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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-31 · Heft 5 (31.1.1896) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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WWWWWM^WWWWMWWMWWWUNWW^WKWNDMW^^MWWW - -- 58 --' ’ in die Welt, aber er stand fest auf den Beinen, und die Hand, die er seinen künftigen Schwiegereltern mit freundlicher Herablassung .bot, zitterte nicht. , So lang sich das Vorspiel zu dieser merkwürdigen Verlobung gestaltet, so kurz spielte sich diese selbst ab. „Ich Hab' nicht diel Zeit," sagte der Greis. „Ich steck' jetzt in einem großen Geschäft — die Schwellen für die Bahn; nächste Woche muß die Lieferung beginnen. Wir wollen es kurz machen. Ich kenn' Euch und Ihr kennt mich, was sollen wir da viel reden?! Meyerl sagt mir, daß Ihr ans die vierhundert Gulden verzechten wollt. Bei jedem andern war' ich mißtrauisch, aber ich weiß ja, was Ihr für ein Mensch seid, Leib! Also — ich dräng' Euch natürlich das Geld nicht ans — aber ich versprech' Euch: Ihr könnt .das Geld immer haben, auch wenn cs Euch nicht verschrieben ist!" Er sagte es in freundlicher Ueberlegenheit, etwa in beiiifelbeu Ton, in dem er sonst mit einem armen Mann ein Geschäft vereinbarte. Ehane nickte befriedigt. „Wir danken Euch!" erwiederte sie, gleichfalls möglichst gemessen. „Was sind Eure Wünsche bezüglich der Hochzeit? Mendele meint: Mitte November?" Der Kleine war bisher stumm in der Ecke, hinter dem Tisch gestanden, ans dem die Akte zur Unterschrift bereit lagen, die Hände fest auf die Tischkante gepreßt; seine Beine zitterten, sein Herz pochte wie ein Hammer; auf dem verwitterten Gesicht, das nun noch kleiner, wie. unter dem Druck der Herzensnoth znsammengepreßt erschien, wechselten glühende Röthe und fahle Blässe. „Neb David," begann er murmelnd, flehenden Tons, „es ist—" Der Greis überhörte es. „Die Verzögerung hat nun keinen Sinn mehr," erwiederte er auf Chane's Frage. „Ich wollt' warten, bis mein Nathan verheirathet ist und hätt' gern die dreizen Wochen Tratier nach meiner Malke — sie ruhe in Frieden — eingehalten. Aber da es nun unter die Leut' gekommen ist," — er lächelte — „ich weiß nicht durch wen, es ist auch gleichgillig, — so wär's kindisch, es länger zu verbergen, ich mein', wir können die Trauung auf nächsten Sonntag ansetzen, heut' in einer Woche. . ." „Schon — nächsten — Sonntag?!" stieß Leib hervor; er wollte es laut rufen, aber die Kehle war ihm so zusammengepreßt, daß es nur wie ein heiseres, unverständliches Keuchen klang. Auch Chane war sichtlich betroffen. „So bald?" fragte sie. „Das Kind" — muß erst vorbereitet werden, wollte sie sagen, aber das brauchte Neb David nicht zu wißen, „— hat noch keine Anssteuer," ergänzte sie nun hastig. „Aber das ist doch kein Grund!" rief Mendele. „In einer Woch' kann man in einem Ort wie Halicz zehn Bräute ausstatten, oder hundert, oder tausend Brüllte! Hunderttausend Bräute kann man in einer Woch' in Halicz ausstatten! Und die fünfzig Glilden giebt? Euch Neb David, wie ich ihn kenn', auf der Stell', wenn Ihr ihn mir darum bittet!" „Das ist ihr gutes Recht," verwies ihn der Greis. „Die fünfzig Gulden Hab' ich sofort nach Unterzeichnung der „Tnoim" zu bezahlen. Wenn's also nur das ist", wandte er sich an Chane, „so lassen wir's beim nächsten Soilntag. Denn dann, tiefer'im Oktober, häuft sich' die Arbeit für mich so, daß ich mich wirklich schwer für einen ganzen Tag freimachen kann. . ." Da trat Leib vor. „Es ist — nicht blos - die Aussteuer," stammelte er flehenden- Tones und heftete die Allgen angstvoll auf das strenge Antlitz des Greises. „Seht, — unsere Miriam istja noch ein Kind, — man muß. sie erst— langsam — vorbereiten!" Meildele lachte cynisch auf. — „Ueberlaßt das Eurenl Eidam!" rief er und klopfte dem Bebenden auf die Schulter. Auch Neb David konnte ein Lächeln, nicht unterdrücken. „Vorbereiten?" fragte er. „Sie ist sechzehn Jahr. . ." „Er meint nur, weil wir ihr natürlich iloch nichts gesagt haben," fiel ihm Chane ins Wort. „Aber dazu reichen sieben Minuten, lind wir haben ja ebensoviel Tage dazm Und was war' da auch viel zu reden?! ..." „Oh doch!" murmelte Leib, sie aber fuhr laut und fest fort: „Also gut, nächsten Sonntag. Wir können unterschreiben!" Neb David erhob sich schwerfällig, trat an den Tisch und griff zur Feder. Da legte sich die zitternde Hand seines künftigen Schwiegervaters auf die seine. , - „Neb David," flehte der Kleine mit erblaßten Lippen, „noch Eins! ... Ein eillzig Wort. . . Seht, mein Kind ist mein Eins und Alles. . . Und sie ist so schön, so gut, . . . ein-bester Herz findet Ihr nicht auf der Welt! Und so bitter unsere Armuth, aber ist sie doch bisher heiter gewesen, . . . licht, wie ein Sonnenstrahl, Neb David. . . Nicht wahr, Ihr versprecht es mir," — seine Stimme brach sich, aber die Hand krampste sich immer fester um die des Greises — „sie . . . sie wird es gut bei Euch haben?!" „Unsinn!" rief Mendele und suchte den Kleinen bei Seite zu drängen. „Ihr verdient Euer Glück nicht! Wißt Ihr nicht, mit wem Ihr redet?!" Ein strenger Blick des Greises lies; den Vermittler zurückweichen. Aber der Blick, den Neb David nun auf Leib Weihnachtskuchens erregtes Gesicht heftete, war kaum minder verweisend. „Reb Leib," sagte er dann ernst, „jedem Andern würde ich die Frage sehr verübeln. Euch soll sie verziehen sein, denn —" er räusperte sich. „Ich aber bin gegen alles überflüssige Reden. Wozu fragt Ihr? Hättet Ihr wirklich Bedenken, so wäret Ihr doch nicht hergekommen! Und was soll ich antworten? Daß ich sie gut kleiden und nähren werde? Daß ich nicht gewohnt bin, mein Weib zn prügeln?! Sie wird es bei mir so gut haben, wie es ein junges Weib bei einem alten Mann haben kann, das versprech' ich Euch..." „Ich dank' Euch," sagte Chane. „Verzeiht meinem Mann — uns," verbesserte sie sich hastig, „es ist eben unser einzig Kind. . . Daß sie so jung ist," fuhr sie bittend fort, „und bisher nur unser Haus gekannt hat und sonst nichts, werdet Ihr gewiß nicht vergessen. Ihr seid ja klug und gut . . . Ihr wißt, Sie wird erst allmälig lernen, was eine Frau in einem solchen Haushalt . . .?" „Natürlich!" unterbrach sie der Greis. „Meine Schwester Nachel, die Wittwe, führt die Wirthschaft weiter, wie seit der Zeit, wo meine Malke — sie ruhe im Frieden — es nicht mehr konnte; sie war ja schon seit vier Jahren krank." Und er wollte abermals zur Feder greifen. Aber Leib's Hand rührte wieder an die seine. „Zürnt mir nicht," flehte er, „aber auch wegen Eurer Schwester hätt' ich ein Wort auf dem Herzen. . . Man sagt, sie ist mit Eurer verstorbenen Frau nicht gut ausgekommen. . . Und Eure Kinder — sind sie — ich meine — werden sie gegen mein Miriamchen —" In das Antlitz des Greises schlug eine Gluthwelle des Zornes, .und er warf die Feder hin. Dann aber bezwang er sich. „Ihr seid Leib, der Schlemihl," sagte er in einem Tone, der zwischen Hohn und Mitleid schwankte, „mit Euch darf man nicht über jedes Wort rechten. ... Aber weil Ihr davon 'begonnen habt, so will ich Euch die Antwort nicht schuldig bleiben, und Ihr sollt mir nicht nachsagen dürfen, daß ich Euch die Wahrheit-'verschwiegen habe. Meine Schwester Rachel und die Verstorbene — sie-ruhe im Frieden — habeu wirklich jede der anderen und beide zusammen 1 M

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