spitzmarke trug: „Der schlaue Lehmann". Das Gericht erster Instanz verurtheilte damals den Beklagten zu einer Geldstrafe von 100 Mark, und das Berufungsgericht verwarf die vom Kläger und Beklagten aus entgegenstehenden Gründen eingelegten Rechtsmittel. — Hofrath Eduard Kaulla in Stuttgart hat das Ritterkreuz erster Klasse des Friedrichs-Ordens erhalten. — In Stuttgart hat sich ein provisorisches Komitee gebildet, welches die Begründung eines Land esasyls für Sieche und Greise anstrebt. Die Herren I. Spiegelthal und Louis Hirsch haben in Ausführung der gefaßten Beschlüsse die Gemeinden des Landes zur Mitwirkung auf gefordert. Der Vorstand des in Baden geplanten Asyls hat seine Vorarbeiten bereitwillig mitgetheilt. — S. A. Umgeher, Herausgeber des antisemitischen Tagblattes „Christliches Extrablatt", in Wien wurde wegen Kautionsschwindeleien verhaftet. — Dr. S. Dankowitz, früher Großrabbiner in Sofia, ist zum Schuldirektor in Tarnopol an Stelle des Herrn Dr. Taubeles, der auf dies Amt restgnirte, gewählt worden. — Der Ukas, betreffend die Krönungsfeierlichkeiten des Zaren in Moskau, enthält auch die Verordnung, die Geistlichen aller Religionsbekenntnisse einzuladen, darunter ist auch der Chacham der 3000 Karäer in Eupatoria erwähnt — nur die 5 Millionen russischer Juden sind nicht berücksichtigt! — Am 6. d. Mts. ist nach längerem Leiden der berühmte Rabbiner Jizchak Elchanan Spector in Kowno. eine der größten talmudischen Autoritäten der Gegenwart, gestorben. — Der Präsident der französischen Republik empfing in Lyon auch den Grand-Rabbin Alfred Levy und erwiederte auf dessen Begrüßung er sei glücklich, ein für allemal sagen zu können, daß es zwischen den Mitgliedern der großen französischen Familie keinen Unterschied gebe. — Camille Lyon, der bisher Kabinetschef im Justizministerium war, ist zum Staatsrath ernannt worden. — M. Cahen wurde zum Unterpräsekten in Verdun ernannt. — In Fontainebleau fand in der vergangenen Woche ein Duell zwischen dem jüdischen Artillerielieutenant Grunberg und einem Kameraden statt, der eine despektirliche Bemerkung über ihn gemacht hatte. Der Letztere wurde verwundet. — Mr. Charles Salaman, „der englische Schubert", dessen Ave Maria in der St.Peterskirche zu Rom gesungen wird, feierte jüngst seinen 82. Geburtstag. — Das eben publizirte Testament von Sir Julian Goldsmidt enthält Schenkungen von mehr als 10 000 Pfd Sterling für jüdische Wohlthätigkeitszwecke in London. — Die jüdische Gemeinde in Lissabon besitzt einen von Frauen begründeten Hilfsverein, Somech Noflim, der 90 Mitglieder zählt und den Zweck verfolgt, den Armen der Gemeinde zum Purim- und Paffahfeste und den Kranken Medikamente zu geben. — Der Bericht über die Kolonisation des Jangira. Staates in Indien erwähnt unter den Männern, die sich um dieses Werk am meisten verdient gemacht haben, auch Mr. Shaloam Bapuji, ein Mitglied der Beni Israel-Gemeinde in Indien. - Rev. A. P. Bender in Kapstadt wurde zum Professor für hebräische' Sprache am South African Kollege daselbst ernannt. — Die Stadtverwaltung von Coolgardie in Australien hat der dortigen jüdischen Gemeinde ein Stück Land zur Erbauung einer Synagoge und eines Hospitals unentgeltlich überlassen Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantworüich für die Redaktton. Mar Bauchwitz in Berlin.

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