Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1882)
- Date
- 1882-12-26
- Page
- Seite 849 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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pfangen, welche iw Rußland schon kleine Ersparnisse gemacht und gearbeitet haben. Die Kenntniß der in Amerika wahrlich nicht leichten Lebens- und Arbeitsverhältnisse hat sich inzwischen in Rußland mehr und mehr verbreitet und es werden sich meistens nur solche Leute einschiffen, welche in sich die Kraft und die Entschlossenheit verspüren, in jenem freien Lande den Kampf ums Dasein mit Erfolg aufzunehmen, ohne sich hauptsächlich auf die Komites zu verlassen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 13. Dezember. Zum Schluffe des Jahres wollen wir noch einmal einen kurzen Bericht über eine Reihe von Broschüren geben, die uns vorliegen. Die ehrwürdige Miß Anna Maria Goldsmid, die seit mehr als vierzig Jahren ' in England für die Belebung des religiösen und sittlichen Geistes im Judenthum und für die Erziehung des Volkes durch Wort, Schrift und That wirkt, hat eine Vorlesung über . Aegypten, die sie im April 1877 vor einer Versammlung von jüdischen Handwerkern und Arbeitern gehalten, jetzt dem Druck übergeben, wo das Interesse für das alte Pharaonenland in Großbritannien so hoch gestiegen ist: Egypt. A L'ecture delivered to Jewish Workingmen and tlieir Families. April 1877. London, Wertheimer, Lea & Comp. 1882. Die Rednerin giebt ein sehr anschauliches Bild von der Beschaffenheit des Landes wie von den Sitten der alten Aegypter, zeichnet dann in großen Zügen die Geschichte derselben und verweilt bei den Begebenheiten unter Joseph und Moses, indem sie die Uebereinstimmung der alten Monumente mit den Berichten des Pentateuchs nach den neuesten Forschungen hervorhebt, und schließt mit einer beredten Aufforderung, den Glauben in Geist und Herz zu stärken und ihm treu anzuhangen. — Die Buchdruckerei von Samuel Markus in Pest hat von der, auch in dieser Zeitung skizzirten, ebenso wichtigen wie interessanten Eingabe der drei Vertheidiger der in der Tißa-Eßlarer ProzeßsachL Angeschuldigten in hebräischer Quadratschrift als Broschüre herausgegeben. Der Druck ist trefflich und das Titelblatt mit den Portraits der Herren Eötvös, Horomsky und Funtak versehen.' (Pest, Samuel Markus) 1882.) — Wir wollen hier aus einewerthvolle Abhandlung des Dr. D. Honigmann aufmerksam machen: - „Ueber den Charakter des Shylock", welche in einem Separatckbdruck aus dem siebzehnten Bande des Jahrbuches der Shakespeare-Gesellschaft erschienen ist. Der Verfasser sucht in objektiver Weise den Charakter des Shylock zu erklären und die verschiedenen psychologischen Momente nachzuweisen, aus denen der Dichter ihn zusammengesetzt hat, und kommt dabei zu dem Schluffe, daß der große Brite durchaus nicht von inhumanen und judenfeindlichen Motiven ausgegängen. Die beredte Ausführung, überzeugt den Leser im Augenblick. Der aber die Wirkung des Stückes von der Bühne herab auf das große Publikum beobachtet, wird dann gestehen müssen, daß das Charakterbild denn doch anders ausgefallen ist und in seiner Totalität allen Vorurtheilen Nahrung giebt und zu einem Zerrbild des Judenthums geworden ist. — Der Stadtrabbiner Dr. Schwabacher in Odessa hat seine früher in Odessa erschienene Broschüre: „Drei Gespenster. Eine Zeitsrage" im Verlage von Levy & Müller in Stuttgart herausgegeben, wodurch sie zweckmäßig einem größeren Publikum erschlossen wurde. Wir haben dieselbe schon früher besprochen und Auszüge aus ihr gegeben. In der originellen, schwungreichen, gefühlvollen und doch realistischen Schreibweise des Verfassers werden jene drei ganz besonders in Rußland aufgebrachten Verdächtigungsgründe gegen die Juden in ihrer Grundlosigkeit und als pure Verleumdungen nachgewiesen: die Blutbeschuldigung, das Kahal und die Exploitation. In drastischer Weise werden die Urheber und Träger dieser fabelhaften Beschuldigungen, charakterisirt und letztere überhaupt besonders auf abtrünnige Juden zurückgeführt. Die Verbreitung dieser Broschüre, namentlich in Rußland, wäre sehr wünschenswerth, aber aller Orten wird sich der Leser von der spannenden Darstellung des Verfassers^ gefesselt fühlen. — Festrede zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Friedrich Fröbels. Am 20. April d. I. gehalten im Vereine für Familien- und Volkserziehung zu Leipzig von Frau Henriette Goldschmidt. (Leipzig, Teubner, 1882.) Die ebenso geistreiche, wie gemüthvolle Rednerin feiert das Andenken des großen Menschenerziehers, des bahnbrechenden Bolkspädagogen mit pietätvoller Hingebung. Sie führt uns das Bild des herrlichen Mannes in dessen charaktervollen und zielbewußten Zügen vor. Alles in ihm richtete sich auf den einen Zweck, die Bildung zur Humanität, und sein besonderes Verdienst besteht darin, daß er diese Erziehung mit der ersten Lebensstufe des Kindes begonnen wissen wollte. Als das eigentliche Thema der Rede ist das Wort Fröbel's verwendet: „Stört das Kindlein nicht in seinem heiligen Traume, sich mit Allem eins zu fühlen in dem Weltenraume". Wir gestehen offen, daß wir mit diesem Ausspruche nicht ganz übereinstimmen. Das menschliche Kind fühlt sich eins mit Allem, weil es sich „im großen Weltenraume" als Mittelpunkt fühlt, auf den sich Alles bezieht, dem Alles gehört, das es zu eigen haben will, sobald es seine Sinne angenehm berührt. Erhält es dies nicht, so bekämpft es dasselbe mit Weinen und Schreien. Nicht das Ideal ist im Kinde verkörpert, sondern der naive Egoismus. Es ist die Aufgabe der Erziehung, das Ideal, nämlich die Bekämpfung der Selbstsucht und die Hingabe an höhere Zwecke, in die kindliche und weiterhin in die sich entwickelnde Seele zu verpflanzen und ihm die Herrschaft in ihr zu verschaffen. — Nun noch eine Reihe von Predigten. Stadtrabbiner Dr. W. Steckelm ach er in Mannheim hat