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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-31 · Heft 5 (31.1.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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jährlich bisher, auch in den folgenden Jahren zur düsteren Winterszeit Licht in die Hütten der Arumth, freudige Befriedigung in die Herzen der Spender» tragen. L2 Berlin, 28. Januar Der Humanitätsvcrein „Linath Hazedek." (Bors. Kunz) feiert am 2. Februar er. im Hotel Imperial, Unter den Linden, sein Stiftungsfest in großartigem Maßstabe: Theatervorstellung, Tanz, Prolog, Ansprache, humoristische Vorträge rc. An Ueberraschnngen wird es auch nicht fehlen. Mit BilleO, welche im Centralbüreau, Rochftraße 15, und bei Herrn S. Berglas, Gr. Hamburgerstraße 38 l., zu haben sind, wolle man sich rechtzeitig versehen. Potsdam, 28. Januar. Am nächsten Sonntag feiert unser verehrter Rabbiner Dr. Tobias Cohn seinen 70. Geburtstag. Anläßlich dieses Festes wird es Sie gewiß interessiren. Einiges aus dem Leben dieses ebenso bescheidenen wie verdienstvollen Mannes zu erfahren. Rabbiner Dr. Tobias Cohn, geb. am 2 Februar 1826 zu Hammerstein in Westpreußen, entstammt, besonders mütterlicherseits, einer in der Provinz qltangesessenen Rabbinersamilie, so daß er seinen Stammbaum auf den sogenannten „Schloh Hakodnsch" zurückführen kann. Sein Vater, Rabbinatsverweser in Hammer stein, war, wenn auch selbst in den ehrwürdigen Traditionen seiner Jugend verblieben, doch bemüht, seinen Söhnen eine moderne Erziehung und Bildung zu verschaffen. Nachdem Tobias Cohn sehr jung am Seminar in Tuchel das Lehrerexamen bestanden und einige Jahre in seiner Vaterstadt als Lehrer fungirt hatte, trieb ihn der Wissensdrang nach Berlin, wo er am Joachimsthalschen Gymnasium'die oberen Klassen absolvirte und an der Universität unter Boekh, Carl Ritter, Trendelenbürg, Hengstenberg und Batke seine Studien trieb und zugleich eifrig der Ausbildung in den hebräischen .Wissenschaften oblag, zu denen er bei seinem Vater einen gediegenen Grund gelegt hatte. Nachdem er mehrere Jahre in dem Hause und- Salon der berühmten Frau Sara Levy, einer der edlen Töchter des Hauses Jtzig, eine ehrenvolle Vertrauensstellung eingenommen hatte und dadurch in bildende Beziehung zu allen Koryphäen der Wissenschaft trat, berief ihn im Jahre 1857 die Gemeinde Potsdams zu ihrem Prediger und Rabbiner. Sein Wirken in dieser hochachtbaren Gemeinde währt beinahe 39 Jahre, und wenn cs, den Verhältnissen angemessen, sich auch in ruhigen Bahnen bewegte, so war seine Wirksamkeit, getragen von der stetig wachsenden Liebe und Anhänglichkeit seiner Gemeinde, doch ein durchaus ersprießliches, für beide Theile beglückendes. Die Gemeinde wuchs an Umfang und Intelligenz und nahm eine immer geachtetere Stellung in der Stadt ein. Ihre synagogalen und wohlthätigen Institute hoben sich, ihre Schulangelegenheiten wurden durch Dr. Cohns erfolgreiche Bemühungen bei den Behörden der Stadt, ihm den Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten zu gewähren, zu schöner Blüthe entfaltet. In den intelligenten christlichen Kreisen Potsdams nahm er durch zahlreiche Vorträge in der „Litteraria", zu deren Vorstand er seit mehr als 25 Jahren ununterbrochen zählt, eine sehr geachtete Stellung ein, und fast alle Vereine der Stadt erbaten seine stets bereitwillig gewährte Kraft zu Vorträgen für Bildung?- oder Wohlthätigkeitszwccke. An den Bestrebungen der Rabbinerversammlungen, der Synode und des deutschen Rabbinervereins nahm er stets thäligen Antheil und lieferte insonders als Kommissionsmitglied des letzteren mehrere gediegene Arbeiten Am 1. April 1896 wird er, so Gott will, in den Ruhestand treten. (Auch wir senden dein verehrten Jubilar, unserem treuen Mitarbeiter, die -herzlichsten Glückwünsche zum Jubelfeste. Möge er der wohlverdienten Ruhe noch lange in ungetrübter Heiterkeit und ungeschwächter Gesundheit sich erfreuen! Die Red.) R. Memel, 21. Januar. Unter den Männern, welche bei dem diesjährigen Krönungs- und Ordensseste Auszeichnungen erhalten haben, befindet sich auch der Premier-Lieutenant, Landgerichtsrath Meyer von hier, welcher den Kronenorden IV. Klasse erhalten hat. Landgerichtsrath Meyer ist Vorsteher' des Repräsentanten - Kollegiums der hiesigen Synagogen-Gemeinde, ist ferner der Vorsitzende des hiesigen Kriegerveteins und Mitglied des Provinzialvorstandcs der ostpreußischen Kriegervereine. Der Mann ist hier ganz außerordentlich geachtet und beliebt. NNd wenn es gilt, irgend ein Nationalfest zu feiern, dann wird Meyer stets der von Civil und Militär Gewählte sein, welcher das Fest zu ordnen und zu leiten und meist auch die Festrede zu halten bestimmt wird.' — Das hiesige neuerbaute Krankenhaus für russisch-israelitische Kranke ist schon seit dem vergangenen Spätherbst im Rohbau vollendet und soll im Frühjahr die innere Einrichtung erhalten. Nachdem der erste Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herr L. Alexander, den Platz N hierzu für 3500 Mark gekauft und geschenkt hatte, konnte sofort mit dem Bau begonnen werden. Auf. Betrieb des Anstaltsarztes, Herrn Dr. Pindikowski, welcher nun schon seit zehn Jahren in uneigennützigster Weise dem alten Krankenhause sein reiches Wissen und Können gewidmet hat, wurde der Bau so rasch gefördert. Jetzt kommt nun die noch schwierigere Frage, wie die Mittel zur Unterhaltung des Krankenhauses zu beschaffen seien, in Betracht. Gott und gute Menschen J werden weiter helfen. f r. Ans Schlesien, 18. Januar. Während im vorigen Winter die 1 Kattowitzer Aktiengesellschaft dem jüdischen Armenverein zu Myslowitz den Preis für die unter die jüdischen Ortsarmen zu vertheilenden Sohlen um die Hälfte ermäßigt hat, so sind in diesem Winter auf ein vom Vorstand um Ermäßigung an die Aktiengesellschaft eingereichtes Gesuch | von der letzteren für die jüdischen Ortsarmen dem Armenverein 255 Centner Kohlen un entgeltlich von der Myslowitz-Grube überwiesen worden. (Ein gleiches Quantum hat die Gesellschaft dem Vaterj ländischen Frauenverein für die evangelischen Ortsarmen gewährt.) — An j Stelle des aus dem Borstande der Synagogengemeinde zu Myslowitz! freiwillig ausgeschiedenen Kaufmanns Simon Fischer ist Kaufmann Moritz Centawer gewählt und vom Regierungspräsidenten bestätigt worden. — Vom jüdischen Armenunterstützungsverein zu Myslowitz fand am 31. v. Mts, behufs Rechnungsablegung und Neuwahl des Vorstandes, eine Generalversammlung statt, an welcher sich nur 9 (!) Vereinsmitglieder belheiligten. Die Jahresrechnung ergab aus dem verflossenen Vereinsjahre eine Einnahme von 1455.50 Mark, welcher eine Ausgabe von 1292,85 Mark gegenübersteht. An Unterstützungen erhielten Ortsarme 351 Mark, durchreisende Arme 819,40 Mark und für Beköstigung armer Durchreisender 44,95 Mark gezahlt. In den Vorstand wurden gewählt die Kaufleute M. Wachsner, M. Kochmann und L. Hausdorff. — Sanitätsrath Kreisphysikus Dr. Friedländer, eine in den weitesten und vornehmsten Kreisen geachtete und beliebte Persönlichkeit in Lublinitz. feierte am jüngsten Sonnabend mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. — Unter dem Vorsitz des Kalkwerksbesitzers Viktor Muhr aus Oppeln fand jüngst die Handelskammerwahl für den Kreis Kreuzbürg, Oberschlesien, statt, in welcher an Stelle des. verstorbenen Kaufmanns Mysliwiez Herr Mühlenbesitzer Julius Rosenthal aus Kreuzburg gewählt wurde. p. Breslau. 22. Januar. Der in Heidelberg verstorbene Gutsbesitzer Josef Wolsfsohn hat in seinem Testament der Stadtgemeinde Breslau ein Legat von 140,000 Mark mit der Bestimmung vermacht, daß die Zinsen dieses Kapitals alljährlich an seinem Todestage an Personen ohne Unterschied des Glaubens, jedoch mit vorzugsweiscr Berücksichtigung von Personen jüdischen Glaubens und unter Ausschluß von Geistlichen, für Alte des Wohlthuns und des Müthes vertheilt werden und daß die bevorstehende Vertheilnng ein Vierteljahr vorher öffentlich bekannt gemacht wird. Herrn "Rechtsanwalt Kempner als Kurator fällt die Entscheidung zu; auch Personen, die sich nicht melden, dürfen ebenfalls berücksichtigt werden. K. Hirschberg i. Schl., 27. Januar. Von verschiedenen Seiten ausgefordert, einem längst gefühlten Bedürfniß abzuhelfen und fürjüdische Knaben/ besonders für solche, die in ihrer körperlichen Entwickelung zurückgeblieben sind und daher frischer, gesunder Luft bedürfen, einen Ott zu finden, der diesem Zwecke dienlich wäre, hat sich Herr Dr. Ludwig Ko rach entschlossen, am 1. April 1896 am hiesigen Orte ein Pensionat zu errichten. Hirschberg, in dem schönsten Theil des Riesengebirges gelegen, von Wäldern und Bergen umgeben, ist ganz besonders durch seine frische Land- und Bergeslust geeignet, in jeder Beziehung vortheilhast auf Geist und Körper einzuwirken. Die Anstalt selbst wird sich in der gesündesten Lage der Stadt, in der sogenannten Villengegend, befinden, von wo man in wenigen Minuten ins Freie gelangen kann. Dr. Korach, dem die besten Referenzen zur Seite stehen, hat das philologische Examen gemacht, sein Probejahr abgelegt und sich seitdem ausschließlich dem Erziehnngs- und Lehrfache gewidmet. G. Emden, 24. Januar. Der siebente Rechenschaftsbericht des von Landrabbiner Dr. Buchholz begründeten „Vereins zur Unterstützung und Erziehung armer, verwaister Kinder" (Esratfo * Jessomim) theilt mit, daß das Vereinsvermögen, welches im Vorjahre 9353 Mark

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