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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-12-26 · Heft 52 (26.12.1882) · p. Seite 853

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 52 (26.12.1882)
Date
1882-12-26
Page
Seite 853 (sequence 9)
Language
German
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M geht mir über jede Rücksicht meiner Person. Vergessen Sie aber nicht, m. H., daß, wie meine Wahl Ihnen vor den Augen des gebildeten, wirklich patriotischen Deutschlands zur Ehre gereichen würde. Sie sich anderenfalls ein Armuthszeugniß ausstellen, welches aller Orten gelesen iRrden wird, daß Sie Ihren Candidaten, gegen den Sie zugestandenermaßen nichts einzuwenden haben, den Sie sogar für geeignet erachten, nur um deswillen haben fallen lassen,, weil er ein —Jude ist." Diese Rede des Herrn Dr. Hulisch wurde mit dem lebhaftesten Beifall* ausgenommen und machte, allgemein einen tiefen Eindruck. Viele Redner sprachen sodann zu Gunsten dessen Wahl, und schließlich erfolgte eine abermalige Abstimmung, welche fast einstimmig für ihn ausfiel. Herr Dr. Hulisch dankte der Versammlung und erklärte nach diesem Beweise einheitlichen Vertrauens seine Candidatur aufrecht zu erhalten. — Bei der officiellen Wahl erhielt Dr. H. nur 10 Stimmen weniger als der Candidat der Stöckerpartei (185 zu 195). Da außerdem Stimmen abgegeben waren und zwar von Solchen, welche zwar einen Juden nicht wählen, aber auch zu öer Partei des antisemitischen Agitators sich nicht bekennen wollten, .so kam es zur Stichwahl, welche 8 Tage später zwischen dem konservativen und liberalen Canbidaten stattfand. Kaum zu beschreiben sind die Wühlereien und Anstrengungen, welche seitens der Gegner für diese Wahl aufgeboten wurden. Die bekannten Herren in den schwarzen Röcken, und in ihren Diensten auch die Schulmeister, hausirten von Haus zu Haus. Fein «abgesaßte gedruckte Briefchen in Privatcouverts wurden den Wählern in's Haus geschickt. An Drohungen und Arbeitsentziehung ließ man es nicht fehlen.. Die Schulen wurden geschlossen, was am Tage der ersten Wahl nicht der Fall war. Alle Gesinnungsgenossen aus der Stadt und der Feldmark wurden herbeigeholt. In geschlossener Kolonne trat die Masse an den Wahltisch, und gar oft hörte man die Worte: „Ich werde doch einem Juden nicht meine Stimme geben!" — Wie vorauszusehen war, unterlag Dr. Hulisch in der Stichwahl. Aber das thut nichts; der moralische Sieg ist ihm und der würdigen Sache geblieben. Denn Alle, die ihn gewählt, haben ihm trotz aller Vorstellungen und Warnungen, im vollen Bewußtsein, daß es sich um einen Juden handelt, die Stimme gegeben. Unsere Antisemiten aber haben sich überzeugen müssen, daß ihnen hier nicht ausschließlich der Boden gehört; daß es in der Bevölkerung noch einen freisinnigen Theil giebt, und daß der Jude nicht muthlos vor den Gegnern zurücktritt. — Schließlich sei noch bemerkt, daß hier mit Dr. Hulisch zum ersten Male ein Glaubensgenosse für die 3, Abtheilung der Stadtverordnetenwahlen aufgestellt war. Stuttgart, 8. Dezbr. (Privatmitth.) Am 8. Novbr. d. I. feierte der isr. Wohlthätigkeitsverein in Heilbronu sein 25 jähriges Jubiläum durch Festgottesdienst m der Synagoge, wo Rabbiner Dr. Engelbert die Festrede hielt, und durch ein Festessen, bei welchem dem Vereinsvorstand Liebmann Strauß ein, silberner Pokal überreicht* wurde. Heute fand die Einweihung der von Wankheim nach Tübingen verlegten Synagoge in festlicher Weise statt. Der Festzug bewegte sich Nachmittags durch die Gartenstraße zur neuen, kleinen und einfach gehaltenen, aber würdig ausgestatteten Synagoge. Die israel. Oberkirchenbehörde war bei der Feier durch Kirchenrath Rabb. Dr.. Wassermann von hier vertreten. Unter den Ehrengästen bemerkte man den evangel. Dekan Frank, mehrere andere evangel. Geistliche, den Oberamtmann Sandberger, den Bürgermeister und Vertreter von Lehranstalten. Die Festrede hielt der Bezirksrabbiner Dr. Silberstein von Mührmgen. » Oesterreich-Ungarn. Pep, 13. Dezbr. (Privatmitth.) Gegen die von Jstoczy eingereichte Petition des Tapolczaer Bezirkes um Beschränkung der Emanzipation gelangen von verschiedenen Seiten Gesuche um Ablehnung derselben an das Abgeordnetenhaus. — Herr Oberkantor Prof. M. Fried mann feiert am nächsten 8. Januar sein fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum in der hiesigen Gemeinde. — Wie wir bereits berichtet haben, verlangten die Universitäts-Sachverständigen, daß die aüsgegrabene Dadaer Leiche nach Pest zu genauerer Untersuchung gebracht werde. Der Staatsanwalt war damit einverstanden, aber der Untersuchungsrichter Vary wollte es nicht gestatten. Aus Nyiregyhaza wird unter Gestrigem gemeldet, daß der Gerichtshof nach eingehender Berathung den Beschluß faßte, dem Verlangen der Universitäts-Sachverständigen, daß die ganze Leiche sammt der in der Kiste enthaltenen Erde zu weiterer Untersuchung nach Budapest gebracht werde, Folge zu leisten. In einigen Tagen wird die Leiche bereits in Budapest sein. Preßburg, 12. Dezbr. Heute verhandelte das Bezirksgericht die Strafsache von 42 Individuen, die anläßlich der Judenkrawalle der Aufforderung der Wache, auseinanderzugehen, nicht folgten. Nur sechs wurden verurtheilt, die übrigen wegen Mangels an Thatbestand freigestzrochen. Rzeszow, 12. Dezember. (Privatmitth.) In Galizien macht jetzt ein Prozeß großes Aufsehen. Die verstümmelte Leiche eines Frauenzimmers wurde aufgefunden und ein bereits mehrfach bestraftes Subjekt schuldigte einen Juden Moses Ritter und dessen Familie an, das Mädchen , das bei ihnen lange gedient und das mit ihnen iy ^freundschaftlichen Beziehungen stand, ermordet zu haben, worauf dieser mit den Seinigen trotz äußerst geringer Verdachtsgründe inhaftirt wurde und jetzt vor dem Schwurgerichte steht. Hervorheben will ich, daß der Gerichtshof dem Anträge des Staatsanwalts,

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