Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1896)
- Date
- 1896-01-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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zuletzt das Chanukah- oder das Purimfest. DÜ häuslicheil Fffte zu feiern, bietet unsere Religion häufig genug Veranlassung. Daß aber die Bonne euren Kleinen vom Christkindlein erzählt und sie nach der so herrlich geschilderten freier verlangen läßt nun, das ist nur eure eigene Schuld. Zunächst kümmert euch mehr selbst um die Erziehung eurer Kinder und überlaffet sie nicht den Bonnen; sodann duldet es nicht, daß sich die Bonnen Aehnliches gestatten; wenn diese sehen, daß euch auch die religiöse Erziehung eurer Kinder am Herzen liegt, so werden sie sich nicht erlauben, eure Religion direkt oder indirekt vor euren Kindern herabzusetzen. Ich könnte weitergehen und sagen, es giebt ja jüdische Bonnen genug, denen ihr die Kinder gerade in ihrem zartesten Alter anvertrauen könnet. Aber ich will nicht, daß wir schon beim Engagement von Haus- oder Geschäftspersonal einen Unterschied machen und nach der Konfession fragen. Ebensowenig möchte ich, daß jüdische Märchen- und Bilderbücher verfaßt werden und wir solche unseren Kindern schenken. Im Gegensatz zu Herrn Dr. Z. bin ich der Meinung, daß es auch keine solchen christlichen giebt. Der „Struwelpeter" und das „Sneewittchen" sind interkonfessionell. Abraham, Isaak und Jakob" sind für Märchen- und Bilderbücher kein geeigneter Inhalt. Gerade in diesem Zweige der Litteraüir spielt das Christliche noch gar keine Rolle, und wenn einmal in einem Bilderbuche der Weihnachtsbaum vorkommt, so dient er nur als Bezeichnung einer bestimnüen Jahreszeit, wie für andere Jahreszeiten der blühende Garten, das gelbe Aehrenfeld oder die Weinlese es ist. „Drehen und wenden wir es, wie wir wollen", es bleibt dabei: Das Weihnachtsfest feiern mit der ihm innewohnenden religiösen Bedeutung heißt: sich ganz oder theilweise zur fremden Religion bekennen; das wäre eine Beleidigung des Judenthums. Diese Feier aber mitzumachen nur zum eigenen Ergötzen, ohne ihr irgend eine ethische oder religiöse Bedeutung beizulegen, das wäre eine Persiflage dessen, was unfern christlichen Mitbürgern heilig ist, also eine Beleidigung des Christenthums. Beides ist gleich verwerflich. Unsere andersgläubigen Mitbürger, das glaubet mir, der ich seit fast einem Vierteljahrhundert innerhalb eines christlichen Kollegiums stehe, achten den Juden, der seine Religion hochhält, viel höher als denjenigen, der in sklavischer Nachahmungssucht seine Feste ihrer Religion entlehnt. Gin Barmizwah - Kalender. Von Dr. Max Simon. (^^^^enngleich die gewöhnlichen Geburtstage in unserer Zeit, auch in jüdischen Familien, meist nach dem bürgerlichen Datum * o° gefeiert werden, so pflegt man doch beim dreizehnten Geburtstage der Knaben gern eine Ausnahme zu machen unb die Barmizwah-Feier nach dem jüdischen Kalender zu bestimmen. Dazu ist aber nöthig, daß das jüdische Geburtstagsdatum bekannt ist. Wie selten dies heutzutage zutrifft, weiß Jeder; daher die Verlegenheit in solchem Falle bei Eltern und Lehrern, denen kein Nachschlagebuch zur Vergleichung der beiden Kalender zur Verfügung steht. Da. ich selbst häufig darum angegangen werde, die erwünschte Auskunft zu ertheilen, so schien es nicht unangebracht und dürfte vielen Lesern dieses Blattes vielleicht willkommen sein, wenn hier eine kleine Tabelle veröffentlicht wird, die Jedermann in den Stand setzt, auch wenn er vom Kalenderwesen keinerlei Kenntniß besitzt, die einschlägige Frage, zunächst für das gegenwärtige Jahr, mit Sicherheit zu lösen. Ueber den Gebrauch der Tabelle ist nur wellig zu sagen. Sie enthält die nothwendigen Angaben über den Kalender des Jahres 1896 und die über den 13 Jahre zurückliegenden des Jahres 1883. Ueberall findet sich neben denl Ersten jedes bürgerlichen Monats das entsprechende jüdische Datllm, mld neben dem Ersten jedes jüdischen Monats das entsprechende bürgerliche Datum, und aus diesen Angaben ist jedes andere Datum überaus leicht zu bestimmen. Ein Beispiel mag dies veranschaulichen. Gesetzt, der Knabe wäre am 15. Januar 1883 geboren. Aus dem Kalender für 1883 ersieht man, daß der 1. Januar 22. Tebet „ 9. „ --- 1. Sch'bat folglich ist „ 15. „ --- 7. „ Der Geburtstag nach jüdischer Zeitrechnung ist also der siebente Sch'bat. Auf welches bürgerliche Datum im Jahre 1896 der 7. Sch'bat fällt, ist aus jedem Luach leicht 311 ersehen; da aber auch ein solches nicht überall zur Hand sein dürfte, so benutze mau den hier kurz dargestettten Doppelkalender für 1896. Nach diesem ist der 1. Sch'bat 16. Januar folglich „ 7. „ -- 22. „ Der Barmizwah - Tag ist also am 22. Januar 1896. Fällt das so gefundene Datum auf einen Sabbath, so kann die Barmizwah am selben Tage gefeiert werden, sonst all einem der folgenden Tage, .an dem eine Vorlesung aus der Thora stattfindet (Montag, Donnerstag, Neumonds- oder Festtag). Ist Jemand im Monat Weadar geboren, so feiert er feilte Barmizwah, da es in diesem Jahre keinen solchen Monat giebt, in: Monat Adar. Fiele sein Geburtstag auf den 30. Adar, so ist seine Barmizwah, da in diesem Jahre der Monat Adar nur 29 Tage zählt, am 1. Nissan. Barmizwah-Kalender für 1896. 188» —»«48/4 489« — 5656/7 1. Januar 22. Tebet 1. Januar 15. Tebet 9. „ 1. Sch'bat 16. 1. Sch'bat 1. Februar 24. 1. Februar 17. „ 8. 1. Adar 15. 1. Adar 1. März 22. „ 1. März 16. „ 10. 1. Weadar 15. 1. Nissan 1, April 23. „ 1. April 18. „ 8. 1. Nissan 14. 1. Jjar 1. Mai 24. „ 1. Mai 18. 8. 1. Jjar 13. „ 1. Ssiwän 1. Juni 25. „ 1. Juni 20. „ 6. 1. Sfiwan 12. „ 1. Tammus 1. Juli 26. 1. Juli 20. „ 6. 1. Tammus 11. 1. Ab 1 August 27. „ 1. August 22. „ 4. 1. Ab 10. 1. Elul 1. September 29. „ 1. September 23 3. 1. Elul 8. „ 1. Tischri l. Oktober 29. „ 1. Oktober 24. „ 2. 1. Tischri 8. „ 1. Cheschwan 1. November 1. Cheschwan 1. November 25. „ 30. 1. Kislew 6. „ 1. Xlislew 1. Dezember 2. „ 1. Dezember 26. „ 30. „ 1. Tebet 6. „ 1. Tebet 0 Der sachkundige Leser wolle beachten, daß, bei der Benutzung einer derartigen Tabelle, man weder von der Art des Jahres, noch von der Länge der einzelnen Monate (jüdischer wie christlicher) Kenntniß zu haben braucht.