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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-10 · Heft 2 (10.1.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 aus dem Vorstands-Kollegium, welchem derselbe seit Begründung unserer Gemeinde angehörte. Herr A. Dresel war das älteste Mitglied unserer Gemeinde, die er mitbegründet hat, und wurde vor Jahren bereits zum Ehrenmitglieds derselben — durch Ueberreichung eines entsprechenden Diploms — ernannt. Bis zu seinem Lebensende zeigte er das wärmste Interesse für alle Gemeinde - Angelegenheiten und erfüllte die ihm obliegenden Pflichten seines Ehrenamtes gewissenhaft. Der Verstorbene war ferner auch Vorstands-Mitglied der „Ghebrali Kedosclia", um' die er sich (als deren Mitbegründer) sehr große Verdienste erworben hat. Das Andenken des Heimgegangenen wird in der Gemeinde stets in Ehren gehalten werden. Ferner hat die Gemeinde auch den Tod ihres ersten Vorsitzenden, Herrn I. Stern, zu beklagen. Herr I. Stern hat seit ca. 17 Jahren den Vorsitz in unserer Gemeinde geführt und dies schon zu der Zeit, wo wir noch nicht Korporation waren, welche Rechte der hiesigen Gemeinde erst durch das mannhafte Eintreten hierfür seitens des Verstorbenen, seit ca. 10 Jahren gewährt sind. Der Entschlafene zeichnete sich durch eine außerordentliche persönliche Liebenswürdigkeit sowohl, wie durch Gewissenhaftigkeit aus, und es hat die Gemeinde durch seinen frühen Tod (im 96. Jahre) einen sehr schwer ersetzbaren Verlust erlitten. Die Theilnahme bei der Beerdigung war eine außerordentlich große und legte Zeugniß dafür ab, welch' großer Achtung sich der Dahingeschiedene allseitig zu erfreuen hatte. Ehre seinem Andenken. Für die aus dem Vorstande ausgeschiedenen Mitglieder sind die Herren W. Lippmann und A. Reißner neu eingetreten. Der Vorstand, von der dringenden Nothwendigkeit wegen Beschaffung eines würdigen Gotteshauses überzeugt, hat es an Bemühungen in dieser Beziehung auch im verflossenen Jahre nicht fehlen lassen. Am Religionsunterricht, welcher von Herrn Rabbiner Dr. Mühlfelder geleitet und ferner von den Lehrern Kantor L. Cohn und S. Sommerfeld ertheilt wurde, haben in 7 Klassen 143 Kinder (82 Knaben und 61 Mädchen) theilgenommen. Den Religions-Unterricht, wie dies vielfach gewünscht wird, gleich in den betreffenden Lehranstalten zu ertheilen, ist unmöglich, da nach einer aufgenommenen Statistik die 143 Schüler und Schülerinnen unserer Neligionsfchule in 67 Klassen an 11 verschiedenen hiesigen Schulen den Unterricht genießen. Beschwerden irgend welcher Art sind im Laufe des Jahres nicht an den Vorstand gelangt, und da eine Aufhebung des Schächtverbotes zunächst nicht in Aussicht steht, so hat es einstweilen bei den. für Beschaffung von Koscherfleisch getroffenen Vereinbarungen zu verbleiben. Bei der im vorigen Jahre erfolgten Gemeindeverordneten-Wahl sind zu Gemeindeverordneten gewählt worden: I. Stern, Eduard Becker, Julius Simon, A. Rechner, M. Bernstein, Herrm. Abrahamsohn, Bernhard Röos, Herrm. Schiel, Moritz Fränkel. Der Synagogenbaufonds (der einzige in Verwaltung des Vorstandes befindliche Fonds) hat sich in diesem Jahre um 922.26 Mark vermehrt und erreicht z. Z. die Höhe von 7343 20 Mark. Die Einnahmen betrugen 19,102.79 Mark, die Ausgaben 16,022.24 Mark, so daß wir zuzüglich des Bestandes vom 31. Dezember 1894 (3308.30 Mark) mit 3388.81 Mark Kassenbestand abschließen dürften. z. Aus Westfalen, 9. Januar. Zu Essen-Ruhr fand am 1. Januar die Hauptsitzung des Vorstandes des Vereins israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens statt. Herr Blumenfeld, welcher aus Gesundheitsrücksichten sein Mandat niedergelegt, jedoch noch bis jetzt sungirte, eröffnete die Sitzung, und nachdem er den Kassenbericht erstattet hatte, schied er aus, und es wurde Herr Graf, Hauptlehrer zu Essen, einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Somit besteht der Vorstand aus den Herren: Goldstein-Grevenbroich, Levi-Neuß, Graf-Essen, Sleinweg- Rheda und Treu-Münitz. — Alle den Verein betreffende Korrespondenzen sind zu adressiren: An Herrn S. Graf, Hauptlehrer zu Essen-Ruhr, (desgleichen Geldsendungen, welche auch direkt an den Rendanten des Vereins, Adresse: Herrn H. L. Hirschland, Bankier, Essen-Ruhr geschickt werden können). Die Rechnungslage ergab: An Grundkapital über 82 000 Mk., Zinsen 3043 Mk., Jahresbeiträge der Mitglieder 1136 M., Beiträge von Gemeinden und Privaten re. 3798 Mk. Von den drei letzten Posten mußten nach Abzug von Kosten rc. statutenmäßig Zweidrittel zur Vertheilung gelangen. Obgleich die Eingänge sich bei weitem höher als in einem der früheren Jahre stellten, so mußten doch mit Rücksicht darauf, daß die Quoten in diesem Jahre von 100 auf 140 Pensionsamheile gestiegen waren, letztere herabgemindert werden, was gewiß schmerzlich empfunden wird. Dieses Resultat muß aber auch ein Sporn zu erhöhter Thätigkeit dem Vorstande wie den Vereiusmi gliedern sein. (D Brakel (Kreis Höxter), 31. Dezember. In stiller Zurückgezogenheit, in seiner Villa Jaffe in Nizza, beging am letzten Sabbath, dem 28. d. M., der vielfach bekannte Professor Dr. Gluge ans Brüssel im Alter von 83 Jahren das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Gluge ist ein Sohn unseres Städtchens, sein Vater fungirte zu Anfang dieses Jahrhunderts als Kantor in hiesiger Gemeinde. Deshalb nahm man Veranlassung, den Jubilar in der Synagoge seines Geburtsortes, in dem er auch seine Jugendjahre verlebt, an dem genannten Tage in kurzen würdigen Worten zu feiern. Darauf sandten im Laufe des Tages mehrere hiesige Familien, die durch persönliche Bekanntschaft ihm näher stehen, Glückwunschtelegramme an denselben ab. Möge Herrn Professor Dr. Gluge an der Seite der getreuen Gefährtin seines Lebens noch ein langer, heiterer, durch nichts getrübter Lebensabend gegönnt sein. o. Bonn, 9. Januar. Neben dem größeren Frauen vereine der hiesigen Synagogen - Gemeinde befindet sich Hierselbst ein vor zehn Jahren von unserem Rabbiner Herrn Dr. Cohn gestifteter und seither von demselben an der Seite zweier Vorsteher geleiteter, auch nur aus weiblichen Mitgliedern bestehmder kleinerer Verein „zur Verpflegung armer israelitischer Kranken in den Bonner Kliniken und Hospitälern." Diese Verpflegung bezieht sich zumeist auf Gewährung einer den jüdischen Speisegesetzen entsprechenden Kost, die von dem einen oder dem andern der hiesigen jüdischer: Restaurants den Kranken resp. Genesenden zu der für die Mahlzeiten bestimmten Stunde zugesendet wird. Der soeben ausgegebene Jahresbericht, der eine Einnahme von mehr als 500 Mark und eine Ausgabe von etwa 390 Mark nachweist, schließt mit den die Thätigkeit des Vereins kennzeichnenden Sätzen: „Arm ist lediglich der Kranke" lehren unsere Weisen; zwiefach ist er es demnach, wenn er mitten im Elend, das ihm sein gefahrvolles Leiden bereitet, das drückende Ungemach seiner Mittellosigkeit zu tragen hat. Mit um so größerer Befriedigung darf daher unser, aus kleinen Anfängen hervorgegangener, seither immer lebenskräftiger gewordene Verein auf seine zehnjährige Thätigkeit zurückblicken. Manches Herzweh hat er mildern, manche Schmerzensthräne trocknen helfen, und so erfüllte sich, was bei seiner Gründung ausgesprochen ward: „Die Gabe von wöchentlich fünf Pfennigen kann, wenn sie von Vielen gereicht wird. Großes und viel Gutes bewirken." 8. München, 3. Januar. Der vor einiger Zeit verstorbene I. Vorstand unserer Kultusgemeinde, Herr Hermann Müller, hat im Verein mit seiner Gemahlin eine Stiftung unter dem Namen „Hermann und Jettchen Müller'sche allgemeine Wohlthätigkeitsstiftung" begründet, deren Verwaltung wir übernommen haben. Aus dieser Stiftung steht alljährlich ein Betrag von circa 700 Mark zur Verfügung, welche nach dem Willen der Stifter dazu verwendet werden soll, um damit je nach dem vorliegenden Bedürfnisse Erziehungszwecke, gemeinnützige Zwecke innerhalb des Judenthums, ohne Rücksicht auf Ort und Land, zu fördern, der Noth und Armuth zu steuern und die bürgerliche Stellung der Juden zu verbessern. (Wir glauben — und haben dies auch der Stiftungs-Deputation gegenüber bereits ausgesprochen — daß es keinen Erziehungszweck augenblicklich giebt, dessen Förderung wichtiger wäre, als die Begründung jüdischer Litteraturvereine, namentlich in solchen Ländern und Gegenden, wo solche noch nicht vorhanden, wie Baiern, Württemberg u. i. a. Wir wissen ziemlich genau, daß dies auch im Sinne der edlen Stifter gewesen wäre. Die Red.) Oesterreich - Li n gu rn. Q Wien, 6. Januar. Die Ausfälle der Landtagsantisemiten gegen den Grafen Kielmannsegg finden nicht einmal die Billigung der antisemitischen Presse. In dem hiesigen deutsch-antisemitischen Organ wird Dr. Lueger besonders deshalb zur Rechenschaft gezogen, weil er dem Grafen Kielmannsegg die Hannoveraner Geburt vorwarf und die Deutschen pauschaliter als „Ausländer" bezeichnete. — Dem Wiener Bezirksschulrathe liegt gegenwärtig eine Angelegenheit zur Entscheidung vor, welche geeignet ist, lebhaftes Interesse in Anspruch zu nehmen. Bekanntlich hat anläßlich der im September stattgefundenen Gemeinderathswahlen im Bezirke Leopoldstadt der Cooperator an der Pfayxe

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