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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-31 · Heft 5 (31.1.1896) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 sie sie wußte selbst nicht wie — der Gedanke, ob der Vater etwa deshalb so dagegen gewesen, weil in dem Liede von einem „Janko" die Rede war, der nicht wiederkommen dürfe. . . „Nein!" äffte ihr die Kasia nach. „Und wird dabei roth, wie ein Hahnenkamm! . . . Hahaha! . . ." Und sie lief wieder auf ihren Posten, vor die Thüre. Nun eilten bereits die Leute zur Kirche vorüber; aber es war die höchste Zeit, den Beginn der Meffe nicht zu versäumen; der Gruß der Kasia wurde kurz erwiedert, aber zum Plaudern, war Niemand bereit. Unter den Letzten kam auch der dicke Schmied herangehastet, etwas unsicheren Schrittes und mit schlaftrunkenen Augen. „Das ist der Rechte," dachte die Kasia erfreut und rief ihm schon von Meitem entgegen: ..Meister! — auf ein Wort!" „Nach der Messe!" wehrte er ab, blieb dann aber doch stehen. „Was giebt's?" fragte er neugierig, als sie mit erregtem Gesicht auf ihn zueilte. „Waren die Beiden etwa auch heute Nacht —" Die Kasia schlug schämig den Blick zu Boden und that, als ob sie erröthe. „Aber Meister," wehrte-sie ab, „warum fragt Ihr, da ich doch nicht antworten kann?! . . . Ich habe ja geschworen! . . . Auch haben-diese Juden mich gestern Abend so lange angefleht, bis ich ihnen doch versprochen habe, es noch einmal mit ihnen zu versuchen. . . Nun, und da muß ich bis heute Mittag aushalten, denn sie sind ja Beide fort, nach Halicz! . . Beide, Meister! — zu einem dringenden Geschäft. „Es hängt für uns Alles davon ab," sagen sie, „und Du bist gut, Kasia," sagen sie, „und Du bist verschwiegen, Kasia," sagen sie, „und darum wirst Du bleiben, bis wir dies wichtige Geschäft erledigt haben!" Und fort sind sie, und ich kann nun. dieser verdammten Juden wegen nicht einmal zur heiligen Messe gehen." „Was Teufel!" rief er erstaunt. „Dann verkuppeln sie das Mädel doch an den Alten — was?" „Ich habe geschworen," sagte die Kasia hastig. „Aber denkt Euch nur, Meister, jetzt, in der Stunde, wo sie den Hochzeitstag bestimmen, weiß das Mädel noch immer nichts davon!" „Und der Janko auch nicht?" „Nein, gewiß nicht!" „Schade, daß man ihn nicht mit der Nachricht erfreuen kann," lachte der Schmied. „Aber der Pope — ich fange mit dem Popen nichts an!" (Fortsetzung folgt.) Frtterarrsche Mittheilungen. — Ein eigenartiges Unternehmen bereitet Herr Rabbiner Dr. Immanuel Plato in Bingen vor. Er beabsichtigt, eine Sammlung von Gutachten über religiöse Fragen und ferner eine Sammlung bemerkenswerther Briefe über die einschlägigen Fragen herauszugeben. Keine Frage, daß ein solches Unternehmen von großem historischen Werthe sein kann, wenn es von jeder Parteitendenz sich fern hält. In dieser Voraussetzung verdienen die Bemühungen. des Herrn Dr. Plato sicher die wärmste Unterstützung. — Wie wir erfahren, ist die Bibliothek des verstorbenen Dr. Joel Müller, die besonders auf talmudischem Gebiete bedeutend ist, sowie die noch vorhandenen, kleinen Restbestäde seiner eigenen Werke, welche für die Responsen-Litteratur sehr wichtig sind, in den Besitz der Buchhandlung von M. Poppelauer ubergegangen. Ein Katalog ist in Vorbereitung. — B. Hause: Aus dem jüdischen Leben. Novellen. Eisenach 1895. Selbstverlag. Der rühmlichst bekannte Autor hat soeben ein Buche im Selbstverläge herausgegeben, welches in sehr spannender und. ununterbrochen fesselnder Novellenform eine bessere und religiösere häusliche Erziehung der Jugend bei unfern Glaubensgenossen anstrebt. Es ist für Haus und Schule gleichsehr wichtig. Für Eltern, Lehrer und die reifere Jugend bietet es des Belehrenden, Anregenden und angenehm Unterhaltenden sehr viel und sollte in keinem jüdischen Hause und in keiner - jüdischen Bibliothek fehlen. Es sind in demselben zwei Novellen enthalten, eine große und eine kleine. Der Aufbau der ersten Novelle ist darauf berechnet, in deutlicher, lebenswahrer Gestaltung zu zeigen, wie sehr der Eltern Thun und Lassen in den meisten Fällen für das spätere religiöse und sittliche Verhalten der Kinder vorbildlich ist, und daß das Elternhaus die eigentliche Pstegestätte der Religion und der guten Sitte ist und sein muß, daß darum auch vor Allem hier die Hebel angesetzt werden müssen, wenn es mit der Erziehung eines großen Theiles unserer Jugend besser werden soll. Wer mit den jüdischen Schriftsteller- und Buchhändlerverhältnissen bekannt ist, der wird es nicht auffallend finden, daß Herr Hause in so hohem Alter noch einmal den Weg des Selbstverlages beschritten hat. Möge sein Streben Anerkennung und Förderung finden! Spvertzsaal. ^Aerrn Dr. Kayserling bin ich für die Mittheilung in Nummer 49, daß Herr Dr. Wiener in Hannover bereits im Jahre 1854 im Hl. Jahrgang von Frankels Monatsschrift „die Parallelen zu Schillers Bürgschaft" gesammelt und auf Maarich aufmerksam machte, sehr dankbar. Leider besitze ich die Monatsschrift nicht. Ich lieh mir diesen Band und sehe, daß Wiener selbst aus Dukes hinwies. Wiener sagt daselbst Seite 229: „Dukes hat, unseres Wissens der Erste, in den israelitischen Annalen 1839 Seite 415 darauf hingewiesen, daß die Erzählung von der Bürgschaft, welche von Schiller bearbeitet worden ist, sich auch bei R. Menachem de Lonfano in fTlT ifHT am Ende Maarich findet." Uebrigens führt Wiener Seite 338 noch zwei jüdische Werke an, in denen der Erzählung Erwähnung geschehen soll. In JTOb fllNDD von R. Jehuda Asael bei Bene Verona 1646 und in D'Opt mn in dem in Livorno 1840 erschienenen Super-Kommentar zu dem Pentateuch-Kommentar des R. Ascher ben Jechiel. Woher Wiener dies entnommen hat, ist mir unbekannt, da ihm diese Werke nicht Vorlagen. Die israelitischen Annalen und die angeführten Werke habe ich nicht gesehen. Da Herr Dr. Kayserling eine Autorität auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Litteratur ist, so hat er vielleicht die Güte und theilt in diesem Blatte mit, ob die Parallele zu Bürgers „Weiber von Weinsberg" in Midrasch Schir haschirim Kapitel 1, Vers 4 vom Ehepaare, welches zu Rabbi Simeon ben Jochai kam, irgendwo Erwähnung fand. Dresden, 8. Dezember. M. Auerbach. * err Dr. Babad charakterisirt in seinem jüngsten Artikel- „Jüdischer und allgemeiner Aberglaube", das Füllen eines Bechers mit Wein zu Ehren des Propheten Elia und das Oeffnen der Thür vor Beginn der Rezitation der zweiten Hälfte der Hagadah am Sederabend als Aberglauben, indem er als Grund dafür den sogenannten Volksglauben annimmt, daß Elia in jedes jüdische Haus an jenem Abend komme, vom Wein genieße und. Glück und Segen bringe. Dem ist jedoch nicht so. Der Becher Wein für den Propheten Elia soll uns an die zu erwartende einstige Erlösung Israels erinnern, welche nach Angabe unserer Weisen ebenfalls im Monat Nisan stattfinden wird,- behufs welcher derselbe, nach den Schlußworten des Propheten Maleachi als Vorläufer des Messias erscheinen wird: Hingegen soll das Oeffnen der Thür die Sedernacht als eine Leel Schimurim kennzeichnen, in der Israel in Aegypten sich des besonderen göttlichen Schutzes erfreute und furchtlos mit voller Behaglichkeit das Passahlamm verzehrte. Sonach liegt absolut kein Grund vor, die erwähnten pietätvollen Bräuche als Aberglauben abzustellen. Breslau. 8. G. . . z. Druck und Verlaa von Rudolf Messe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Baucbwiü in Berlin.

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