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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-03-06 · Heft 10 (6.3.1896) · p. Seite 113

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 10 (6.3.1896)
Date
1896-03-06
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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diesen in den unteren Stünden sich befindenden Leuten ütiie, die man unter dieser rauhen Hülle uiiinnev vermuthet Hütte. Die Amicitiazöglinge versetzten die Gäste in die fröhlichste Stimmung. Die „Amicitia" tritt nunmehr in das zweite Vierteljahrhuudert ihrer Wirksamkeit. Was sie bisher geleistet, ist eingegraben in viele dankbare Herzen. Der Kreis ihres Wirkens mag klein sein, aber ihr Wirken ist intensiv und berücksichtigt jede individuelle Anlage. Wenn nach dem herrlichen Worte des Talmud Derjenige, der nur eine einzige Seele vor dem Untergänge bewahrt hat, als der Retter einer ganzen Welt zu Preisen ist. wie hoch muß man dann die Summe ziehen, die in der Wirksamkeit der „Amicitia" liegt, da es ihr in einer so langen Reihe von Jahren vergönnt war, eine jedenfalls nicht unbeträchtliche Zahl von Glaubensgenossen dem geistigen und wirthschaftlichen Tode zu entreißen und sie dem Quell lebendigen Wassers, dem der Bildung und Kultur, zuznsühren. Möge es ihr beschieden sein, im zweiten Vierteljahrhundert noch schönere Lorbeeren auf dem Gebiete gemeinnützigen Wohlthuus zu ernten. Air Schulen in Palästina. Von W. Bambus. I. f er gebildete Europäer kann sich, wenn nicht aus eigenem Augenschein, keinen Begriff davon machen, welche Bedeutung im Leben des Orients die Schule und zwar die konfessionelle Schule hat. Wir sind in Europa glücklicherweise durch die allgemeine Volksschule u. s. w. so verwöhnt, daß wir einen geordneten Schuluuterricht als ganz selbstverständlich betrachten und lvir Juden speziell in Deutschland haben uns auch in einem solchen Maße an die staatliche Simultanschule gewöhnt, daß es uns bereits als etwas eigenthümliches erscheint, wenn als Ueberbleibsel früherer Zeiten oder durch den Antisemitismus provozirt in einigen Gemeinden Deutschlands noch konfessionelle Schulen bestehen. Ganz anders liegen die Dinge im Orient und speziell in Palästina, dem Lande, wo alle monotheistischen Religionen und Konfessionen vertreten sind und wo öffentliche vom Staate eingerichtete Schulen so gut wie gar nicht bestehen. In diesem Laude sind die wenigen vorhandenen Unterrichtsaustalten ungleich eiuflußreicheruudbedeutsamer als in Europa und.bei dem außerordentlichen Einfluß, den dort die Religion auf das ganze Leben ausübt. ist es selbstverstündlich, daß die Schulen streng konfessionell geordnet sind. Natürlich bedeutet konfessionell geordnet nicht, daß nicht auch Schüler anderen Glaubens gern Aufnahme finden; im Gegentheil, wenigstens so weit die christlichen Schulen in Frage kommen, ist dies sogar in vielen Füllen der Hauptzweck. In keinem Lande der Welt spielt die Mission eine so große Nolle wie in Palästina und hier wie überall findet sie das beste Arbeitsfeld unter der Jugend der Armen. Selbst da, tvo von den Angehörigen der respektiven Konfession nur sehr wenige vorhanden sind, besitzen sie doch mit den in Europa gesammelten Mitteln große und zum Theil vorzügliche Schulen, von Griechisch- und Römisch- Katholischen, von Protestanten und Armeniern geschaffen, und die Gründer und Leiter rechnen darauf, durch den gratis ertheilten Unterricht recht viele arabische und besonders jüdische Kinder hinein zu ziehen und für ihre Missionszwecke zu gewinnen. Bedeutsam ist diese Tendenz gegenüber den Juden, denn auch in Palästina macht sich der überall den Juden innewohnende Drang bemerkbar, den Kindern eine möglichst gute Bildung angedeihen zu lasten. Diese Zwangslage uöthigte auch die Juden des Occidents, die sich ihrer Glaubensgenossen auuahmen, Schulen ins Leben zu rufen, und neben einigen Privatleuten ist es in erster Linie das Verdienst der Alliance israelite universelle, daß die jüdischen Kinder jetzt auch Unterricht in eigenen Schulen erhalten können und nicht wie früher entweder ohne jeden geordneten Unterricht aufwachsen oder den Missionsschulen anheim fallen müssen. Noch eine Eigeuthümlichkeit weisen in Palästina wie im Orient, überhaupt alle Schulen auf, die von Europäern organisirt sind; sie beschränken sich nicht darauf, den Kindern einen allgemeinen Unterricht zu ertheilen in Elementarfächern, sondern sie knüpfen in den meisten Fällen daran einen Unterricht im Handwerk oder anderen Berufszweigen, wie sie den örtlichen Verhältnissen entsprechen. Auch die Alliance huldigt dieser durch die Verhältnisse gebotenen Theorie. Die älteste und zwar nicht größte, aber doch bekannteste Schule der Alliance israelite universelle in Palästina ist die Ackerbauschule Mikweh Jisroel, die bereits 1868 gegründet worden ist. Aber es hat viele Jahre unendliche Mühe gekostet, bis man sagen konnte, daß ihre Entwickelung in gesunde Bahnen geleitet worden ist. Heute aber bildet diese Schule unzweifelhaft unter allen Leistungen der Alliance eine ganz besondere Ruhmesthat. Die Schule liegt nicht weit von der Hafenstadt Jaffa und nimmt den Raum eines kleinen Gutes ein. Sie pflegt alle Arten des im Lande üblichen Landbaues und ergänzt diese Thütigkeit durch fortgesetzte Versuche, neue Kulturpflanzen zu versuchen und zu akklimatisiren. Die Schule, die jetzt unter der außerordentlich geschickten Leiluug des Direktors Niego steht, zählt hundert Schüler, und hat damit das Maximum ihrer Ausdehnung erreicht, da die vorhandenen Gebäude eine weitere Aufnahme von Schülern nicht gestatten und der der Kolonie zur Verfügung stehende Besitz an Land ebensowenig wie die Rücksichten auf eine geordnete Beaufsichtigung der einzelnen Zöglinge es angezeigt erscheinen lassen, neue Bauten vorzunehmen. Von den Schülern ist eine nicht unbedeutende Anzahl in anderen Ländern als Palästina zu Haus, die zu ihrer Ausbildung von ihren Eltern nach Mikweh gesandt sind und für die eine Pension gezahlt wird. Von den ausgebildeten Schülern sind viele auf den Ackerbaukolonien in Palästina in den verschiedensten Stellungen thätig, während eine noch größere Anzahl als Gärtner innerhalb und außerhalb Palästinas bei Juden und, was besonders hervorgehoben zu werden verdient, bei Türken Stellung gefunden haben. In neuester Zeit bemüht sich die Verwaltung der Kolonien des Baron Hirsch, möglichst viele ausgebildete Schüler von Mikweh Jisroel als Aufseher zu eugagiren, worin man eine ehrende Auerkeuuuug der vorzüglichsten Leistungen dieser Schule finden muß. Die Zöglinge erhalten einen vollständigen Elementarunterricht, aber auch einen weiteren Unterricht in den verschiedenen Fächern, die sich auf die Landwirthschaft beziehen. Dieser Unterricht wird durch eine umfangreiche Bibliothek und besonders vorzügliche Lehrmittel, wie Thier- und Pflanzeubilder, unterstützt. Während die eine Hälfte des Tages dieser theoretischen Arbeit gelvidmet ist. müssen die Schüler in der anderen Hälfte des Tages praktisch arbeiten und die gewonnenen Kenntnisse sofort anwenden. Die Schule treibt einen ausgedehnten Weinbau und besitzt zu diesem Zwecke auch die nöthigen Keltereien und einen vorzüglichen, in einen Felsen gehauenen Weinkeller von erheblicher Ausdehnung. Sie produzirt jährlich 700 Hektoliter der verschiedensten Sorten, die theils im Lande, theils nach Aegypten verkauft werden und deren Ertrag einen wesentlichen Faktor bei der Deckung der Kosten bildet. Außer diesen Weinbergen wird eine große Anzahl von Frnchtbäumen gezogen, wie Orangen, Cltronen, Granaten, Feigen, Datteln, Mandeln, Bananen rc., auch für andere Baumarten besteht eine Baumschule,

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