Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-10 · Heft 2 (10.1.1896) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228151--52505-3258130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

60. Jahrgang. Ur. 2. @frrnmniu*btftr> «er>m. w.Lmum1886. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 7. Januar. Zur Frage der Rabbinerwahl in der hiesigen Gemeinde hören wir, daß außer Herrn Dr. Rippner, der noch immer in erster Reihe steht, auch die Herren Dr. Selver in Darmstadt, Dr. Littmann in Zürich und Dr. Seligmann in Hamburg zu Gastpredigten seitens des Vorstandes in nächster Zeit eingeladen werden sollen. Die ganze Angelegenheit wird wohl bald und hoffentlich in einer den Wünschen der Gemeinde entsprechenden Weise zur Erledigung gelangen. S£2 Berlin, 6. Januar. In dem soeben erschienenen 4. Bande der von dem „Verein für Sozialpolitik" herausgegebenen „Untersuchungen über die Lage des Handwerks in Deutschland" befindet sich eine umfangreiche Studie über das „Tischlergewerbe in Berlin" von Paul Voigt. Darin heißt es (IV., S. 377): „Was die Konfession anbetrifft, so waren in Prozenten der Gesammtzahl aller Erwerbthätigen: in allen in der Von den Erwerbthätigen in der Ge¬ Holzill 'isTO” der Gejeder koiiwerben Industrie Arbeitgebersanimtzahl Selbständ. fejsion ’ Abhängig Evangelisch . 84,6 87,6 9,4 6,6 84 Katholisch. . 10,3 10,3 6,7 4,3 89 Juden . . 4,6 1,05 3,5 19 46 Dissidenten . 0,25 1,05 8,5 4,6 66,9 Die Juden befinden sich also in weit günstigerer Position als alle übrigen Konfessionen, was ja nicht Wunder nehmen kann, da die Klasse der Wohlhabenden unter ihnen besonders zahlreich vertreten ist. Immerhin ist ihr Antheil an den Abhängigen größer, als mancher vielleicht erwartet hätte. Das jüdische Element in der Holzindustrie ist in der Vermehrung begriffen. 3888 wurden 189 Juden und zwar 75 Arbeitgeber, 48 Selbständige und 66 Abhängige; 1889 wurden 412 Juden und 143 Arbeitgeber, 78 Selbständige und 191 Abhängige gezählt. Die Zahl der Abhängigen ist also am meisten gestiegen. Die Juden haben sich in jeder Kategorie viel schneller als die übrigen Konfessionen vermehrt. Denn es waren Juden in Prozenten jeder Klasse: Arbeitgeber Selbständige Abhängige 1880 .... 2,9 pCt. 1,7 0,3. 1890 ... . 4,0 pCt. 3,0 0,6. L2 Berlin, 6. Januar. Aus den Litteraturvereinen. Der Verband der Litteraturvereine Westfalens und der Rheinprovinz, zu welchem die Vereine Bochum, Dortmund, Elberfeld, Essen, Hörde, Witten und Gelsenkirchen gehören, hielt am 29. v. Mts. in Witten einen Delegirtentag ab. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung „Fernere Zugehörigkeit zu dem Centralverband der Litteraturvereine Deutschlands" wurde dahin erledigt, daß der einstimmige Beschluß gefaßt wurde, auch für das Geschäftsjahr 1896/97 dem Verbände als Mitglied anzugehören. Ueber die Wahl der Redner für den Schluß der Saison einigte man sich dahin, wenn möglich noch die Herren Dr. Karpeles, Karl Emil Franzos, Geheimrath Professor Lazarus-Berlin und Rabbiner Dr. Werner-München einzuladen. Während der Zeit vom 26. Dezember bis 2. Januar hielt Herr Rabbiner Dr. Kisch aus Prag Borträge in den westfälischen Vereinen über die Themata: „Die Messias-Idee im Judenthum", „Der hohe Rabbi Löb", „Prag am Ende 16. Jahrhunderts", „Unsere Pflichten gegen die Jugend". In Brakel sprach Rabbiner Dr. Rosenthal - Preuß.- Stargard über „Handwerk und Ackerbau bei den alten Israeliten". Am Abend vorher hatte Dr. Rosenthal in Werburg gesprochen, wo er das Thema: „Herder und die Bibel" vor sehr zahlreichem Auditorium behandelte. Diese Mittheilungen mögen darthun, daß es selbst in ganz kleinen Gemeinden — Brakel zählt nur 25 Mitglieder — möglich ist, bei einigem guten Willen und mit Hilfe des Centralverbandes in Berlin derartige Vereine zu unterhalten. In Lissa sprach am 29. v. Mts. Dr. Leo Bäck aus Berlin über „Spinozas Leben und Wirken", in Hamburg und Hörde Rabb. Dr. Frank aus Köln. Die Begründung neuer Litteraturvereine ist in Crefeld, Gelsenkirchen, Filehne und Tilsit in Vorbereitung. Berlin, 5. Januar. Dem muerschienenen Jahrgang des statistischen Jahrbuches der Stadt Berlin entnehmen wir eine Reihe interessanter statistischer Daten über die Bewegung innerhalb der jüdischen Bevölkerung Berlins in den letzten 5Jahren. Daß sich diese stark vermehrt hat, unterliegt keinem Zweifel, wohl aber ist nicht mit Sicherheit anzugeben, wie zahlreich dieselbe jetzt ist, nach vorliegendem, schätzungsweise gewonnenem Material dürfte die jüdische Gemeinde Berlins zwischen 85 000 und 90 000 Seelen zählen. Berlin ist der Mittelpunkt der Assimilation, also auch derjenige Platz, wo Mischehen am häufigsten sein müssen. Dies ist thatsächlich der Fall: In dem Jahrfünft 1869—93 stellten sich die Ehen auf: Maim Smu 1889 1890 1891 1892 1899 Juden Jüdin 534 544 523 578 573 2752 evang. Christin 72 83 72 65 83 375 kath. Christin 6 14 6 10 9 55 „ dissid. Christin 2 — 1 11 2 16 evang. Christ Jüdin 49 57 47 54 56 263 kath. Christ 11 12 13 8 8 52 dissid. Christ. 2 — 5 4 . 4 15 Mischehen überhaupt 142 166 144 152 162 766 Es sind also bei 2762 Ehen von Juden allein 766 Mischehen, d. h. 22 Prozent geschlossen worden. Die Geburten stellten sich in; der Berichtsperiode wie folgt: Lebendgeboren. Vater Mutter- 1689 1890 1891 1892 1893 jüdisch jüdisch 1490 1528 1540 1587 1576 7721 evangelisch 114 119 107 105 88 533 „ katholisch 5 8 44 7 11 75 „ dissidentisch 4 5 2 2 5 18 evangelisch jüdisch 74 73 82 84 70 392 katholisch 11 11 15 10 17 64 dissidentisch 13 5 3 4 14 39 unehelich 79 90 74 79 62 364 Todtgeboren. Vater- Mutter- 1889 1S91 1.892 jüdisch jüdisch 36 41 42 40 28 187 „ evangelisch 2 5 4 5 0 21 „ katholisch — 1 — — — 1 dissidentisch — — — — 11 11 evangelisch jüdisch 1 1 1 2 2 7 katholisch — — — — — — dissidentisch — 1 — — 4 5 unehelich 6 1 6 5 4 21 Wir sehen also im Ganzen 7721 ehelich geborene Kinder ans rein jüdischen Ehen, wozu noch 187 Todtgeborene kommen, in Summa 7902 Kinder gegenüber 1121 lebend- und 45 todtgeborenen, in Summa 1166 Kinder aus Mischehen. Freilich hätten nach der Eheziffer 22 Prozent der Gesammtsumme auf die Geburten aus Mischehen entfallen müssen, also 2328 Kinder aus diesen Ehen hervorgehen müssen; es sind aber nur 1166, also kaum die Hälfte zwölf Prozent des normalen Bruchtheiles. Wir sehen wiederum eine bedenkliche Seite der Mischehen, bei der wir nicht unerwähnt lassen wollen, daß, während die Todtgeburten der rein jüdischen. Ehen nur 2l/8 Prozent der Gesammtzahl vorstellen, bei den Mischehen die Todtgeburten 4 Prozent, fast das Doppelte ausmachen. Sehr erfreulich ist der stete Rückgang der unehelichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.