Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1896)
- Date
- 1896-02-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Kempen (Provinz Posen), 26. Januar. Am 26. v. Mts. feierte der Stadtverordneten-Borsitzende Herr Hermann Bloch seinen 70. Geburtstag. — Seitens der Stadt waren die Herren Magistrats- Mitglieder und das Stadtverordneten-Kollegium vollzählig zur Beglückwünschung erschienen; dem Jubilar wurde ein kostbarer silberner Pokal, mit Widmung und städtischem Wappen versehen, überreicht und dabei gleichzeitig eine Ansprache gehalten, die die langjährigen Verdienste des Jubilars um das Gemeindewesen hervorhob. — Der Vorstand der jüdischen Korporation und das Repräsentanten-Kollegium waren gleichfalls in corpore erschienen und überreichten, verbunden mit einer Ansprache des ersten Vorstehers, Herrn Stadtrath Jsaac Bloch, eine in prachtvoller Mappe befindliche, künstlerisch ausgeführte Adresse, worin die mannigfachen Verdienste um die Gemeinde erwähnt wurden. Auch das Progymnasium war durch Herrn Direktor Malm vertreten, der im Namen des gesammten Lehrer-Kollegiums die herzlichsten Glückwünsche darbrachte und in schwungvollen Worten ausführte, mit welch' warmem Interesse der Jubilar das Wachsen und Gedeihen der Anstalt gefördert hat. Ebenso sprach der Vorstand des isrealitischen Krankenverpflegungs- und Beerdigungsvereins die herzlichsten Glückwünsche aus und wurde der Jubilar infolge der langjährigen Verdienste um den Verein einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. So reihten sich Gratulationen an Gratulationen, und bis zum späten Abend wurde der Jubilar von Mitgliedern aller Konfessionen und allen Schichten der Bevölkerung in herzlichster Weise beglückwünscht. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange Jahre zur Zierde seiner Familie und zum Wohle der Stadt und der ^Gemeinde ferner ersprießlich zu wirken. r. Aus Schlesien, 2. Februar. Ani 2. v. Mts. starb plötzlich in Gl atz der beim dortigen Landgerichte seit dem Jahre 1884 zugelassen gewesene Rechtsanwalt Hugo Glaser, ein durch Pflichttreue und edlen Charakter ausgezeichneter Mann. Der Verstorbene gehörte auch dem Vorstande der dortigen Synagogengemeinde als stellvertretendes Mitglied an. — Die israelitische Brüdergesellschaft (Verein für Armen- und Krankenpflege) in Leobschütz hat die den auswärtigen Wohlthätigkeitsanstalten bisher gewährten Beiträge auch für das Jahr 1896 bewilligt. Zum Entwurf neuer Statuten wurde eine Kommission von 5 Mitgliedern erwählt. Die Zahl der Mitglieder beträgt 55. In der letzten Versammlung wurden die neuen Pläne der beiden Friedhöfe vorgelegt und mitgetheilt, daß der alte Friedhof bereits geschlossen ist und Beerdigungen nur noch in reservirten Gräbern stattfinden. — Am 12. v. Mts. wurde der Privatlehrer Samuel Reich in Loslau im Alter von 65 Jahren zur letzten Ruhe gebettet. Der Verstorbene lebte seit 30 Jahren am dortigen Platze und wurde allgemein geachtet. Die israelitische Gemeinde verliert in dem Dahingeschiedenen ein mit Kenntnissen reich begabtes Mitglied. Dr. Lewinsky, Landrabbiner in Hildes- Heim, ein Neffe des Verstorbenen, hielt bei der Beerdigung eine ergreifende Rede. — Am Sonntag, den 19. v. Mts. Abends, beging der israelitische Frauenverein in Kattowitz im Saale des Hotel de Pruffe die Feier seines Stiftungsfestes. Wesentlich trugen zwei Theaterstücke, vorzüglich dargestellt, zur Unterhaltung bei; auch erzielten die humoristischen Vorträge reichen Beifall. c. Ans Oberfchlesien, im Februar. Am 19. Januar fand in Kattowitz eine Versammlung des Oberschlesischen Rabbinerverbandes statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Cohn, des Heimganges des Herrn Dr. Wiener - Oppeln, zu dessen Ehrung die Versammlung sich von ihren Sitzen erhebt. Nach Begrüßung des in den Verband neu eingetretenen Rabbiners Dr. Kaatz - Zabrze und mehreren geschäftlichen Mittheilungen berichtet Dr. Cohn über die Ausführung der Beschlüsse der letzten Verbands- Versammlung. Der Vorstand habe eingehende Berathungen darüber gepflogen, wie die auf das wichtige Werk der Jugenderziehung und des Unterrichts sich beziehenden Beschlüsse verwirklicht werden könnten. An das mitgetheilte Ergebniß dieser Vorberathung schloß sich eine weitere, lebhafte Debatte, in welcher die einzelnen in Betracht kommenden Punkte einer eingehenden Erörterung unterzogen wurden. Zur weiteren Ausführung und Abschließung der Angelegenheiten wurde eine Kommission gewählt, in welche außer dem Verbandsvorstande die Herren Rabbiner Dr. Kopfstein - Beuthen und Dr. Löwenthal -Tarnowitz berufen wurdep. Dr. Cohn theilt ferner mit, daß auf den beim' Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbande eingebrachten Antrag des Oberschlesischen Verbandes, „an zuständiger Stelle in geeigneter Weise dahin zu wirken, daß der jüdische Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten einen obligatorischen Charakter erhalte", eine weitere Mittheilung bisher nicht eingegangen sei. — Weitere Punkte der Tagesordnung bezogen sich zumeist auf interne Verhältnisse des Deutschen Rabbineroerbandes. Es fand ferner ein lebhafter, anregender Gedankenaustausch statt über verschiedene, das religiöse Leben in Gemeinde und Haus berührende Angelegenheiten. Die nächste, während des Sommers stattfindende Versammlung soll in Tarnowitz abgehalten werden. H. Guttentag, 2. Februar. Seit 41 Jahren liegt die Rendantur des hiesigen Vorschuß-Vereins in jüdischen Händen. Vom Jahre 1855 bis 1873 war ein Herr Bernhard Cohn, jetzt wohnhaft zu Berlin, Rendant. Vom Jahre 1873 übernahm die Rendantur Herr M. S. Tichauer. Da die Wahl des Rendanten alle 3 Jahre erneuert, werden muß, so wurde Herr Tichauer jedesmal einstimmig gewählt. In' diesem Jahre war seine Zeit um, und haben sich einige Antisemiten in dem Verein gefunden, die das Wort verfolgten: der Jude darf nicht wiedergewählt werden. Am 22. v. Mts. fand die Wahl statt; während sonst zur Wahl 30 bis 40 Mitglieder anwesend waren, sind dieses Mal über 200 erschienen, meist Christen, da von den Juden im Vorschuß-Verein sehr wenige vertreten sind, und Herr Tichauer wurde mit 175 gegen 25 Stimmen wiedergewählt. Herr Tichauer ist Rathmann und vertritt viele städtischen Ehrenämter; er ist auch erster Borsteherder Synagogen- Gemeinde. 8. Schwerin i. Mi., 1. Februar. Es gereicht mir heute zur besonderen Genugthuung, Ihnen einen Beweis dafür bringen zu können, daß auch im kerngesunden mecklenburgischen Bürgerthum die „Pest der Zeit" keinen Nährboden hat. Der hiesige, ca. 400 Mitglieder zählende Männerturnverein, dessen Angehörige sich aus allen Schichten der bürgerlichen Gesellschaft rekrutiren, feierte am 30. v. M. das 25jährige Vorstandsjubiläum seines Vorsitzenden, des Herrn Siegmund P incus, in herzlicher Weife. Ueber den Verlauf der Feier haben die hiesigen Zeitungen ausführlich berichtet, sowohl über den glänzenden Festabend zu Ehren des Jubilars, sowie über die sehr animirte Jubiläumsfestkneipe zu Ehren des „Gauführers des Obotritengaues." Möge, es Herrn Pincus, welcher auch dem Vorstände der hiesigen israelitischen Gemeinde angehört, noch recht lange beschieden sein, als ein Zeuge für das friedliche und freundliche Verhältniß zwischen den Angehörigen der verschiedensten Bevölkerungsklassen, zwischen den Bekennern der verschiedenen Konfessionen zu wirken, und möge allenthalben im lieben deutschen Vaterlande dasselbe einträchtige Zusammenleben der Mitbürger herrschen, wie in unserem so häufig zur Zielscheibe der Satire benutzten Mecklenburg! G Parchim i. M., 2. Februar. Ein seltenes Fest feierte die hiesige jüdische Gemeinde, ja fast die ganze Stadt, am gestrigen Sabbath, das des 90. Geburtstages ihres Vorstandes und ältesten Stadtbürgers, des Thierarztes M. Cohn, der auch zugleich der älteste Abonnent der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" und mit dem regsten Interesse nunmehr 60 Jahre ununterbrochen wohl der treueste Leser ist. — M. Cohn wurde am 1. Februar 1806 in Ludwigslust geboren, besuchte das Gymnasium in Schwerin, studirte in Berlin und ließ sich am 1. März 1835 als Thierarzt in Parchim nieder; er hat bis noch vor wenigen Jahren seine Praxis hier und in der Umgegend ausgeübt. .Während des Krieges 1870/71, wie auch später öfter noch in den Manöverzeiten, versah er den Dienst eines Roßarztes beim 16. Dragoner-Regiment, ist deshalb auch im Besitze der Kriegsdenkmünze für Nicht-Kombattanten. Die Gemeinde.wählte ihn im Jahre 1839 zu ihrem Borstandsmitgliede und er hat auch hier auf die uneigennützigste Weise so segensreich gewirkt, daß die', ganze Gemeinde noch heut mit Dank und Ehrfurcht zu ihm aufblickt. Sein hohes Alter zwang ihn zwar vor einigen Jahren, dies Amt niederzulegen, aber noch heute wird sein Rath von seinem Nachfolger gern eingeholt und befolgt. Daß sich der 90. Geburtstag dieses Ehrenmannes und Vorstandes zu einem wahren Festtag gestaltete, war selbstredend. Aber auch die Bürger dieser Stadt ließen es sich nicht nehmen, ihrem ältesten Stadtbürger alle erdenklichen Ehren zu bezeugen. Der Klub (eine Gesellschaft aus den ersten Bürgern hiesiger Stadt), dessen Mitglied Herr Cohn ist, feierte ihn schon am Vorabend, wo Herr Professor Dr. Klapp die Rede hielt, und er ernannte Herrn Cohn zunr Ehrenmitglieds, nachdem ihm ein