Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-26 · Heft 52 (26.12.1882) · p. Seite 857

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 52 (26.12.1882)
Date
1882-12-26
Page
Seite 857 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227446--40455-3258094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in einer schweren Zeit, wie leicht ist es möglich, daß wir in nächster Zeit uns dieses Rußlands zu erwehren haben. Werden sie die Juden ausschließen, wenn es gilt, ihr Blut in dem heiligen Kampfe zu vergießen, werden sie ihre Steuern, ihre freiwilligen Beiträge verweigern? Wenn Sie im Zweifel wären, was Sie in diesem Falle thun würden, so bin ich überzeugt, daß die Minister der Finanzen und des Kriegs jeden Zweifel lösen würden. M. hatte die Genugthuung, daß die Vorlage am 19. Januar 1855 mit 76 gegen 61 Stimmen verworfen wurde, Arnheim konnte wegen Krankheit den damaligen Sitzungen nicht beiwohnen. Für Juden und Judenthum war der bair. Landtag von 1855 geschichtlich denkwürdig, die Periode begann mit einem Angriffe und endete mit einer Rechtfertigung Israels. Intelligenz und Rechtsgefühl wetteiferten, das Schicksal der Pharaonischen Vorlage abzuwenden. Die Rede vom 13. Januar 1855 war die letzte, die M. in der bair. Kammer hielt, eine der bedeutungs- und erfolgreichsten, er sprach gediegen, schlagfertig und in klarster Weise. Bon Lebenden nennen wir Crämer- Doos, der gegen, Sepp-München und Westermeier-München, die für das Gesetz stimmten. M. hatte stets zur Linken gehalten, v. d. Pfordten erklärte ihm eines Tags rundweg, daß er nie auf eine Advokatur hoffen dürfe. M. entsagte dem Anwaltstande, trat 1855 als Kassirer in das Bankhaus Meher Kohn in Nürnberg ein, nachdem er nachträglich die Erlaubniß erhalten seitens der Polizei, sich daselbst mit Familie niederzulassen. 1860 betheiligte sich M. an einer Zinnfolienfabrik in Forchheim, die er später allein übernahm und schwunghaft und mit Erfolg betrieb. Seitdem wohnte M. in hiesiger Stadt, bekleidete die verschiedensten Ehrenämter und sein Namen stand überall an der Spitze, wo es sich um Recht und freiheitliche Bewegungen handelte. Seit längerer Zeit kränkelnd, erreichte ihn am 2. November 1882 im nicht vollendeten 69. Lebensjahre das allgemeine menschliche Loos. Seine Thätigkeit war bis in letzter Zeit jenen Bestrebungen gewidmet, welche sein ganzes Leben ausgefüllt, dem unbedingten Recht, der gesetzlichen Freiheit, ihrer Begründung und Verteidigung in Wort und Thal, in Theorie und Praxis. Für das unveräußerliche Menschenrecht stand er stets mit allen Kräften ein und die jüdische Glaubensgenossenschaft war es, deren Rechtsstellung und Rechtsbewußtsein der Verewigte mit Hingebung und Erfolg vertrat. Sein Bild wird in dankbarer Erinnerung fortleben in den Herzen seiner Glaubensgenossen und aller Frei- und Rechtgesinnten, sie alle werden ihn zu den Männern rechnen, die Bahn gebrochen haben. Die Beerdigung fand am 5. November 1882 auf dem jüdischen Friedhofe hier statt, alle Klassen der Gesellschaft waren vertreten, der imposante Leichenzug zeugte von der Anerkennung, die man dem Wirken des Verewigten zollte. 5 Reden wurden am Grabe gehalten, Ehre seinem Andenken, Friede seiner Asche! ' Sigmund Heumann. Eine Antwort an Herrn <§. Graf in Essen. Sie haben, geehrter Herr, die Freundlichkeit gehabt, eine ausführliche biographische Skizze über Carl Heymann uns zuzusenden, diesen ausgezeichneten Claviervirtuosen, der, 1854 in Amsterdam als Sohn eines dortigen Chasan geboren, frühzeitig ein eminentes Talent verrieth und jetzt bereits die höchsten Künstlertriumphe in den bedeutendsten Städten Euro- Pas, besonders auch in Leipzig, errungen hat. Daß wir dieser interessanten Skizze den Abdruck nicht gewähren, bedarf einer gewissen Rechtfertigung. Nun, wir haben stets den Grundsatz festgehalten, von Künstlern jüdischer Abstammung nur dann ausführlicher Notiz zu nehmen, wenn sie in irgend einer Weise ihr Interesse an ihrer angeerbten Religion bethätigt haben, thun sie.dies nicht, haben oder nehmen sie keine Veranlassung, eine solche Theilnahme zu bewähren, so überlassen wir ihre Würdigung der allgemeinen öffentlichen Kunstwelt, welcher sie angehören. Wer die Jahrgänge dieser Zeitung durchmustert, wird finden, daß uns aus diesem Gesichtspunkte leider die Männer der musikalischen Kunst nur äußerst geringen Stoff geboten haben. Sie Pstegen den Zusammenhang mit ihren Glaubensgenossen nicht, warum sollen wir ihnen diesen aufdrängen? Wir freuten uns jüngst, daß der aufstrebende gemüthreiche Gernsheim sein ergreifendes Elohenu geschaffen hat. Aber wenn die Künstler dem Beispiele Meyerbeers folgen, der, ersucht, zu der Einweihung einer großen Synagoge eine Motette, einen Hymnus oder nur ein geistliches Lied zu componiren, dies abgelehnt, jedoch bald darauf zur Eröffnung eines Nonnenklosters einem gleichartigen Gesuche willfahrt hat — warum sollen wir für dieselben in Feuer gerathen? — Jndeß Sie glaubten, für die Aufnahme Ihrer gutgeschriebenen Skizze damit Plaidiren zu können, daß Sie auf die von uns in Nr. 48 gegebenen Notiz über ein Jugenderlebniß von Franz Lißt Hinweisen und auf unsere Frage, wieso dennoch Lißt im vergangenen Jahre dazu gekommen, sich in feindseligster Weise über die Juden anszulassen, und hierzu die Gelegenheit geradezu vom Zaune brach, nämlich in der II. Auflage seines Buches über. „Die Musik der Zigeuner in . Ungarn" während er in der ersten Auslage der Juden gar nicht Erwähnung that? Sie geben zu verstehen, daß das Motiv der persönliche Neid auf den Ruhm jüdischer Künstler sei. Und dies ist es, was wir durchaus nicht zugeben mögen. Ein Mann von so eminentem Künstlerruhme und der zugleich als Componist von nicht geringer Bedeutung, ist gewiß solcher Leidenschaft gegen eine, bis jetzt doch immer nur noch Tageserscheinung, und fei sie von Hellem Glanze, nicht zugänglich. Er weiß sich zu sehr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.