Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1896)
- Date
- 1896-01-24
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Ü;i{ ,:i £ i; -PL würde uns auch im Bereinsleben mehr Freiheit geben. Aus der sehrlebhaften Debatte ergiebt sich, daß einige Städte sehr günstig bedacht, andere aber im Nachtheil sind. Die Versammlung beschließt daher, ihren Vorsitzenden zu beauftragen, er möchte an die beiden Bezirks-' regierungen ein Gesuch um einheitliche Regelung dieser Angelegenheit richten. Hierauf stellt der Vorsitzende den Antrag, die Versammlung möge den Vorsitzenden des D. I. G. - B., Herrn Geheimen Sanitätsrath' Dr. Kristeller, in Anerkennung seiner großen Verdienste um das jüdische Lehrerwesen und die jüdischen Lehrer des deutschen Reiches zum Ehrenmitglied ernennen. Er begründet diesen Antrag durch Hervorhebung der Verdienste des Dr. Kristeller und den Nachweis, daß nach § 2 der Statuten der Verein zwar nur staatlich geprüfte Lehrer als Mitglieder aufnehmen dürfe, daß aber derselbe Paragraph auch dem Vorstande das Recht gebe, Männer, welche sich um das jüdische Lehrwesen besonders verdient gemacht haben, dem Vereine zu Ehrenmitgliedern in Vorschlag zu bringen. Hier nehme der Vorstand dieses Recht wahr und erfülle damit nur eine Pflicht, die Pflicht der Dankbarkeit, wenn er diesen Antrag stelle.. Die Versammlung stimmte freudig und einmüthig diesem Vorschläge bei und ersuchte ihre beiden Beauftragten für die Delegirtenversammlung in Berlin, diesen Beschluß dem Herrn Geheimrath mitzutheilen und ihm hierüber eine Urkunde zuzustellen. Die beiden Delegirten nahmen diesen ehrenvollen Auftrag an. — Brock-Rogasen beantragt, der Vorstand möge bei den Verlegern der jüdischen Zeitschriften eine Abonnementsermäßigung für die Vereinsmitglieder nachsuchen. Der Vorsitzende verliest hierauf ein Schreiben, welches vom Vorsitzenden des Vereins jüdischer Lehrer Oberschlesiens, Herrn Bernhard- Tarnowitz, eingelaufen ist, und von der Versammlung beifällig begrüßt wird. Mit Dankesworten an die beiden Referenten sowie an die ganze Versammlung schließt der Vorsitzende um zwei Uhr die Sitzung. Nach einer kleinen Pause versammeln sich die Anwesenden um die gemeinsame Mittagstafel, welche durch ernste und heitere Toaste gewürzt wurde. Mit dem Wunsche: „Auf ein gesundes Wiedersehen in den Weihnachtsferien des nächsten Jahres" trennten sich dann die Mitglieder im frohen Bewußtsein, wieder einmal einige glückliche Stunden verlebt und dabei nützlich gewirkt zu haben. Rheinische Lehrer-Konferenz. £nt l. Januar hielt im Kaisercafö zu Köln der Verein von jüdischen Lehrern in Rheinland und Westfalen seine Generalversammlung ab, die recht gut von Lehrern und außerordentlichen Mitgliedern besucht war. Der Schriftführer des Vereins, Lehrer Gut- Köln erstattete über das verflossene Jahr den Bericht, nach welchem der Verein 80 ordentliche, 400 außerordentliche und 9 Ehrenmitglieder zählt und 1600 Mark Vermögen besitzt. 200 Mark wurden als Beihilfe zum Eintritt der Mitglieder in die rheinisch - westfälische Unterstützungskasse verausgabt. Lehrer Schier-Baholt sprach den Wunsch aus, daß allmälig sämmtliche Vereinsmitglieder in diese Kasse eintreten möchten und der Verein dieselben nach Kräften unterstützen möge, was seitens des Vorstandes auch bereitwilligst in Aussicht gestellt wurde. Mit lebhafter Genugthuung wurde koustatirt, daß seitens der Vorstände beider Institute eine Verschmelzung geplant sei. Nun soll endlich das unbegründete Vorurtheil mancher Kassenmitglieder gegen den segensreich und rührig schaffenden Verein schwinden! Zwölf Konferenzen wurden abgehalten, bei welchen besonders der 1. Bezirk (Köln und Umgegend), sowie der 4. Bezirk (Niederrhein) durch eifrige Arbeit sich auszeichneten. Für das Jahr 1896 sollen allen Bezirken folgende 3 Themen zur sorgfältigen Ausarbeitung und Besprechung aufgegeben werden: 1. Welche Methode ist die geeignetste für den Uebersetzungsunterricht im Hebräischen? — 2. Was können die Lehrervereine zur Besserstellung des einzelnen Lehrers thun? — 3. Wie kann eine bessere Fühlung zwischen Vorstand und Bezirkskonferenzen hergestellt werden? (Antrag Abraham-Kettwig). Die vom Verein herausgegebene Denkschrift über die soziale Lage der jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen soll allen Synagogenvorständen und Behörden der beiden Provinzen zugeschickt werden. Jedem Lehrer wurde warm ans Herz gelegt, einen Bericht über seine Lage auszuarbeiten und denselben seiner Regierung einzusenden. Eine Kommission wird besonders schreiende Mißstände zusammen stellen und ans Wunsch nähere Auskünfte über diese Sache ertheilen. Die Lehrer mögen sich dieserhalb an den Vereinsvorsitzenden oder an Sulmann-Köln wenden. Eine andere Kommission sichtet die bis jetzt erschienenen Lehrpläne über den jüdischen Religionsunterricht und stellt ev. einen neuen Plan her. Besitzer solcher Lehrpläne sind freundlich gebeten, solche Herrn Lehrer Gut-Köln einzusenden. Portoauslagen werden vergütet. Eine lebhafte Debatte ries die Beitrittsfrage zum D. I. L.-B. hervor. Die beiden Delegirten des Vereins, die Herren Dr. Lazarus und Goldschmidt erstatteten Bericht über die am 24. und 25. Dezember in Berlin stattgehabte Delegirtenversammlung. Im Verlauf der Debatte mußte der Vorsitzende, amtlich verhindert, den Vorsitz seinem Stellvertreter Herrn Brisch übertragen. Da betreffs der Abhängigkeit vom D. I. G. B. mancherlei Bedenken laut wurden, vertagte man diese Angelegenheit nach dem Anträge Sulmanns bis zur Osterversammlung. In der vom zweiten Vorsitzenden Brisch-Mühlheim geleiteten Nachmittagssitzung hielt Lehrer Heil berg -Beuel einen Vortrag über den Sagenkreis des Königs Sulano und erntete reichen, wohlverdienten Beifall. In der Diskussion sprach Gut-Köln den Wunsch aus, es möchten auch die jüdischen Sagen, in schönen, billigen Ausgaben den Kindern zugänglich gemacht werden. Nachdem die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Brisch-Mühlheim und Salomon-Jserlohn durch Akklamation wiedergewählt waren und Freytag-Born heim für die nächste Versammlung einen Vortrag übernommen hatte, schloß der zweite Vorsitzende, da Herr Dr. Lazarus in Nachmittagssitzung zu erscheinen verhindert war, die sehr anregende Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. — Auf frohes Wiedersehen in Düsseldorf am 6. April! pfälzische Lehrer-Konferenz. um zweiten Male fanden sich am 15. Dezember vorigen Jahres sämmtliche israelitische Lehrer des Rabbinatsbezirks Landau in dieser Stadt zu einer freiwilligen Konferenz zusammen. Hauptziel derselben war, unter dem Vorsitze des Bezirksrabbiners Herrn Einstein die Feststellung eines Normal-Lehrplanes für den Religionsunterricht an den Volksschulen des Rabbinats Landau. Daß aber diese Konferenz und alle folgenden noch anderen Zielen zustrebte, wurde aus der Eröffnungsrede des Vorsitzenden, der von warmer Liebe zu den Lehrern erfüllt ist, klar. Außer der Pflege echter Kollegialität und der Erörterung schultechnischer Angelegenheiten sollte hauptsächlich die feste Begründung unt> Wahrung des Standesbewußtseins erreicht werden, aber letzteres nicht nur bei den Lehrern, wo es ja vorausgesetzt werden muß, sondern vor Allem bei den Gemeinden, d. h. diese sollen endlich einmal sich unseres Standes bewußt sein und eine dementsprechende Haltung ihren Lehrern bewahren. Zunächst nun hielt Herr Lehrer Waldbott-Speyer einen Vortrag, dessen Thema: „Wie soll der Religionsunterricht betrieben werden, wenn er fruchtbringend sein soll", der Redner glänzend nach allen Seiten beleuchtete. Die Quintessenz, gezogen für den Lehrer, ist die: Im Mittelpunkt des gesummten Religionsunterrichtes steht die biblische Geschichte, mit der schon in der ersten Klasse begonnen werden soll. Der Stoff ist in sogenannten Geschichtsbildern, dem Geiste der Kinder angepaßt, zu unterrichten, deren Verbindung in der Oberklasse herzustellen ist. Die biblische Geschichte ist die Nahrungsguelle der eigentlichen Religionslehre, muß also auch zur Ableitung, der religiösen Wahrheiten alle Klassen hindurch benutzt werden, und erst in der Oberklasse ist das so gewonnene Material in Pflichten- und Sittenlehre zu klassifiziren. Nun wurde zur Feststellung des Normallehrplans geschritten, wozu ein Entwurf aus der ersten Konferenz vorlag. Nach lebhafter Diskussion bei jedem einzelnen Punkte wurde der Entwurf angenommen. Zur Prüfung