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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-03-13 · Heft 11 (13.3.1896) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129« Tagebüchern. Daselbst heißt es unter der Überschrift: 10. Januar 1852. „Es.ist in Baiern, wie Kuh mir sagt,, eine Broschüre wider die Juden erschienen, worin auch ich zu den Beschnittenen gerechnet werde. Nun, das würde ich nur übel nehmen, wenn ich ein Dukaten wäre." Neun Jahre nach der „Judith" erschien Hebbels „Herodes und Marianne", zu dem er die Vorstudien in Flavins Josephus' „Alterthümern" und „Jüdischem Kriege" gemacht hatte. Auch in diesem Stücke wich Hebbel mehrfach von Josephus zu Gunsten der Heldin ab. So schreibt Hebbel in einem Briefe an Bamberg: „Herodes verzeiht nach dem Josephus der Marianne den ersten Ehebruch und verurtheilt sie zum Tode wegen des zweiten; kann es Abgeschmackteres geben, und liegt nicht klar zu Tage, daß der Geschichtsschreiber entweder über den Charakter seines Helden oder über die Begebenheit durchaus mnunterrichtet war?" Durch „Herodes und Marianne" lenkte Hebbel die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich. So schreibt er in einem Briefe vom 18. August 1852 an Bamberg: „Meine Marianne ist nicht blos für die Belletristiker, sondern auch für die Wissenschaft Objekt ernstlicher Erörterung geworden; ich habe gediegene Abhandlungen . katholischer, protestantischer und jüdischer Theologen darüber gelesen." Wie aus Hebbels Tagebüchern hervorgeht, wollte er auch ein Drama „König David" und ein zweites „Abrahams Opfer" schreiben, wozu es aber nicht gekommen ist. Dagegen schrieb er im Jahre 1858 für den Komponisten A. Rubinstein einen Operntext „Opfer um Opfer", dessen Mittelpunkt der „hohe Rabbi Löw" bildet. Kbrichain Geigers Briefe an I. N^renlronrg. (1833-42) Herausgegeben von Prof. Dr. Ludwig Geiger. X. Wiesbaden. 27. März 1836. — Unterdessen, mein Lieber, habe ich Rabbinerschulmannsgeschäfte gehabt und dgl., aber auch einen gar herrlichen Brief von Zunz; dieser wird jetzt ein sehr wackerer Arbeiter für die Ztschr. werden, und man kann so auf immer größere Gediegenheit zählen; er hat eine sehr schön gehaltene Rezension über Sachs eingeschickt und berichtet, daß dieser nächstens etwas Exegetisches einseuden wird. Ich glaube allerdings, auch an diesem, sowie an Fürst — mit dem ich nun in Briefwechsel trete *) — gute Requisitionen gemacht zu haben, obgleich ich mich nicht zu ihrem Cliquenwesen hergeben werde. Mein Briefwechsel wird aber wirklich tagtäglich interessanter, und die Leute stehen alle so gut zu mir. Wenn ich nur auch eigentliche wissenschaftl. Theologen hätte, die nicht blos mit äußerer Gemeinde-und Gelehrtengeschichte, fonbern vorzüglich mit eigentlicher Litteratur-Geschichte oder noch besser mit Gesetzesgeschichte, bei uns Stellvertreter der Dogmengeschichte, obgleich auch diese im weiteren Sinn, d. h. als Geschichte der Glaubensansichten, nicht ganz fehlt, auftreten. Wie gerne würde ich dies Fach übernehmen, aber theils fet>Ieu mir die Hilfsmittel, theils die Zeit. Ich habe jetzt die Eliassage in Arbeit, aber erst blos Kollektaneen dazu; sie wird aber bearbeitet werden und sehr schöne Momente bieten, sowohl den >) Ein Brief an Fürst ist abgedruckt A. Geigers Leben S. 90-93. — Die Recenfion von Zunz über Sachs, Miss. Ztschr. II. S. 499—504. Ein Aufsatz von Sachs ist niemals für die. Zeitschrift geschrieben worden. agadisch-wiffenschaftlichen (das sind aber Glauben sichten), als den poetischen und halachischen — denn auch dieser geht nicht ganz leer aus — Gehalt umfassen. Eine andere Arbeit möchte ich gern übernehmen; aber dazu fehlt mir gar viel, nämlich die Geschichte der portugiesischen Juden in Amsterdam und Hamburg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Du mußt nämlich wissen, daß dies die bedeutende Epoche ist, in die Uriel Akosta und Spinoza, R. Manasse ben Israel mit seinem glücklichen Versuche, die Juden in England anzusiedeln, die famose, in Amsterdam so viel Rumor hervorbringende Begebenheit mit Schabbathai Zebi, gegen welchen R. Jakob Sasportas — damals in Hamburg —, der getaufte Portugiese Chacham Edzardus in Hamburg fallen, — eine höchst merkwürdige Zeit mit theilweisem Anklange an die uusrige. Aber woher die Schriften? Akostas exemplar humanae vitae hoffe ich zu bekommen, aber sein vielleicht noch wichtigeres: examen das trackieoSus phariseas eonferidas con ä Ley escrita par Uriel Acosta liebreo, com rej>osta ä hum Samuel de Silva, seu falso calumniador, Amsterdam s. a. (1624)? Dies ist sehr schlimm für mich. Sollten wir uns nicht zu dieser Arbeit vereinigen können? Ich würde die Arbeit redigiren, was Du wohl zufrieden sein wirst. XI. Wiesbaden, den 14. Mai 1836, Nachts. Mein lieber, guter, herzlichgeliebter Dernburg! Es hat Dich ein schmerzlichtrauriges Ereigniß betroffen, mein Lieber, und wer den würdigen Seligen gekannt hat, wird den Schmerz des liebenden Sohnes ermessen und rechtfertigen; des Freundes Herz fühlt ihn mit, und er möchte gerne um Dich sein, um durch seine Theilnahme, die er Dir beweiset, Dir zugleich den besten Trost zu geben. Der Trostgründe, bedürfte es deren für Dich? Wo, wie hier, ein hohes Alter dem Verstorbenen zu Theil ward, das Alter ein recht freundliches .war, das Scheiden weder durch besonderen Schmerz noch durch den hetrübenden Gedanken, seinen Lieben eine Stütze in sich zu entziehen, erschwert wird, wo vielmehr alle Verhältnisse so geebnet sind, da bedarf es für den Verständigen und den Gläubigen, dem die Wege per Vorsehung heilig sind, weiter keiner aus dem niederdrückenden Gefühle erhebenden Gründe. Mein Dernburg wird über dem liebenden Sohn den Menschen, der im Reiche einer größeren Welt lebt, nicht vergessen und sich nicht zu sehr dem Kunnner hingeben; die Thränen ehre ich, kränkelnde Schwäche traue ich Dir nicht zu. Du bist, gottlob, auch nicht in den engen Kreis der Familie gebannt; Deine Wirksamkeit ist umfassender und muß es sein. So oft ich an einen Brief für Dich gehe, konnnt mir immer .der Gedanke: wann sehen wir uns denn einmal wieder? Die Antwort lautet: wer weiß? Du mußt nämlich wissen, mein Lieber, daß ich dieses Frühjahr nicht nach Bonn gehe. Wie schmerzlich es meiner Emilie und mir sein muß, mit ungewiffer Miene vor aller Welt Augen zu erscheinen, läßt sich ja leicht denken, und da zogen wir es vor, lieber das Wiedersehen zu verschieben, bis einst die langersehnte Zeit kommt, die. wenn auch nicht ewiges Zusammensein, doch die sichere Bürgschaft dafür bringt. Vielleicht besucht jedoch sie mich im August hier, und diese große Freude verdanke ich der Reise von Schwägerin Jettchen zu ihren Eltern nach Weilburg, die dann ihre Rückreise über Wiesbaden antreten und hier von ihrem Mann, den Emilie begleitet, abgeholt wird. Möge nichts dazwischen kommen! Erst im letzten Briefe schrieb mir das liebe Mädchen, sie habe einem Briefe Cohn's an Dich einige Worte beifügen wollen, der Brief aber war überfüllt und geschloffen; sie wird eine andere ähnliche Gelegenheit abwarten. Wenn sie nicht besonderes an Dich schreibt, so wirst Du sie leicht entschuldigen. Ihr ganzes Wesen ist

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