Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1896)
- Date
- 1896-02-28
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Die Versammlung bewilligte 14927 Mk. für Pflasterungen auf dem Friedhof Schönhauser Allee, 640 Mk. für Vergitterung des Chorraums der neuen Synagoge, 2952 Mk. für Erweiterungsbauten an der Turnhalle der Knabenschule, 1300Mk. für seine neue Kesselanlage im Quellbad, 1937,87 bezw. 3982,49 Mk. für den Ausbau des Grundstücks Rosenstraße 2 bezw. Kaiserstraße 29, 538,38 Mk. für Rep araturenan Gemeinde- Grundstücken. 200 Mk. für vier Predigten an zwei Kandidaten bei den Jugendgottesdiensten. Herr Profestor Lewin bemängelte bei letzterem Punkte, daß man zur Abhaltung des Jugendgottesdienstes junge Kandidaten heranziehe. Ebenso verlangte Redner in^ längerer Ausführung von den Rabbinern, daß sie mehr als bisher predigen mögen und stellte einen dementsprechenden Antrag in Aussicht. Justizrath Meyer machte auf die Schwierigkeiten aufmerksam, in diesem Punkte Abhilfe zu schaffen, erklärte sich jedoch bereit, hinsichtlich einer Aenderung in diesen Fragen in gemischter Kommission mit dein Kollegium in Berathnng zu treten. Alsdann berichtete Herr Leichtentritt über einige von der Revisionskommission geprüfte Abschlüsse. Die gottesdienstlichen Veranstaltungen an den letzten hohen Feiertagen haben an Einnahmen 33 371.25 Mark ergeben, an Ausgaben erfordert 51336,24 Mark. Bei der Vermiethung der Plätze in der Synagoge, Lindenstraße, sind 37 475,50 Mark vereinnahmt worden. Es folgt die Berathung über die Verlängerung des Pachtvertrages mit dem Gärtnereiunternehmer auf dem Friedhof zu Weißensee, Herrn Jawer. Nach der Vorlage des Vorstandes soll der Vertrag vom 1. April 1897 ab auf weitere 9 Jahre verlängert werden. Die Pachtsumme wird von 25 000 Mark auf 27 500 Mark irhöht, steigend von 2 zu 2 Jahren um je 2500 Mark. Herr Stadtrath Weigert wünscht die Stelle ausgeschrieben 311 sehen und beantragt vorläufige Ablehnung. Herr Manheimer will den Vertrag auf höchstens 5 Jahre verlängern. Der Referent des Finanz- Ausschuffes, Herr Louis Sachs, sowie die Herren Löwenberg und Simon erklären sich für die unveränderte Annahme der Vorlage, welche schließlich mit großer Mehrheit genehmigt wird. Es werden sodann Ergänzungswählen für eine größer^ Anzahl von Verwaltungs-Deputationen vorgenommm, welche theilweise vakant, theilweise durch die neue Zusammensetzung des Kollegiums nothwendig geworden sind. Gewählt werden: In das Kuratorium des Erziehungshauses zu Pankow Herr Emil Mosse; in das Kuratorium des Krankenhauses Herr Baumeister Runkel; in das Kuratorium der Ephraim-Stiftung Herr B'wdenstein; in die Schätzungskommission Herr Löwenberg an Stelle des Herrn Heilmann; in das Kuratorium des Reichenheim'schen Waisenhauses Herr Professor Levin an Stelle des Herrn Geh. Rath Boas; in die Kommission für gottesdienstliche Veranstaltungen Herr Dr. Kirstein an Stelle desselben Herrn; in die Kommission für Beschaffung des Koscherfleisches die Herren Sieskind und Boden sie in an Stelle des Herrn Heilmann; in die Kommission zur Subventionirung von Religionsvereinen die Herren Dr. Jastrowitz und Dr. Lev in; in das Kuratorium der Altersversorgungs-Anstalt, Herr L. Mecklenburg. Auf Antrag des Herrn Mosse werden alsdann die übrigen Punkte der Tagesordnung auf die nächste Sitzung verschoben.. Die Sitzung wurde um I1/2 Uhr geschlossen. Unsere Glaubensgenossen tut Lande des Shasurrus. Bon Dr. Max Grünfeld. s ist der biblische Achaschwerosch, den wir meinen; ^derselbe, welcher von Hodu bis Kusch regierte über 127 Provinzeil. Sein Nachfolger, der gegenwärtig in dem Lande der Perser und Meder regiert, der Schah, hat durch die Reisen, die er einige Male durch die Kulturstaaten Europas unternahm, das alte Persien uns wieder näher gerückt. Etwas über die Juden seines Reiches 31t erfahren, dürfte wohl weitere Kreise interessiren. und so wollen wir in den nachfolgenden Zeilen die Mittheilungen eines in Konstalitinopel lebenden persischen Inden wiedergebeu, Mittheilnngen, die er einem dortigen Glaubensgenossen. Dr. Schwarz, im Jahre 1884 machte. Der persische Jude hieß Newrez (sein jüdischer Name ist Herr Dr. Schwarz hat diese Mittheilungen seinen! in der Bukowina lebenden Neffen, Dr. Maier, überschickt, nnd durch ihn sind sie in die Hände des Herrn Dr. v. Sowa gelangt, deffelben Gelehrten, der mir auch die Notizen über die „Juden im Kaukasus" zur Veröffentlichung in diesen Blättern freundlichst überließ. Wenn wir von den Juden in Persien (besonders in der Provinz Khorasan) sprechen, denken wir wohl sofort an das Purimfest. Und in der That ist dieses eines der größten Feste, das von den Juden Persiens gefeiert wird, und so stehen wir hier auch wieder auf rein historischer Grundlage. Der Fasttag der Esther ist ihnen so heilig, wie uns der Versöhnungstag. Wir gehen wohl nicht fehl, und es ist auch die Ansicht der dortigen Inden, das; sie seit den Zeiten des Achaschwerosch in Persien leben, also von Babylonien direkt in dieses Land eingewandert sind; vielleicht wurden sie dahin exilirt. Von einer Zerstörung des zweiten Tempels wissen sie nichts. Interessant ist die Thatsache, daß sich diese Inden zum Scheine zum Glauben der Mohammedaner bekennen müffen, und zwar seit dem Jahre 1838. Damals wurde nämlich unter den fanatischen Bekennern des Islam in Persien, den Schiiten, das Märchen ausgesprengt, die Juden hätten am 10. Moharremtage einen tobten Hund herumgetragen, welcher den schiitischen Heiligen Hussein vorstellte. Seit dieser Zeit ist eine Art Bekehrung der Juden zum Islam erfolgt, obwohl sie im Geheimen Anhänger der Religion der Väter sind und alle in der Bibel und im Talmud vorgeschriebenen Bräuche halten. Unwillkürlich werden wir da an die Verfolgungen der Juden im persischen Reiche unter Jezdegerd und Firnz im 5. Jhdt. erinnert, Verfolgungen, welche ja nicht unwesentlich zur Entstehung des Talmud beigetragen haben; das Schein-Bekenntnis; zum Islam mahnt auch an ähnliche Erscheinungen zur Zeit des Maimonides und an die Marannen Spaniens.. Da die Juden also den Schein wahren, daß sie sich zum Islam bekennen, so muß die Ceremonie der Trauung zunächst nach mohammedanischer Sitte vorgenommmen werden. Der Chacham (moham. Hodja), welcher auch seiner Kleidung nach ganz den persischen Geistlichen ähnelt, im Hebräischen nicht allznstark ist, nach Jerusalem und auch nach Mekka pilgert, erklärt das Paar für verheirathet. Gäste führen Tänze auf, zu welchen das Geheul der übelberüchtigten türkischen Musik ertönt, hervorgebracht durch Flöte und Trommel. Für Europens an harmonische Töne gewöhnte Ohren sind dies wahrlich keine Sphärenklänge. Diese Trauung gilt natürlich nur zum Scheine. Hierauf versammelt sich eine größere Zahl dieser Schein- Mohammedaner in einem Hause der Eltern des Ehepaares, und dort geht die Trauung vor sich „nach dem Gesetze Mosis und Israels", indem der Bräutigam durch eine Münze oder durch einen Schmuck-