Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1896)
- Date
- 1896-02-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 der Nationalität nach 607 Deutsche, 649 Oesterreicher, 639 Nüssen, 20 Schweizer und Franzosen, 24 Engländer und Amerikaner, 15 Rumänen, 26 aus Palästina, 23 Holländer und Belgier, 11 Schweden und Dänen. Der Berufsart nach entstammten 71 Unterstützte aus dem Stand der Lehrer und Rabbiner, 696 waren Handwerker, 276 Kaufleute und Konnnis, 48 Studenten und Schüler, 20 Kellner, 11 Künstler und Schauspieler, 2 wurden in die Rubrik Aerzte und Rechtsanwälte eingetragen 5 in die Rubrik Ingenieure und Journalisten. Unter den Unterstützten waren 128 61-70 Jahre alt, 33 hatten ein Alter von 71—80 Jahren, und über 80 Jahre waren 8 Petenten alt. Es wurden auch Beiträge aus einem Spezialfonds zu Uebersiedelungen, Badekuren, Miethe, Unterricht und dergleichen gespendet. Die Ausgaben dieser Art betrugen 16 609 Mark. Als Geschenk zum Kapital des Hauptfonds erhielt der Verein von den Hinterbliebenen der seligen Freifrau Luise von Rothschild 1000 Mark, ferner von Ungenannt durch den Vorsitzenden, Konsul Adolph Bär Goldschmidt, 4000 Mark. Stellvertretender Vorsitzender ist Herr Charles L. Hallgarten. Für das Pflegeamt wurden die Herren A. Marx-Leo und Moritz Metzger gewonnen. Herr D. Schnadig, welcher Tag für Tag seit 1887 auf dem Büreau anwesend gewesen ist und fein Amt infolge Wegzugs von hier niedergelegt har, wurde zum Ehrenmitglied des segensreich wirkenden Vereins ernannt. F. München. 13. Februar. In Meran ist der in der jüdischen Welt wohl bekannte Restaurateur Joseph Beermann verstorben. In Ungarn geboren, hat er das große Verdienst gehabt, durch die mit Schwierigkeiten mancher Art verbundene Errichtung seiner lange Jahre schon in Meran erfolgreich bestehenden Restauration den lieblichen Platz Meran der jüdischen Bevölkerung und insbesondere den Leidenden zugänglich gemacht zu haben. Wer seine dortige Thätigkeit gekannt und seine Gastfreundschaft genossen hat, wird der imponirenden Patriarchencrscheinung des Heimgegangenen ein freundliches Andenken bewahren. M. F. Bnrgpreppach, 12. Februar. Der 20. Rechenschaftsbericht der hiesigen Präparanden-Schule „Talmud-Thora" giebt Nachricht über das Interimistikum, welches durch Berufung des langjährigen Leiters der Anstalt, Herrn Dr. Hermann Deutsch, zum Direktorate der israelitischen Waisenanstalt für das Königreich Baiern in Fürth entstanden war und während dessen der älteste Anstaltslehrer, Herr W. Neumann, und Herr Lehrer N. Ottensoser dahier hilfreich eintraten. Am 1. Juli wurde der neugewählte Direktor, Herr Distriktsrabbiner Dr. S. Bamberger, in sein Amt als Schulvorstand eingeführt. — Am Schluß des Schuljahres traten zwei Schüler des Oberkursus in das königliche Lehrersetninar zu Würzburg und vier in die israelitische Lehrerbildungsanstalt daselbst ein, während vier in das israelitische Lehrerseminar in Kassel ausgenommen wurden. Das baierische Kultusministerium hat wiederum Unterstützungen für zwei bedürftige Präparanden bewilligt. Der Magistrat der Stadt Memmingen hat zwei Zöglingen aus der Hirsch - Einsteinschen Stiftung je ein Stipendium von 150 Mark zugewendet. — Der Vermögensstand der Anstalt, welche im Berichtsjahr 55 Schüler hatte, ist ein sehr günstiger, er ergiebt einen Bestand von 62 395 Mark. Oesterreich - Mmjct rri. Wien, 17. Februar. Am 14. d. M. wurde der niederösterreichische Landtag geschlossen, nicht ohne daß die Antisemiten ein arges Abschiedslärmen inszenirt hätten. Eine der letzten Sitzungen mußte snspendirt werden, so arg trieben sie es --Das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung hat in seiner gestrigen Plenarsitzung nach Anhörung des vorn Schatzmeister Herrn Sigmund Ritter von Bauer pro 1894/95 erstatteten Kasseberichtes, infolge Vortrages des Präsidenten Herrn David Ritter von Guttmann, unter Anderem beschlossen, mit Beginn des nächsten Schuljahres mindestens fünf neue Stiftungsschulen in Galizien zu errichten. Es wurden hierbei Orte in Aussicht genommen, wo der Schulbesuch bei der zahlreichen schulpflichtigen Jugend ein äußerst spärlicher ist. Die Stiftung wird demnach mit Beginn des nächsten Schuljahres neben den von ihr subventionirten Schulen rund vierzig eigene Volksschulen erhalten. Entsprechend der im laufenden Schuljahre infolge der Creirung von zehn neuen Stiftungsschulen stattgehabten Vermehrung des Lehrpersonals und der Verbesserung der Bezüge der Stiftungslehrer wurde auf Grund einer genauen mathematischen Berechnung die Stärkung des mit Schluß der abgelaufenen Geschäftsperiode aus einem Stammkapitals von circa 116 000 fl. bestehenden Pensionsfond um weitere 40 000 fl. beschlossen, wodurch dieser Fond auf eine Reihe vou Jahren hinaus eine vollständig ausreichende Dotirung erhielt. — Das Leichenbegängniß des am 7. d. Mts. verblichenen Professors Dr. Rudolf Benedikt hat unter ungemein reger Betheiligung der wissenschaftlichen Kreise Wiens stattgefunden. Präzise halb 10 Uhr wurde der Sarg gehoben und unter Exekutirung eines Trauerchorals, vorgetragen von Oberkantor Singer, die Treppe hinab vor das Haus getragen und auf den vierspännigen Leichenwagen gebracht. In der Ceremonienhalle sprach Oberrabbiner Dr. Güdemann einen warm empfundenen Nachruf, worauf die Beisetzung erfolgte. — Der Kaiser hat dem Industriellen, Hermann Nobitsek, jn Anerkennung seiner verdienstvollen Wirksamkeit in der Permanenzkommission für die Handelswerthe, bei seinem Austritt aus derselben, auf Lebensdauer den Titel eines Kommerzialrathes taxfrei verliehen. — Zu Rathssekretären sind ernannt worden die Gerichtsadjunkten: Dr. Jakob, Julius Fluß, Dr. Markus Tschiaßny, Dr. Sigmund Preuß, Dr. Eduard Rittermann, Dr- Heinrich Goldmann, Dr. Joachim Tilles in St. Pölten und Dr. Abeles. — Der Landesschulrath hat den Bezirksschulrath beauftragt, gegen den städtischen Volksschullehrer Tomanek wegen einer gegen die Majorität des bestandenen Gemeinderathes gehaltenen Hetzrede, deren Wortlaut im „Deutschen Volksblatt" enthalten war, die Disziplinär - Untersuchung einzuleiten. Dieselbe ist bereits im Zuge. — Herr Feichtinger, oder wie er auch genannt wird, der „Grazer Lueger", dürfte bald seine Rolle ausgespielt haben. So hirnverbrannt sind die Grazer Gewerbsleute nicht, um nicht zu begreifen, welcher Schaden dem Gewerbe aus der wüsten Agitation des Antisemitismus erwächst. So hat denn eine Versammlung der Grazer Gastwirthe entschieden Stellung genommen sowohl gegen Herrn Feichtinger, als gegen die antisemitische Presse, welche die Hetze als Metier betreibt. Jn Graz wird man anfangen, die antisemitischen Blätter aus den Lokalen hinauszuwerfen und dadurch der antisemitischen Pest die giftigen Bazillen zu entziehen. Vielleicht macht auf die Wiener der Hinweis des Grazers Wirkung, der darlegte, daß in Wien Hunderte von Gastwirthen infolge der nationalen und konfessionellen Wirren zu Grunde gehen und daß dies in Graz vermieden werden müsse. a. Kolin, 14. Februar. Hier ist in vergangener Woche unser Rabbiner Dr. Joseph Gugenheimer nach kurzen Leiden gestorben. Die Trauer um das Hinscheiden dieses Mannes ist bei Allen, auch bei Denen, die nicht seiner Richtung huldigten, eine allgemeine. Gugenheimer wurde im Jahre 1833 zu Kriegshaber in Baiern geboren. Er studirte in Würzburg und beschäftigte sich in seiner Jugend viel mit religionsphilosophischen Studien, deren Ergebniß eine sehr tüchtige Arbeit über Abraham ben David (Augsburg 1860) war. Mit 21 Jahren kam Gugenheimer als Rabbiner nach Teschen und von da nach Aussee in Mähren. Hierauf nach Stuhlweißenburg. Dort hatte er mit dem Gemeindevorstand erbitterte Kämpfe auszufechten, so daß er freiwillig seine Stelle niederlegte. Seit mehr' als einem Vierteljahrhundert war der Verstorbene hier als Rabbiner wirksam. Gugenheimer, der ein Schwiegersohn von Samson Raphael Hirsch war, gehörte der neuorthodoxen Richtung an; aber selbst innerhalb dieser Partei stand er noch auf der äußersten Rechten. Seine zahlreichen Gutachten, Abhandlungen und Broschüren waren Zeugnisse seiner streng orthodoxen Weltanschauung, aber um seines lauteren Charakters und um seiner aufrichtigen, konsequenten Frömmigkeit willen hat der Verstorbene die höchste Achtung seiner ganzen Gemeinde genossen. Und diese Achtung sichert ihm weit über seine Gemeinde hinaus ein dauerndes Andenken. Friede seiner Asche! B. Budapest, 17. Februar. Der Vorstand der Pester israelitischen Religionsgemeinde hat in seiner heute stattgehabten Sitzung mit Stimmeneinhelligkeit beschlossen, dem ungarischen israelitischen Landesfonds einfür allemal den Betrag von 20 000 Kronen zur' Verfügung zu stellen, ferner zu Gunsten desselben eine Stiftung im Betrage von 100 000 Kronen zu errichten. Die großen Erwartungen, welche an die Gründung des israelitischen Landesfonds geknüpft wurden, gehen so rasch in Erfüllung, daß ein Betrag von einer halben Million Kronen beisammen ist und somit die damit zu erreichenden kulturellen und patriotischen Be-