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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-31 · Heft 5 (31.1.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang. Ar. 5. ttt L erlin, 31. Zanuar 18b 6. 'ZLeikage zur „Akkgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 26. Januar. Der Geheime Sanitätsrath Dr. Julius Meyer ist am 23. d. M. im Alter von 76 Jahren hier gestorben. Er war einer der ältesten und bekanntesten praktischen Aerzte in Berlin und übte seit 1845 seinen Beruf aus. Meyer zählte zu den ersten Aerzten der Gewerkskrankenvereine und gehörte dem Verbände dieser viel länger als ein Menschenalter an. Mit besonderem Eifer stellte er seine Kraft in den Dienst des Berliner Gemeinwesens. Insbesondere widmete er sich der Ueberwachung und dem Ausbau der Armenkrankenpflege. Den Charakter als Geheimer Sanitätsrath führte Meyer seit den 80er Jahren. Er war ein Bruder der im vorigen Jahre verschiedenen Frau Zerline Meyer, der der sel. Dr. David Rosin s. Z. in unserem Blatte einen Nachruf widmete. Der Verstorbene wurde am Sonntag Nachmittag unter großer Theilnahme auf dem Friedhof in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet. 22 Berlin, 27. Januar. Am 24. ds. ist hier eines der eifrigsten Mitglieder unserer Gemeinde, der Rentier Herr Isaak Blumenthal, unter besonders tragischen Umstanden, int 70. Lebensjahr gestorben. Derselbe ging um ll3/4 Uhr wohl und munter von Hause weg und fuhr später mit der Stadtbahn vom Bahnhof Friedrichstraße nach der Station Bellevue. Als er dort um 1 Uhr ankam und bereits auf. dem Trittbrett stand, um den Wagen zu verlassen, 'fing er an zu taumeln und wäre zu Boden gefallen, wenn ihn nicht einige, andere Fahrgäste aufgefangen hätten. Man trug den kranken Greis in die auf dem Bahnsteige befindliche Wartehalle, um ihm Hilfe angedeihen zu lassen. Aber schon nach fünf Minuten gab er hier seinen Geist auf. Die Bahnverwaltung barg die Leiche, bis sie von der Familie abgeholt wurde. Blumenthal war jahrelang stellvertretender Repräsentant, auch bei den letzten Wahlen wurde er wiedergewählt. Seit fast zwanzig Jahren gehörte er dem Vorstande der Beerdigungs-Anstalt, seit dreizehn Jahren dem Vorstande der Altersversorgungs-Anstalt, seit 8 Jahren auch der Schätzungs-Kommission der Gemeinde und dem Vorstande des Vereins „Freunde der, Taubstummen" als ein treues und erfolgreich wirkendes Mitglied an. Die Beerdigung fand heute unter lebhafter Theilnahme aller Kreise unserer Gemeinde statt. ▲ Berlin, 28. Januar. Soeben geht uns Nr. 41 der „Mittheilungen vom Deutsch-israelitischen Gemeindebunde" zu. Dieselbe enthält den Bericht und das ausführliche Protokoll über die Verhandlungen des Verbandes jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reiche und bietet dadurch ein besonderes Interesse. Auch die übrigen Mittheilungen und Anregungen wird man nicht ohne Interesse lesen, namentlich den Ausruf zur Bildung von Provinzialverbänden des D.J.G.-B., der auch die Mittheilung enthält, daß noch in diesem Jahre ein Gent eindetag stattfinden soll. 22 Berlin, 27. Januar. Aus den Litteraturvereinen. In Leipzig, wo am 30. d. M. die Generalversammlung stattfindet, hat am 23. ds. Herr Professor Dr. August Wünsche über „die Freude im alten Testament" gesprochen, in Hamburg Herr Rabbiner Dr. Frank über das Thema: „Ein Blick in das Schul- und Familienleben der Juden im Mittelalter", in Magdeburg Herr Redakteur Alphonse Levy über den französtschen Dichter Lamartine und dessen Reisen im Orient, in Frankfurt a. M. Herr Rabbiner Dr. L. S. Rosenthal über das jüdische Geistesleben in Alexandrien vor 2000 Jahren, und Herr Kirchenrath Dr. Kroner über die jüdische Ethik, in Essen Herr Rabbiner Dr. Samuel über die soziale Frage im alten Israel und Herr Dr. med. Cohen über die Gesundheitspflege, in der mosaischen Gesetzgebung. — Der Verein zu Gelsenkirchen, der am 21. begründet wurde, zählte an diesem Tage bereitst 140 Mitglieder, also fast sammtliche Gemeindemitglieder aus Gelsenkirchen und Wattenscheidt!! Es ist dies hauptsächlich das Verdienst der Herren Lehrer Kaufmann, Katz und Rothschild. — Der Verein in München zählt ebenfalls bereits über 320 Mitglieder. L2 Berlin, 28. Januar. Am Donnerstag, 23. d. Mts., hielt das Damenkomitee für Chanukahbescheerung seine diesjährige Schlußsitzung. Nach dem von der Vorsitzenden, Frau Julie Neumann, erstatteten Berichte gestaltete sich auch in diesem Jahre der erzielte Erfolg zu einem höchst günstigen. Der Rechenschaftsbericht befindet sich bereits im Druck und wird in Bälde allen Wohlthätern und Interessenten zugehen. Ueber den finanziellen Erfolg sei vorläufig nur bemerkt, daß den Einnahmen von baar 17 845,51 Mark Ausgaben von 15 667,65 Mark gegenüberstehen. Außerdem wurde noch eine nicht unbeträchtliche Menge von Kleiderstoffen gespendet und für die Zwecke der Bescheerung verbraucht. Von den überschießenden 2177,86 Mark sind 977,86 Mark zu laufenden Ausgaben im Laufe des Jahres zurückgelegt, während 1200,00 Mark als Reservefonds bei der Deutschen Bank zinstragend angelegt worden sind. Erfreulicher aber noch als der finanzielle Erfolg ist der moralische und erziehliche, der sich allen in dieser Wohlthätigkeitssache beschäftigten Personen kundgethan hat. Von Jahr zu Jahr sehen wir immer deutlicher es ein, wie die persönliche Einwirkung auf die Kreise der durch die Chanukahbescheerung Unterstützten in jeglicher Beziehung ihre wohlthätigen Folgen äußert. Ist ja schon die Art der Ausführung seitens der Damen des Komitees eine solche, daß die Beschenkten sich nicht gedrückt, sondern gehoben fühlen. Die warme Antheilnahme, welche den Stiefkindern des Glückes hier entgegentritt, das theilnahmvolle Eingehen auf alle ihre Verhältnisse, die Bereitwilligkeit, auch außerhalb des Rahmens der Bescheerung auf andern Wegen Hilfe zu leisten und die zerrütteten Verhältnisse ordnen zu helfen; dies alles giebt manchem Vater und mancher Mutter den gesunkenen Lebensmuth wieder. Die bescheerten Kinder, welche es wohl merken, daß man sie nicht nur durch eine einmalige Gabe erfreuen will, daß vielmehr die recherchirenden Damen an ihrer gesammten geistigen Fortentwickelung Antheil nehmen, geben sich infolgedessen Mühe, auch ihrerseits das erwiesene Gute dadurch zu vergelten, daß sie sich bestreben durch Wohlverhalten in der Schule sich und der Gesammtheit ihrer Glaubensgenossen Ehre zu machen, den Damen zur Zeit auch gute Schulzeugnisse vorweisen zu können. Ja, weit über die Schulzeit hinaus dauert die Antheilnahme und Fürsorge für diese Kinder der Armen fort. Besonders für die schulentlassenen Mädchen wird seitens der Damen des Komitees in verschiedenster Weise durch sachverständige Berathung der Eltern, durch Unterbringung in Stifte oder in geeignete Lehrverhältnisse zweckentsprechend gesorgt. Jede der einzelnen Damen nimmt es mit diesem Ehrenamte außerordentlich ernst und findet in dieser gesegneten Thätigkeit für das Wohl der Kinder der Armen eine volle und freudige Befriedigung. Als Zeichen hierfür sei erwähnt, daß eine der thätigen Damen, welche vor einigen Tagen ein freudiges Familienfest feierte, aus diesem Anlasse der Vorsitzenden außer ihrem gewöhnlichen Beitrage noch eine Extragabe von 100 Mark überreichte, „als Zeichen der Freude," wie sie sich in dem Begleitschreiben ausdrückte, „welche die Thätigkeit in dem Chanukahkomitee ihr bereitet." Auch dieses Mal hat ein Hauptverdienst an der gesegneten Thätigkeit die Vorsitzende des Komitees, Frau Julie Neumann, unter deren geschickter Leitung das Werk ohne jegliche Störung vor sich gehen konnte. Als mitten in der strengsten Arbeit für die Chanukahbescheerung eine nicht unerhebliche Erkrankung Frau Neumann befiel, .nahm sie vom Krankenlager aus an den Sitzungen und Arbeiten des Komitees Theil, während sie in der Bereinsleitung von der stellvertretenden Vorsitzenden, Frau Dr. May bäum, in geeignetster Weise vertreten wurde. Letzterer Dame ist es ganz besonders zu verdanken, wenn, durch, die so bedauerliche, Gottlob bereits gehobene Erkrankung der Vorsitzenden die Thätigkeit des Komitees auch nicht im Geringsten unterbrochen oder gehemmt wurde. So möge denn dieses segensreiche. Werk auch fernerhin sich in der bisherigen Weise fortentwickeln und, wie all-

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