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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-01-03 · Heft 1 (3.1.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 1 (3.1.1896)
Date
1896-01-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 zum 1., Lehrer Blumenfeld zum 2., Hauptlehrer Herbst-Lissa zum 3. Vorsitzenden, sowie zu Schriftführern die Herren Prediger Liepmannsohn-Minden und Lehrer Becker-Wollstein. Einstimmig nahm sodann die Versammlung den Antrag des Delegirten Steinhard-Magdeburg an, sofort in eine Berathung der grundlegenden Leitsätze 4 und 8 einzutreten, die von der Wahl des Verbandsvorstandes, sowie von dem Recht der Vertretung im Vorstande, wie von dem Modus der VZahl zu den Delegirtentagen handelt. In der sehr anregenden mehrstündigen Debatte über diese Punkte kamen die gesammten Verhältnisse innerhalb des jüdischen Lehrerstandes zur ausgiebigen Erörterung. Einmüthig waren alle Redner der Ansicht, daß mit allen Kräften ein weiteres Eindringen nicht genügend vorgebildeter Personen in den Religionslehrerstand verhindert werden müsse, einmüthig betonte man indeß, daß der Verband auch die Fürsorge für die nicht staatlich geprüften Lehrer in den Kreis seiner Aufgabe ziehen müsse. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde schließlich die Berathung über diese beiden Punkte einer besonderen Kommission mit dem Aufträge übergeben, von dem Resultat der Berathungen am Beginn des zweiten Sitzungstages Bericht zu erstatten. Nach einstündiger Pause wurde sodann in die Berathung der übrigen Leitsätze eingetreten. Auf Vorschlag des Herrn Dr. Brann-Breslau erhielt der Verband die Bezeichnung: „Verband der jüdischen Lehreroereine im deutschen Reiche." Eine Erweiterung der Ziele des Verbands, als wie sie im ersten Leitsätze ausgedrückt sind, wurde nach langer Debatte abgelshnt. Eine längere Erörterung knüpfte sich sodann an den Punkt 3, der von der Höhe des Jahresbeitrags an die Verbandskasse handelt; eine von mehreren Delegirten beantragte Erhöhung fand nicht die Zustimmung der Majorität. Bei Punkt 5, der die Zahl der Borstandssitzungen bestimmt, wurden die Worte „in Berlin" einstimmig gestrichen. Zu lebhafter Debatte gaben sodann die Pflichten und Rechte des Vorstandes, wie sie Punkt 6 festgesetzt hatte, Veranlassung; die nach Punkt 6e anzustrebende Bereinigung der bestehenden Unterstützungskassen wurde mit großer Majorität abgelehnt; bei 6 k entstand ein längerer Meinungsaustausch über das Maß des zu gewährenden Rechtsschutzes. Nachdem Dr. Adler-Berlin diesen Rechtsschutz für eine der wichtigsten Einrichtungen des Bundes erklärt hatte, wurde 6 k einstimmig angenommen; ebenso fand ein Zusatzantrag des Delegirten Dr. Neustadt-Breslau als 6h einstimmige Annahme: Der Verband sucht die lebenslängliche Anstellung der jüdischen Lehrer, ihre Pensionirung und die Versorgung ihrer Hinterbliebenen auf gesetzlichem Wege herbeizuführen. Ohne wesentliche Debatte stimmte die Versammlung dem Rest der Leitsätze mit unerheblichen Aenderungen zu; nur die Revision der Kasse wurde nach Beschluß der Versammlung drei besonderen Revisoren übertragen. Am Beginn des zweiten Sitzungstages erstattete zunächst die Kommission Bericht über die Sätze 4 und 8 und schlug folgende Fassung vor: Satz 4. „Der Verband wird durch einen Vorstand von sieben Lehrern geleitet, welche die Lehrberechtigung vor einer Prüfungs- Kommission eines deutschen Bundesstaates erlangt haben." Die Bestimmung, „von diesen sollen zwei ihren Wohnsitz in Berlin haben", fällt fort; die übrigen Punkte des Satzes, sowie Punkt 8 bleiben bestehen. Als Uebergangsbestimmung sei hinzuzufügen: Die gegenwärtig bestehenden Vereine, welche weniger als 15 staatlich geprüfte Mitglieder zählen und bis zum 1. Oktober 1896 dem Bunde beitretensind berechtigt, zu den Verbandstagen je einen Delegirten zu entsenden. Nach Verlesung dieser Anträge erklärt Dr. Adler-Berlin, unter dem Vorbehalt der Genehmigung des von ihm vertretenen Vereins, den Beitritt des Berliner Vereins zum Bunde. Dieser Erklärung schließen sich an: Dr. Guttmann-Breslau für den Verein der jüdischen Lehrer in Schlesien und Posen, Amram-Borken für den hessischen Volksschullehrerverein, Direktor Dr. Barnaß-Pfungstadt für den Verein der jüdischen Lehrer des Großherzogthums Hessen, Prediger Liepmannsohn-Minden für den rheinisch-wefstäliscken, Levp-Norden für den Bezirk Emden und Oldenburg, Stern-Hildesheim für den hannöverschen, Fröhlich-Weilburg für den nassauischen, Eppstein-Hoppstädten für den südwestdeutschen Verein; Dr. Lazarus-Köln unter demselben und einem weiteren Vorbehalt. Ohne jeden Vorbehalt stimmen Kraft ihres Mandats Steinhardt-Magdeburg für den Verein jüdischer Lehrer in Mitteldeutschland, Herbst-Lissa für den Verein der Ostprovinzen und Bernhard-Tarnowitz für den oberschlesischen Verein. Auf Antrag von Levy-Neuß wird alsdann ein Zusatz zu Punkt 8 gefügt, der die Stimmverhältnisse eines mehreren. Vereinen angehörenden Mitgliedes regelt. Bevor in den Punkt 2 der Tagesordnung, Wahl eines Verbandsvorstands, eingetreten wird, richtet die Versammlung, einer Anregung des Herrn Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau folgend, ein Begrüßungsschreiben an Herrn Professor Dr. Steinthal: „in inniger Verehrung und Dankbarkeit für die erfolgreichen Bemühungen des hochverehrten Herrn um die Interessen des jüdischen Lehrerstandes." Der Vorsitzende verliest sodann eine Resolution, wonach der Verbandstag einen einstweiligen Vorstand von sieben Mitgliedern wählen soll, dem der Vertreter des D. I. G.-B. als achtes beitritt; dieser Vorstand soll die Organisation des Verbands in die Wege leiten und den weiteren Ausbau der Statuten vornehmen. Die Resolution findet einstimmige Annahme. Auf Vorschlag von Becker-Wollstein werden zu Mitgliedern des Vorstands gewählt: Dr. Adler-Berlin, Blumenfeld-Adelebsen, Gutkind-Kassel, Herbst-Lissa, Bernhard - Tarnowitz, Levi - Neuß und Goldschmidt - Köln; auf Anregung des Vorsitzenden konstituirt sich der Vorstand sofort und wählt Dr. Adler zum ersten und Blumenfeld zum zweiten Verbandsvorsitzenden. Der erste Verbandsvorsitzende spricht in herzlichen Worten seinen Dank dem D. I. G.-B., insbesondere seiner Lehrabtheilung, dem Vorstand der Berliner Gemeinde, vor Allem aber dem Vorsitzenden der Versammlung, Herrn Dr. Minden, für die mühevolle und unparteiische Leitung aus und ersucht die Versammelten, sich zu Ehren des Herrn Dr. Minden von den Plätzen zu erheben. Nachdem dies geschehen, spricht Dr. Guttmann-Breslau nochmals dem D. I. G.-B. den Dank der Delegirten für das Zustandekommen des großen und guten Werkes aus. Bernhard-Tarnowitz beantragt sodann, der Berliner jüdischen Gemeinde ein Dankschreiben für die Gastfreundschaft zu übersenden, Herbst - Lissa gedenkt des hochverehrten Vorsitzenden des D. I. G. - B., Levy-Norden der Kommission zur Berathung der Nr. 4 und 8, Geheim- Rath Boas der Lehrabtheilung. Im Namen des D. I. G.-B. giebt Herr Dr. Minden in warmen Worten seiner Freude über den Verlauf und das glückliche Ergebniß der Verhandlung Ausdruck und schließt die Versammlung mit einem Hoch auf den Verband der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reich, in welches die Versammlung jubelnd einstimmte. '&r- Aus der Berliner Gemeinde. Berlin, 30. Dezember, ine interessante Neprüseutante nsitzung war unstreitig die letzte dieses Jahres. Interessant durch die Vorlagen, namentlich durch das Schreiben des Kultusministers, das sicher allgemeines Interesse und aufrichtige Genugthuuug erregen wird, dann durch die Zwischengespräche der Herren Abgeordneten, Pardon: Repräsentanten, die sich natürlich vor Allem um die letzten Wahlen drehen, und nicht zum Wenigsten interessant dadurch, daß fünf der angesehensten und beliebtesten in dieser Sitzling aus dem Kollegium geschieden sind. Wenn sich nur Alles mittheilen ließe, was von diesen Zwischengesprächen und vertraulichen Mittheilungen selbst auf der Galerie zu hören war! Doch gehen wir zur Sitzung über. Dieselbe wird um ir/4 Uhr durch den ersten Vorsitzenden Herrn Hermann Landsberger eröffnet. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung berichtet Herr Leonhard Sachs über eine Zuwendung des Herrn Heinrich Neumann in Wiesbaden in Höhe von 70000 Mark an das Reichenheimsche Waisenhaus. Nach der Bestimmung des Geschenkgebers sollen die. Zinsen bei seinen Lebzeiten an ihn selbst gezahlt werden; nach seinem^ Tode sollen die Zinsen zu /Gunsten entlassener Zöglinge verwendet werden. Die Versammlung erklärt sich mit der Annahme dieser,. Schenkung einverstanden. Auch die verstorbene Wittwe Liffauer hat. der Gemeinde 20000 Mark vermacht zu wohlthätigen Zwecken ohM, nähere Bestimmungen. Die Finanzkoinmjssion, Referent Herr Louis- Sachs, schlägtvor/ diese Summe der Gemeindeverwaltung als befoubere Stiftung zu überweisen mit der Maßnahme, die Zinsen

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