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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-02-28 · Heft 9 (28.2.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Lahrgang. «r.!). E-rlin. 88. Februar 18 S Weitage zur „Allgemeinen Zeitung des IuöentHums". Korrespondenz»! und Nachrichten. Deutschs anL. LL Berlin, 24. Februar. Am 23. d. M., Nachmittags 5 Uhr, fand in der Passauerstraße 2 die Einweihung einer neuen Synagoge des Religionsvereins „Westen" statt, die für diesen Zweck geschmackvoll eingerichtet ist. Mit einer stimmungsvollen Komposition des Ma-towu wurde die Feier eröffnet. Nach dem Gebet betrat Herr Rabbiner Dr. Krön er die Kanzel und hielt eine gedankenvolle und gute Rede, die auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck hervorbrachte. Der Redner sprach sehr sinnreich über das höchste Gut: den Frieden, der nur durch die Gerechtigkeit zu erlangen sei. Unter dem Eindruck dieser ergreifenden Rede schloß die Feier mit Absingung des 150. Psalrns und einem Gebet für Kaiser und Reich. Zu der Feier waren Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanz der Hauptgemeinde zahlreich erschienen; aus Charlottenburg, auf dessen Gelände das Gotteshaus steht, hatte sich der Stadtverordneten-Vorsteher eingefunden. Der bei der Ein- “ weihung verwendete kostbare Tempelvorhang, aus schwerem rothen Seidenplüsch mit reicher Goldstickerei künstlerisch ausgeführt, ist im Atelier von Jenny Bleichrode angefertigt worden. Berlin, 25. Februar. Die letzte der Montagsvorlesungen fand gestern im großen Saale der Gesellschaft der Freuyde statt. Herr Professor Dr. Gustav Oppert, der lange Jahre an der Universität in Madras lehrte, hielt einen sehr interessanten und belehrenden Vortrag über „jüdische und syrische Kolonien in Indien", in de»n er die Beni Israel in Bombay sowie die schwarzen und weißen Juden in Kochin aus eigener Anschauung schilderte. Sowohl die geschichtlichen Mittheilungen über die Vergangenheit der letzteren, als auch die Nachrichten über das religiöse und soziale Leben beider Kolonien »varen von hohem Interesse. So berichtete der Vortragende unter Anderem, daß die Beni Israel zu den tapfersten Soldaten in der Armee des Landes gehören und daß selten einer von ihnen ohne Ofstziersrang dieselbe verlasse, außerdem seien sie sehr tüchtige Handwerker und Ackerbauer; daß sie auch an der Universität zu Bombay eine hervorragende Stellung sich errungen, hätte ebenfalls erwähnt zu werden verdient. Dagegen scheint sich die Zahl der Juden in Kochin nach der statistischen Zahl sehr verringert zu haben. Hoffentlich erscheint der Vortrag bald im Druck, so daß wir Gelegenheit haben, noch »vettere interessante Mittheilungen demselben zu entnehmen. R. Berlin, 26 Februar. Am 22. d. hielt die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmännerzu Berlin" eine außerordentliche, zahlreich besuchte Versammlung ab, welche theils der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten galt, ihre besondere Aufgabe aber als wissenschaftliche Sitzung zu erfüllen hatte. Zunächst theilte der erste Vorsitzende, Herr Dr. Adler, ü. A. die Antwort mit, »velche auf die von der Vereinigung an das königliche Provinzial-Schulkollegium gerichtete Petiton eingegangen »var; sie hat folgenden Wortlaut: „Auf Ihre Eingabe vom 5. November v. I, betreffend Ertheilung des Unterrichts in Geschichte und deutscher Lektüre in den Berliner Gemeindeschulen seitens jüdischer Lehrkräfte, erwiedern wir Euer Wohlgeboren, daß diese Frage durch Erlaß des Herrn Ministers vom 27. Dezember v. I. U. in. D. Nr. 4455 ihre Erledigung gefunden hat. Wo wegen einer erheblichen Zahl jüdischer Kinder die mit Ertheilung des Religionsunterrichts betrauten jüdischen Lehrer und Lehrerin angestellt werden, sind sie auch künftig zur Ertheilung des Unterrichts in anderen Fächern heranziehen. Wenn in dieser Hinsicht auch keine bestimmten Vorschriften gegeben und die jüdischen Lehrkräfte nicht von dem Unterrichte in gewissen Fächern ausgeschlossen werden, so wird doch die Er- »varttmg ausgesprochen, daß die mit der Aufstellung der Lektions- und Lehrpläne betrauten Personen jüdischen Lehrern und Lehrerinnen nich solchen Unterricht zutheilen werden, »velcher ihnen in ihrem eigenen und im Interesse der Schule nicht übertragen werden darf. . Was die Verleihung eines Ordinariats anlangt, so sind jüdische Lehrkräfte prinzipiell »»icht ausgeschlossen. Es soll aber vermieden »verden, daß jüdische Lehrpersonen das Ordinariat einer Klasse erhalten, in welcher sich keine oder nur ganz »venige jüdische Kinder befinden." Hierauf begann der »vissenschaftliche Theil der Sitzung mit dem Vortrage des Herrn^Dr. Adler. „Ueb'er die Lesebuchfrage in jüdischen Schulen". Mrs Grund eingehender Studien und eines reichen Materials gab Herr Dr. Adler zunächst eine sehr belehrende Darstellung von der Entwickelung des Lesebuchs für jüdische Schulen, sowie von der Geschichte des deutschen Lesebuchs in den letzten Jahrzenten bis zur Gegenwart, gruppirte unter ausführlicher Begründung die einzelnen Lesebücher nach dem pädagogischen Standpunkte der Verfasser und wies den Einfluß, den die Zeitströmungen auf die Verfasser geübt haben, im einzelnen nach. Im zweiten Theile des Vortrages stellte der Referent die Forderungen auf, die an ein Lesebuch für jüdische Schulen zu stellen sind. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine recht angeregte Diskussion, an der sich fast sämmtliche Vereinsmitglieder betheiligten, und innerhalb deren die verschiedenartigsten Meinungen zur Geltung kamen. Um Mitternacht wurde die Debatte abgebrochen und die Fortsetzung derselben auf die nächste Monatssitzung vertagt. — Der Verein, der seinen Mitgliedern, wie diese Sitzung »viederum be»vies, eine Fülle von Belehrungen und Anregung bietet und ihre Interessen nach Kräften »vahrt, wird Sonntag, den 8. März im Vereinslokale (Spandauerstraße 11—13) sein erstes Stiftungsfest mit den Angehörigen der Bereinsmitglieder festlich begehen. 22 Berlin, 25. Februar. Aus den Litteraturvereine»». Am 13. d. M. hielt Rabbiner Dr. Werner aus München in Leipzig einen Vortrag über Pessimismus und Judenthum. Derselbe sprach auch außerdem in Hamburg und Braun schweig. Die Generalversammlung des Leipziger Vereins hat für das laufende Jahr den folgenden Vorstand gewählt: Die Herren Rabbiner Dr. Porges, Vorsitzender, Siegmund Nelke, stellvertretender Vorsitzender, Louis Hausdorff, Schatzmeister, Jakob Blumenfeld, Schriftführer, Max Weg, stellvertretender Vorsitzender. — In Breslau sprachen bisher Dr. M. Braun über die ältesten Ansiedlungen der Juden in Deutschland, Privat - Dozent Dr. L. Cohn über Apion und die Juden, Rabbiner Dr. Bloch-Posen über die Sabbath-Jdee und ihre kulturhistorische Bedeutung, Rechtsanwalt Ollendorf über die Emanzipationsgeschichte der Juden in Deutschland. Der Verein zählt 200 Mitglieder. Die Einnahmen betragen 646,30 Mark, die Ausgaben 613,40 Mark. — In Königsberg i. Pr. wurden folgende Vorträge gehalten: Rabbiner Dr. Pick über Zwei Geistesheroen aus dem alten Judenthum, Rabbiner Dr. Rippner aus Glogau über Das Schriftthum Israels im Lichte Johann Gottfried Herders, Herr eavä. mscl. Keilson über Jüdische Mediziner in» Mittelalter, Rabbiner Dr. Pick über Die Ethik des Judenthums vom Moralprinzip Kants aus betrachtet, Herr Kaufmann Rabinowitz über Jochanan ben Sakkai, Professor Dr. Saalschutz Ueber Zeitrechnung und Kalender der Hebräer u»»d anderer Völker. — Außerdem sprechen Professor Dr. Geiger in Köln, Rabbiner Dr. Samuel in Essen (über die Frage: Si»»d »vir noch ein Volk?), Lehrer Katz in Gelsenkirchen über die Stellung der Frau in Bibel und Talmud, Oberlehrer Dr. I. Kracauer in Frankfurt a. M. über den Kampf um die Schriften des Judenthums in den Jahren 1509 bis 1510, Rabbiner Dr. Kottek in Homburg v. d. H. über Reuchlin »»nd den Talmud, Rabbiner Dr. Bäck aus Liffa in Glogau über Rabbi Me»r, Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal aus Stargardt in Schivelbein über die Uebereinstimmung des Charakters bei Deutschen und Juden, Rektor Masur in Jnowrazlaw über den Einfluß des Griechenthums auf das Judenthum und dessen Litteratur. — Aus Thorn »vird über die Generalversan»»nlung berichtet: Die ausscheidenden Borstands»nitglieder

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