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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-10 · Heft 2 (10.1.1896) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 2 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
Seite 21 (sequence 9)
Language
German
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heut kam ich., jedoch nicht dazu, dasselbe zu beantworten, weil ich Niemanden bei mir hatte, der mir die Antwort hätte schreiben können. So vergingen denn die Festtage, bis der Schreiber dieser Zeilen, Herr . . . aus Jerusalem zurückkehrte, und so bat ich ihn denn, mir dieses Schreiben sür Sie anzufertigen. — Was nun das „Pessach s'chel Menascheh" anbetrisft, so giebt es ein Fest dieses Namens bei uns nicht, weder nach der Thora noch nach der Erklärung unserer Weisenl); sondern wir ziehen einfach vor dem Pessachfeste auf den Berg Garisim, bleiben dort in Zelten während des ganzen Festes2) und bringen das Pessachopfer dar, ganz so, wie in der Thora Moschehs geschrieben steht. Wir essen auch während der sieben Tage ungesäuertes Brod (Mazzoth), die wir alltäglich frisch backen 3) Bei uns bekommt man gar kein Chomez zu Gesichte; und wenn wir in der Stadt blieben, könnten wir nicht halten „es soll nicht gesehen werden/)" wohl aber können wir es hier oben auf dem Berge halten, wie auch „und du sollst dich umwenden am Morgen und in deine Zelte gehen"?) — Was die Größe unserer Gemeinde anbetrifft, so giebt es 201 männliche Samaritaner, Jung und Alt, und 290 Personen weiblichen Geschlechts. Die Knaben lernen zunächst die heilige Schrift und nachher die arabische Sprache. Wir sind Alle arme, bedürftige Leute. Wir haben kein Lehrhaus, sondern jeder Vater lehrt sein Kind anfangs selber; wir hatten zwar früher ein Lehrhaus, aber infolge der Wirrsale der Zeiten und der Macht unserer Feinde ist uns die Möglichkeit genommen worden, ein Lehrhaus (Schule) in unserer Gemeinde zu errichten. Wir waren dieserhalb bereits mit wohlthätigen Leuten außerhalb des (heiligen) Landes in Verbindung getreten; aber wir waren nicht im Stande, die von ihnen uns gestellten Bedingungen anzunehmen oder auszuführen. — Und wäs das anbetrifft, daß ihr meinet und saget, wir wären die Kuthäer, so ist das keine Lüge. . . . Doch wir, wir glauben an den Ewigen, den Gott Israels, und haben keinen anderen Gottesdienst als denjenigen, der dem Ewigen geweiht ist. — Was Ihre Bitte nach Büchern betrifft, so wollen Sie mir erst . . . hundert Franken (!) einsenden, und ich werde Ihnen das Erbetene senden, mit Ausnahme des Machsors, das zwölf Bände umfaßt. Auch will ich Ihnen alles mittheilen, wonach Sie mich fragen werden. Ich, der ich diesen Brief schreiben lasse, zeichne in Hochachtung und Werthschätzung Jacob (Ahron), Oberpriester. Soweit der Brief des Oberpricsters! Der Schreiber hat unterzeichnet )j"2 DpJ?\ der Oberpriester hat aber noch über der Zeile pHK hiuzugefügt, was wohl den Namen seines Vaters bezeichnet. Dies ersehe ich ans den in saniaritanischen und arabischen Buchst Darnach wird die Mittheilung Loti's, daß sie der König Menascheh bekehrt, hinfällig. Zudem war ja Menascheh König von Juda, nicht im Reiche Israel, zu dem Samarien gehörte, und ein götzendienerischer König. Sollte sich also Loti nicht verhört haben und TOJtt mit verwechselt haben, so dürfte seine Mittheilung wohl darauf zurückzuführen sein, daß der vorerwähnte Schwiegersohn des samaritanischen Großen Samballat, Menascheh, ihr erster Oberpriester war und ihren Kultus einrichtete. -) Bergl Deut. 16/5. 6; vielleicht darf man auch auf Ex. 12, 22 Hinweisen. 3) Wahrscheinlich, damit es von einem Tage zum andern durch irgendwelche Umstände sauer werde. ch Deut. 16, 4, und Exod. 13, 7. Die Samaritaner scheinen also auf die Worte -p2.3 ^22 allein Gewicht zu legen und das -p unbeachtet zu lassen. Die Tradition aber folgert aus daß nur „in deinem Besitz" Gesäuertes sich nicht befinden darf, während man fremdes Chomez unbeanstandet „sehen" darf. Vergl. dazu Exod. 12, 15 u. a. St. Die Samaritaner aber wollen während des Pessachfestes überhaupt kein Chomez sehen. Sie sind also wirkliche Vuchstabenkrämer, ähnlich wie die Karäer. 'st Deut. 16, 7; d. h. erst am Morgen nach dem Fest darfst du wieder in deine Wohnung zurückkehren. stabeil von der Halld des Oberpriesters hiiiziigefügten Unterschriften, ivelche.in hebräischer Schrift lauten: p™ p "bn fron Allster der auch in arabischer Schrift gegebenen Unterschrift schliestt den Brief der Stempel des Oberpriesters (arabisch). Gleichzeitig mit diesem Briefe empfing ich einen zweiten, von dem Schreiber des int Aufträge des samaritanischen Oberpriesters geschriebenen Briefes herrühreild, welcher (nach der meist üblichen Einleitung) folgendermaßen lautet: Sichem, Mittwoch, den 12. Marcheschwan 5656. ... Ich schätze mich glücklich, Ihren w. Brief an den Oberpriester der Kuthäer (d. h. sein resp. ihr Name uröge ansgelöscht werden), der mich ersuchte. Ihnen zu antworten, was ich auch gethan habe. Mit dieser Post schickt er den Brief ab. Ich hielt es sür meine Pflicht, Ihren Wunsch zu erfüllen und begab mich sogleich zuni Sohne des Oberpriesters und kaufte von ihm zu einem niedrigen Preise (3 Franken) ein Buch, und dieser versprach mir auch, mir alles zu verkaufen, was ich nur kaufen wollte, selbst einen Theil von ihrem alten Pentateuch, sowie andere Bücher. Das Buch, das ich kaufte, enthält die Selichoth für die „zehn Bußtage" und die Gebete sür den ersten Sabbath nach dem Versöhnungstage.Ich schicke Ihnen dieses Buch mit der türkischen Post rekommandirt und darin das samaritanische Alphabet, damit Sie lesen und verstehen können, was in dem Buche geschrieben steht. . . . Auf alle Ihre Fraget! über jene fluchwürdigen Bösewichter und ihr Treiben will ich Ihnen, sobald ich Ihre Empfangsbestätigung erhalten, ohne Verzug ausführlich antworten, da ich dieselben schon seit dreißig Jahren kenne und schon inanchen Disput mit ihnen gehabt habe. Es ist auch allgemein bekannt, daß dies jene Samaritaner sind, welche der assyrische König unter Israel angesiedelt hat, wie es im 2. Buch der Könige, Kapitel 17, heißt . . . Und was die Taube anbetriffl, von der unsere Weisen erzählen (daß sie dieselbe auf dem Berge. Garisim verehrten), so erzählte mir einer ihrer Priester -- sie haben nämlich deren drei — davon; es ist eine lange Geschichte, die ich Ihnen gelegentlich späterhin einmal schreiben werde. Das Gebot der Leviratehe beobachten sie nicht, wohl aber halten sie die Reinlichkeitsvorschriften für die Frauen (Niddah) recht genau inne, und es ist ja bekannt (aus dem Talruud), daß sie diejenigen Gebote, die sie angenommen, noch strenger beobachten als wir. — Was lim Pentateuch) im Abschnitt SOn ''D vom Berge Ebal gesagt ist, steht bei ihnen über den Berg Garisiml); sodann fehlen bei ihnen die Verse Num. 25, 4; Deut. 32, 35 heißt es uvb (statt H)?), ebenso Exod. 15, 3 Hörten (statt Höfte)- Späterhin will ich Ihnen Näheres mittheilen. Sie verfolgen uns mit gewaltigem Hasse, mehr als die Jsmaeliten, (Muhammedaner), sind auch schlechter als jene und verfluchen beständig Esra, der den Bann über sie ausgesprochen. Und sein Fluch -ist nachhaltig geblieben, denn sie zählen kaum vierzig Familien. Alte Muhammedaner erzählten mir. daß sie sie vor 50 bis 60 Jahren hätten ausrotten wollen. . . . Ich bin ein Aschkenasi und stamme aus Sklow in Rußland. Meine Eltern kamen vor etwa 70 Jahren nach Syrien und ließen sich in Damaskus nieder; mein Großvater war ein wohlhabender Mann aus angesehener Familie, namens Juda, Sohn des sel. R. Sabbatai Natkin, meine Mutter ist eine geborene Rattner; ich bin Uhrmacher von Profession. Wir waren zwar reich, sind aber hu Laufe der Zeit verarmt und kamen im Jahre 1862 nach Jerusalem; ich aber zog, als ich erwachsen war, nach Sichem (Nablus), weil die Ernährung in Jerusalem schwer war und mein Handwerk; dort genügend vertreten war. Ein Laden ist unter 200 Francs Jahresmiethe nicht zu haben, und eine Wohnung kostet 100 Francs. Nur mein einziger Sohn Juda Löb ist mit seiner Familie in Jerusalem geblieben; ich bin hier also allein. Ich möchte aber gern in Jerusalem leben, weil unsere *) So auch bei S. Kohn a. a. O. p. 10. In dein mir gesandten Gebetbuche, wo u. A. auch die Pentateuch stücke aus Deuteronomium stehen, findet sich, ivie ich sah, trotz vieler anderen Varianten die betr. Stelle korrekt, wie in unserem Pentateuch. 2) Auch in der mir zugegangenen Handschrift findet sich diese Variante.

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