Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1882)
- Date
- 1882-12-26
- Page
- Seite 858 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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auf der Höhe, um Andere, erst Herankttmmende anzufechten, und dies erst mittelbar durch den Geifer, den er auf. die ganze Rasse verspritzt. Wir stehen eben hier vor einem psychologischen Problem, vor demselben Problem warum Richard Wagner, der Vater des deutschen Antisemitismus geworden, und diesen seinen Sprößling noch heute sorgsam in seinen „Bayreuther Blättern" nährt und Pflegt? Bei Franz Lißt wird es uns leichter, die Frage zu beantworten. Wenn Lißt so viele Wandelungen im Leben durchgemacht, daß er z. B. aus einem höchst freilebigen Manne ein streng kirchlicher Abbe geworden, warum soll er nicht auch seinem Vorbild und Schwiegersohn in seinem Judenhasse Heeresfolge leisten, die Jugenderinnerung an seinen jüdischen Wohlthäter mit vielen anderen Erinnerungen aus früherer Lebenszeit von sich streifen und sich aus einem Judenfreunde zu einem Judenfeinde wandeln? Bei .Richard Wagner hatte es einen tieferen Grund. Derselbe wollte eine neue Musikart, eine .neue Musiktheorie, seine hiernach geformten Compositionen und vor Allem sich selbst zur Herrschaft in der musikalischen Welt erheben. Zu diesem Zwecke mußte er die bisherige Musik und die früheren Musikheroen von ihren Piedestalen herabstürzen. Da es nun" sehr mißlich war, sich unmittelbar auf einen Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Weber zu stürzen, so sah er sich in seiner Gegenwart um und da standen ihm Meyerbeer, Mendelssohn und noch Andere wie Ferdinand Hiller im Wege, die zufällig von jüdischem Stamme waren. Der erstere beherrschte die Oper, der zweite die Coneerte, Oratorien und Liedertafeln, der dritte war als Dirigent berühmt, als Componist und deutscher Stylist anerkannt. Diese mußten in den Staub getreten werden, und zu diesem Zwecke schien es ihm am passendsten, die ganze Judenheit anzugreifen, ihr, und nicht blos auf dem musikalischen, sondern auch auf dem poetischen und philosophischen, überhaupt auf 'allen wissenschaftlichen und künstlerischen Gebieten jede Anlage, jede Originalität, überhaupt jede Begabung, selbst die, gut zu sprechen und zu schreiben, abzuleugnen und so viele Schmähungen und Verleumdungen auf sie zu häufen, daß es überhaupt wie eine Schande erscheinen müsse, irgend einem jüdischen Künstler, Gelehrten oder sonst dergleichen auch nur den geringsten Zoll Terrain einzuräumen. Hiermit waren auch jene Meister Plötzlich von ihren Stühlen herabgestoßen. Nun, ganz ohne Wirkung blieb es nicht. Die Oper kann noch heute der Meyerbeer'schen Stücke nicht entrathen. Aber man lese nur in irgend einem deutschen Blatte die Theaterkritik nach einer Aufführung einer Meyerbeer'schen Oper: diese wird immer nur als eine Concession an der verirrten Geschmack des Publikums dargestellt. Verblüfft von der Maßlosigkeit Wagner's, zog sich das deutsche Publikum auch von Felix Mendelssohn, seinem bisherigen Liebling, eine längere Zeit scheu zurück, und erst nach und nach kam.,die alte Zuneigung verschämt wieder.zum Vorschein. Mit der alten Liebe begegnet man ihm noch heute nicht. Freilich mußten beide Herren, Lißt und Wagner doch bisweilen merken, daß sie.selbst der Juden nicht ganz entbehren können. Lißt mußte jüngst als seine besten Schülerinnen und Schüler einige Jüdinnen und Juden vorführen, und Wagner konnte für seinen Parsifal keinen ihm geeigneteren. Dirigenten finden als einen Juden, den Sohn eines wohlbekannten Rabbiners. Nun, mit ihrem Antisemitismus haben die beiden Meister ihr Ziel doch nur verfehlt, und da „die Weltgeschichte das Weltgericht" ist,' so werden die nachfolgenden Geschlechter entscheiden, welchen Werth die Compositionen Lißt's und Wagner's haben und behalten und ob ein Mendelssohn und Meyerbeer den Platz behaupten werden, den ihnen ihre Zeitgenossen mit stürmischem Beifall eingeräumt. Bis jetzt scheinen uns jene beiden Ersteren trotz allem Lärmen,.aller fanatischen Reklame, aller Effekthascherei durch Aufbietung aller möglichen Dekorationskünste doch nur einen succ&Ss d’estime erlangt zu haben, den mehr die Neugierde des Publikums und das Verlangem nach Neuem und Absonderlichem bewirkt hat, als der unsterbliche Gehalt ihrer Schöpfungen. Anzeigen. Tyi opyin werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die näckst- ■*■**0^* folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoneen-Exped. von R. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Tacanz. Die Stelle eines ersten Cantors und RcttgionSlehrerS mit einem Gehalte bis zu 2300 Mk. ist in unserer Gemeinde zu besetzen. Wir suchen einen musikalisch gebildeten, mit guten ' Stimmitteln versehenen ‘ Cantor und wolle man Bewerbungen an Unterzeichnete Stelle richten. Reiseentschädiguugen für Probevorträge werden nicht vergütet. fi8l3l] Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu WormS a. Rhein. Israelitisches Töchter-Pensionat in Detmold. Nachdem die früher hier in Blüthe bestandenen Pensionats für Mädchen jüdischer Confession aus Alters- und Gesundheitsrücksichten der resp. Vorsteherinnen haben aufgegeben werden müssen, hat die Unterzeichnete auf vielfaches Ersuchen sich entschlossen, ein solches Pensionat von neuem zu gründen und zu dem Zwecke eine in unmittelbarer Nähe der Residenz gelegene Villa mit großem Garten, erworben. Die Eröffnung erfolgt am 1. April k. I. Ameldungen, Anfragen rc. sind vorläufig an meinen Bruder,, den Kaufmann Herrn Albert Heineberg in Detmold zu richten, der auch-Prospecte einsenden und jede Auskunft gern ertheilen wird.' — Referenzen: Bankhaus Solomon L Oppenheimer in Detmold, Herr vr. ArenSberg daselbst und Herr Prediger Blumenau in Bielefeld. . [18021] Frau Bertha Bosonthal, geb. Heineberg.