Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1896)
- Date
- 1896-01-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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« - KG als israelitische Lehrer interessiren, in Erwägung zu ziehen und Kollegialität zu pflegen. — Nach Verlesung des Rechenschaftsberichts. folgte die Wahl des Vorstandes. Die Herren Dr. Adler, Dr. Sachs, Remack und Jacobsohn wurden wiedergewählt, Dr. Fiegel trat neu ein. Das erste Jahr hat die Lebensfähigkeit der wissenschaftlichen, Bereinigung glänzend erwiesen; Glück aus zum zweiten! LQ Berlin, 21. Januar. Es geht uns das folgende Schreiben zu, das wir der Beachtung aller wohlthätigen Glaubensgenossen wärmstens empfehlen: Die wachsende Noth unter den Mitgliedern unserer Gemeinde und besonders der Mangel ausreichender Mittel für die Waisenpflege' haben die Unterzeichneten veranlaßt, durch die Begründung eines Kinder-Sparvereins zur Linderung dieses Nothstandes möglichst beizutragen. Die grundlegende Idee des Kinder-Sparvereins besteht darin, daß wir Kinder, die unter der sorgenden Pflege liebender Eltern glücklich und froh aufwachsen, anregen wollen, auch der Kinder zu gedenken, die, elternlos, in Noth und Elend leben und dringend der Hilfe bedürftig sind. Zu diesem Zweck soll in jedem Kinderzimmer ein Sparkästchen aufgehängt werden, damit die Kinder von ihrem Taschengeld oder von Geschenken und Belohnungen, die sie für gute Censuren oder Auszeichnungen erhalten haben, ein Scherflein für die unglücklichen Kinder opfern. Bei dem in den Herzen der Kinder schlummernden Wohlthätigkeits-: sinn, der nur der leisen Anregung bedarf, werden sich die Sparkästchen bald füllen, aber auch die Eltern werden selbst, bei besonderen Veranlassungen, gern der Armen und Waisen gedenken. Dieser ethische' Gedanke, von dem wir uns zugleich eine erziehliche Wirkung versprechenwird jede Mutter veranlassen, in dem Zimmer ihrer Lieblinge ein Sparkästchen aufzuhängen und ihren Kindern ans Herz zu legen,' dasselbe wie ein Heiligthum zu wahren und in Obhut zu nehmen. Berlin, im Januar 1896. Der Vorstand und die Ehrendamen. Frau Cäcilie Friedländer, Vorsitzende, Bellevuestraße 9. Frau Bernhard Behrens. Frau Geheimrath Dr. Boas. Frau Nanny Boehm. Frau Lydia Fernbach. Frau Dr. A. Ginsberg. Frau Cäcilie Jacob. Fram Helene Jsaae. Frau Marie Krafft. Frau Natalie Latz. Frau Julie' Loewe. Frau Bertha Manheimer. Frau Henriette Meyerstein. Frau ' Franziska Model. Frau Anna Mosler. Frau Sanitätsrath Dr. Mühsam. Frau Julie Neumann. Frau Hermine Rathenau. Frau Elise' Reiß. Frau Rechtsanwalt Hugo Sachs. Frau Louis Sachs. Frau Sophie Strauß. Bernhard Behrens. Geheimrath Dr. Boas. Sanitäts-- rath Dr. Blumenthal. Julius Mart. Friedländer. Julius Jsaae. Moritz Manheimer. Geheimrath Dr. Marcuse. Adolph Ruß. 2£2 Berlin, 19. Januar. Am Neujahrstage ließ die Innung. „Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister" Herrn Maurermeistex, Marcus Adler ein prachtvoll ausgestattetes Diplom zu seinem 50jährigen Berufsjubiläum überreichen. Diese Auszeichnung verdient heute gewiß als gutes Beispiel hervorgehoben zu werden. Seit seiner Lehrzeit ist Adler den erziehlichen und belehrenden Zwecken d?r Innung < treu geblieben, dafür in Wort und Schrift eingetreten. Die hierauf bezüglichen Arbeiten, fachwissenschaftlichen und sozialpolitischen Inhalts, sind in der Baugewerks-, in der Deutschen Bauzeitung, in andern Fachblättern, auch in Meyer's Konversations-Lexikon veröffentlicht worden. Der Aufmunterung und Erziehung unserer jungen Glaubensgenossen, zum Handwerk und zu technischen Gewerben widmete er ebenfalls seit vielen Jahren seine freie Zeit; er ist Dezernent in der Abtheilung für Handwerk und Ackerbau beim D. I. G.-B. und einer der Inspektoren bei der Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden in Preußen. Auch der jüdischen Gemeindeverwaltung widmete sich Adler mit Eifer, in der Schätzung?- und Baukommisston und bei der städtischen Verwaltung ist er ebenfalls zu mancherlei Arbeiten herangezogen. Adlers Lehrzeit fällt noch vor das Jahr 1848, die, Wanderschaft in das Jahr 1849. Damals galt noch der Paß- und , Herbergszwang! Mit „Gott und Stock" wanderte er zu Fuß von,. Schlesien nach München, mit Unterbrechung an mehreren Arbeitsstellen., Seine Ausbildung genoß er auf den Baugewerksschulen in Breslau und München, auch auf der Akademie in München, die Matrikel ist noch ( von Wilhelm Kaulbach ausgefertigt. Von 1849 - 60 blieb er in München., Beim Bau. der großen Spatenbrauerei, bei dem Bau der München-. Rosenheimer Eisenbahn re. war er vom Beginn bis zur feierlichen Eröffnung in Salzburg, theils im bayerischen Staatsdienst, theils als Unternehmer thätig. Seit 1860 in Berlin, legte er sich später auf das Gebiet; der Heiz- und Kocheinrichtungen, wobei er verschiedene in- und ausländische Patente bekam. Der Text des eingaygs erwähnten Diploms, lautet: „Innung: Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister zu Berlin. Herrn Maurermeister Marcus Adler zu Berlin! Zu Ihrem fünfzigjährigen Berufsjubiläum, beehrt sich der Unterzeichnete Vorstand Ihnen im Namen der gesammten Innung die herzlichsten Glückwünsche aüszusprechen. Berlin, den 1. Januar 1896. K. Menzel. Robert Otto, C. Gansow." Wir haben diesen Thatsachen nichts, hinzusügen; sie sprechen für sich selbst und. sind gey?iß ein yachahmenswerthes Beispiel für unsere Jugend! c: Samten, 17. Januar. Eine Wohlthätigkeits-Vorstellung hatte am 12. d. M. Abends der hiesige israelitische Frauen-Verein im Franz'schen Saale veranstaltet. Wie nicht anders zu erwarten war, erwies sich der Saal als zu klein, um die vielen wohlthätig gesinnten Personen aufzunehmen, und hat mancher der Zuschauer einen recht unbequemen Platz gehabt. Das Programm war ein sehr reichhaltiges und wurde dem Publikum sehr viel Gutes und Unterhaltendes, geboten. Die Einnahme soll 270 Mark betragen, so daß nach Abzug der Unkosten eine namhafte Summe für den Wohlthätigkeits - Zweck, der hiesigen Armen ohne Unterschied der Konfession geweiht ist, erübrigt ist. Das Zustandekommen dieses wohlgelungenen Unternehmens ist besonders der im Vereins-Interesse unermüdlich thätigen Vorsteherin, Frau S. Gorzelanczyk, zu danken. Derselbe Verein hielt am 4. d. M. seine ordentliche Generalversammlung ab, in welcher im Beisein des Rabbiners der in seinen Resultaten recht erfreuliche Geschäftsbericht für das Vorjahr erstattet wurde. r. Breslau, 12. Januar. Am 9. d. Mts. beging die hiesige „Gesellschaft der Freunde" den Tag, an welchem sie auf ein fünfundsiebzigjähriges Bestehen zurückblickte, mit einem feierlichen Festakte, der durch ein Präludium und eine von etwa sechzig Damen der Gesellschaft vorgetragenen Festcantate eröffnet wurde. Darauf folgte die Festrede des ersten Direktors der Gesellschaft, Herrn. M. Lyon. Derselbe gab ein fesselndes Bild der Entwickelung der Gesellschaft in den letzten 25 Jahren, hob die Devise derselben, Geselligkeit, Freundschaft und Wohlthätigkeit hervor und betonte, wie es trotz der bedeutenden Aufwendungen für gesellige Zwecke stets gelungen sei, die Wohlfahrtseinrichtungen in besonders reicher Weife zu dotiren. In Anschluß an die Festrede, welcher reicher Beifall gespendet wurde, überreichte Herr Siegfried Haber mit einer Ansprache ein Schreiben, in dem die Ankündigung einer neuen Stiftung zu wohlthätigen Zwecken enthalten war. Dank der Thätigkeit eines besonders hierzu zusammengetretenen Komitees war es möglich, den größeren Theil der dazu bestimmten Summe mit Hilfe von 290 Mitgliedern zu sammeln. Direktor Moritz Lyon dankte im Namen der Gesellschaft mit einigen herzlichen Worten für diese neue Zuwendung. Der eigentliche Festakt, den ein Schlußgesang des Damenchors beendete, vollzog sich, wie auch der Beginn des Festmahles, in feierlicher Weise; später trat der Humor in Wort und Lied in seine Rechte. Nachdem der zweite Direktor der Gesellschaft, Herr Sackur, den mitwirkenden Damen seinen Dank ausgesprochen hatte, nahm das Festmahl von etwa 350 Personen seinen Anfang. Während desselben hielten Direktor Lyon, der den Wunsch aussprach, die neue Stiftung möge mit dem Namen des verstorbenen Ehrenmitgliedes der Gesellschaft, Sanitätsrath Dr. S. Meyer, in Verbindung gebracht werden, ferner Kommissionsrath Heinauer und Fabrikbesitzer S. Kaufmann Ansprachen. Einen humorvollen Abschluß erhielt der Abend durch ein Festspiel, welches' die Zukunft der Gesellschaft allegorisch darstellte und lebhaften Beifall erntete. K. Hannover, 17. Januar. Der Hausvater des Israel Simon'schen Waisenhauses, Herr H. Block, ist aus Gesundheitsrücksichten von seiner Stellung, die er nahezu zwanzig Jahre bekleidete, zurückgetreten. Mit jugendlicher Frische hat der in den siebziger Jahren stehende Mann stets feines verantwortlichen Amtes gewaltet und seine Freude in seinem schweren Berufe gefunden; der vor Jahresfrist erfolgte Tod seiner Gattin hatte seine bis dahin kräftige Gesundheit erschüttert, und somit sah er sich zu dem Entschlüsse getrieben, aus dem ihm liebgewyrdenen Amte zu scheiden. Wer seine Führung und Leitung der Anstalt zu beobachten die Gelegenheit hatte, wird dem Scheidenden das Unbedingte Lob ertheilen müssen, ein gewissenhafter Pfleger und Erzieher der Waisen gewesen zu sein und ihnen durch seine Fürsorge und Liebe das Eltern-