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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-02-28 · Heft 9 (28.2.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Professor Dr. Horowitz, Rabbiner Dr. Rosenberg und Kaufmann Adolf Jacob wurden einstimmig wiedergewählt. Die Zahl der Mitglieder beträgt 170. Die Einnahmen des Vereins betrugen im Jahre 1893 1066,33 Mark, die Ausgaben 419,42 Mark; Bestand 646,91 Mark, hiervon sind 500 Mark bei der städtischen Sparkasse zinsbar angelegt. Vier Handwerks-Lehrlinge werden vom Vereine unterstützt und durch Vorstandsmitglieder während der Lehrzeit genau kontrolirt, so daß auch nach dieser Seite hin der Verein einen erfreulichen Fortschritt erzielte. Ein größerer Theil der Ausgaben wurde zur Erweiterung der Bibliothek verwendet, so daß diese jetzt fast 200 Bände beträgt. Im Laufe des vergangenen Jahres wurden 20 Vorträge, an die sich meist lebhafte Diskussionen anschlossen, fast nur von Mitgliedern gehalten^ nur wenige auswärtige Redner berief der Verein. In den letzten Vereinssttzungen Hielten Vorträge: Lehrer B risch aus Culmsee über Jehudah Halevi, Kaufmann Wiener über Jacob Frank und die Frankisten. Kaufmann Louis Kalischer über Hillel I., den Präsidenten des Synhedriums, Bäckermeister Lewinsohn über Zeitrechnung, mit besonderer Berücksichtigung des jüdischen Kalenders. L2 Berlin, 24. Februar. Am 18. d. Mts. begann der Akademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratur die Feier seines 13. Stiftungsfestes mit einem von Gästen, befreundeten Korporationen und „alten Herren" zahlreich besuchten Kommerse. Als derselbe mit dem Kaisersalamander gegen 8V2 Uhr seine Eröffnung gesunden hatte, gab der erste Vorsitzende eanä. phil. Sachs einen kurzen Ueberblick über das verstossene Vereinsjahr, der in dem Satze gipfelte, daß der A. I. G. V. in kräftigem Aufblühen begriffen sei und durch seine Vergangenheit und seine gegenwärtige Stärke sich wohl berechtigt fühle, mit größtem Vertrauen der Zukunft entgegenzusehen. Als dann die Begrüßung der Gäste und „alten Herren" seitens der Aktiven stud. mecl. Oskar Moses und slud. iur. Bernhard Weyl stattgefunden hatte, gedachte unser Ehrenmitglied, Herr Professor Dr. Martin Philippson der Bedeutung des Vereins und seiner großen Ziele. Redner hob hervor, daß wir eines der interessantesten und der Aufklärung noch sehr bedürftigen Gebiete der Allgemeingeschichte zum Studium auserkoren hätten, und da unsere Bestrebungen weder dem Brodstudium der Einzelnen förderlich seien, noch sonstwie politische oder religiöse Tendenzbestrebungen zeigten, so sei es nur allzu natürlich, wenn dem Vereine alle Diejenigen sympathisch gegenüberständen, welche sich die Liebe zur Wissenschaft als solcher und den ruhig objektiven Sinn bewahrt hätten. Den Schluß der mehrere Tage dauernden Festlichkeiten bildete ein Festessen mit Ball, welches, vom „Verbände alter Herrn" des A. I. G. V. veranstaltet, am 20. d. Mts. in den Sälen des Hotels „König von Portugal" stattfand. LXD Berlin, 25. Februar. Herr Oscar Goldfchmidt, Disponent der Firma N. Israel und langjähriger Direktor des „Vereins junger Kaufleute von Berlin", um dessen Entwickelung er sich das größte Verdienst erworben und den k. Kronenorden erhalten, ist am Sonntag nach mehrwöchentlichem Krankenlager gestorben. Der Dahingeschiedene war eine in den weitesten Kreisen bekannte Persönlichkeit; die Kaufmannswelt verliert in ihm einen hervorragenden Vertreter und eifrigen Förderer ihrer Interessen, das Haus, den: er angehörte, einen erprobten, ausgezeichneten Beamten. Das Leichenbegängniß findet am Donnerstag auf dem Friedhofe in Weißensee statt. Lp. Ostrowo, 21. Februar. Eine seltene Jubelfeier wurde innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde heut veranstaltet. Herr Rentier Moses Kaliski, hier konnte, heute, am 7. Adar, auf eine 50jährige Wirksamkeit als thätiges Mitglied des hiesigen israelitischen Krankenverpflegungs- und Leichenbestattungsvereins zurückblicken. Aus Anlaß des seltenen Vorkommnisses einerseits und in Anerkennung der ununterbrochen unermüdlichen Thätigkeit des Jubilars hat die „Chewra Kadischah" dem heutigen Tage ein festliches Gepräge verliehen. Schon am gestrigen Abend hat Herr Rabbiner Dr. Pleßner in Verbindung mit der Gedächtnißseier für den Lehrer Mose, wie es alljährlich hier geschieht, im Gotteshause einen gottesdienstlichen Akt veranstaltet und nach dem gesanglichen Vortrage eines von Herrn Dr Pleßner verfaßten hebräischen Prologs in Versen, der die glorreiche Wirksamkeit und die Majestät des Todes unjeres großen Lehrers schilderte, einen längeren Vortrag über das Thema: „Die vollkommenste Gotteslehre, durch den vollkommenen Moses" gehalten. Am Schluffe des Vortrages gedachte der Redner in anerkennenden Worten des Jubilars. Heute fand die Fortsetzung der Feier im Hause des Herrn Rabbiners statt, woselbst sich die Vertreter der Gemeinde, des Vereins „Chewra - Kadischah" und sämmtliche Misaßkim des Vereins eingefunden hatten. Rabbiner Dr. Pleßner überreichte in einem eigens zu diesem Zweck von Frau Dr. Pleßner geschmückten Zimmer dem Jubilar ein kostbares Ehrendiplom mit entsprechender Ansprache; dasselbe ist ihm vom Vereine gewidmet worden. Außer dieser Ovation bereitet der Verein am 23 d. Mts. zu Ehren des Jubilars im Hause des Vereinsvorsitzenden, Herrn Lazarus Callomon, ein Festessen vor, zu welchem zahlreiche Einladungen ergangen sind. 6. Samotschiri, 24. Februar. Am 22. d. Mts. feierte im Zitzlaff'schen Saale der hiesige israelitische Frauen-Verein sein 13. Stiftungsfest Durch theatralische und musikalische Aufführungen — unter Leitung des Herrn Lehrer Senger — ward auf's beste für Unterhaltung gesorgt. Die Festrede hielt der emeritirte Lehrer Herr Spiewkorvski. Wie aus derselben zu entnehmen war, hat der Verein bereits ca. 2000 Mark zu wohlthätigen Zwecken verausgabt. Ein flotter Tanz hielt die Mitglieder mit ihren Angehörigen bis 4 Uhr Morgens beisammen. r. Myswwitz, 22 Februar. Wie Sie in den letzten Nummern Ihres Blattes berichteten, hatten die Zerwürfnisse in der hiesigen Gemeinde zu Beschwerden an den Regierungspräsidenten und zu anderen ernsten Unzuträglichkeiten geführt. Ich darf Ihnen heute berichten, daß der Friede glücklich und hoffentlich für immer wiederhergestellt ist. Es ist das dem Eingreifen des Herrn Rabbiners Dr. Blumenthal aus Ratibor zu verdanken, der in einer glänzenden Rede, die er beim Stiftungsfeste der hiesigen Clhewra Ivadischa vorgestern hier hielt, über „Glaube, Liebe und Frieden" sprach und in flammenden Worten auf den ChiJlul liasehem hin wies, den solche Zwistigkeiten heutzutage in der Oesientlichkeit erregen müßten. Herr Dr. Blumenthal blieb auf die Bitten angesehener Gemeindemitglieder noch einige Tage hier und versöhnte die Parteien auf Grund gegenseitiger Zugeständnisse mit einander. Und so möge die hiesige Gemeinde in Frieden geeint die Weihe ihres neuen Prachttempels begehen, der hart an der russischen Grenze herrlich sich erhebt und dessen Bau im Laufe des Sommers vollendet sein dürfte. p. Breslau, 23. Februar. Aus der Fränkel'schen Stiftung zur Beförderung der Künste und Handwerke sind für das laufende Jahr folgende Stipendien zu vergeben: je ein ä 600 Mark zum Besuch der königlichen technischen Hochschule in Berlin, behufs Ausbildung im Bauwesen und zur höheren Ausbildung in der Maschinenkunst, einer a 750 Mark zum Besuch der königlichen Akademie der Künste, ferner Stipendien zum Besuch der Fachklassen an Gewerbeschulen, sowie inländischer gewerblicher Fortbildungsschulen, endlich vom 1. April, einige Freistellen an der königlichen Kunst- und Kunstgewerbeschule in Breslau. Jüdische Bewerber aus Schlesien haben sich bis zum 15. März d. I. bei dem Kuratorium der Kommerzienrath Fränkel'schen Stiftungen zu melden. Saalfeld i. Thür., 23. Februar. Kürzlich hat der hiesige Krieger- und Militärverein einen eklatanten Beweis antisemitischer Gesinnung geliefert. Der hier wohnende Kaufmann Moses Rosenbaum, der seine Dienstzeit rite bei der 4. Kompagnie des 8. Ostpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 46 durchgemacht hat und gegen den nicht der geringste moralische Zweifel geltend gemacht werden kann, — es sei denn, daß man sein Glaubensbekenntniß als einen „sittlichen Defekt" ansieht — ist mit seinem Gesuch um Aufnahme in den obengenanntem Verein abschläglich beschieden worden. Die betreffende Benachrichtigunghat folgenden.Wortlaut: „Ihnen hierdurch die ergebene Mittheilung, daß die Ballotage vmn 4. d. Mts die zur Aufnahme nöthige Stimmenzahl nicht zur Folge gehabt hat. Ihre Militärpapiere erhaltem Sie beigeschlossen wieder zurück. Saalfeld, 6. Februar 1896. Der- Vorstand des Krieger- und Militärvereins, (gez) Bandke." In dem Satzungen steht freilich von einer Ballotage kein Wort. Da heißt es vielmehr in Paragraph 2: Vereinsmitglied kann jeder unbescholtene Mann werden, der im deutschen Heere ehrenvoll gedient und seinen Wohnsitz in der Stadt Saalfeld oder deren Umkreis hat und sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet. Paragraph 3. Die Aufnahme erfolgt durch Vereinsbeschluß in der nächsten Bereinsver-

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