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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-10 · Heft 2 (10.1.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Die Entscheidung ides Bezirksschulrathes dürfte bereits in nächster Zeit erfolgen. — In das Redemptoristenkloster zu Eggenburg im Waldviertel war von den Wiener Antisemiten eine Versammlung einberufen worden, zu der auch die Führer Dr. Lueger, Dr. Geßmann und Steiner erschienen. Als erster Redner trat Dr. Geßmann auf und nach ihm Dr. Lueger. Letzterer sprach über die Juden und er führte aus, daß die Juden die Verführer des christlichen Volkes seien auf allen Gebieten des wirthschastlichen, sozialen und gesellschaftlichen Lebens und daß es eine Schändlichkeit sei . . . In diesem Momente wurde der Redner durch den Regierungsvertreter unterbrochen, der die Pfarrer von Maissau und von Horn als Zeugen aufrief, daß der Redner alle Juden Verführer des christlichen Volkes genannt habe. Damit liege der Thatbestand des § 302 des Strafgesetzes vor, und er erkläre die Versammlung für geschlossen und aufgelöst. Das hatte einen großen Tumult zur Folge und nur auf wiederholte. Aufforderung wurde der Saal geräumt. — Beim Neujahrs-Avancement in der Armee wurden zahlreiche jüdische Offiziere befördert; auch bei den verschiedenen Eisenbahnen befinden sich unter den zu hohen Posten Beförderten mehrere jüdische Beamte, u. A. wurde Negierungsrath Konta zum Generaldirektionsrath ernannt. — In Nyiregyhaza ist Dr. Arthur Eichenwald im 49. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene hat sich als militärmedizinischer Schriftsteller einen Namen gemacht. Großbritannien. Hc London, 8. Januar. Kurz vor Schluß der Redaktion erhalten wir die telegraphische Meldung, daß am 7. d. Mts. das Parlamentsmitglied Sir Julian Goldsmid in Brighton gestorben ist. Goldsmid war einer unserer hervorragendsten Glaubensgenossen in England. Erst vor Kurzem in den Geheimrath der Königin berufen, legte er wegen zunehmender Krankheit die Stelle des Präsidenten der Anglo .lewish Association nieder, die er jahrelang bekleidet hat. Im Parlament war er liberal-unionistischer Vertreter für Süd-Saint Pancras. Wir komme» auf das Leben und Wirken des edlen Mannes ausführlich guriicf. Möge ihm die Erde leicht sein! Amerika. C. II. New - Nork, im Dezember. Ein Appell zu einem nationalen Unternehmen kommt von der Gemeinde Washington, welche einen Tempel bauen und ihn der Bundeshauptstadt würdig gestalten will. Der Aufruf ist von Simon Wolf, früherem amerikanischen Generalkonsul in 'Aegypten, unterzeichnet. Herr Wolf hat, kürzlich ein Buch unter dem Titel: The American Jew as Soldier Sailor and Patriot herausgegeben. Das Buch enthält werthvolle Dokumente und statistische Angaben über die Theilnahme der Juden an den amerikanischen Kriegen. — Der frühere amerikanische Konsul iw den Niederlanden, Herr David Eckstein, der kürzlich in Amsterdam starb, hat der Stadt Cincinnati 1000 Dollars hinterlassen, über welche der Mayor von Cincinnati zu Gunsten der würdigsten interkonfessionellen Wohlthätigkeitsanstalt verfügen soll. — In Cincinnati ist ein neuer jüdischer Orden unter den: Titel: „Order ol' Aorth American Israelitös“ gegründet worden. — In einem aufgelassenen jüdischen Friedlos in SanFrancisco fand man bei der Exhumirung der Leichen siebzehn vollständig versteinerte Mumien. — Dr. G. L. Dan zig er, Zahnarzt und früher Rabbiner in San Jose, Kalifornien, fungirt als Religioyslehrer der zweiten Unitarierkirche in San Francisco. — Der Novemherbericht der jüdischen Wohlthätigkeitsgefellschaft in Chicago weist Ausgaben im Betrage von 1659 Dollars auf. Die Anzahl der Hilfesuchenden betrug 361, darunter 321 Russen. . j Von Nah und Fern. — Die Königliche Akademie der Wissenschaften hat Maurice Loewy in Paris, Membre de rinsliLut, zum korrespondirenden Mitglieds der physikalisch-mathematischen Klasse gewählt. Derselbe Gelehrte ist soeben zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt worden. —Unter den Fakultäts stipendien der Berliner Universität finden wir auch das 'folgende: Aus der Dr. Paul Schultzestiftung ist ein Stipendium von 900 Mark zu vergeben. Das Thema der theologischen Fakultät lautet: „Die Angaben des vierten Evangelisten über die jüdische Sitte und das jüdische Land sind zu sammeln und zu beurtheilen." — Dem Rechtsanwalt Grabow er in Berlin ist die Genehmigung zur Annahme und Anlegung des von vem Könige von Serbien ihm verliehenen Ofsizierkreuzes des Takowo - Ordens ertheilt. — Eine Tochter Ahlwardt's -soll sich, wie Wiener Blätter sich aus Berlin telegraphiren lassen, mit einem Musiker Namens Barten, einem getauften Juden, verlobt haben. — Plötzlich, ohne vorhergegangenes Krankenlager und ohne längeren Todeskampf verschied in Altstrelitz Frau Professor Iba Sanders geb. Friedländer, die Gattin des bekannten Germanisten und Lexikographen Daniel Sanders. — In Laupheim sprach Rabbiner Dr. T r e i t e l über „soziales und industrielles Leben, ein Kapitel aus der jüdisch-spanischen Geschichte". — Der Kaiser von Oesterreich hat die Uebernahme des Obersten Alexander Ritter von E i ß, Kommandanten des Landwehr-Jnfanterie-Regiments Brünn, in den Ruhestand auf sein Ansuchen angeordnet und anbefohlen, daß demselben bei diesem Anlasse der Ausdruck der allerhöchsten Zufriedenheit bekanntgegeben werde. — Dr. Camillo Kurawda in Wien wurde zum wirklichen Motionsrathe im Handelsministerium ernannt. — In Prag ist am 21 v. M. Dr. Moritz Popper im 29. Lebensjahre verschieden. Derselbe hat das theologische Seminar in Breslau besucht, mehrere Broschüren, namentlich auf Grund urkundlicher Forschungen, veröffentlicht, welche die Beachtung der Fachkreise fanden, insbesondere „Beiträge zur Geschichte der Juden in Böhmen" und „Geschichte des Prager Friedhofes". — Die im Somogyer Komitate gelegene Großgemeinde Hedrahely, deren Einwohnerzahl zum dreiviertel Theile aus Reformirten besteht, hat einstimmig den israelitischen Mitbürger Albert Wollak zum Gemeinderichter gewählt. — Der Beamte des ungarischen Justizministeriums, Michael Szüntü, wurde vom Kaiser mit dem Titel eines Ministerialrathes ausgezeichnet. (Es ist dies der erste israelitische Ministerialrath Ungarns.) — In Lemberg fand am - 24. und 25. v. Mts. die erste Versammlung der israelitischen Religionslehrer Galiziens siatt, die einen gedeihlichen Verlauf nahm. Zum Präsidenten wurde Herr Rabbiner Dr. Caro, zum Vizepräsidenten Herr Rabbiner Dr. Taubeles aus Tarnopol und zu Schriftführern Herr Weisberg aus Stanislau und Herr Sziper, ebenfalls aus Stanislau, gewählt. — In Warschau ist einer der angesehensten Männer der dortigen Gemeinde, Heinrich Natanson, der langjährige Vorsitzende des Tempel-Komitees, gestorben. An dem Leichenbegängnisse sollen über 15 000 Menschen theilgenommen haben, darunter die Spitzen der polnischen Aristokratie und Intelligenz. — Wozu die Koschertaxe in Rußland verwendet wird. Der Gouverneur von Wolhynien hat kürzlich beschlossen, daß die disponiblen Gelder dieser Steuer in folgender Weise verwendet werden sollen: 64 000 Rubel für die gesundheitlichen Bedürfnisse der Negierung,, „da die zu diesem Zwecke ausgesetzten Gelder ungenügend sind," 28 000 Rubel zur Gründung eines Pfandleihhauses in Zitomir. — Das französische Centralkonsistorimn hat wieder die bekannten Tugendpreise vertheilt und zwar an Coralie Cahen, die bekannte Wohlthäterin, Frau Levy - Thiercelin in Nizza, Frau Carcassonne in Marseille, zwei Fräuleins Weill in Belfort, Frau Charleville in Paris und an die Herren Professor Lang in Melun, Leon Levy in Besan^on und Daninos in Algier. — Sir Francis Montesiore, ein Großneffe des Philanthropen, ist zum italienischen Generalkonsul in London ernannt worden. -- Der große Wohlthätigkeits-Bazar zum Besten für die „israelitischen Fortbildungsanstalten" in Ne w-Hork hat seinen glänzenden Abschluß gefunden. Der pekuniäre -Erfolg war ein über alles Erwarten erfreulicher. Nahezu eine Viertel Million Dollars sind im Laufe der beiden Wochen in die Bazarkaffe geflossen. — In Sydney erscheint ein neues Blatt: «Ille Anstralian Hebrew,“ herausgegeben von Jacob Goldstein daselbst. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Mar Bauchwitz in Berlin.

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