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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-02-14 · Heft 7 (14.2.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 7 (14.2.1896)
Date
1896-02-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 zeugen, daß die Grunddogmen und Morallehren des Judenthums der Prüfung des kritischen Verstandes Stand halten. e/a Berlin, 12. Februar. Im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt gestern Abend vor einem außerordentlich zahlreichen Auditorium Herr Professor Dr. Strack einen höchst interessanten Vortrag über den Gottesglauben der Propheten Amos und Hosea. Wir müssen es uns auch leider in diesem Falle versagen, auf den Vortrag näher einzugehen. Einmal, weil wir das Prinzip, keine Referate zu bringen, nicht durchbrechen wollen, zweitens aber und hauptsächlich deshalb, weil das feste Gefüge eines so bedeutungsvollen Vortrags durch die einzelnen aus dem Zusammenhang gerissenen Sätze eines kurzen Referats nur höchst ungenügend dargestellt werden könnte. Wir hoffen, daß der Vortrag bald durch den Druck weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden kann. Auch in den anderen Litteraturvereinen wird rüstig gearbeitet. In Karlsruhe sprach am 29. v. Mts. im großen Rathhaussaale Rabbiner Dr. Appel über das Thema: „Ein jüdischer Germanisator." Am 5. d. Mts. sollte Herr- Professor Geiger dort sprechen. Da derselbe aber am selben Tage wegen Erkrankung von Frankfurt aus abtelegraphiren mußte und das Publikum vom Ausfallen des Vortrags nicht mehr in Kenntnis; gesetzt werden konnte, trat abermals Herr Dr. Appel mit einen; Vortrag über Sal. Gabirol in die Bresche. — In Hamburg sprach am 10. d Mts. Rabbiner Dr. Werner aus München, in Mülhausen i. E. Rabbiner Dr. Lew in ans Freiburg i. B., in Schneidemühl und Loebau Herr- Alb er t Katz, in Pankow bei Berlin hielt am 8. d. Mts. Herr Dr. Karpeles in dem neu begründeten Verein Agudath-Achim einen Vortrag über den Humor in der neuhebräischen Dichtung. — Von den beiden entgegengesetzten Enden des Deutschen Reiches erhalten wir erfreuliche Mittheilungen über die endgiltig erfolgte Konstituiruug von Litteraturvereinen. In Aachen ist der Verein am 1. d. Mts. mit einer großen Mitgliederzahl begründet worden. Vorsitzender ist Herr Rechtsanwalt Dr. Francken daselbst. In Tilsit wurde der Verein am 6. d. Mts. begründet. Herr Rabbiner Dr. Ehrlich hielt den Eröffnungsvortrag. Der Vorstand besteht aus den Herren Rabbiner Dr. Ehrlich als Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Grumach zweiter Vorsitzender, Dr. meä. Fabian erster Schriftführer, Kaufmann Max Brände zweiter Schriftführer, Kaufmann Moritz Glaß Kassenführer. Zu Kassenrevisoren wurden die Herren Brauereidirektor Hirschfeld und Kaufmann Sebba gewählt. Dem Verein traten alsbald 36 Mitglieder bei. — Außerdem hat sich ein Verein in Loetzen unter Leitung des Lehrers Gallandt gebildet. Berliir, 9. Februar. Die Kaiserin Friedrich besuchte gestern Nachmittag in Begleitung des Grafen v. Seckendorff und Frl. v. Faber die Rudolf Mosse'sche Erziehung saust alt in Deutsch-Wilmersdorf. Die Besichtigung der verschiedenen Abtheilungen nahm eine ganze Stunde in Anspruch. Die Kaiserin äußerte ihre volle Befriedigung über die sorgfältigen für die körperliche und geistige Pflege getroffenen Einrichtungen des Instituts. Das frische Aussehen der frohen Kinderschaar, die sich in den weiten, behaglichen Räumen tummelte, bereitete der Kaiserin sichtliche Freude. ££2 Berlin, 11. Februar. Der Akademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratur an der Universität Berlin begeht Dienstag, den 18. liuj., Abends 8y2 Uhr, die Feier seines XIII. Stiftungsfestes durch einen Festkommers in seinem Vereinslokal, Linienstraße 96. Alle Kommilitonen sind zu dieser Feier herzlich eingeladen. — Aus Anlaß dieses Stiftungsfestes veranstaltet der „Verband alter Herren" dieses Vereins Donnerstag, den 20. d. M., in den Festräumen des Hotel „König von Portugal", Burgstraße 12, ein Festessen und Ball. X Gollantsch, im Februar. Am 2. Februar fand die Ueberfiihrung der Leiche des in der Bergmannschen Klinik zu Berlin seiner im Duell erhaltenen Verwundung erlegenen Assessors Wollstein vom Bahnhof nach der jüdischen Leichenhalle statt. Dem Leichenwagen folgten eine Reihe von Wagen und ein nach Tausend zählendes Gefolge von leidtragenden Freunden und Theilnehmern, welches Zengniß von der großen Beliebtheit des Verstorbenen ablegte. In der Leichenhalle, welche nur den kleinsten Theil der den Leichenzug bildenden Menge zu fassen vermochte, hielt Rabbiner Dr. Perlitz aus Rakel die Leichenrede. Er hob besonders hervor, daß der Verblichene ein friedlicher Mann, zur Vertheidigung und Ehre seines Berufes und seines Stammes in den Tod gegangen, und so gewissermaßen ein Märtyrer seines Berufes und Stammes geworden ist. Rechtsanwalt Bärwalv aus Bromberg rief dann dem Verstorbenen in der herzlichsten Weise die letzten Grüße und Abschiedsworte als Freund und Berufsgenosse zu. Zahlreiche Blumenspenden, insbesondere auch Kränze, von den Berufsgenossen des Verstorbenen aus Bromberg und Schneidemühl mit langen, weißen Atlasschleifen und entsprechenden Aufschriften, welche durch einen Wagen vom Bahnhof nach der Leichenhalle befördert wurden, fanden sodann Aufstellung in der Leichenhalle. Es fiel darunter ein Palmenarrangement auf mit langwallender, schwarzer Atlasschleife und der Aufschrift: Als ehrenvolles Andenken von R. B. Rawitsch, 2. Februar. Der gute Ruf, welchen die hiesige Gemeinde seit Jahrzehnten schon mit Bezug auf Wohlthätigkeit genießt, hat die Wanderbettelei mit der Zeit zu einer Blüthe gelangen lassen, daß;uan allen Ernstes an die Abstellung dieses lästigen Nebels denken mußte. Weit entfernt, den unterstützungsbedürftigen Glaubensgenossen die bisher gewährten Gaben zu entziehen, haben einige angesehene Mitglieder der Gemeinde, an ihrer Spitze die Herren Rabbiuer Dr. Cohn und Rechtsanwalt Breslauer, es unternommen, durch die Gründung eines „Unterstützungsvereins für durchreisende jüdische Arme" eine Centralstelle zu schaffen, von welcher jeder Bedürftige je nach seiner Würdigkeit in angemessener Weise unterstützt werden soll, ohne daß, wie es bisher geschehen, die Gemeindemitglieder in ihren Geschäftslokalen und Behausungen in der lästigsten Weise heimgesucht werden. Die Anmeldungen zu dem neuen Vereine laufen recht zahlreich ein, und da die bisher gezeichneten jährlichen Beiträge bereits den Betrag von 2400 Mark erreicht haben, so ist zu hoffen, daß nicht nur die Bestrebungen des Vereins sich verwirklichen, sondern daß auch die Unterstützungsbedürftigen durch diese neue Einrichtung keinen Schaden erleiden werden. Eine inzwischen stattgefundene Generalversammlung nahm den vorgelegten Statutenentwurf an und wählte einen aus neun Personen bestehenden Vorstand, welcher seine Thätigkeit schon in nächster Zeit aufnehmen wird. 0 Schubin, den 10. Februar. Das seltene Fest einer Diamant- Hochzeit begingen am 3. d. Mts. die emerit. Lehrer Vraunhardt'schen Eheleute. Zum Polterabend wurde dem Jubelpaare von sämmtlichen Lehrern hiesiger Stadt und nächster Umgegend ein Ständchen gebracht, und das Hochzeitsfest verlief so glänzend, wie ein derartiges wohl noch nie in unserer Stadt gefeiert. Vormittags erschienen die Vertreter der jüdischen Gemeinde, die Vorstände verschiedener Vereine, im Namen der Stadt der Herr Bürgermeister Seiler, der Herr Rentnieister Hausmann und zahlreiche ehemalige Schüler und Freunde zur Beglückwünschung unter Ueberreichung werthvoller, angemessener Geschenke, welche auch von auswärts reichlich einliefen. Nachmittags fand die Einweihung des Paares im festlich geschmückten, mit unzähligen Kerzen erleuchteten Tempel, wo auch Herr Landrath Graf v. Rittberg anwesend war, durch Rabbiner Herrn Dr. Walther aus Bromberg statt. Der Gesang wurde von Schülern unter Leitung des Herrn Lehrer Wolfram ausgeführt. Von Sr. Majestät erhielt das Jubelpaar ein Geldgeschenk, und ein solches auch auf telegraphischem Wege von Herrn Kultusminister Bosse, in der Höhe von 2OO Mark. Außer vielen telegraphischen Beglückwünschungen von Freunden, Gönnern und ehemaligen Schülern gingen solche auch von Herrn Kultusminister Bosse, von Herrn Geheimen Ober-Regierungsrath im Kultusministeriuin v. Chappius aus Berlin, aus Amerika und aus Dänemark ein. Des Abends fand zu Ehren des Jubelpaares ein Fest, verbunden mit Ball, veranstaltet von ehemaligen hiesigen Schülern und Freunden, im Ristau'schen Lokale statt. Das Jubelpaar verblieb bei diesem Schlußakte bis zu später Abendstunde, und Herrn Braunhardt, welcher geistig sehr erhalten, brachte unter mehreren anderen auch noch humoristische Toaste recht sinnreich zum Vortrage. Zum 50 jährigen Amtsjubiläum erhielt Herr Braunhardt^ seiner Zeit den Adler des Hohenzollern -Hausordens verliehen. J. B. Schweidnitz, in; Februar. In unserer Zeit, in der leiderinfolge der immer mehr herrschend werdenden materiellen Gesinnungsart die eigenen Interessen in den Vordergrund rücken und die selbstlose Thätigkeit für die Gesammtheit immer seltener wird, ist es wohlthuend, Männer zu finden, die Jahrzehnte hindurch sich mit Gemeindeangelegenheiten

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