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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-24 · Heft 4 (24.1.1896) · p. Seite 48

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
Seite 48 (sequence 12)
Language
German
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'-wp^'z: *->p - 1V '**" V« ~ -> *yrar\*rtym 48 Bart schien sich ordentlich in dem häßlichen, verknitterten Gesichtchen zu sträuben. „Eben war ich wieder bei ihm," berichtete er jammernd. „Er,- will nicht mehr! Er' sagt: „Es thnt mir leid, daß sich Mendele umsonst geplagt hat, aber mit diesen Schwatzmänlern laß ich mich nicht ein!" . . . Ja" — er konnte es nur noch schluchzen — „so sagt er. . ." „Dann komm'!" sagte Chane zu ihrem Manne, den bei der Hiobspost ein heftiges Zittern befallen, und erhob sich. Bis zur Thüre ließ sie Mendele kommen. Da stellte er das Trommeln ein und wandte sich zu seinem Adlatus: „Meyerl, was meinst Du? Soll ich's selbst versuchen? Oder ist Alles unnütz?" Der Zwerg zuckte die spitzen Schultern. „Das ist schwer 31t sagen! Denn jedes Kind in ganz Polen weiß, daß für Euch vieles möglich ist, was sonst Niemand 311 Stande bringt. Aber mir scheint, er will wirklich nicht mehr. . ." „Dann bemüht Euch nicht," sagte Chane und ging ins Vorzimmer, Leib gebeugten Hauptes hinter ihr her. Die Ruhe seines Weibes war ihm ordentlich unheimlich. „Und wer bezahlt mich dann für meine Mühe?!" rief Mendele und griff nach seinem Hut. „Versuchen muß ich's doch, obwohl Ihr es nicht verdient. Aber vorher will ich wissen, wofür ich diese^ neue Mühe auf mich nehme." Da wandte sie sich um. „Daß Ihr mich noch immer nicht kennt!" sagte sie lächelnd. „Da geht's mir mit Euch besser, ich kenn' Euch. Ihr habt mit Reb David, dem an der Verlobung mindestens ebensoviel liegt, wie uns, ausgemacht, daß er benachrichtigt werden soll, wenn wir kommen. Und das benutzt Ihr, um noch einige Gulden für Euch herauszuschlagen. Aber es nützt Euch nichts, Ihr bekommt doch nicht mehr, als die zehn Gulden!" „Wieso?" rief er, nun wirklich zornig. „Fünfzig habt Ihr mir. selbst versprochen, zehn Gulden von Anbeginn und von den vierhundert vierzig!" „Richtig!" aber da wir auf die Vierhundert selbst verzichten..." „Verzichten!" Meudele's Gesicht färbte sich dunkelroth. „Frau," ries er drohend, „mich betrügt man nicht! Dahinter steckt eine Finte." „Nichts steckt dahinter." erwiederte sie ruhig. „Wir verzichten eben darauf." „Aber warum — warum? Leib Schänker aus Winkowce verzichtet auf dreihundertsechzig Gulden, die er haben kann? . . . Auf dreihundertsechzig Gulden?" wiederholte er schreiend. „Ja," erwiederte sie kaltblütig. Leib aber fühlte sich verpflichtet, eine Erklärung zu geben. „Für unser Kind" — begann er. „Laß sein," unterbrach sie ihn scharfen Tons. Aber er wäre wohl ohnehin nicht viel weiter gekommen, schon ans Verblüffung, über Meudele's Gebühren. Denn der dicke Vermittler drehte sich ein-, zwei-, dreimal um sich selbst herum, so daß er in seinem: schwarzen Kaftan und mit dem Hochrothen Gesicht anzusehen war,' als wäre eine Doppelkngel, eine große dunkle und eine kleine rothe' obenauf, in rotireude Bewegung gerathen, faßte dann den Kleinen, ' drehte ihn einige Male um sich herum, wie ein mächtiger Fixstern ' einen kleinen, dürftigen blassen Mond, und stellte ihn endlich vor j Meyerl Spazierstock hin. „Sieh her!" keuchte er. „Das ist der größte Narr auf Gottes) Erde! So schaut ein Mensch ans, der Geld haben könnte und es' nicht mag!" : Dem Kleinen war der Athem vergangen.! „Ich — ich", begann er. Aber sein Weib trat für ihn ein. „Noch ein solches Wort," sagte sie, „und wir gehen!" „So geht!" rief der Vermittler. „Ich kann für Reb David ein ander Mädel schaffen, das noch jünger und noch schwerer ist und außerdem Geld hat. Eines? Zwei, zehn, hundert, so viel ich will! Da steht in meinem Buch" — er wies auf sein Pult — „eine Fünfzehnjährige eingeschrieben, die schon heut zwei Zentner wiegt! Zweitausend Gulden Mitgift." „Um so bester! . . . Dann braucht Reb David nicht lange zu warten. . . . Komm, Leib!" „Komm, Leib!" äffte ihr der Dicke verzweiflungsvoll nach. „Und wo bleibt dann mein Lohn? Und was fang ich mit Reb David an, der sich's nun einmal in den Kopf gesetzt hat: Grad Eure Tochter muß ihn ins Grab bringen und keine Andere! ... Er wartet ja schon, bis ihn Meyerl holt! Und die „Tnoim" sind schon geschrieben! Und der Wechsel über fünfzig Gulden, den Ihr mir ausstellen sollt, liegt auch schon bereit." „Dann muß eben Alles umgeschrieben werden," erwiederte sie ruhig. „Umgeschrieben! . . . Aber wozu? Es kann ja Alles so bleiben! Ihr könnt ja die vierhundert Gulden dann Eurer Tochter schenken, wenn Ihr schon so närrisch seid, sie nicht für Euch selber zu behalten." „Tausend Gulden Wittwengeld," erwiederte sie, „fünfzig Gulden Anssteuer, zehn Gulden für Euch. Dabei bleibt's, entscheidet Euch!" Mendele faßte sich mit beiden Händen an die Stirne. „Meyerl," stöhnte er, „Ihn' mir den Gefallen, und kneip' mich den Arm, damit ich weiß, ob ich wach' oder vielleicht nur so verrückt träumen thu' . . . Eine Verlobung, die zlirückgeht, weil der eine Theil zu wenig verlangt! — wenn je so was schon aus der Welt da war, so will ich, Mendele Schadchen, Seiltänzer werden . . . Aber es war noch nicht da! . . . Mich trifft der Schlag... ich platz' ... ich fahr' aus der Haut!" Aber dann geschah doch von all dem Schrecklichen nichts, sondern die Verlobnngs - Akte 1111b der Wechsel wurden nur eben umgeschrieben. Und dann eilte Meyerl, den Bräutigam zu holen. (Fortsetzung folgt.) Fitterarrsche Mittheilungen. Anton Bettelheim: Deutsche und Franzosen. Biographische Gänge, Aufsätze und Vorträge. Wien 1896. A. Hartleben. Das vorliegende Buch enthält auch für unsere Kreise viel Interessantes. In dieser Auswahl aus seinen im Laufe des letzten Jahrzehntes erschienenen Aufsätzen und Vorträgen bekennt und bethätigt der Autor seine Vorliebe für die Bedeutung, der Persönlichkeit im.Goethe'schen Wortsinne. In diesem Geiste der Erkenntniß des Individuellen war er bemüht, in der engeren Heimath dem Wesen einer edlen Frau, Josephine v.'Wertheimstein, nachzugehn. Auf schwäbischen Boden führt die Charakteristik von Berthold Anerbach, über dessen Leben und Nachlaß von dem letziwillig zum Mitordnen von des Dichters Papieren bestimmten Verfasser vielfach unbekannte Aufschlüsse' gegeben werden. Unter den Franzosen steht Gustav Flaubert obenan. Die Wandlungen im Denken, Fühlen und Schaffen des Epigogen sollen durch Kritiken der in „Zola's Kriegsbildern" gipfelnden Roman-Encpklopädie der Rougon-Maquart, sodann durch Eingehen auf die Wortführer einer Neubelebung des psychologischen' Romanes und der religiösen Ideen (wie Paul Bourget und Eduard Rod) veranschaulicht werden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. : Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.

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