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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-24 · Heft 4 (24.1.1896) · p. Seite 41

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
Seite 41 (sequence 5)
Language
German
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41 auf seine Tauglichkeit in der Schule wird er zunächst probeweise eingeführt, uin dann nach allenfallsiger Korrektur der königlichen Regierung der Pfalz zur Bestätigung unterbreitet zu werden. Als dritter Punkt kam nun der Vortrag von Herrn Lehrer Haymann-Henningen: Berufliche Ausbildung des jüdischen Lehrers. Der Redner zeigte, wie die Lehrerbildung sein sollte, sein müßte, um wohlbeschlagen der Schule und den Arbeiten als Kantor und gewöhnlich auch als Schochet entgegenrücken zu können. Und wirklich, der Redner verlangte nicht wenig, aber doch nur Unentbehrliches. Aber er gab auch einen Einblick in die Art, wie die jüdische,! Lehrer wirklich ausgebildet werden. Bei der nun folgenden freien Besprechung war Gelegenheit geboten, sich einer angenehmen Pflicht zu entledigen. Wie aus der Seele eines Jeden gesprochen waren die Worte des Lehrers Kahn-Rülzheim, der dem Vorsitzenden, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Einstein, warmen Dank aussprach für die erheblichen Mühen und die Opferwilligkeit zur Verwirklichung des Konferenzgedankens. Nachdem noch beschlossen war daß alljährlich zwei solcher Konferenzen abgehalten werden sollen, wurde die Konferenz nach mehr als dreistündiger Dauer geschlossen. Ein gemeinsames Mittagsmahl hielt die Theilnehmer der Konferenz noch lange zusammen. M. F. Nie Juden in Deutschland. Von Dr. Max Apt. nter dem Titel „Die Juden in Deutschland", beabsichtigt das Komitee zur Abwehr antisemitischer Angriffe in Berlin eine Reihe von Arbeiten zu veröffentlichen, welche die luttiiveüeix Verhältnisse der Juden in Deutschland klarzustellen bestimmt sind. Die erste dieser Arbeiten, „Die Kriminalität der Inden in Deutschland", ist soeben im Verlage von Siegfried Cronbach- Berlin erschienen. Sie zerfällt in eine Einleitung und vier Abschnitte. Der erste- Abschnitt handelt von der Kriminalität der christlichen und jüdischen Bewohner Deutschlands, der zweite von der Kriminalität der christlichen Bewohner des Königreichs Sachsen und der Juden in Deutschland, der dritte von den Freisprechungen in Deutschland und der vierte von der Kriminalität der christlichen und jüdischen Bewohner Oesterreichs. Die werthvolle, von Herrn Dr. Paul Nathan gezeichnete Einleitung zieht in knappen, klaren und trefflich stilisirten Ausführllngen die Folgerungen aus dem in den einzelnen Abschnitten mitgetheilten Zahlenmaterial. Das Beweisthema geht dahin: Nicht die Religion und nicht die nationale Eigenthümlichkeit sind für die kriminellen Verhältnisse der Inden in Deutschland das Entscheidende, sondern ganz überwiegend dre soziale Stellung und die soziale Bethätigung. Dieser Leitsatz wird treffend dargethau unter Heranziehung der Kriminalstatistik Sachsens und Oesterreichs. Sachsen wurde herangezogen, weil dessen Bevölkerung in Industrie und Handel in hervorragendem Maße beschäftigt ist und anderseits die dort beobachteten Erscheinungen bei dem geringen Prozentsatz der dortigen jüdischen Bevölkerung schwerlich auf jüdischen Einfluß zurückznführen sind. Und da zeigt es sich, daß von den 35 verschiedenen, wesentlich kaufmännische Delikte enthaltenden Rubriken der Kriminalstatistik, die für die Inden ungünstig lauten, bei der Kriminalstatistik des Königreichs Sachsen nicht weniger als 18 Rubriken sich wiederfinden, die - genau dieselben Erscheinungen für die christlichen, dabei gleichfalls überwiegend kaufmännisch ihätigen Sachsen erweisen. Und mit Recht wird der Schlüssel für diese Erscheinung in dem Umstand gefunden, das; die Einwohner des Königreichs Sachsen wie die Juden in hohem Maße der kaufmännischen Thätigkeit im weitesten Sinne obliegen nnb weiter, daß beide vor Allem Stadtbewohner sind. Oesterreich wurde herangezogen, weil die dortigen Juden-, in Galizien vor Allem, auf einer niederen Stufe kultureller Entwickelung stehen als im Allgemeinen die deutschen Inden, und dort Rasse und Religion ihre etwaigen Wirkungen stärker zeigen müßten als in Deutschland. Jndeß auch Hier ist das Gesammtbild ein durchaus günstiges. Wenn auch die Inden an denjenigen Vergehen, die im Handelsstand häufig Vorkommen, entsprechend größeren Antheil haben als die Christen, so ergiebt sich andererseits, daß dieser Antheil in keinem Falle größer, vielfach kleiner ist, als der der nichtjüdischen Handeltreibenden. Auf das Zahlenmaterial im Einzelnen einzugehen, ist hier nicht der Ort. Auch sind diese Zeilen nicht so sehr der jetzt vorliegenden Publikation gewidmet, als dem Gesammtplan, die kulturellen Verhältnisse der Juden in Deutschland klarzustellen. Daß dieser Plan gerade unter dem Druck antisemitischer Angriffe zur-Reife gelangt ist, verschlagt nicht viel, wenngleich zu wünschen wäre, daß die Juden in Deutschland die zahlreichen der Lösung harrenden Arbeiten, auch ohne den Druck von außen her, der Verwirklichung näher führten. Je mehr die Erfahrung lehrt, daß nur wenige Gelehrte im Stande sind, aus eigenen Mitteln weitansschauende Arbeiten, zumal archivalischer Natur und in fremden Ländern, auszufiihren, um so dringender ergiebt sich die Nothwendigkeit, eine kapitalkräftige Centralstelle zu schaffen, welche die vielen brachliegenden Kräfte, christliche wie jüdische, in den Dienst der Erforschung vergangener wie gegenwärtiger Zustände heranzuziehen vermag. Von den Arbeiten, die von einer solchen Centralstelle anzuregen bezw. zu fördern wären, kann man zwei Klassen scheidein Die eine Klasse mürbe zum Gegenstand haben Arbeiten von ganz allgemeinem wisienschaftlichen Interesse, welche von jeder anderen, auch nicht jüdischen Seite in gleicher Weise Unterstützung erfahren könnte. Man denke z. B. an Arbeiten, die den rechtlichen und sozialen Inhalt des Talmud klarlegten, Arbeiten die geeignet wären, ans die gesammte Entwickelungsgeschichte des Rechts befruchtend einzuwirken. Solche Arbeiten berühren christliche wie jüdische Forscher in gleicher Weise, indeß, gerade Juden hätten vor Allein Veranlaffnng, derartige Studien anzuregen und zu fördern. Und ähnliche Arbeiten ließen sich in großer Anzahl nennen. Die Geschichte, rechtliche und soziale Stellung der Juden im Mittelalter, in den einzelnen Territorien und in den einzelnen Jahrhunderten ist noch nicht genügend erforscht. Die Einwirkung der Inden auf die Entwickelung des Handels, insbesondere Bank- und Börsenwesens, harrt eingehender Untersuchung. Wie lehrreich wäre eine Untersuchung über den Antheil der Juden an den wirthschaftlichen Fortschrittsbewegungen zu den einzelnen Zeiten, insbesondere über ihre Stellung zur Verdrängung des Kleinbetriebs durch den Großbetrieb. Die zweite Klasse würde Arbeiten umfassen, welche bestimmt sind, in ruhiger, streng wissenschaftlicher Weise antisemitische Angriffe einerseits aus ihr richtiges Maß zurückzuführen und andererseits die geschichtlichen Unhaltbarkeit derjenigen Schranken darzuthun welche den Inden im Wege der Verwaltung anferlegt werden. Hierzu würde die staatskirchenrechtliche Stellung der Juden in den einzelnen delltschen Bundesstaaten eingehend darzulegen sein, es müßten Untersuchlmgen angestellt werden über die Entwickelung der rechtlichen und sozialen Stelluilg der Juden in außerdelltschen Länderil. Im Einzelnen würde fernerhin die Bethätigung der Juden auf den cinzelllen Gebieten des Wissens, der Medizin, Philosophie und Jurisprudenz darznlegen sein, um hieraus z. B. neuen Boden für die Frage zu gewinneil, ob die Zurückdrängung der Inden von den Lehrämtern, abgesehen von verfasiungsrechtlichen Bedenken, in der Sache selbst begründet, ist. Gegenüber der Phrase der vaterlandslosen Gesinnuilg der Jllden würde eine Untersuchung über ben Antheil der Juden ail

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