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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-02-21 · Heft 8 (21.2.1896) · p. Seite 96

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
Seite 96 (sequence 12)
Language
German
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96 und Treiben in derselben. Eine dankenswerthe Zugabe ist das neunte Kapitel: „Das Ghetto in der Litteratur", das mit Heine beginnt, Auerbach, Bernstein, Kompert, Franzos, Sacher-Masoch, E. Orzeszko, Israel Zangwill und alle anderen Dichter vorführt, welche in ihren Werken das Ghetto geschildert haben. Philipsons Buch ist in geschichtlicher und ethnographischer Beziehung eine sehr werthvolle Gabe. Unter den Schriften, welche die Jewish Publication Society oi America bis jetzt herausgegeben, ist dies Buch eine der interessantesten und bemerkenswerthesten. Eine Uebersetzung desselben würde sich wohl verlohnen. 6. K. — Unter dem Titel „Patriotische Reden" veröffentlicht Herr Rabbiner Dr. Kohn in Jnowrazlaw eine Sammlung von Festreden, die ausschließlich Erlebnisse aus unserm Kaiserhause zum Gegenstand der Besprechung haben. Mehrere Reden zur Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms II., Festrede zum 25jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Wilhelms I., Gedächtnißrede auf den hochseligen Kaiser Wilhelm I., Gedächtnißrede auf den hochseligen Kaiser Friedrich III. u. s. w. bilden den Inhalt des patriotischen Werkes, das als Schulprämie besonders geeignet sein dürste. --- Der Vortrag des Herrn Dr. A. Berliner: „Ueber den Einfluß des ersten hebräischen Buchdrucks auf den Kultus und die Kultur der Inden" ist soeben im Verlage von I. Kaufmann in Frankfurt a. M. reich vermehrt erschienen. Derselbe wird sicher ebenso dankbare Leser finden, wie er dankbare Hörer gefunden hat, denen dieses Kapitel der Kulturgeschichte so gut wie unbekannt war und die deshalb dem kundigen und gelehrten Führer gern folgten. Wie uns übrigens Herr Dr. Berliner mittheilt, ist bei seiner Schrift S. 15 oben der erste Satz nicht ganz korrekt enthalten. Derselbe muß richtig lauten: „Es stimmen nun alle jene Gelehrten überein, daß mit 2N2, schreiben, nur Relief (msiFI pf[) nicht aber das Eingraviren (my-p pn) auszuschließen und somit die Druckschrift auch als „Schrift" im biblischen Sinne anzusehen sei." Zur Litteratur über die Sedarim S. 49 ist noch A. Epsteins Buch jpiVJlÖ'lpö D^TliTn S. 57 nachzutragen. Kprerhsaal. Geehrter Herr Redakteur! ^Aen Begründungen, die in Ihrer geschätzten Zeitschrift für den Becher Elijahus angegeben werden, erlaube ich mir eine Begründung hinzuzusügen, die ich aus dem Munde des sel. Professors Dr. Kämpf hörte. Dieser fünfte Becher, der während der ganzen Sederfeier unberührt stehen bleibt, wird nur aus Borsorge gefüllt, und zwar für den Fall, daß es beim Füllen des pflichtgemäßen vierten Bechers an Wein mangelte, wenn man während der Mahlzeit zu viel Wein verbraucht hätte. Sowohl Kämpf's, wie auch alle von den anderen Herren erwähnten Begründungen erscheinen zu weit hergeholt, als das man sie acceptiren könnte. Eher dürfte man noch meinen, daß es sich beim fünften Becher um Vermeidung der Sugoth handelt. (Vide Tractat Pessachim 109b. und 110a.) Freilich heißt es dort, daß die Gefahr des Trinkens von Becherpaaren weder arn Sederabend noch beim Koss schel Berachah vorhanden sei. Vielleicht waren jedoch ängstliche Gemüther, wie so oft, auch hier noch rigoroser als der Talmud, und Herr Dr. I. Babad hätte mit seiner Begründung, daß es sich beim Löss sebel Elijahu um einen abergläubischen Gebrauch handle, im gewissen Sinne Recht. Es thäte mir leid, wenn sich in die sinnige und poetische Sederfeier ein Stück plumpen und sinnlosen Aberglaubens eingeschmuggelt hätte; ich will es nun versuchen im Folgenden eine einfache Begründung dieses ' fünften Bechers zu geben, die wenigstens den einen Vorzug hat, daß sie aus der Haggadah selbst geschöpft ist und sich nicht nur von Aberglauben, sondern auch von kasuistischer Spitzfindigkeit fernhält. Wir beginnen die Feier mit der Einladung an jeden Hungrigen, zu uns zu kommen und mitzuessen, an jeden Dürftigen, zu uns zu kommen und das Fest mitzufeiern. Das Mindeste, was wir thun können, um den Ernst der Einladung zu beweisen, ist dies, einen Becher Wein für den. der kommen will, vorzubereiten. Einen Gast aber erwarten wir am Pessachabend mit nicht geringer Sehnsucht, Elijahu, den Vorläufer der Erlösung, die, wie es im Talmud lautet (Rosch Haschanah), wieder > im Nissan stattflnden wird. Darum heißt der Becher „Becher Elijahu?", und darum beschließen wir auch die erwähnte Einladung mit den Worten: „Dieses Jahr Knechte, im künftigen Jahr freie Leute!" Saatz, 16. Februar. Dr. Simon Stern- *ie Erklärung des Herrn I. D. Ehaies in Hamburg für den Becher Wein zu Ehren des Propheten Eliah möchte ich sehr gern als zutreffend anerkennen, wenn derselbe in der That erst nach Ende der Mahlzeit gefüllt werden würde. Nun aber ist es, soweit mir bekannt, in der Provinz Posen wie auch in Schlesien der Brauch, dies schon vor der Rezitation der ersten Hälfte der Hagadah zu thun, was doch nach meiner Argumentation, daß der fragliche Becher laut der Ankündigung unserer Weisen p'm bwnb pTir uns an die zukünftige Erlösung erinnern soll, am besten erklärlich ist. Hingegen muß ich betreffs des Oeffnens der Thür auf Schnlchan Aruch § 480 verweisen, wo es ausdrücklich heißt: Man öffne die Thür, um der Leel Schimmurim zu gedenken. Wenn Herr Simon Schreiber der Meinung ist, daß der Becher für Eliah dem Ausdruck ^82711 ijtft, so darf man sich wohl wundern, weshalb nicht auf Grund des in demselben Vers (Exodus 6. 8.) folgenden Wortes auch ein sechster Becher Weins empfohlen wurde. Jndeß konnte ja die Realisirung der erwähnten beiden Ausdrücke erst nach erfolgter Erlösung erfolgen. Zum Glück bleibt der Becher für den Propheten Eliah am Seder- Abend intakt. Breslau. Simon Gradenwitz, Lehrer. * #ern folge ich der Anregung des geschätzten Kollegen Herrn Friedmann-Berlin mit der ergebenen Aufforderung an die Herren Kollegen, jene altehrwürdigen Melodien, die das Bindemittel von ganz Israel geworden sind, zu sammeln und zu sichten. Männer wie Sulzer, Lewandowski, Bär, Deutsch, Weintraub, Jakobsohn u. A. m. haben sich in ihren Werken verdient gemacht und liefern uns ein tüchtiges Material zur Sammlung der jüdischen Melodien, wie sie Herr Professor Dr. Steinthal wünscht. — Ich huldige der Ansicht des Herrn Friedmann, daß „jeder musikalisch gebildete Kollege diesbezügliche Gesänge in seinem Pulte von sich und anderen jüdischen Komponisten vorsindet, die im streng synagogalen Stile komponirt sind." Diese Gesänge sollen gesammelt und den in den verschiedenen Provinzen etwa zu bildenden Kommissionen eingesandt werden. Zn meiner Verwunderung ist bisher nur ein Kollege mit praktischen Vorschlägen dieser Aufgabe näher getreten. — Es bedarf wohl blos dieses Impulses, um den auf diesem Gebiete hochbegabten Kollegen Birnbaum-Königsberg zu bewegen, seine reiche Sammlung hebräischer Melodien uns zur Disposition zu stellen. Mit solchen Mitteln ausgerüstet, werden wir, verehrte Kollegen, sicherlich im Sinne des Herrn Professor Steinthal ein Werk schaffen, das werth ist, der Nachwelt überliefert zu werden. Dresden, im Januar Oberkantor A. Wolfsohn. * meinem Aufsatz: „Noch einmal der obligatorische Religionsunter- <33 richt" haben sich verschiedene Druckfehler eingeschlichen. Ich war auf dem 6. Gemeindetag nicht „Vertreter der Provinz", sondern der Gemeinde Brandenburg. Es sollten nach meinem damals gestellten Antrag nicht „die Vertreter oder Stellvertreter", sondern die Väter oder deren Stellvertreter den Nachweis führen u. s. w. Die übrigen Druckfehler sind wohl schon von dem Leser als solche erkannt worden. Thorn, 16. Februar. Dr. I. Rosenberg. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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