Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-03 · Heft 1 (3.1.1896) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 1 (3.1.1896)
Date
1896-01-03
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228150--52488-3258112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

60. Jahrgang. Ur. 1. L-rlin. 3. Januar l8S6. Weit«ge zur „Akkgerneinen Zeitung des IuöenLHurns". Korresponderyerr und Nachrichten. Deutschland. ^2 Berlin, 30. Dezember. Der Deutsch-israelitische Lehrer bund ist in den vertraulichen Konferenzen der vorigen Woche glücklich zu Stande gekommen, und wir freuen uns herzlich dieses Resultats. Zum Vorsitzenden wurde Rektor Dr. Adler, zum stellvertretenden Vorsitzendem Lehrer Blumenfeld-Adelebsen erwählt. Da die Sitzungen, wie gesagt, vertrauliche waren, so find wir ausschließlich auf das offizielle Protokoll angewiesen, das wir heute im Hauptblatte mittheilen. Wir kommen, selbstverständlich auf die für den jüdischen Lehrerstand hochwichtige Angelegenheit in nächster Nummer ausführlich zurück. Berlin, 31. Dezember. Das Komitee zur Abwehr des Antisemitismus hat in letzter Zeit wieder eine rege Thätigkeit entfaltet, um derenwillen es sicher die werkthätige Theilnahme und energische Förderung seitens aller deutschen Juden vollauf verdient. Zunächst hat dasselbe eine sehr wichtige und für den Kampf gegen den Antisemitismus dringend nothwendige Schrift erscheinen lassen, die den Titel führt: Die Juden in Deutschland. I. Die Kriminalität der Juden in Deutschland. Berlin 1896. (Siegfried Cronbach.) Dieser Schrift, welche aus amtlichen Daten schöpft, ist zu entnehmen, daß die Zahl der Verurtheilungen von Juden in Deutschland hinter jener Zahl zurückbleibt, welche sich nach der Gesammtziffer der Verurtheilungen und nach dem Verhältniß der Zahl der Juden zu derjenigen der Gesammtbevölkerung zu ergeben hätte. Die Gesammtzahl der Verurtheilungen von Juden in diesen zehn Jahren betrug 11670, während nach ihrem Verhältniß zur Gesammtbevölkerung und aller Verurtheilungen 13 8OO Verurtheilungen auf sie entfallen ^würden. Wir werden schon in nächster Zeit von eminent fachmännischer Seite eine ausführliche Beleuchtung der Resultate dieser Kriminalstatistik bringen. — Außerdem sendet uns das Komitee eine umfangreiche Liste der Todten und Verwundeten aus dem Kriege 1870/71, die wir dieser Nummer beilegen. Dieselbe ist ein dankenswerther Beitrag zur Geschichte des Krieges und auch des Antheils, den die deutschen Juden an jenem großen Werke genommen haben. 22 Berlin, 30. Dezember. Wie alljährlich, so veranstaltet auch diesmal das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen finden im Saale des Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde, Potsdamer Straße 9, an den Montagen der nächsten Wochen, Abends 7 y2 Uhr statt. Das Programm ist das folgende: 1. Am 13. Januar. Herr Prof. Dr. Philippson: „lieber den Ursprung des Krieges 1870". 2. Am 20. Januar. Herr Karl Emil Franzos: „Mein Franz". Novelle in Versen. 3. Am 3. Februar. Herr Geheimer Regierungsrath Prof. Dr. Hermann Aron: „Die Entwickelung der Elektrotechnik" (Erläutert durch Experimente). 4. Am 10. Februar. Herr Dr. N. Samte r: „Judenthum und Griechenthum". 5. Am 17. Februar. Herr Prof. Dr. Ludwig Geiger: „Was ist uns Börne?". 6. Am 24. Februar. Herr Prof. Dr. Gustav Oppert: „Jüdische und syrische Kolonien in Indien". Einlaßkarten a 5 Mark für den ganzer Cyklus, a 1 Mark für eine Vorlesung find zu haben bei Herren Gebr. Friedländer, Unter den Linden 28 und beim Eingang in den Saal. Um des wohlthätigen Zweckes wie um der Bedeutung willen, die die Vortragenden und ihre Themata haben, empfehlen wir den Besuch dieser seit Jahrzehnten so beliebten Vorlesungen auf das Wärmste. a/s Berlin, 29. Dezember. Der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" an der Universität Berlin veranstaltet Dienstag den 7. Januar, Abends 8l/2 Uhr, eine Gedächtnißfeier für sein jüngst verstorbenes Ehrenmitglied, den Dozenten Dr. Joel Müller. Die Feier findet im Vereins - Lokal, Linienstraße 96, statt. Herr Dr. Schreiner, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, wird die Gedächtnißrede halten. AlleZ.Verehrer des verstorbenen Gelehrten sind zu dieser Trauerfeier herzlich eingeladen. z. Berlin, 30. Dezember. Zu den innerhalb unserer Gemeinde segensreich wirkenden Wohlthätigkeits - Anstalten gehört nunmehr auch das in der Gormannstraße 3 errichtete „Israelitische Heimath- Haus", das gestern eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben wurde. Schon lange vor Beginn der Einweihungsfeier waren die mit frischem Grün geschmückten Parterreräume des Hauses bis auf den letzten Platz gefüllt, ' sodaß viele von den Ehrengästen nur mit Mühe an die für sie bestimmten Plätze gelangen konnten. Nachdem der Chor der neuen Synagoge das Gebet: „Wie schön sind deine Zelte, Jakob" vorgetragen hatte, rezitirte Herr Kantor Marksohn den Psalm 121, worauf Herr Rabbiner Dr. Ungerleider die Weiherede hielt. Unter Zugrundelegung des Verses (Psalm 89, 3) „Die Welt ist auf Gnade errichtet" feierte der Redner den Wohlthätigkeitssinn in Israel, das in seiner Ursprache für Wohlthun keine andere Bezeichnung kenne als Zedakah — Gerechtigkeit. „Wohlthun sei das Losungswort Israels auf seiner Wanderung durch die Geschichte gewesen; Wohlthun sei das Resultat der Lehren unserer Propheten und Gottesmänner, die in dem Besitz nur dann einen Segen erblickten, wenn Arme und Bedürftige an ihm theilnahmen. Als ein Zeichen der Bethätigung dieser Lehren dürfe auch die Begründung dieses Hauses, das seine Pforten allen Nothleidenden, ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses öffnet, angesehen werden." Mit einem Gebet für Kaiser- und Reich, für die Begründer und Gönner des Hauses schloß Herr Dr. Ungerleider seine gehaltvolle Rede. Hierauf ergriff Herr Herrmann Abraham das Wort, um allen Denen zu danken, die am Gelingen dieses Werkes mitgewirkt haben. Gleichzeitig theilte er mit, daß er, ,um diesem Hause eine feste Grundlage für die Zukunft zu geben, sich entschlossen habe, das bisher von ihm allein geleitete Werk einem zu begründenden Verein „Israelitisches Heimath-Haus" zu übergeben, und stellte hierauf Herrn Stadtrath Nürnberg als Vorsitzenden des zu diesem Zwecke bereits gebildeten Kuratoriums vor. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn Stadtraths Nürnberg, bei welcher Gelegenheit er mittheilte, daß die finanzielle Leitung des Hauses einem Kuratorium übertragen fei, stimmte der Chor als Schlußgesang Psalm 150 an, worauf die zur Feier Erschienenen einen Rundgang durch die Räume des Hauses unternahmen. Leider mangelt es uns für heute an Raum, um eine genaue Beschreibung dieses Hauses, das außer der Volksküche auch ein Altenheim, Mädchenheim, Kindergarten, Synagoge enthält, hier vorzunehmen. Wir empfehlen aber allen Denen, die sich für praktisches Judenthum interessiren, die Räume dieses Hauses persönlich in Augenschein zu nehmen. 8. Berlin, 27. Dezember. Der Israelitische Fortbildungsverein „Montefiore" beging am 14 d. M. sein elftes Stiftungsfest. Der Verein hat sich ausschließlich zur Aufgabe gemacht, jüdisches Wissen unter der Jugend zu verbreiten. Die Feier wurde durch eine Festouvertüre der Herren Musikdirektor Schmer! und Konzertsänger Plewy eröffnet, und ein Prolog hieß die Gäste willkommen. Als Feststück wurde der 5. Akt von Otto Ludwigs „Makkabäern" aufgeführt, worin Frl. Bella Goldberg als vorzügliche Darstellerin der Lea besonders den Dank aller Festtheilnehmer erntete. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Eduard Biberfeld. Den Schluß der wohlgelungenen schönen Feier bildeten musikalische und deklamatorische Vorträge und ein Tanzvergnügen: W. Osterode (Ostpreußen), 27. Dezember. Dex hiesige Verein für jüdische Geschichte und Litteratur, eiyer der ältesten, hielt am 17. v. Mts. seine alljährliche Generalversammlung ab und wählte zu Vorstehern die Herren: Sturmann, Vorsitzender; Rechtsanwalt Auerbach, Stellvertreter; Wittenberg, Schriftführer; prakt. Arzt S. Ritterband, Bibliothekar, und Siegfried Jakobsohn, Rendant. Am 23. v. Mts. wurde der erste Vereinsabend abgehalten, in welchem der Vorsitzende über die Uebergangszeit vom Heldenthum zum Königthüm in Israel in einem einstündigen Vortrage' sehr interessant sprach. Am

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.