Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1896)
- Date
- 1896-02-28
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 s lebt ein Volk in unserm Reich, An Sitt' und Brauch nicht unsrem gleich. Es lebt nach (eigenen Gesetzen, Bestrebt, die unfern zu verletzen. Drum lohnt sich's nicht, ihm Ruh' zu geben, Nein, man entzieh' ihm Hab' und Leben." So lautet Hamans schlechter Rath — Des^altenIHasses Mse Saat! Jahrtausend reiht' sich an Jahrtausend, Und Reich an^Reich — der Mahnruf, grausend. Wie er dereinstens ist erklungen. Hat allzeit Beifall sich errungen. Es ^weigerte der^Exzellenz Ein Jude nur die Reverenz, Wollt' auf. die Knie' nicht fallen — Drum schwor er Rache — Allen. So stets: Ein Jude läßt das Grüßen, Und alle Juden müssen's büßen. Ham an. Von Emil Lehmann in Dresden. Seit jener Mahnruf einst erklang, Gab's manchen Auf- und Niedergang Von Völkern und von. Reichen. Unsterblich, ohne Gleichen, Nur jene Beiden sah man: Die Juden und die Haman. Der ew'ge Jude—nfeind — er lebt! Ob man den einen auch begrabt, Ob auch mit Schimpf und Schanden, In Trug's, in Frwels Banden Der eine Haman sich verstrickte, Ob auch sein Plan mißglückte: — Ein Haman hier, ein Haman dort. Ein Haman fast an jedem Ort, In mancherlei Gestalten — Doch immer bleibt's beim Alten: Sein böser Plan zeigt eine Lücke, Er wird entlarvt in seiner Tücke. Des Haman Weib gab weisen Rath: Sie warnt' ihn: „Laß die böse That, Es wird dir nicht gelingen. Die Juden umzubringen." Was auch die Haman je ersonnen. Sie haben nie Erfolg gewonnen. Uns aber mahnt die Esthermähr': „Seid auf der Huth, die Zeit ist schwer. Ein Jeder mög' es stets bedenken: Recht thun, brav sein und Keinen kränken. Denn was am Einzelnen mißfallen. Die Haman tragen's nach — uns Allen." Ob Haman immer neu ersteh'n, ' Sie werden stets zu Grunde geh'n. Denn wer sich legt auf Menschenhetze, Ist selbst ein Frevler am Gesetze. Ob auch die Hanian allwärts lauern — Wir werden sie doch überdauern. Fitterarische Mittheilungen. — Ein wohlverdienter literarischer Erfolg, wie er heute wohl nur selten vorkommt, ist dem „Leben der Seele" von Professor Lazarus zu Theil geworden. Das ausgezeichnete Werk, das zu rühmen wohl unnöthig, erscheint in diesem Sommer in vierter und wesentlich vermehrter Auflage. Und zwar wird der dritte Band zuerst erscheinen. Bei philosophischcn Werken ist ein solcher Erfolg sicher noch eine größere Seltenheit als bei andern wissenschaftlichen Werken. In jedem Falle ist er ein Zeugniß dafür, daß das berühmte Werk sich auch in weiteren Kreisen Bahn gebrochen hat und dort Beliebtheit erlangt hat. ----- Die interessante Arbeit: Geselligkeit und Geselligkeits- Freuden in Bibel und Talmud von Rabbiner Dr. Adolf Rosenz w'ei gHlche zuerst in unserem Blatte zum Abdruck gelangte, ist soeben im^Verlage von M. Poppelauer, hier, erschienen. Die Schrift ist jetzt durch Noten und Belege reich vermehrt, welche bei der ersten Publikation leider wegfallen mußten. Als ein werthvoller Beitrag zur Kulturgeschichte des.Alterthums wird die Arbeit überall willkommen sein, wo man dieser Kulturgeschichte ein lebhafteres Interesse entgegenbringt. Namentlich unseren Kulturvereinen möchten wir die Arbeit besonders empfehlen, da sie sich zur, gemeinsamen Lektüre oder zum Vortrag an Vereinsabenden sehr gut eignet. ----- Anfang März d. I. beginnt im Verlage von S. Calvary & Comp, hier, eine,Zeitschrift für hebräische Bibliographie zu erscheinen, j und zwar unter Mitwirkung von W. Bacher, Ad. Berliner, S. I. Halber- J stam, Dav. Kaufmann, Ad. Neubauer, M. Schreiner, Mor. Steinschneider > und^ anderen Fachgelehrten herausgegeben von Dr. Heinrich Brody. Die Zeitschrift will als Fortsetzung der von Steinschneider begründeten und,redigirten.'„Hebräischen Bibliographie (1838 — ] 881) angesehen werden und wie diese ein „Repertorium über die das Judenthum und seine Quellen betreffende Litteratur, sowohl für die Wissenschaft als für den Buchhandel" sein. Die. jährlich zum Preise von 6 Mark in sechs Heften erscheinende.-„Zeitschrift" wird jedenfalls einem dringenden Bedürfniß entsprechen?^ ----- Ein Pismon le-JPurim hat der gelehrte Oberkantor Eduard Birnbaum in^Königsberg dem dortigen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur ^gewidmet, das sicher ^alle Freunde alter hebräischer Melodien sehr interesfirenstvird Es ist nachher sephardischen Melodie(einer Ochueta, einer Tanzmelodie, über die Birnbaum sehr werthvolle Aufschlüsse .in einer .Vorbemerkung giebt.^Der Text, eines der weniger witzigen Trinklieder in hebräischer Sprache, ist einem liturgischen Werke: lmre noam aus dem 17. Jahrhundert entnommen. Die Komposition schmiegt sich dem Text vortrefflich an und wird sicher ihre heitere Wirkung nicht verfehlen. ----- Auch die reichhaltige Bibliothek des verstorbenen Rabbiners Dr. Wiener in Oppeln ist nunmehr in den Besitz der Buchhandlung von M. Poppelauer hier übergegangen. Dieselbe enthält cirka 3000 Bände werthvoller Hebraika, Judaicka und theologischer Werke. Kataloge auch über diese Bibliothek sind in Vorbereitung. — Das Februarheft (5) des vierzigsten Jahrganges der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" (Breslau 1895. D. Schottländer) hat folgenden Inhalt: H. Brody: Aus dem Diwan des Abu Harun Moses Jbn Esra (Schluß). — S. Eppenstein: Studien über Josef Kimchi (Forts.). — A. Frankl-Grün: Die Gemeindeverfassung von Kremsier (Forts.). — D. Kaufmann: Jsachar Bär, gen. Berend Cohen, der Gründer der Klause in Hamburg und seine Kinder. — M Güdemann: Notiz. — D. Fruchtwang Besprechung. --- Ein altisraelitifches Siegel. Clermonl-Ganneau, Mitglied der Akademie der Inschriften, hat in der Münzsammlung des Louvre ein israelitisches Siegel gefunden. Es hat nur 16 Millimeter im Durchmesser und stammt aus dem sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Die tief darauf eingeschnittenen phönikischen Zeichen gehören dem alten Alphabet der Israeliten an und bedeuten: „Jehova möge Erbarmen haben. Werk Jehovas." Es ist die Schrift, welche die Juden vor der babylonischen Gefangenschaft gebrauchten. Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! fa im Sprechsaal der Nummer 7 Ihrer geschätzten Zeitschrift Herr- Rabbiner Dr. Kurrein sürZich die Priorität in Anspruch nimmt, in einem im Jahre 1884 gehaltenen Vorträge auf die Parallele^zwischen! der Erzählung des Midrasch mit den „Weibern .ooit Weinsberg" hingewiesen zu Huben, da erlaube ich mir daran zu erinnern, daß Leopold Stein in seinen „Morgenländischen Bildern in abendländischem Rahmen" bereits diesen Bericht des Midrasch mit der Ausschrift7„Das Beste im Hause" poetisch eingekleidet hat und es als Vorspiel der „Weiber von Weinsberg" bezeichnet. L. Stein hat bekanntlich .bereits im Jahre 1882 sein thatenreiches Leben beschlossen. Landsberg a. W, 17. Februar. Dr. Elsaß. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Mar Bauchwit in Berlin.