Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1896)
- Date
- 1896-03-06
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228148-3228159--52642-3258275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«DWWWNWWWNMWWWNWWMWWWWWWWDWWWMWVW^WWWZFDWWWMI tiefen, von echter Gefühlswärme durchströmten, über eine Stunde die Zuhörerschaft fesselnden Bortrage das interessante und lehrreiche Thema: ,,Moses Mendelssohn und das Judenthum seiner Zeit." Anr letzten Sonnabend Abend sprach Herr Dr. jur. H. Preuß über das erste deutsche Parlament. In der folgenden Woche wird Professor Dr. E. Goldstein seinen bereits mit so großem Beifall in der Kriegsakademie aufgenommenen Vortrag: „Ueber die Röntgenffchen X-Strahlen" halten. Wie wir hören, sind Eintrittskarten,, soweit der Raum es gestattet, auch <W Abende der Vorträge im Friedrich-Werderschen Gymnasium erhältlich. J. Berlin, 3. März. Jeden, der nur einigermaßen Mustkliebhaber ist, dürften die jetzt so zahlreichen Notizen der Tagespressein welchen über die Ankunft und das Auftreten eines Wunderkindes auf dem Gebiete der Instrumentalmusik Bericht erstattet wird, in Erstaunen versetzen. Dieser an sich merkwürdigen Erscheinung wird man umsomehr ein warmes Interesse entgegen bringen, als gerade die edle Kunst des Geigenspieles besondere Naturveranlagung bedingt, die außer einem richtigen Gehör noch ein starkes empfindungsreiches Temperament erfordert. Für uns sind diese musikalischen Wunderkinder aber auch noch ein Gegenstand besonderen Interesses. Sie sind nämlich sämmtlich Juden. Bor allem sind die 4 jugendlichen.Virtuosen anzuführen-. Max Gibianski 10'/2 Jahr, Bronislaw Hubermann 13 Jahr, L. Sussmann 13 Jahr, L. Argewitsch 15 Jahr, die erst in den letzten Wochen durch ihre außergewöhnliche Begabung allgemeines Aufsehen erregten. Namentlich muß der kleine Max Gibianski hervorgehoben werden, der erst das zehnte Jahr überschritten und doch seiner kleinen Geige die wundervollsten kräftigen Töne zu entlocken weiß. Der zarte Knabe, dessen Vater, nebenbei bemerkt, ein bekannter hebräischer Litterat aus Warschau ist, errang sich in kürzester Zeit die Sympathien der ersten Kapazitäten des Geigenspieles, vor Allem des Geigerkönigs Jo all) im, was füglich als bestes Zeugniß für seine geniale Veranlagung angesehen werden kann. Wie viele solcher Talente mögen aber wohl, in der Armuth und Unwissenheit, die den Osten beherrschen, ohne weiteres zu Grunde gehen? . - N. Ans Westpreußen, 26. Februar. Vorgestern früh verstarb in Strasburg nach kurzem Krankenlager der in weiten Kreisen bekannte und beliebte Rabbiner Dr. Stiebe!, der vor zwei Jahren ist der Graudenzer Zeitung „Der Gesellige" so wacker das Judenthum gegen antisemitische Angriffe vertheidigt hat, im Alter von 55 Jahren. — Auf dem jüdischen Friedhofe in Märkisch-Friedland sind von ruchloser' Hand 22 Leichensteine umgerissen und zum Theil zertrümmert worden. — Der Kaufmann H. in Krojanke wurde von der jüdischen Gemeinde zum stellvertretenden Vorsteher gewählt, lehnte aber die Wahl troH wiederholter Aufforderung ab. Infolgedessen hat die Gemeinde bei der Regierung seine Bestrafung unter Entziehung des Wahlrechts auf 15 Jahre beantragt, welches Strafmaß die Behörde aber auf 6 Jahre herabgemindert hat. — In Pr. Stargard wurde Herr Goldfarb in der diesjährigen ersten Stadtverordnetensitzung als wiedergewählter Beigeordneter in sein Amt eingeführt und Herr Wolffheim zum stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher wiedergewählt. — In Marienburg wird eine neue Synagoge gebaut, die ihren Platz gegenüber dem monumentalen Postgebäude findet. — In Sch wetz feierte der ^-israelitische Frauenverein", der im Stillen sehr segensreich wirkt, sein' 34. Stiftungsfest, das als ein wohlgelungenes bezeichnet werden kann. — Der Synagogenvorsteher David Förder in Gollantsch verläßt in" nächster Zeit unseren Ort und verzieht nach Beuthen i. Oberschl. Die Gemeinde verliert in ihm ein sehr thätiges Mitglied, welches stets bestrebt war, das Wohl der Gemeinde zu fördern. Lx. Aus der Provinz Posen, im März. Anfangs v. Mts. beging in voller Rüstigkeit das langjährige Vorstandsmitglied der israelitischen Gemeinde in Kolmar i. P, I. Zander den 80. Geburtstag. Das Repräsentantenkollegium sowie die Vorstandsmitglieder erschienen bei ihrem Kollegen, um diesem ihre Glückwünsche darzubringen. — Rabbiner Dr^ Hahn in Stolp, welcher daselbst 35 Jahre hindurch sein Ämt verwaltet hat, ist in den Ruhestand getreten. — Dem jüdischen, Litteraturverein in Schneidemühl gehören jetzt 93 Mitglieder an. Im abgelaufenen Vereinsjahr hat der Verein 510 Mark eingenommen und 335 Mark ausgegeben. — Stadtverordnetenvorsteher Kaufmann Herzfeld in Gr ätz feierte jüngst das 25 jährige Jubiläum als Stadtver-' ordneter. Er ist schon seit 16 Jahren ununterbrochen einstimmig als Vorsteher der Stadtverordneten gewählt worden. Aus Anlaß des Jubiläums ist ihm eine Dankadresse überreicht worden. — Bei der jüngst in Osterode vollzogenen Ersatz-Wahl von Repräsentanten und Stellvertreter der jüdischen Gemeinde wurden die Herren Kaufmann Aron Lewin, Max Friedländer I., Siegfried Jacobsohn, Dampfschneidemühlenbesitzer M. Höchstem und praktischer Arzt Ritterband auf sechs Jahre wieder- und Kaufmann Max Friedländer auf drei Jahre neugewählt. Zu Stellvertretern wurden die Kaufleute Bernhard Lewy und Max Lipski gewählt. —, Unter sehr großer Betheiligung aller Stände feierte am 9. d. M. der-Kantor Kasse in Liebstadt sein 50jähriges Dienstjubiläum. In der Synagoge fand eine Feier statt, in welcher ein Neffe des Jubilars, Dr. Rosenthal aus Pr. Stargard, die Festrede hielt. — Mit dem Ban eines israelitischen Waisenhauses in Jnowrazlaw hat man bereits begonnen. Bekanntlich hat zu demselben der vor einem Jahre verstorbene Rentier Wolfsohn in Breslau ein Geschenk von 500 000 Mark vermacht. — In Ostrowo ist zum Besten des israelitischen Frauenvereins am 9. d. M. eine Wohlthätigkeitsvorstellung veranstaltet worden, die von Leuten christlicher und israelitischer Konfession so zahlreich besucht war, daß sie einen Ertrag von circa 700 Mark ergab. 6. Lissa, 2. März. Am 27. v. Mts. feierte der Obermeister der Schneiderinnung, der frühere erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Marcus Danziger zu Schmiegel seinen 80. Geburtstag. Da der Jubilar sich jede geräuschvolle Festlichkeit verbeten hatte, so waren die auswärtigen Verwandten der Festlichkeit serngeblieben, desto zahlreicher liefen dafür Briefe und Depeschen ein, welche die stattliche Zahl von 300 erreichten. Der Gemeindeoorstand erschien in corpore und überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und ein Geschenk. Im Namen der Stadt erschienen unter Führung des Bürgermeisters Kluge, welcher eine sehr schöne Ansprache hielt, Magistrat und Stadtverordnete. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch viele Geburtstage in solcher Rüstigkeit zu feiern! $ Frankfurt a. O., 1. März. Am 1. April a. c. sind es 25 Jahre, daß Herr. E. Abraham als Kantor und Lehrer bei der hiesigen Synagogen-Gemeinde ausgenommen wurde. Herr Abraham ist direkt vom Seminar in die hiesige Stellung gelangt und hat es verstanden, durch von ernstem Eifer unterstützte Tüchtigkeit sich die Anerkennung und Achtung weiter Kreise zu erwerben. Der von ihm in neuerer Zeit eingerichtete Gottesdienst mit Orgel ist überaus erhebend, so daß viele Gemeinde-Mitglieder, die dem Gotteshause fast entfremdet waren, jetzt ständige Besucher desselben sind. Möge es dem wackeren Manne beschieden sein, sich noch recht viele Jahre an den Erfolgen seiner Berufsthätigkeit zu erfreuen. L. Hannover, im März. Der Rechenschaftsbericht über die Verwaltung des Vereins zur Unterstützung israelitischer Armen und Beseitigung der Hausbettelei in der Synagogen- Gemeinde zu Hannover im fünfzehnten Jahre seines Bestehens weist eine Einnahme von 9788,47 Mark und eine Ausgabe von 11171,58 Mark auf, so daß der Bestand aus dem Vorjahre — 1635 Mark — um 1383,11 Mark in Anspruch genommen werden mußte. Die Unterstützungen an hiesige Arme und Anstalten in wöchentlichen und monatlichen Raten haben sich in erfreulicher Weise in gleicher Höhe erhalten, während die einmaligen Unterstützungen an hiesige Arme sich von 502,98 Mark auf 931 Mark erhöht haben. An 12 Parteien wurden Darlehen und Vorschüsse gewährt; die Ausgaben für die Unterstützungen an durchreisende Arme haben eine Ermäßigung von 6670,60 Mark im vorigen Jahre auf 5209,20 Mark erfahren und sind an 1613 Parteien gegen 1932 im Vorjahre geleistet worden. Bon den 658 beitragenden Mitgliedern unserer Gemeinde gehören dem Vereine n'ur 344 Mitglieder an, was bei der wohlthätigen Wirksamkeit des Vereins nur zu bedauern ist. — Die Herren Bankier Emil und Siegmund L. Meyer haben auch in diesem Jahre am Sterbetage ihres sel. Vaters, des Geheimen Kommerzienraths Louis E. Meyer, dem Magistrate hiesiger Stadt 1000 Mark und der benachbarten Stadt Linden 200 Mark zur Vertheilung an Arme überwiesen, sowie 300 Mark dem Komitee für Ferienkolonien und 200 Mark dem Verein zur Verabreichung eines Milchfrühstücks an arme Kinder. Die Zinsen des Stiftungskapitals von 100 000 Mark wurden zur Vertheilung an israelitische Vereine und Stiftungen dem Gemeindevorstand zugesandt. — In dem Nachbarstädtchen Uelzen, wo etwa 120 christliche und 5 jüdische ins Handelsregister eingetragene Handels-