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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-02-21 · Heft 8 (21.2.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 auch Volksschullehrer in den Schulvorstand gewählt werden möchten, ist kürzlich bei einer in Krotoschin stattgehabten Schulvorstandswahl der dortigen jüdischen Stadtschule neben den Kaufleuten Marcus Levy und Herrmann Cohn auch Hauptlehrer Rieß als Schulvorsteher gewählt worden. — In Buk sind die Kaufleute S. Posner als erster, I. Lewin als zweiter und D. Herzfeld als dritter Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde gewählt worden. — Bei den in den letzten Tagen in den verschiedenen Städten der Provinz Posen stattgesundenen Stadtverordneten sitzungen zeigte es sich, daß hier die Juden von ihren christlichen Mitbürgern nicht nur gleich geachtet, sondern wegen ihrer Tüchtigkeit insbesondere auf kommunalem Gebiete durch Wahl zu Ehrenstellungen ausgez ichnet werden. Bei der Bildung der Bureaus für das Jahr 1896 sind in vielen Ortschaften unsere Glaubensgenossen zu Stadtverordnetenvorstehern gewählt worden. So beispielsweise Justizrath Or gl er in Posen, Kaufmann Levy in Jnowrazlaw, Rechtsanwalt Cohn in Rogaseu, Kaufmann Hermann Lippmann in Wronke, Rechtsanwalt und Notar Peyser in Wreschen, Kaufmann Arndt in Schneidemühl Herzfeld in Grätz, Dr. med. Peifer in Pleschen rc. In Ostrowo, wo von 18 Stadtverordneten drei nur Juden sind, ist Fabrikbesitzer Fabian Fränkel mit Stimmenmehrheit gewählt worden; derselbe lehnte indeß in besonderer Rücksicht auf den bisherigen christlichen Vorsteher, Justizrath Meyer, die Wahl ab und wurde zum Schriftführer wiedergewählt. o. Breslau, 17. Februar. Das hiesige jüdisch-theologische Seminar hat, wie alljährlich, so auch diesmal den Geburtstag seines Stifters, den 27. Januar, festlich begangen. Der Jahresbericht enthält zunächst eine sehr werthvolle wissenschaftliche Beilage, die Geschichte der Juden in Schlesien von Dr. M. Brann, auf die wir an anderer Stelle zurückkommen, sodann Nachrichten aus dem Seminar, über die Wahl und Einführung des Dr. Saul Horovitz (bisher Rabbiner in Bielitz) an die Stelle des Dr. Rosin s. A., über die am Stiftungstage entlassenen Kandidaten Fabian, Dr. Finkel, Fraenckel, Dr. Pinkuß und Dr. Sander, von denen die drei letztgenannten bereits in amtliche Stellungen berufen wurden (S. als Religionslehrer und stellvertretender Rabbiner nach Karlsruhe, F. und P. als Religionslehrer in Br, F. als Landesrabbiner nach Meiningen). Von früheren Schülern erhielten Stellen: Dr. Grunwald in Hamburg, Dr. Posner in Danzig, Dr. Cohn in Eschwege. Das Seminar zählt gegenwärtig 35 Hörer. Der Lehmannsche Preis, der das erste Mal keinen Bewerber gefunden hatte, konnte diesmal nur zur Hälfte an den eanä. tlwol. Tieberger verliehen werden. Die Preisaufgabe des abgelausenen Jahres hat keinen Bearbeiter gefunden. Die von Professor Kaufmann begründete R osiu-Stiftung hat ihr Statut erhalten und ist ebenfalls zur Belohnung preiswerther Arbeiten bestimmt. Außer den aus fundirten Legaten fließenden Stipendien sind von Gemeinden, Stiftungen und Vereinen Unterstützungen für Seminaristen eingegangen, dagegen hat der am Seminar bestehende Verein im alten Jahre leider eine Abnahme seiner Einnahmen erfahren. Der Appell an die früheren Schüler ist daher ein sehr berechtigter und wird hoffentlich Erfolg haben. r. Breslau, 16. Februar. Ueber die Wirksamkeit der Kommerzienrath Fränkelschen Stiftung zur Beförderung der Künste und Handwerke unter den Juden sei Folgendes berichtet: Vom Jahre 1856—1881 find 204 Lehrlinge und von 1881 bis einschließlich 1895, 147 Lehrlinge, im Ganzen 351 Lehrlinge ausgebildet worden. Am Schluffe des Jahres 1894 waren 33 Lehrlinge vorhanden, nämlich: 7 Schneider, 3 Steindrucker, 3 Barbiere, 2 Uhrmacher, 2 Schlosser, 3 Drechsler, 2 Konditoren, 2 Schriftsetzer, 1 Bäcker, 1 Mützenmacher, 1 Gürtler, 1 Handschuhmacher, 1 Färber, 2 Bildhauer, 2 Tischler. Im Laufe des Jahres 1895 sind neu ausgenommen worden 7 Lehrlinge, so daß die Zahl der Lehrlinge 40 beträgt. Von den neu ausgenommenen 7 Lehrlingen sind: 2 Schriftsetzer, 2 Lithographen, 1 Schneider, 1 Kirschner und 1 Bildhauer. Von den genannten 40 Lehrlingen sind entlassen worden: 6 als Gehilfen, 3 (2 Schneiderlehrlinge und 1 Steindruckerlehrling) als ungeeignet zum Handwerk, im Ganzen also 9. Es bleiben daher am Schluffe des Jahres 1895 31 Lehrlinge. Für die gesammten 40 Lehrlinge sind im Laufe des Jahres 1895 4769,18 Mark verausgabt worden. 3E Hamburg, 16. Februar. Einer der beliebtesten und verdienstvollen Vertreter der Hamburger Gemeinde, Herr Rabbiner G.Schlesinger; in weiten Kreisen Deutschlands unter dem Namen Rabbi Getsch als bedeutender Talmudist bekannt, beging am 15. Scheewat im Alter von 82 Jahren, unter allgemeiner Betheiligung von Behörden und Privaten, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Die Theilnahme seitens der Hamburger war um so größer, als Rabbi Getsch, der bis vor wenigen Jahren Vertreter des hiesigen Oberrabbinates war, während seiner mehr als 60jährigen Anwesenheit hier — er war mit Rabbi Jakob Ettliuger s. Z. nach Altona gekommen — viele Schüler ansgebildet und viele Freunde sich erworben hat und fast alle seine Kinder hier wohnhaft sind und sich der Beliebtheit ihrer Bekannten und Schüler erfreuen. Auch der jüngste Sohn, Herr Rabbiner Dr. M. Schlesinger aus Pinne, der einzige der Familie, der außerhalb Hamburgs wohnt, und dort, als würdiger Sproß seiner edlen Eltern, schon in den wenigen Jahren seines Wirkens, wie wir hören, sich die Achtung seiner Gemeinde in hohem Grade erworben, war herbeigeeilt, um den Familienkreis zu vervollständigen. Die Wohnung des greisen Jubelpaares konnte kaum die Menge der Gratulanten fassen, und selten dürste eine Familienfeier eine so allgemeine Theilnahme in Hamburg wie diese hervorgerufen haben. Möge der Lebensabend des Paares ein recht langer, glücklicher sein! mk. Düsseldorf, 10. Februar. Der hier bestehende Verein zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden versendet seinen 15. Jahresbericht. Im Berichtsjahre beendeten im Ganzen 12 Lehrlinge ihre Lehrzeit. Neu ausgenommen wurden 23 Lehrlinge. Im Ganzen waren von dem Verein in diesem Jahre 103 Handwerkslehrlinge untergebracht, wovon 25 in dem hiesigen Lehrlingsheim und 18 in dem Heim in Köln sich befanden Im Ganzen hatte die Abtheilung Köln 37 Lehrlinge in ihrer Obhut. Die Lehrzeit beendeten in diesem Jahre 4, und zwar 1 Lchloffer, 1 Sattler, 1 Maler, 1 Tapezierer, die alle sofort Stellung fanden, bez. bei ihren Meistern als Gesellen blieben. Die Hoffnungen, 'von denen im vorigen Jahre die Gründung des Lehrlingsheims seitens des Vorstandes begleitet wurde, haben sich verwirklicht. Die Knaben, die aus kleinen Landorten kamen, wo weder paffende Meister sind, noch die Gewähr einer entsprechenden Erziehung und eines Fortbildungsunterrichts gegeben ist, bedürfen einer unausgesetzten Kontrole betreff des Verhaltens im Hauser in der Werkstatt, im Unterricht, in den freien Stunden. In den Familien in denen die Knaben früher gemeinsam untergebracht waren, konnte dieser Einfluß nicht genügend geübt werden, und erst mit der Einrichtung des nach den von unserm seligen Dr. Wedell vertretenen Grundsätzen geleiteten Lehrlingsheims ist ein Wandel zum Besseren geschaffen. Durch Geschenke und die rege Theilnahme' der Gemeinde Köln an einem Wohlthätigkeitskonzert hat sich der Fonds des Kölner Lehrlingsheims auf 12134 Mark erhöht. Am Ende des Berichtsjahres ist ein eigener Fortbildungsunterricht im Heim eingerichtet worden, für dessen Insassen sowie für die Zöglinge, die bei ihren Eltern wohnen. Herr Oberlehrer Hermanns ertheilt den Unterricht. Außerdem besuchen die Zöglinge die gewerbliche Fachschule. Die Ausgaben betrugen für die in Düsseldorf untergebrachten Lehrlinge 14 887 Mark, für die Abtheilung in Köln 8653 Mark, für die Abtheilung in Aachen 536 Mark. Leider hat die Kasse in Düsseldorf 1759 Mark Fehlbetrag. Der aus den Herren D. Fleck, Landgerichtsrath Dr. Frank, G. Herz seid. Rabbiner Dr. Jaulus und I. Levison bestehende Vereinsvorstand hofft, für seine segensreichen Bestrebungen weitere Gönner und Freunde zu finden. rg. Frankfurt a. M., 12. Februar. Der Jahresbericht des hiesigen Israelitischen Hilfsvereins bringt interessante Mittheilungen über die Wanderbettelei, aus denen hervorgeht, welche Attentate auf die Mildthätigkeit unserer Glaubensgenossen gemacht werden. Ein Mann, der hier hausiren geht, dessen Familie sich aber in Berlin aufhält, kommt auf das Büreau des Vereins, zeigt eine Depesche aus Berlin von seinem Sohn und einen Brief von dorther von seiner Tochter vor, wonach die Mutter am Tode liegt und der Vater umgehend dorthin kommen soll. Jammernd bittet er um Beförderung nach Berlin. Seitens des Büreaus wird an das Berliner Polizeipräsidium mit der Bitte um Auskunft telegraphirt, wie es der kranken Frau geht. Umgehend trifft die Antwort ein, daß sie kerngesund ist! Der Petent ist aber nicht wieder auf dem Büreau erschienen. Der Verein steht behufs Beschränkung des Wanderbettels in regem Verkehr mit den Nachbarvereinen. Folgende Zahlen sprechen deutlich. Es erschienen im Laufe des Berichtsjahres auf dem Büreau 2234 Petenten, davon wurden 2038 unterstützt mit einem Betrage von 6456 Mark. Von den Unterstützten waren 1755 Männer, 283 Frauen,

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