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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-10 · Heft 2 (10.1.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Geburten Lei den Juden, 85, 91, 80, 84, 66. Der Antheil dieser Geburten erreichte im Jahre 1893 nur 3,8 Prozent gegen 13V2 Prozent bei den Nichtjuden. Kp. Aus der Provinz Posen, im Januar. In dem etwa vier Meilen von der russischen Grenze entfernten Orte Zambrocze warfen kürzlich mehrere Bauern den ihnen mißliebigen Krugwirth, einen Juden, während sie nächtlicherweile mit demselben von einer Geschäftsreise heimkehrten, von dem gemeinschaftlichen Gefährt, wobei er überfahren wurde. Die Näder waren dem Unglücklichen über Brust und Kopf gegangen und hatten ihn schwer verletzt. Darauf schlugen sie ihn todt und warfen die Leiche in den nahen Fluß Nach einigen Tagen wurde dieselbe aufgefischt, und allgemein wurden die Bauern als die Mörder bezeichnet. Dieselben sitzen bereits hinter Schloß und Riegel, da sie ein umfassendes Geständniß abgelegt haben. — Die'Rentier Moritz Ziegel'schen Eheleute in Wongrowitz feierten jüngst die goldene Hochzeit, aus welchem Anlasse ihnen die Ehejubiläumsmedaille verliehen wurde. — Der Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden und der israelitische Vorschußverein in Posen hat, wie in früheren Jahren, so auch diesmal zum Winter seine Pflegebefohlenen, 14 Handwcrkslehrlinge, von denen 13 in Posen untergebracht sind, während der 14. die Bildhauerei in Birnbaum erlernt, mit vollständiger Kleidung ausgestattet. Der Verein, im Jahre 1855 unter dem Namen „Israelitischer Vorschußverein" gegründet, hat im Jahre 1890 sein Arbeitsgebiet auf die Fürsorge solcher jungen israelitischen jungen Leute ausgedehnt, welche sich einem bürgerlichen Handwerk widmen wollen. Die Fürsorge besteht darin, daß solche jungen Leute unterstützt und bei tüchtigen Handwerksmeistern uutergebracht werden. Der Pofener Verein ist übrigens der älteste Verein in der Provinz Posen, welcher sich derartige Bestrebungen zur Aufgabe gemacht hat. Bis jetzt sind 38 Lehrlinge unterstützt worden, davon haben 24 ausgelernt. Vereinspfleger sind die Herren Kaufmann Manasse Werner, Bankier Ignatz Goldschmied und Schriftführer I. S. Cohn in Posen. — Bei einer vor Kurzem an einem Sonnabend in Schrimm stattgehabten Schöffenverhandlung weigerte sich ein Zeuge mosaischer Konfession, den Eid mit unbedecktem Haupte zu leisten, mit der Begründung, daß dies am Sabbath nicht statthaft sei. Rabbiner Dr. Bamberger daselbst, gut-/ achtlich hierüber vernommen, erklärte, daß ein diesbezüglicher Unterschied zwischen Sabbath und einem anderen Tage nicht bestehe, daß aber die Heiligkeit des Eides dem Israeliten gebiete, hierbei ebenso wie beim Gebete das Haupt zu bedecken, und bejahte die wiederholte Frage des Richters, „ob dies eine religiöse Vorschrift sei". Aus die Bemerkung des Richters, „dann nrüsse wohl jedem Juden gestattet werden, beim Eid das Haupt zu bedecken", entgegnete Dr. Bamberger, daß dies seines Wissens auch allgemein gestattet werde. Der Richter erlaubte daraufhin dem Zeugen, das Haupt zu bedecken, mit dem Hinzufügen, daß er sich für künftige Fälle bei dem Oberlandgerichtspräsidenten in Posen informiren werde. II. Ostrowo, 4. Januar. Die Verwandlung unserer dreiklassigen Privat-Religionsschule in eine Gemeindeschule scheint nun doch der Verwirklichung entgegen zu gehen. Wenn auch schon längst der größte Theil unserer Gemeindemitglieder die qu. Schule zu einem Gemeinde-Institut erhoben zu werden wünschte, so hatte doch stets die finanzielle Seite dieser Frage Anlaß zu Bedenken gegeben und deren Ausführung in weite Ferne gerückt. Die Anregung zur nochmaligen Diskussion und vielleicht zur endlichen Regelung dieser seit Jahren schwebenden Angelegenheit gab die jüngst in den senlich geschmückten Räumen der Elementarschule abgehaltene Chanukah-Feier. Aus dem reichhaltigen Programm derselben heben wir besonders den zur Eröffnung der Feier vorgetrageneu Festhymus, die Prüfung der Konfirmandinnen in der Geschichte des Festes und dessen Ceremonien, sowie die Prüfung der Zöglinge der Religionsschule in den verschiedensten Disziplinen des Religionsunterrichtes hervor. An die Prüfung selbst schloß sich der eigentliche Festakt, der in Deklamationen und Gesängen und in einer von heiliger Begeisterung getragenen Ansprache des Dirigenten, Herrn Rabbiner Dr. Pleßner, bestand, wodurch derselbe sich zu einer wahrhaft erhebenden Feier gestaltete, an der nicht nur die Eltern der Zöglinge, sondern fast sämmtliche Mitglieder der Gemeinde-Verwaltung und deren Vertretung theilnahmen. Arn Schluß sprach der Korporations-Vorsteher Herr Fabrikbesitzer Fränkel seine vollste Anerkennung dem Lehrerkollegium und der Repräsentanten-Vorsteher Herr Spiro seinen Dank den Leitern der Anstalt für den Fleiß und die Treue, mit der Dirigent und Lehrer gearbeitet, und brachte ein Hoch auf Herrn Dr. Pleßner in beredten Worten aus. Diese religiöse Feier wird den Mitgliedern unserer Gemeinde noch lange in Erinnerung bleiben. B. Lissa, 6. Januar. Am 4. d. Mts. starb in Kosten plötzlich Herr Kantor und Lehrer Albert Tintner, ein Sohn des bekannten Kullusbeamten Tintner in Bunzlau. Von der großen Beliebtheit, der er sich in seiner Gemeinde und der ganzen Stadt, trotz seiner erst dreivierteljährigen Wirksamkeit am Orte, erfreute, legte das sehr zahlreiche Trauergefolge Zeugniß ab. Dem Leichenwagen voran schritt der Gesangverein mit trauerumflorter Fahne, welcher am Grabe ein Lied sang und auch wie der Lehrerverein einen Kranz am Grabe niederlegle. Dem Gesangvereine folgten Schüler der evangelischen Stadtschule, an welcher der Verstorbene vertretungsweise unterrichtete. Ein strebsamer Lehrer und Kantor ist in dem Verstorbenen dahingegangen; mögen die trauernden Hinterbliebenen Trost finden in den Worten des Predigers Dr. Wreschner, welchen die Gemeinde zur Trauerrede berufen hatte. ### Erfurt, 31. Dezember. Am 15. d. M. vollendete Herr Jsaac Lamm, der Vorsitzende des Synagogengemeinde-Vorstandes, sein 70. Lebensjahr, was der hiesigen Gemeinde Veranlassung gab, dem Jubilar ihre Achtung und Anerkennung in mannigfacher Weise kund zu geben. Schon am vorhergehenden Tage, am Sabbath-Chanukah, wurde Herr Lamm in der Synagoge vor Beginn des Gottesdienstes durch Gesang feierlich begrüßt und von den Vertretern der Gemeinde zu seinem bekränzten Sitze geleitet. Die heilige Lade, Kanzel und Tisch erhielten neuen Schmuck. Nach Einheben der Thorarollen würdigte Herr Rabbiner Dr. Salzberger mit Anknüpfung an die Schlußworte des Prophetenabschnittes Sech. 4, 6—9 die Verdienste des Jubilars um das Wohl der Gemeinde, der er nahe an vier Jahrzehnte mit selbstloser Hingebung einen großen Theil seiner Zeit und Kraft gewidmet. Gesänge vom Kantor und Chor, trefflich vorgetragen, erhöhten die Feier. Am andern Tage erschienen mehrere Deputationen im Hause des Vorstehers, die beiden Gemeindekollegien, geführt von Herrn Ullmann, überbrachten eine kunstvoll ausgestattete Dankadresse. Ferner überreichten Adressen ver Vorstand der Chewra „Kadischa", eine Abordnung der Konfektionäre, welche in Herrn Lamm den Begründer der Konfektionsbranche, einer der bedeutendsten Industriezweige am hiesigen Platze, ehrten. Herr Rabbiner Dr. Salzberger beglückwünschte den Jubilar im Namen der Gemeindebeamten und in dem der Religionsschule. Die überaus zahlreichen Gratulanten, die aus der Stadt und von auswärts erschienen waren, darunter auch der Landrath von Müffling, und die Herzlichkeit, mit welcher sie ihre Wünsche ausdrückten, zeigten deutlich, welch' großer Achtung und Beliebtheit sich der Jubilar hier nicht nur bei seinen Glaubensgenossen erfreut. Ein Mitglied der Gemeinde, der Schuhfabrikant Herr Alex Cerf, hatte ein Bild des Jubilars in wohlgelungener Kreidezeichnung selbst angefertigt, welches er demselben überreichte, damit es den Sitzungssaal der Gemeinde schmücke. Am Abend vereinigte ein wohlarrangirtes Bankett alle Glieder der Gemeinde im großen Saale des alten Rathskellers. Eine große Anzahl von Depeschen war eingelaufen, darunter auch eine vom Geheimrath Kristeller in Berlin im Namen des Gemeindebundes, dessen Delegirter Herr Lamm ist. Weißenfels, 4. Januar. Vor Kurzem starb hier nach längerem Leiden im 73. Lebensjahre der Rentier Lob Schloß, ein in allen Kreisen hochgeachteter Mitbürger. Derselbe zeichnete sich durch Wohlthätigkeit und einen gottessürchtigen Lebenswandel aus. In Gleicherwiesen im Herzogthum Meiningen, geboren, kam er vor ungefähr 12 Jahren nach hier und machte sich recht verdient um die Gründung einer Religionsgesellschaft, Anstellung eines geprüften Religionslehrers, sowie Erwerbung eines ständigen Betlokals. Ein großer Leichenzug folgte der Bahre, nicht allein jüdische, sondern auch eine stattliche Reihe christlicher Mitbürger. Herr Lehrer Heß schilderte in würdigster Weise die hohen Verdienste des Verblichenen. Sein Andenken sei zum Segen! Chemnitz, im Januar. Der soeben erschienene Geschäfts- Bericht des Vorstandes der israelitischen Gemeinde zu Chemnitz auf das Jahr 1895 berichtet, daß die Zahlder Steuerpflichtigen durch Ab- und Zugang die gleiche geblieben ist und ca. 300 Mitglieder beträgt. Durch den Tod abgerufen, schied am 20. August 1895 Herr A. Dresel

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