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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-24 · Heft 4 (24.1.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang. Nr. 4. «-rUn. S4. Januar 1886. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung des IuöentKums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 22. Januar. Der Festtag des deutschen Reiches ist auch von der deutschen Judenheit in würdiger Weise gefeiert worden. Aus allen Theileu Deutschlands, aus dem Norden und Süden, aus kleinen und großen Gemeinden gehen uns fortwährend Berichte zu, die die Feier in Synagoge und Schule ausführlich schildern. Leider fehlt es uns an Raum, um auch nur einen kleinen Theil dieser Festberichte abdrucken zu können, und deshalb verzichten wir, unserem Prinzip getreu, keine Gemeinde zu bevorzugen, auf die Wiedergabe aller Berichte. Hat sich doch überall, in der größten wie in der kleinsten Gemeinde, die gleiche Begeisterung kund gethan und alle Predigten wie Schulakte waren ein treuer Widerhall der innigenl Liebe, mit der die deutschen Juden am Vaterlande hängen. Berlin. 21. Januar. Den zweiten der Montagsvorträge zum Besten des Stipendiensonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums hielt gestern Herr Karl Emil Franzos in dem gefüllten Saale der Gesellschaft der Freunde. Es war zweifellos von besonderem Interesse für alle Diejenigen, die Franzos längst als Erzähler schätzen, ihn nun auch als lyrischen Dichter kennen zu lernen. Die Novelle in Versen „Mein Franz", die der Dichter gestern vorlas, ist eine allerliebste, von echtem Humor erfüllte moderne Idylle; der lose Geist übermüthiger Studentenstreiche hat die Fabel der anmuthigen Dichtung geschürzt, die Ausführung ist echt poetisch und formvollendet. Da Franzos auch ein sehr guter Vorleser ist, so haben seine Hörer gestern eine wahrhaft genußreiche Stunde verlebt; den Dank dafür drückte ihr lebhafter Beifall aus. Berlin, 19. Januar. Aus den Litteraturvereinen. Im Berliner Verein sprach am 14. d. M. Herr Oberstabsarzt a. D. Dr. Rosenthal aus Magdeburg über seine Reise nach Jerusalem. Das zahlreich versammelte Auditorium folgte mit lebhafter Spannung den interessanten Schilderungen aus der heiligen Stadt. — In Köthen sprach Dr. med. Rosenthal über die Volksschule bei den alten Juden, Rabbiner Dr. B. Seligkowitsch über Salomon Gabirol. In Eisenach hielt Herr Katzenstein einen Vortrag über die Geschichte der Juden in England. In Jnowrazlaw sprach Herr Herzfeld über Leben und Schaffen des Moses Maimonides. In den Litteraturvereinen zu Elberfeld, Hörde, Witten, Dortmund, Bochum, Essen hat im Laufe der Woche Herr Dr. G. Karpeles Vorträge gehalten Derselbe hat außerdem den neubegründeten Litteraturverein in Gelsenkirchen am 21. d. M. feierlich eröffnet. In Köln sprach am 14. Prediger Dr. Leimd ö rfer über Rabbi Akiba, den „tragischen Heros der Rabbinen", in Düsseldorf und Mannheim Dr. H. Hildesheimer über die Juden im alten Rom, in Hildesheim Rabb. Dr. Lazarus über falsche Messiasse im Judenthum. Der Litteraturverein in Mülhausen (Elsaß) hat auch Kurse für die Heranwachsende Jugend eingerichtet. Jeden Mittwoch werden im großen Saale der israelitischen Handwerkerschule Vorträge gehalten, von 2—4 Uhr für die jüngeren und Abends für die älteren Mitglieder. Doch dürfen auch Nichtmitglieder sich daran betheiligen. Als Lehrkräfte wirken Seminardirektor Dr. Wolfs aus Colmar und Rabbiner Schüler aus Bollweiler. L2 Berlin, 19. Januar. Der neugegründete Verein für Arbeitsnachweis, errichtet von den Berliner Bne-Brith-Logen, hat folgenden Aufruf erlassen, der für sich selbst spricht „Sehr geehrter Herr! Der „Verein für Arbeitsnachweis" macht es sich zur Aufgabe, durch eine umfassende Organisation dahin zu wirken, daß auch dem jüdischen Arbeiter Gelegenheit zum redlichen Erwerb geschaffen werde. Diese Aufgabe unseres Vereins kann nur dann von segensreichem Erfolg gekrönt sein, wenn sich an der Lösung derselben die weitesten Kreise betheiligen. Um eine allseitige Betheiligung zu ermöglichen, ist die Erwerbung der Mitgliedschaft von einem ganz minimalen Jahresbeiträge abhängig gemacht worden. Freilich wird vorausgesetzt, daß unsere wohlhabenden Gemeindemitglieder unsere Bestrebungen durch einen höheren Beitrag zu fördern bereit sein werden. Wem es Ernst ist, das soziale Niveau unserer Glaubensgenossen zu heben durch Schaffung von Arbeitsgelegenheit und durch Ablenkung von Berufsarten, die unseren Gegnern als Waffen dienen; wer die Schwierigkeiten kennt, die dem jüdischen Arbeiter entgegenstehen, der wird sich gern dem „Verein für Arbeitsnachweis" anschließen, sei es auch nur als zahlendes Mitglied. Und so rufen wir Sie, geehrter Herr, mit der Bitte auf, nicht nur Ihren eigenen Beitrag in die anliegende Liste einzutragen, sondern dieselbe auch in Ihren Freundes- und Bekanntenkreisen zur Gewinnung von Mitgliedern cirkuliren zu lassen. Bitte, lassen Sie nicht aus dem Auge, daß diese Ihre Bemühungen, für welche wir Ihnen schon im Vorhinein von Herzen danken, einem Werke zu gute kommt, daß sich s. G. w. als Segen für unsere Glaubensgemeinschaft erweisen wird. Hochachtungsvoll der Verein für Arbeitsnachweis. Siegfried Leichtentritt, I. Vorsitzender, Lessingstraße 13." Der Verein hat nun auch sein Büreau im Hause Klosterstraße 44 eröffnet. Reflektanten müssen sich persönlich unter Vorlegung von Zeugnissen in den Geschäftsstunden (9—1, 3—6) melden. R. Berlin, 21. Januar. Am 11. d. Mts. fand die Generalversammlung der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin statt. Bevor in die eigentliche Tagesordnung derselben eingetreten wurde, machte der Vorsitzende einige geschäftliche Mittheilungen, deren interessanteste einiges aus der Delegirtenversammlung zur Gründung des Deutsch-israelitischen Lehrerbundes berichtete. Vor Allem wurde die rege Theilnahme und warme Herzlichkeit, mit der die Herren Delegirten die Berathungen gepflogen, gerühmt und hervorgehoben, daß jeder dieser Herren gern kleinere Wünsche zurücktreten ließ, um das Ganze nicht zu gefährden. Der Vorstand des neuen Bundes, dessen Vorsitzender auch der Leiter der Vereinigung, Herr Dr. Adler, ist, wurde auf vorläufig nur ein Jahr gewählt. Bis dahin soll noch etwa fernstehenden Vereinen der Eintritt erleichtert werden, und zwar auch dadurch, daß Vereine, die nicht die festgesetzte Mindestzahl staatlich geprüfter Lehrer besitzen, sich in der im Dezember d. I. stattfindenden endgiltig beschließenden Delegirtenversammlung durch einen Delegirten vertreten lassen können. — Hierauf verliest der Vorsitzende ein an unsere Vereinigung gerichtetes Dankschreiben des Lehrers Herrn Blumenfeld-Adelebsen und theilt noch mit, daß ein zweites Mitglied der Vereinigung, Oberlehrer Dr. Blaschke, als Vertreter des Deutschisraelitischen Gemeindebundes in den Vorstand des Lehrerverbandes gesandt ist. Jetzt schritt man zur eigentlichen Tagesordnung, und es erfolgte zunächst Bericht ver Kaffenrevisoren und Entlastung des Schatzmeisters. Hierauf erstattete der erste Schriftführer den Rechenschaftsbericht. Aus demselben ergiebt sich etwa Folgendes: Die Zahl der Mitglieder ist im steten Wachsen begriffen. Die statutenmäßig bestimmten Versammlungen sind abgehalten worden und fanden noch außerordentliche Sitzungen statt. Wissenschaftliche Vorträge und Referate wurden von den Herren Traubenberg über: „Eine Lücke in der jüdischen Unterrichtslitteratur", Landesrabbiner Dr. Feilchenfeld: „Die Methode des religiösen Unterrichts, besonders des biblischen Geschichtsunterrichts", Klein: „Ueber Mord und Religion" gehalten. Hieran schloß sich noch ein Referat des Lehrers Flanter über einige Religionsbücher. Referate, die sich mit der Stellung der israelitischen Lehrer und Lehrerinnen beschäftigten, hielten die Mitglieder Dr. Adler, Fiegel und Remack. Auch in den zwanglosen Zusammenkünften wurde neben kollegialer Geselligkeit die Arbeit eifrig gepflegt. — An besonderen geselligen Veranstaltungen ist ein gemeinsamer Sommerausflug und der zu Ehren der Herren Delegirten abgehaltene Kommers zu erwähnen. — Aus allem diesem ergiebt sich, daß die Vereinigung im vollsten Maße ihre Pflicht erfüllt hat, nämlich ihre Mitglieder wissenschaftlich zu fördern, Fragen, die sie

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