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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-02-07 · Heft 6 (7.2.1896) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 6 (7.2.1896)
Date
1896-02-07
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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Arbeit, da ich diesen nicht von Freitag's Urtheile abhängig mache, sondern für die Preiserhaltung, die nur ein sehr wünschenswerthes Ereigniß wäre, fort. — Ich will von dem früher Begonnenem abbrechen und nicht Dir einen Plan auseinandersetzen, der mir seit einigen Tagen als der einzig ausführbare und zugleich äußerst zweckmäßige erschienen ist, den ich Dir vielleicht später nach einer reiferen Durchdenkung vorlege. II. Frankfurt, den 28. September 1832. Gestern hielt R. Salomon-Trier wie gewöhnlich seinen Vortrag in der Synagoge, und höre die seltsame Erscheinung unserer Zeit! Er bemerkte, daß jetzt der Wunsch so gar Vieler nach deutschen Predigten sich kund gebe, daß diese also jetzt einen weit bessern Eindruck Hervorbringen würden, als Draschas nach alter Weise, er deshalb, wenn es ihin sein Alter erlaubte, sich auf jene verlegen würde; da nun dieses aber nicht stattfinden könne, so fordere er junge Leute auf, die die Fähigkeiten dazu hätten, sich bei ihm hierzu zu melden, so daß dann diese Einrichtung getroffen werden könne. Allgemeines Staunen, bei Einigen freudiger Triumph, bei Andren Zittern unb Beben, erfolgte. Die Sache war Tagesgespräch, und auf den Erfolg bin ich um so mehr gespannt, da ich, wie Du Dir denken kannst, nicht wenig hierbei das Augenmerk Vieler bin. Der Konflikt mit dem AndachtsaaleZ steht hierbei natürlich traurig im Wege, und die Sache wird, wenn sie von Einigen ernstlich betrieben wird, natürlich zu ernstlichen Untersuchungen führen. Von Reb Salomon aber ist es ein gewaltiger Schritt. — Heber Jesus Prozeß habe ich nun das Für (von Salvador) und das Wider (von Düpin) gelesen; im Ganzen hat Erster Recht, da es nicht zu leugnen ist, daß selbst nach der Darstellung der Evangelien Jesus nach jüdischen Gesetzen uiib Ansichten den Tod verdiente, ob die Nebenrnnstände, die uns-die Evangelisten berichten, mit Recht geschehen sind, ist sehr zu bezweifeln. Salvador nun stützt sich hauptsächlich auf die Thatsache im Ganzen und Großen, begeht nur dabei den Fehler, gar keine historische Kritik auzuwenden, alles Einzelne der Evangelien als wahr gelten zu lasten, und doch einmal genöthigt zu sein, ihre Erzählungen zu inodifiziren. Düpin stiitzt sich auf die unbedeutenderen Nebennmstände und mißversteht vieles voll Salvador richtig Allfgestellte. Im Allgemeinen scheint er mir hierüber Folgendes anfzustelleil: Jesus verdiente beu Tod', da er den Gotteseinheitglaubell wailkend machte; die Formalitäten im Gerichtslveseli (was einem Advokaten wie Düpin die Hailptsache ist) wurden llicht gehörig beobachtet. Düpins Interesse an der Sache ist hauptsächlich der Streit, der zu gleicher Zeit versteckt gegen die Jesuiten und ihren Einfluß am fralizösischen Hofe unter Karl X/.liegt. Aus Heinrich Heine s Ahnensaal. den vier Söhnen Juspa's von Geldern war Lazarus der zweite und wohl auch der bedeutendste. Er erlebte mit feinem ^*^9 Vater die Wandelbarkeit des Familienglückes. Durch den Tod des Kursürsteil Johainl Wilhelm hatte die herrliche Entfaltung Düffeldorss ihr Ende erreicht. Eill neues System kain zur Geltung, i) Eine von fortgeschrittenen Elementen gegründete Stätte privaten deutschen Gottesdienstes und deutscher Pred'gt, an der sichm. A. Michael Creizenach betheiligte. und wie eine schwere Allklage schlvebte die Schuldenlast des erschöpften Landes über allen, die dem früheren Regime nahe gestanden oder gar allgehört hatten. „Was Alle traf, mußte einen Jlldeil vollends vernichteil; die Umwerthung der Uebrigen bedeutete für ihn völligen Sturz." Jllspa von Geldern wurde wegen Proviantlieferungen, die Jahrzehnte vorher erfolgt waren, zilr Rechellschast gezogen. Aber er wußte sich in einer Schrift, die er ben Ständen vorlegte, so gut zu vertheidigen, daß man voll jebem weiteren Vorgehen gegen ihn absehen iilußte. In seinem 74. Lebensjahre starb Juspa von Geldern im Jahre 1727. Acht Jahre später feine gleich ausgezeichnete Gattin Bräunele, oder, wie Heine seine Großmuhme nannte, Brnnhildis. Das Gedächtnis Beider wird noch heute zu Düffeldorf uub Mannheim — in letzterer Stadt starb das Ehepaar — in Ehren gefeiert. Unmittelbar darauf ernannte Karl Philipp feinen Sohn Lazarus von Geldern zum Jülich- und Bergischen Hoffaktor. Auch das Ehrenamt des Obervorgängers der dortigen Judenschaft wllrde ihm bald übertragen. Aber all' diese Ehrenälllter gewährten ihm nicht einmal die Gunst — nach Köln reisen zll dürfen. Einmal versuchte er, unter Vorlegung eines kaiserlichen Paßbriefes, freies Geleit für Köln zu erlangen, aber der dortige Rath wagte es trotzdem, abzulehnen. Er erhielt niemals die Eclaliblliß für länger als drei Tage. Unter solchen Verhältnissen ward das Lieferungsgeschäft bei der Armee inrmer mehr erschlvert, da der Uebergang von dem einen ans das andere Gebiet in Deuischlaild mit allen möglicheu Qllätereiell verbunden war. Eine große Theuernng kam dazll, um den finanziellen Ruin zu beschleunigen. Es ist rührend zu tefen, wie die treffliche Gattin des Lazarus von Geldern zuletzt noch in einer Audienz bei Karl Philipp durch eine heroische Anstrengung den Zusammenbruch des Geschäfts hintanzuhalten versucht. Umsonst. Aber das Schicksal, das sie getroffen, vermochte nicht, die geistige Höhe des Hauses zu erschüttern. Früh schon war es im Ghetto non Düsseldorf Tag geworden. Die Söhne und Töchter der Familie Geldern erhielten bereits eine gründliche Einführung in das allgemeine Wiffen und in die Kultur ihrer Zeit. Heine hat selbst es ans dem Munde seiner Mutter ausgezeichnet, was seine Urgroßmutter gethan, als ihr zweiter Söhn Gottschalk von Geldern, um Medizin zu studiren, die Hochschule beziehen sollte. „Ich war", erzählt Heine, „nicht der Erste in unserer Familie, der auf der Universität Edelsteine aufgegessen und Perlen verschluckt hatte. Der Vater meiner Mutter, wie sie mir einst erzählte, erprobte dasselbe Kunststück. Die Juwelen, die das Gebetbuch seiner verstorbenen Mutter verzierten, nmßten die Kosten seines Aufenthalts aus der Universität bestreiten, als sein Vater, der alte Lazarus von Geldern, durch einen Successionsprozeß mit einer verheiratheten Schwester in große Armnth gerathen war;, er, der von seinem Vater ein Vermögen geerbt hatte, von dessen Größe mir eine alte Großmuhme so viel Wunderdinge erzählte. Das klang dem Knaben immer, wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht, wenn die Alte von den großen Palästen und von persischen Tapeten und dem massiven Gold- und Silbergeschirr erzählte, die der gute Mann, der am Hofe des Kurfürsten und der Knrfnrstin so viel Ehren genoß, so klüglich einbüßte." An dem Gebetbuch der Mutter haftete, wie Kaufmann sehr hübsch sagt, der stille Segen, der einst von seiner Trägerin ausgegangen war. In ihrem Sohn blühte der Ruhm der Familie von Neuem ans, Gottschalk von Geldern, Heine's Großvater, lag seinen Studien an der Universität von Duisburg, unter Johann Leidenforst ob. Im Januar 1752 vertheidigte er vor der versammelten Fakultät seine Inauguraldissertation, die er dem Kurfürsten gewidmet hatte. Dann ließ er sich in seiner Heimathstadt nieder, wo er als Arzt wie als Mensch sich bald hoher Achtung jit erfreuen halte.

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