Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1896)
- Date
- 1896-03-13
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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16erlin, 13. Mär; 1896. 60- Organs, Nr. N. Weikcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHuws". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §>2 Berlin, 11. März. Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hielt gestern Herr Syndikus Dr. Georg Minden vor einer sehr ansehnlichen Versammlung den letzten der öffentlichen Vorträge dieser Saison über das Thema.- „Zur ^Volkskunde lder Juden." Der geistvolle und interessante Vortrag, den wir schon in nächster Nummer . zu veröffentlichen in der erfreulichen Lage sein werden, fand allseitigen lebhaften^Beifall. — Aus den anderen Litteraturvereinen hören wir: In Frankfurt a. M. sprachen Herr Dr. I. Unna aus Frankfurt über R. Meir; C. Baruch aus Rothenburg; Herr Oberlehrer Dr. Kracauer aus Frankfurt über den Kampf gegen die Schriften des Judenthums 1509—1570; Herr Rabbiner Dr. Prager aus Kassel über das Drama in der biblischen Litteratur; Herr Dr. M. Ko hn aus Frankfurt über Don Jsaac Abarbanel; Herr Rabbiner Dr. Wernejr aus München über Weltschmerz und Judenthum. — In Aachen fand die Eröffnung des Vereins am Purimabend statt. Herr Dr. med. Simchowitz aus Köln hielt den ersten Vortrag über „die Juden im alten Rom". Der Verein zählt schon über 100 Mitglieder. Den Vorstand ^bilden: Rechtsanwalt Dr. Franken, Vorsitzender, Louis Mayer, stellvertretender Vorsitzender und die Herren Robert Marx, Carl Philip, H. Gottfeld, Ingenieur S. Oestreicher, M. jWallach. In der ersten Generalversammlung ist Herr Rabbiner Dr. Jaulus zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden.^ Am 17. er. wird Professor Dr. Philipp son über „Das sJudenthum und die Kulturreligionen" sprechen. — Am 5 Fd. M. sprach Professor Philippson in Breslau. Außerdem hielt Herr Albert Katz Vorträge in Thorn, Allenstein und Culmsee und Herr Rabbiner Felix Meyer in Mühlhausen über.'„die jüdischen Frauen". — Ein^neuer Verein, der den Namen „Israelitischer Fortbildungsverein" führt, hat sich in Samt er durch die Initiative des Rabbiners Dr. Wreschner gebildet. In der am 1. d. M. stattgehabten Generalversammlung, die sich eines regen Zuspruchs erfreute, wurden die Satzungen^festgestellt und der Vorstand gewählt. Derselbe besieht, außer dem Rabbiner, aus den Herren: Gustav Kauf, L. Wagner, Jul. Peyser, L. Kollenscher jun. und L. Holländer jun. Der junge Verein zählt bereits über 70 Mitglieder. Berlin, 8. März. Herrn Dr. phil. Felix Liebermann ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden. Der Gelehrte ist der Bruder des Malers Max Liebermann und gilt als ein ausgezeichneter Historiker. Er war lange Mitarbeiter an den »Llonumenta Germaniae“, später ging er im Aufträge der Regierung nach England und Schottland zu archivarischen Quellenstudien. Er bildete sich in der Geschichtswissenschaft hauptsächlich unter Reinhold Pauli in Göttingen. Liebermanns wissenschaftliche Arbeit bewegt sich auch wesentlich in den Geleisen der Paulischen Studien. Daß einem Privatgelehrten, wie es jetzt bei Liebermann geschehen ist, der Professortitel verliehen wird, ist im Ganzen ein seltenes Vorkommniß. ^»> Berlin, 9. März. Professor Dr. Moritz Steinschneider wird, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, an den beiden ersten jüdischen Ostertagen nicht zu Hause sein und sich durch eine kleine Reise jeder persönlichen Ovation an seinem 80. Geburtstage (30. März) entziehen. < Berlin, 6. März. Am 2. d. M. hielt der Verein „Esra". Verband Berlin, seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Moritz Dorn, erstattete vor den zahlreich erschienenen Mitgliedern über das abgelaufene Geschäftsjahr Bericht, der beifällig ausgenommen wurde, umsomehr, als er ein erfreuliches Wachsthum des Vereins konstatiren konnte.- Die Mitgliederzahl ist zwar nur um 46 gewachsen, da im vorigen Jahre 81 Mitglieder hinzugekommen, aber die Einnahmen aus den Mitglieder-Beiträgen steigerten sich um 800 Mark, so daß trotz der Minder-Einnahmen aus den Festen der Betrüg von 3300 Mark an das Central-Komitee abgeliefert werden konnte. Der alte Vorstand wurde per Akklamation wiedergewählt und an Stelle des wegen Ueberbürdung ausscheidenden Herrn Rosenstiel Herr Louis Unger zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Bei der Wahl der Delegirten entspann sich eine lebhafte Debatte über die für den Verein geeignetsten Mittel zur Agitation, an der sich die Herren Steinberg, Dr. Oppenheimer, Bambus, Dr. Löwe und Mozkin betheiligten. Die Versammlung wählte alsdann die Delegirten zur Generalversammlung des gesammten Vereins, die wahrscheinlich am zweiten Ostertag stattfinden wird, und der Vorsitzende schloß dann die Sitzung mit einem Appell an alle Anwesenden, für die Ausbreitung des Vereins nach Kräften thätig zu sein. Kp. Aus der Provinz Posen, im März. Vor Kurzem hatte die israelitische Gemeinde zu Schroda zwei schwere Verluste. In kurzer Aufeinanderfolge starb daselbst der Rentier Abraham Kessel und der Kaufmann Josef Kochein Ersterer war eine lange Reihe von Jahren Repräsentant und später Vorstandsmitglied der Gemeinde und Letzterer Vorstandsmitglied der Chewra Kadischa daselbst. Beide Mäuner hatten sich durch ihr rechtschaffenes und friedliebendes Wesen die Gunst und Achtung weiter Kreise erworben. — Die thätigen Mitglieder des israelitischen Krankenverpflegungs- und Leichenbestaltungsvereins : in Ostrowo haben den ersten Vorsteher der israelitischen Gemeinde daselbst, Fabrikbesitzer Fabian Fränkel, und den Repräsentantenvorsteher, Kaufmann Simon Spiro, zu Ehrenmirgliedern ernannt. — Nach dem ' Jahresbericht des israelitischen Armenoereins in Wreschen hat derselbe im abgelaufenen Jahre an monatlichen Beiträgen 1022 M. und an : Synagogenspenden 540,60 M. vereinnahmt. An Unterstützungen zahlte der Verein 623,50 M. an Gemeindearme und 394,60 M an auswärtige Arme. Außerdem wurden noch besondere Beihilfen an verschämte Arme in Höhe von 459,80 M. vertheilt. Der Verein zählt jetzt 80 Mitglieder. — In Schwerin a. W. ist der bisherige Synagogenvorsteher, königl. Lotterieeinnehmer und Kaufmann Simon Boas im Alter von; 70 Jahren gestorben. — An Stelle des vor Kurzem verstorbenen Rabbiners Dr. Hoffmann in Neustettin ist dessen Neffe, ein Sohn des Dozenten Dr. Hoffmann in Berlin, von der dortigen jüdischen Gemeinde zu ihrem Rabbiner gewählt worden. r. Aus Oberschlesien, 2. März. Ratibor. Der hiesige Israelitische Armenoerein beging jüngst im „Prinzen von Preußen" sein lOjähriges Stiftungsfest mit musikalischen Aufführungen, Theater und Souper. Um den ersten Theil machten sich ganz besonders Herr und Frau Platnauer verdient. Zur Aufführung gelangte das Lustspiel „Die Burgruine", in dem Apotheker Proskauer, Fräulein Hedwig Lion und Fräulein Minna Cohn besonders trefflich spielten. An der Tafel begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Fabrikbesitzer Hirsch, die sehr stattliche Versammlung und theilte mit, daß der Verein seit 10 Jahren die Summe von etwa 16 000 Mark unter verschämte Arme vertheilt habe. Der Verein zählt 170 Mitglieder. Fabrikbesitzer Hirsch brachte den Kaisertoast aus. An den Begründer des Vereins, Herrn Rabbiner Dr. Fried in Ulm, wurde ein Beglückwünschungstelegramm gesandt. Rabbiner Dr. Blumenthal feierte die menschen- * freundliche Tendenz des Vereins und weihte sein Glas dem Vorstande. Weitere Ansprachen hielten Dr. Böhm, Dr. Lindner und Dr. Bloch. Fabrikbesitzer Zander spendete anläßlich des Stiftungsfestes dem Verein 200 Mark. — Gleiwitz. Der hiesige israelitische Unterstützungsverein hielt im Saale der „Goldgrube" eine Soiree ab, die zahlreich besucht war. Kantor Cerini vom Breslauer Tempel hatte der an ihn ergangenen Einladung Folge geleistet und durch eine Reihe von; Gesangsvorträgen die Stimmnng der Theilnehmer sehr erhöht. Großes - Vergnügen bereitete die Aufführung der „Kinder - Symphonie" und der ' Einakter „Kurmärker und Piearde". — Kattowitz. Der „Israelitische Jungfrauenverein" beging jüngst im Wienerischen Saale unter großer