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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-03-06 · Heft 10 (6.3.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 10 (6.3.1896)
Date
1896-03-06
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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firmen sich befinden, wurde Herr G. Plaut, trotz eifriger Gegenagitation, mit großer Majorität wieder zum Mitglied der Handelskammer gewählt. # Langenschwalbach, 24. Februar. Am 23. d. M. begmg der Religionslehrer und Kantor der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Raphael Greif, sein 26jähriges Jubiläum. Reiche Gaben und sinnige Geschenke der Gemeinde, früherer und gegenwärtiger Schüler, sowie viele Aufmerksamkeiten auch über den Rahmen der Gemeinde hinaus, von Freunden und Verehrern aus der nichtjüdischen Bevölkerung zeigten dem Jubilar, welche Achtung er sich im Laufe seiner hiesigen Wirksamkeit erworben hatte. Den Mittelpunkt der Feier bildete das Banket, das die Gemeinde im schön gelegenen „Hotel de Paris" veranstaltete. Zur Verherrlichung des Festes trug durch seine Anwesenheit auch der Landrath des Kreises, Herr v. Köller, bei. Nach einem von einer früheren Schülerin gesprochenen sinnigen Prolog ergriff Herr Bezirksrabbiner Dr. Silberstein aus Wiesbaden das Wort, um, einem ehrenvollen Austrage der königlichen Regierung gemäß, dem Jubilar das Beglückwünschungsschreiben des Herrn Regierungs-Präsidenten nach einer längeren, die Verdienste des Jubilars würdigenden Ansprache zu überreichen. Hieran schloß sich ein allerliebstes Bild. Drei Enkelinnen des Jubilars, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darstellend, überreichten dem Gefeierten unter sinnigen Versen Gaben, die dem Charakter ihrer Rolle entsprachen. Den Reigen der Toaste eröffnete Herr Dr. Silberstein mit einem Trinkspruch auf den Kaiser, dem die Versammlung begeistert zustimmte; Herr Henlein weihte in längerer Ausführung dem um die Gemeinde verdienten Jubilar fein Glas. Dieser selbst gab den Gefühlen, die ihn bewegten, in längerer Ansprache beredten Ausdruck und trank auf das Wohl Aller, die ihm diesen schönen Tag bereitet haben. Driburg, 1. März. Die „Driburger Ztg." enthält das folgende charakteristische Inserat: Widerruf und Erklärung. Das zu Kassel erscheinende Antisemitische Volksblatt enthält in seiner Nummer vom 28. September 1886 einen Schmähartikel, betitelt: „Juda in der Sommerfrische", dessen Verfasser und Verbreiter ich bin und der gegen Herrn Alex Flechtheim zu Brakel und dessen Familie gerichtet war. Herr Flechtheim erhob darauf gegen mich bei dem königlichen Amtsgericht zu Brakel Privatklage, und wurde ich in der am l 3. Dezembervorigen Jahres stattgefundenen Sitzung des Schöffengerichts der Thäterschaft überführt und zu einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten kostenpflichtig verurtheilt. Herr Flechtheim hat sich aus Rücksicht auf meine Verwandten und auch, weil er meinem verstorbenen Vater.befreundet war, bereit erklärt, gegen diese Erklärung und gegen bereits erfolgte Zahlung einer Buße von 500 Mark, welche an Arme und Kranke der Stadt Brakel zu vertheilen sind, sowie ferner gegen Uebernahme der Kosten den Strafantrag zurückzuziehen. Ich erkläre nun hiermit, daß alles Nachtheilige, was besagier Artikel über Herrn Flechtheim und dessen Familie enthält, Verleumdungen und Entstellungen der schändlichsten Art sind und daß meine Handlungsweise um so verwerflicher war, als mir jedweder Anlaß dazu fehlte, da ich niemals persönlichen oder gesellschaftlichen noch geschäftlichen Verkehr, sei es mit ihm, sei es mit seiner Familie, gehabt habe. Brakel, den 29. Januar 1896. Vincenz Brinkmann, zur Zeit Driburg. ' B. H. Stuttgart, im März. Eine ehrende Auszeichnung wurde Herrn Elcan Gutmann in Oberdorf zu Theil, indem ihm vom Könige in gerechter Würdigung seiner 45jährigen ersprießlichen Dienstleistungen in dem Kultus- und Gemeindewesen seines Ortes der Friedrichs-Orden verliehen wurde. Diese Auszeichnung fand im ganzen Amtsbezirk freudigen Widerhall, weil sie einem Manne zu Theil geworden ist, der trotz feines ausgedehnten geschäftlichen Berufs immer noch Zeit fand, die mannigfaltigsten Ehren-Aemter, mit denen ihn das Vertrauen seiner Mitbürger, sowie die geistlichen und weltlichen Behörden beehrten, in uneigennütziger Weise zu verwalten, und der unausgesetzt an allen humanen Bestrebungen des Landes fördernden Antheil nahm. Gutmann war auch einer derjenigen Männer, die im Jahre 1862 gegen die im Lande sich geltend machende Reaktion zur Schmälerung der im Jahre 1849 erworbenen Rechte der Israeliten ankämpste und im Verein mit Gleichgesinnten für die Emanzipation der Juden in Württemberg erfolgreich thätig. war. Oesterreich-Ungarn. o Wien, 3. März. Im Lager der Antisemiten herrscht Jubel über den großen Wahlsieg, durch den ihre Partei abermals schon jetzt über 78 von 138 Mandaten verfügt; da ihnen auch im ersten Wahlkörper eine größere Anzahl Mandate gesichert ist, werden sie aus dem Wahlkampf mindestens in derselben Stärke hervorgehen wie im vorigen Jahre. Die von den Antisemiten ausgestreute Meldung, Badern verhandle mit Lueger neuerlich über die Bedingungen für seine Bestätigung als Bürgermeister, ist unbegründet. Bezeichnend für die mehr als laue Theilnahme speziell der jüdischen Wähler ist die wahrhaft beschämende Thatsache, daß im zweiten Bezirke (Leopoldstadt!) ein Antisemit vom dritten Wahlkörper in den Gemeinderath gesendet wird. Wohin soll das führen? Diese Frage schwebt auf allen Lippen, und wir sehen hier noch bösen Tagen entgegen; denn ehe sich der leicht erregte Sinn des Volkes von diesen Irrlehren abwendet, eh' müssen diese Jrrlehrer vollends zur Macht gelangen, und dann erst, wenn die irregeleitete Menge einsehen gelernt hat, wie wenig die Hetzer halten von dem Vielen, das sie versprochen, — dann erst kann Ruhe werden. Bis dahin heißt es ertragen und auf Gott vertrauen. Wie verderblich die Lehren der Antisemiten auf das Volk einwirken, zeigen Fälle gleich dem nachstehenden: Der im 18. Bezirke, Czermakgasfe Nr. 14 wohnhafte Postoffizial Josef Bresenhuber, ein eifriger Anhänger der antisemitischen Partei, zeigte sich in letzter Zeit, ganz besonders anläßlich der Wahlbewegung, von einer auffallenden Nervosität und Exaltation, die seiner Umgebung die größten Besorgnisse einflößten. Bresenhuber behauptete nämlich, von Gott gesendet zu sein, um eine neue Weltordnung einzurichten. Dr. Lueger werde Bürgermeister und der „schwarze Prinz" Ministerpräsident werden. Auf Veranlassung des Polizeikommissariats Währing wurde Bresenhuber auf die psychiatrische Abtheilung des Allgemeinen Krankenhauses überführt. — Im nahen Mistelb ach wurde vergangenen Monat der neue israelitische Tempel eingeweiht. Bei der Feier fungirte Oberkantor Goldstein mit dem gesammten Chor. Der provisorische Bezirks-Rabbiner, Herr Wilhelm Sor, ferner der Rabbiner der Kultusgemeinde Nikolsburg, sowie mehrere Rabbiner der Umgebung nahmen an der schönen Feier Theil. — Das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes in Galizien und in der Bukowina veröffentlicht soeben seinen Bericht. Derselbe umfaßt den Zeitraum vom 1. Januar 1894 bis 31. August 1895. Die Berichte werden fortan nicht, wie bisher, zu Ablauf des Kalenderjahres, sondern zu Ende des Schuljahres erstattet werden. Aus dem vorliegenden Berichte, der über alle Details mit schätzenswerther Klarheit sich ergeht, ersehen wir, daß die Männer, welche berufen sind, diese den edelsten Zielen gewidmete Stiftung zu leiten, unermüdlich bestrebt sind, im Geiste des hochherzigen Stifters zu arbeiten und zu schaffen, und daß das Werk der Aufklärung und Volksbildung immer mehr Fortschritte und Erfolge aufweist. Die Mittheilungen über die Fortschritte der Schüler in den verschiedenen Schulen sind sehr befriedigend. An Stelle des verstorbenen Dr. A. Jellinek wurde Herr Oberrabbiner Dr. M. Güdemann in das Kuratorium kooptirt und in der Plenarsitzung vom 27. März zum Vizepräsidenten gewählt. — Der Rechenschaftsbericht des i s r a e l i t i s ch e n T a u b st u m m e n - I n st i t u t s in Wien, welchen der Vorstand, der auf große Verdienste Hinweisen kann, veröffentlicht, erregt schmerzliche Gefühle. Kein Zweifel, dieWirksamkeit der Anstalt ist so segensreich und verdienstlich wie je, die Zahl der Unglücklichen, welche ihr ein menschenwürdiges Dasein danken, ist eine stets größere, aber — die materiellen Zuflüsse haben eine Abnahme erlitten. Die Verwaltung sah sich infolge dessen genöthigt, eine 3000 fl.- Rente aus dem Stammvermögen der Anstalt zu veräußern. Diese Thatsache ist ungemein betrübend! 8. Budapest, 2. März. Im Interesse des Landesfonds, der die Stütze aller Kundgebungen unseres konfessionellen Lebens, die ständige Hilfsquelle der Kultusgemeinden und die erhaltende Kraft der gemeinsamen Institutionen werden soll, hat die Fondskommission einen s^wungvollen Aufruf an die vaterländische Judenschaft gerichtet, deren rverkthätige Mitwirkung die Errichtung eines würdigen Denkmales, welches an der Schwelle des zweiten Jahrtausends des ungarischen Staates unsere Glaubenstreue und unseren Patriotismus .verkünden soll, ermöglichen möge. Daß die ungarische Judenschaft das eine große geschichtliche Bedeutung besitzende Ereigniß, welches unsere uralte Religion iy die Reihe der gesetzlich rezipirten Religionen erhob, nicht nur mit

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