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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-31 · Heft 5 (31.1.1896) · p. Seite 53

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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.- 53 —— und studirte daher zwei Jahre lang, 1830— 32. orientalische Sprachen in Gießen. Erst in Bonn wurde die Bekanntschaft beider geschlossen. Aber nach Bonn, das am Anfang der dreißiger Jahre eine wahrhafte Hochschule für jüdische Theologen zu sein schien, kam Dernblirg erst, nachdem die Blüthezeit dieser jungen Bildung fast zu Ende war. An dem Rednerverein, an dem von Rabbinern und Gelehrten, die in der Folgezeit bekannt wurden, S. R. Hirsch, später in Frankfurt, S. Frensdorfs, später Seminardirektor in Hannover, Ullmann, dann Rabbiner in Krefeld theilnahmen, konnte er sich rii$t mehr, oder nur in der Zeit des Absterbens dieses Vercins, betheiligen. Gerade die beiden erstgenannten Mitglieder, in ihren religiösen Ueberzeugungen Geiger schon damals nicht ähnlich, später durchaus entgegengesetzt, so daß das persönliche Verhältniß mit dem ersten geradezu feindlich wurde, mit dem letzter», trotz steter gegenseitiger Anerkennung, seine Intimität verlor, werden in den folgenden Briefen häufig genannt; Frensdorff erscheint als der Vertrauteste des Bonner Kreises. Dernburg, außer ihm El. Grünbaum, vervollständigten erst seit dem Beginn des Sommersemesters 1832 den Kreis der jungen Theologen, aus dem Geiger bereits am 12. Juni schied. Für Geiger waren gerade die letzten Monate (Tagebuch, Biographie S. 41) „der schönste Theil seines Lebens; „ich glaube schwerlich, daß so bald wieder eine Zeit kommen werde, die mich so ganz beglückt". Dem wenige Wochen vor seiner eigenen Abreise eintreffenden jüngeren Genossen widmete er (Tagebuch a. a. O.) folgende Worte: „Ende Mai kam auch I. Dernburg aus Mainz, ein sehr liebenswürdiger Mensch mit trefflichen Anlagen und vorzüglichem Charakter, mit dem ich trotz der kurzen Zeit unserer Zusammenkunft mich innigst befreundete." Seinerseits sprach Dernburg (Nachruf auf Geiger. Jüd. Zeitschrift für Wissenschaft und Leben XI, 300) sich über den Anfang der Bekanntschaft folgendermaßen ait§: „In Bonn traf ich zum ersten Mal im Frühling 1832 mit Geiger zusammen. Es wird mir nach so vielen Jahren nicht schwer, den Eindruck zu schildern, den er auf mich machte. Sein Charakter war so tief, so scharf ausgeprägt, daß ich noch Ende April 1874, da ich, leider zum letzten Male, in Berlin einige Tage mit dem lieben, treuherzigen Freunde verlebte, meinen Geiger von 1832 wiederfand. Schon damals zeigte er sich als eine überaus kräftige, selbstbewußte Natur, welche sich seitdem durch eine mehr denn vierzigjährige, unaufhaltsame Thätigkeit in Wissenschaft und Leben so schön bethätigte. In dem gereiften, durch so viele Stürme hindurch gegangenen, bejahrten Manne lebte der nämliche heitere Frohsinn, dieselbe muntere Gemüthlichkeit, die mir in dem kaum 22 jährigen Studenten entgegengetreten war. Sein Ernst wie sein Scherz zogen mich unwiderstehlich an, und nach wenigen Tagen waren wir unzertrennliche Freunde. Die Frühlingssonne der Jugend treibt rasch vom Lebensbaume den strotzenden Saft zu zahllosen Blüthen; doch die meisten wirft der leiseste Lnfthauch nieder, wenige nur tragen unter den zarten Blättchen die kräftigere Frucht. Unsere Freundschaft dauerte und trotzte manchem Windstöße, der andere wohl entwurzelt hätte." Ein Umstand trat hinzu, um den rasch geschlossenen Bund zu einem intimen zu gestalten und ihm beständig neue Nahrung zuzuführen. Geiger führte den jungen Freund in das Oppenheim'sche Haus ein, dessen Mitglieder ihm befreundet waren, dessen Tochter Emilie er später heimführte. Dernburg ertheilte dem jungen Mädchen, das nach der Sitte jener Zeit nur einen mäßigen Unterricht erhalten hatte, Geschichtsstunden und trug auch sonst zu ihrer geistigen Ausbildung bei. Zwischen den jungem Leuten bildete sich ein freundschaftliches Verhältniß, das von Seitens Dexnburgs etwas wahrhaft Ehevalereskes annahm. Schon als Braut schrieb Emilie Oppenheim an Dernburg manches Briefchen;- .den Briefen ihres. Gatten fügte sie häufig freundliche Grüße und herzliche Worte hinzu- Ich besitze ein Albumblatt Dernburgs an meine Mutter, das mich immer an die Huldigung eines Troubadours gemahnt. In dem schon erwähnten Nachruf sprach sich Dernburg über die Braut und spätere Gattin seines Freundes, seine „unvergeßliche Freundin" folgendermaßen aus: „Geiger hatte seine Emilie, die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns, in Bonn kennen gelernt und ihre liebliche Anmuth hatte den 22 jährigen jungen Mann so gefesselt, daß er sich bald nach feiner Ernennung in Wiesbaden mit ihr verlobte, wenn er sie auch erst nach sieben Jahren als Gattin heimführen konnte. Der Zufall wollte, daß ich sie nie in ihrem häuslichen Kreise sah, wo sie alle Tugenden einer liebenden Gattin und Mutter übte. Mir steht ihr Bild noch in seiner unvergleichlichen Grazie und jugendlichen Frische vor der Serle!" . Bei Geizers Verlobung (Mai 1833) feierten auch die Freunde ein frohes Wiedersehen, das freilich nur einige Tage dauerte. Nicht minder froh war ein erneutes Zusammentreffen, wiederum in Bonn (Mai 1834). Doch die Zeit des engsten Zusannnenlebens war die vom Ausgang des Sounnersemesters 1834 bis zum November 1835, die Zeit, die zwischen Dernburgs Abschied von der Universität nach vollendetem Studium und seiner Annahme einer Hauslehrerstelle in Amsterdam lag. Während dieser Epoche fanden Besuche des Einen in Wiesbaden, des Anderen in Mainz, hauptsächlich aber freundschaftlich-theologische Zusammenkünfte beider in Höchst oder Hattersheim statt, zu denen sich gelegentlich auch Freunde aus Frankfurt einstellten und an denen häufig ein jüngerer Genosse, der neben Geiger als Religionslehrer in Wiesbaden wirkte und ihm seit jener Zeit fürs ganze Leben verbunden blieb, Jakob Auerbach, theilnahm. Dernburg, der in jenen Jahren zwischen der Laufbahn des Rabbiners und Lehrers schwankte, — er hatte, wie es scheint, wenige Monate die Stelle eines Predigers in Mainz inne — bis er sich zu letzterer entschied, war Mitarbeiter, freilich nicht so eifrig wie Geiger wünschte, an der von diesem herausgegebenen „Wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie"; ein Aufsatz, Rezensionen und Nachrichten rührten von ihm her. Immer mehr bildete sich bei ihm die Neigung für ein wissenschaftliches Stillleben aus, das ihm schon von vornherein zugesagt hatte, imb, was damit zusammenhing, die Abneigung, in den Fragen der Reform Stellung zu nehmen oder das Wort zu ergreifen. Je länger daher die Freunde korrespondirten, desto vorherrschender wurde neben der stets unveränderten persönlichen Antheilnahme die wissenschaftliche Diskussion. Große, gemeinschaftliche Pläne wurden, wenigstens in der ersten Zeit, von den Freunden erwogen. Es handelte sich um nichts Geringeres, als um eine Sammlung (eorpn8) der jüdischen Philosophen des Mittelalters mit Einleitungen und Anmerkungen. Vorbereitende Studien beider wurden im Laufe der Jahrzehnte an verschiedenen Orten veröffentlicht. Wenn auch der Plan im Ganzen nicht ausgeführt wurde, schon aus dem Grunde, weil S. Munk, mit dem man infolgedessen anfänglich an eine Verbindung dachte, eine Publikation des großen Werkes des- Maimonides unternahm, so wollte es ein günstiges Geschick, -daß Dernburg in seinem hohen Alter wenigstens theilweise die Aus? führung des Jugendplanes, nämlich die Edition der Werke des Saadias in Angriff nehmen konnte! Ein neuer Gegensatz kam hinzu, seitdem im Januar 1838 Dernburg mit der Familie seiner Zöglinge nach Paris übersiedelte. Er verharrte freilich nicht allzulange in dem Hause, dessen Glieder ihm zeitlebens freundschaftlich verbunden blieben Vielmehr fand er eine zunächst unbedeutende Anstellung an der Pariser Bibliothek und gab sich, da ihm jene Beschäftigung Zeit genug ließ, mit erneutem Eifer seinen wissenschaftlichen Arbeiten hin. Aber er begann unter den jüdischen Gelehrten von Paris eine Rolle

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